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Casa Casi 60: Die 9-Euro-Experience – unterwegs mit dem 9-Euro-Ticket

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Ihr müsst jetzt stark sein, denn das ist heute unsere letzte Folge vor unserer Podcast-Sommerpause. Casi berichtet heute Fabi von seinen Erfahrungen mit dem 9-Uhr-Ticket. Vielleicht ist es um die Deutsche Bahn ja doch nicht so schlecht bestellt, wie wir denken. 

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"Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen", sag man. Wenn ganz viele eine Reise tun, dann berichtet von Bild über Spiegel bis zur Süddeutschen wirklich jeder darüber – zumindest, wenn diese Leute allesamt mit dem 9-Euro-Ticket unterwegs sind. Da es unglaublich praktisch ist, gehöre ich zu den knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland, die s ich dieses Ticket besorgt haben. Und von meinem ersten längeren Trip damit berichte ich in unserer heutigen Folge. 

Deutsche Bahn: Besser als ihr Ruf?

Für mich ging es nach Berlin zu den Rammstein-Konzerten. Hin ging es mit dem FlixTrain, zurück von Berlin nach Dortmund habe ich dann das 9-Euro-Experiment gewagt und bin mit Nachverkehrszügen zurück ins Ruhrgebiet gefahren. Eine Sache, die mir vorher schon unangenehm aufgefallen ist: In der DB-App verschwindet ständig wieder mein 9-Euro-Ticket. Bedeutet für mich, dass ich es immer wieder manuell hinzufügen muss. Auftragsnummer aus der Mail suchen, Nachname ergänzen und dann sehe ich es wieder in der App – zumindest so lange, bis ich in der App eine andere Seite aufrufen möchte, um mir beispielsweise eine Verbindung anzuschauen. 

Damit sind wir bei dem Punkt, den wir auch in der Podcast-Folge besprechen: So, wie wir bei der Pandemie sagten, dass sie uns alles wie unterm Brennglas präsentiert, läuft das jetzt auch mit diesem Ticket. Soll heißen, die Schwierigkeiten, die mitunter auftauchen, sind keine wirklich neuen – man sieht sie jetzt lediglich viel deutlicher. Das gilt für überfüllte Züge, für Personalmangel, für fehlenden Service und vieles mehr, was uns schon beschäftigte, lange bevor über ein 9-Euro-Ticket nachgedacht wurde. 

Alles in allem kann ich der Bahn aber ein sehr gutes Zeugnis ausstellen für meinen Trip nach Dortmund: Das Personal war meistens sehr freundlich und hilfsbereit, die Menschen – größtenteils zumindest –entspannt und kooperativ und das Wichtigste: Ich war tatsächlich pünktlich in Dortmund nach etwas mehr als sieben Stunden.

Mir ist natürlich auch klar, dass so eine anekdotische Betrachtung nichts darüber aussagt, wie erfolgreich das 9-Euro-Ticket tatsächlich läuft. Schließlich gibt es genügend Berichte von hoffnungslos überfüllten Zügen, von Beschimpfungen seitens der Fahrgäste und von Verspätungen. Aber es ist wichtig, dass wir das letzte Wochenende richtig einordnen: Es ist ein langes Feiertagswochenende gewesen und gleichzeitig das erste Wochenende, an dem das günstige Ticket günstig war. 

Dass es dort zu besonders hohem Verkehrsaufkommen kommt, war abzusehen und sagt herzlich wenig darüber aus, wie es in den nächsten drei Monaten laufen wird. Wir müssen also beobachten, wie es sich jetzt weiter entwickelt, um Schlüsse aus der Geschichte zu ziehen. Mehr über menien Trip und die einzelnen Stationen und Beobachtungen gibt es dann im Podcast – ich will hier natürlich nicht zu viel spoilern. 

Aber ja, die Brennglas-Geschichte, so viel steht fest, funktioniert auch bei den Bahn-Beobachtungen. Dadurch, dass sich wieder mehr Menschen mit dem Bahnfahren beschäftigen, bekommen wir Einblicke, die die DB, aber auch die vielen Verkehrsverbünde und die Länder hoffentlich zu nutzen wissen werden.

Wo muss eine höhere Taktung her, wo muss eine stillgelegte Strecke wieder reanimiert werden, wie werden Tarife fairer und durchschaubarer gestaltet usw.  Ich verstehe nicht, wieso ich in manchen Zügen alternativer Betreiber WLAN und eine Steckdose am Platz habe (zum Beispiel bei enno in Niedersachsen), in DB-Zügen hingegen nicht. 2022 sollte das meiner Meinung nach auch in Nahverkehrszügen selbstverständlich sein. 

Wenn es so viel zu kritisieren gibt, wieso werfe ich oben in der Überschrift dann die Frage auf, ob die Bahn besser ist als ihr Ruf? Weil sie bei allen existenten Problemen aber auch nicht so furchtbar ist, wie sie medial derzeit oft geschrieben wird. Werft als Beispiel mal einen Blick auf folgenden Tweet:

Der Tweet verrät uns zwar schrecklich wenig über das vergangene Pfingstwochenende – aber ganz viel über die vielen Pfingstwochenenden davor und über die Tatsache, dass Bahn-Chaos an Pfingsten nun wirklich keinen neuen Trend darstellt. 

Hier wäre es schön, wenn die Medien zu einer sachlicheren, zweckdienlicheren Debatte zurückkehren könnten – und auch wir als Gesellschaft ein bisschen vom Gas gehen. Fabi und ich haben in der Folge abschließend auch ein wenig spekuliert, was denn auf der Schiene passieren muss in den nächsten Jahren. Aber ich bin sicher, dass wir uns mit der Thematik noch einmal ausführlicher beschäftigen und dann auch wieder mit Palle, der uns dann aus Taiwan berichten kann, wie der öffentliche Nah- und Fernverkehr dort geregelt ist. 

Wir sagen jetzt Dankeschön für Euren Support und für Eure Treue und biegen ab Richtung Sommerpause. In knapp zwei Monaten sind wir dann wieder da und hoffen natürlich darauf, dass Ihr uns dann auch weiterhin genauso gerne hört wie bislang. Kommt gut durch den Sommer!

Casa Casi 60: Show Notes

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  • Ann-Kathrin Hipp auf Twitter – Tweet mit Headlines vergangener Pfingstwochenenden
  • enno – Link zur Seite der Marke, die zur Eisenbahngesellschaft Metronom gehört
  • Spiegel – Bericht mit einer Bilanz des letzten Pfingstwochenendes  
  • VRR – Pressemitteilung vom Verkehrsbund Rhein-Ruhr mit seiner Bilanz des Pfingstwochenendes
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7 Kommentare

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  • René H. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    <<< In der DB-App verschwindet ständig wieder mein 9-Euro-Ticket. >>>
    Das kann aber auch am Smartphone liegen. Ich habe dieses Problem nicht.


    • Michael K. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Ich habe mir das Ticket einfach ausgedruckt, damit verschwindet es auch nicht. Und falls es das doch mal macht, drucke ich es einfach erneut aus.


      • Thomas Skiba vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        🤣 der Lacher des Jahres.


      • Michael K. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Schön, wenn Du es lustig findest, der Beitrag war aber nicht als Witz gedacht.
        Ich fahre schon seit Jahren gut mit dem Prinzip, zumindest triviale Alltagsproblem, wie der Bezahlung kleiner Kaufbeträge oder dem Vorzeigen einer Fahrkarte immer auf dem dafür einfachsten möglichen Weg zu lösen, und nicht nur deswegen einen sehr viel aufwändigeren Weg dafür zu wählen, nur weil dieser vermeintlich "moderner" oder "fortschrittlicher" ist, ohne dass er bezüglich des eigentlichen Zieles tatsächlich irgendwelche Vorteile bringt. Was ist denn der Vorteil daran, eine Fahrkarte auf dem Smartphone vorzuzeigen, statt in Papierform?
        Bei der Erstellung spare ich vielleicht eine Sechstel DIN-A4 Seite und etwas Druckertinte, dafür brauch ich diese Ressoucen, die zudem ein Witz angesichts meines übrigen Druckaufkommems sind, nur einmal im Monat. Mein Smartphone muss ich aber bei jeder einzelnen Fahrt in diesem Monat, bei der eine Kontrolle stattfindet, entsperren, und die Bahn-App starten. Ob das wirklich ressoucenschonender ist, ist völlig offen.
        Das Papierticket habe ich in der Brieftasche, wo sich auch der Personalausweis befindet, und nur in Verbindung damit ist das 9 € Ticket gültig. Hab ich das 9 € Ticket auf dem Smartphone, und ich muss den Ausweis zusätzlich vorzeigen, dann muss ich das Smartphone wieder wegstecken und ohnehin die Brieftasche zücken. So hol ich Papierticket und ggf. Ausweis mit einem Griff aus der Brieftasche. Wenn ich das Handy zusätzlich zum Bezahlen benötige oder zum Vorzeigen der Fahrkarte, muss ich immer Rücksicht auf den Akkustand nehmen, sonst könnten sich durch einen leeren Akku die Probleme potenzieren. Ist im QR-Code des Tickets nicht irgendwo das Kaufdatum verschlüsselt, oder Name und Kaufdatum bei der Verkaufsstelle gespeichert, das weiss ich nicht, dann kann ich mit einem nachträglich vorgezeigtem Ticket nicht den Nachweis erbringen, es zum Zeitpunkt der Fahrt schon besessen zu haben, und das könnte dann als Schwarzfahrt gedeutet werden, die mindestens 60 € kostet. Aber auch sonst sind 5 € fällig, zzgl. des Weges und der dafür erforderlichen Zeit zu einer der immer selteneren, noch mit Menschen besetzten Verkaufsstellen.
        So kann ich den Akku vollständig auslutschen, das Papierticket kümmert das nicht.
        Typische "Overengineering" Probleme, wie das beschriebene Verschwinden des Tickets aus der App, die ich im Übrigen nicht benötige, und die nur darauf zurückzuführen sind, dass man die Problemlösung viel aufwändiger angeht, als eigentlich nötig, bleiben mir so auch erspart.
        Pragmatisches, problemorientiertes Denken kann reinen Fortschrittsglauben schlagen, wobei die Betonung auf Glauben liegt, und nicht auf Fortschritt.
        Das Ticket habe ich im PDF-Format übrigens trotzdem auf dem Handy. Dort kann ich es im Notfall auch mit einem PDF-Reader vorzeigen, falls das Papierticket doch mal verloren gehen sollte. Dass Papierticket verloren gehen, und gleichzeitig der Akku erschöpft ist, ist zwar möglich, aber zumindest unwahrscheinlich. Damit löse ich aber ein anderes Problem, nämlich auch dann noch das Ticket vorzeigen zu können, wenn das wegen Verlustes eigentlich nicht mehr möglich wäre.


      • Carsten Drees
        • Staff
        vor 1 Woche Link zum Kommentar

        Sehr viel Text, um zu beschreiben, wie umständlich es ist, auf Papier zu verzichten. Auf den Akkustand meines Smartphones muss ich ja eh achtgeben, weil ich auch die DB-App nutze, um zum Beispiel Bahnverbindungen zu checken. Auf Deiner ausgedruckten Fahrkarte siehst Du nämlich vermutlich nicht, wie pünktlich der Anschlusszug ist, den Du gleich nehmen musst. Gerade, wenn man mit dem günstigen Ticket unterwegs ist, muss man manches Mal umdisponieren und da bin ich heilfroh, in der App jederzeit andere Züge und Strecken checken zu können.

        Außerdem bezahle ich gern per Smartphone und ja, ich hole mir auch jenseits des 9-Euro-Tickets meine Fahrkarten lieber in der App als am meistens überfüllten Automaten oder den noch überfüllteren Schaltern.
        Darüber hinaus ist auf dem Ticket natürlich auch ausgewiesen, wann es erworben wurde.
        Für Dein PDF-Ticket wünsch ich Dir natürlich Glück, dass Du nicht gedankenverloren den Akku vorher "völlig ausgelutscht" hast, wenn Du es tatsächlich mal brauchst.
        Persönlich übrigens hab ich beim Bahnfahren sehr oft das Handy in der Hand. Weil ich Verbindungen checke, kommuniziere, Social Media verfolge und zocke. Den Ausweis rausholen ist daher für mich auch kein Mehraufwand, denn einmal zur Brieftasche greifen müsste ich ja so oder so.
        Soll jeder so machen, wie er meint. Wenn Du Dich sicherer damit fühlst, es in Papierform vorliegen zu haben, dann tue es gerne so. Ich versuche, weitestgehend auf Papier zu verzichten und fühle mich daher mit meinem Weg wohler – auch, wenn ich in diesem einen Fall mit einem Bug in der App leben muss.


      • Michael K. vor 1 Woche Link zum Kommentar

        Meine Fahrkarten kaufe ich online vor Fahrtantritt und nicht an Automaten oder Schaltern, und bezahle per Paypal, gerne auch am PC. Ich drucke mir das Ticket aber eben dann auch aus. Diesbezüglich hat das Papierticket keinen Nachteil. Um Verbindungen neu zu recherieren, auch hierbei suche ich mir in der Regel Ersatzverbindungen schon vorher raus, da ich grundsätzlich mit Verspätungen rechne, habe ich die App "Bahnhofstafeln" und verwende die Webseite der Bahn oder des zuständigen Nahverkehrsbetreibers. Ein Blick auf "Bahnhofstafeln" zeigt dann auch gleich, ob Anschlussverbindungen verspätet sind, oder Gleiszuweisungen sich geändert haben, ohne dass man das selber vorab annimmt. Die Bahnapp brauche ich also auch dafür nicht, aber einen vollen Akku schon. Ist er allerdings dennoch leer, was ja vorkommen kann, ist das auch nicht weiter schlimm, denn spätestens am (vorläufigen) Zielbahnhof sehe ich die Tafeln mit selben Inhalt ja in echt. Die Tafeln auf dem Handy bieten mir also nur einen Vorteil, wenn der Anschluss ganz knapp wird, und ich schon weiss, auf welches Gleis ich muss. Auch wenn das Kaufdatum auf dem 9 € Ticket ausgewiesen ist, ich habe ja geschrieben, dass ich das nicht weiss, muss ich ein nicht vorweisbares, aber in Besitz befindliches Ticket nachträglich einer DB-Verkaufsstelle vorzeigen, und das kostet 5 € Bearbeitungsgebühr, vor allem aber viel Zeit für den Weg dahin.
        Auch für das PDF-Ticket auf dem Handy brauche ich einen vollen Akku, aber eben nur, falls das Papierticket verloren gegangen ist, und ein Kontrolleur das Ticket sehen will. Dass ich ein Papier-Ticket verliere, ist an sich schon sehr unwahrscheinlich, ist mir noch nie passiert, aber natürlich nicht ausgeschlossen. Dass dann gleichzeitig der Akku auch noch leer ist, ist noch sehr viel unwahrscheinlicher, das habe ich genau so aber auch beschrieben.
        Da ich mit dem Handy nicht bezahle, wie geschrieben, macht mir auch diesbezüglich ein leerer Akku keine Probleme.
        In einem überfüllten Zug auf einem Stehplatz, auf dem man sich ohnehin am Besten mit einer Hand irgendwo festhält, in der anderen ein Handy zu halten, und dann noch eine Brieftasche zu zücken und zu öffnen, ohne das Handy wegzustecken, halte ich für schwierig, aber vielleicht habe ja nur ich ein Problem damit.

        Ich versuche natürlich auch, eine Reise nicht mit leerem Akku zu beenden, und habe bei längeren Reisen in der Regel eine Powerbank dabei.
        Trotz allem kann ich keinen einzigen Nachteil in der Nutzung eines Papiertickets sehen, und vor allem keinen einzigen Vorteil darin, das Ticket (nur) auf dem Handy vorzeigen zu können. Die dargestellten Nachteile können eintreten, und dann zieht ein Papierticket seine Vorteile, das heisst nicht, dass sie es müssen. Insbesondere ist die Nutzung eines Papiertickets kein "Lacher des Jahres" sondern es gibt gute Gründe es zu verwenden, die habe ich versucht darzulegen, aber meines Erachtens nach fast keine, es nicht zu verwenden. Das kann natürlich jeder halten wie er will, und ich kritisiere auch niemanden, der sein Ticket lieber auf dem Handy vorzeigen will. Aber unbegründete Kritik an der Nutzung eines Papiertickets ist m. E. nach viel lächerlicher, als eines zu nutzen, obwohl man auch das Handy dafür nutzen könnte.


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Ja, denke ich auch, dass es eher am Smartphone liegt und nicht weit verbreitet ist. Ich hab schon mehrere Bahnbedienstete drauf angesprochen und niemandem war dieser Bug bislang bekannt. Ich teste es nächstes Mal dann einfach mal mit einem anderen Smartphone. :)

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