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Alcatel

Alcatel 1S (2020)

2,0

Pro

  • Schönes Design und solide Verarbeitung
  • Display überzeugt mit guter Farbwiedergabe
  • Aktuelles Android 10 mit sinnvollen Anpassungen
  • Akku mit 4.000 mAh

Contra

  • Schwache Hardware
  • Schlechte Performance
  • Nur 32 GB interner Speicher
  • Triple-Kamera mangelhaft
  • Kratzender Mono-Speaker
  • der Euch in Euren Träumen verfolgt
Foto: Handy Alcatel alcatel-1s-2020-2

Alcatel 1S (2020): Preis und Verfügbarkeit

Im Juli 2020 kratzt das Alcatel 1S in den ersten Onlineshops an der 100-Euro-Grenze. Dabei wirkt das Smartphone des französischen Herstellers, der inzwischen zum chinesischen Megakonzern TCL gehört, auf Produktfotos und in der Beschreibung alles andere als billig. Die Einkerbung im 6,22-Zoll-Display ist dezent, der Akku verspricht mit einer Kapazität von 4.000 mAh ein langes Durchhaltevermögen, und auf der Rückseite platziert Alcatel gleich drei Kameras. 

Variierende Hardware-Konfigurationen gibt es nicht. Alcatel lässt Euch beim Kauf aber über die Farbe des Smartphones entscheiden. Für unseren Test nutzten wir das Alcatel 1S (2020) in der Farbvariante “Power Gray”, alternativ gibt es das Handy auch in einem bläulichen Grün namens “Agate Green”. Neben dem Handy mit Plastikrückseite ruht ein Ladegerät im blauweißen Karton, das mit seinen 10 Watt für ein Handy ohne Schnelladefunktion vollkommen ausreicht.

AndroidPIT Alcatel 1S camera front
Teardrop-Notch: Durch den hochgestellten Lautsprecher wirkt die Einkerbung schön dezent. / © NextPit

Dazu liefert Alcatel ein microUSB-Kabel und ein Headset mit 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss aus. Letzteres eignet sich aufgrund komplett fehlender Bassleistung höchstens für Telefonate – vor allem, wenn Ihr einen Telefontermin mit Kermit dem Frosch habt. Doch wenn Alcatel am Headset spart, kann sich das eventuell positiv auf die verbauten Komponenten im Handy auswirken.

Aktuelles Android, alter Prozessor

Im Alcatel 1S (2020) kommt der Smartphone-Prozessor Mediathek MT67262D Helios P22 zum Einsatz. Somit verbaut Alcatel leider nicht nur einen recht alten Smartphone-Prozessor aus dem Jahr 2018 im günstigen Handy, der Zusatz “D” weist auch auf eine geringere Taktung von trägen 1,8 GHz hin. Dem schwachen Prozessor stellt Alcatel 3 GB Arbeitsspeicher zur Seite, und zusammen sorgen die beiden Leistungsträger für eine leider ziemlich schwache Performance.

Das installierte Android-10-Betriebssystem startet seine Apps träge, und selbst bei der Menüführung kommt die Hardware des Billig-Smartphones an seine Grenzen. Das Alcatel 1S (2020) im Alltag zu nutzen, heißt leider auch, mit Rucklern und langen Ladezeiten zu leben. Grafisch aufwendige Mobile Games wie PUBG Mobile starten nach einer gefühlten Ewigkeit zwar, schaffen es dann aber nur auf geringe Framerates. Selbstverständlich ist das der Grund, warum ich mein Test-Match nach wenigen Minuten verlor.

Dass Acatel für Android 10 schlichtweg zu schwache Hardware verbaut, ist schade. Denn beim Betriebssystem hat der Hersteller echt gute Arbeit geleistet. Die angepasste Version von Android 10 sieht aufgeräumt aus. Neben einem sinnvollen Kindermodus gibt es nur wenige vorinstallierte Apps, die sich einfach deinstallieren lassen. Dazu hängt Alcatel den Sicherheitsupdates von Google, verglichen mit dem Google Pixel 3XL, nur einen Monat hinterher. Ergänzungen wie eine systemweite Suche im App-Drawer sind ebenfalls sehr sinnvoll, machen aber bei der schwachen Leistung nur wenig Spaß. Diese zähe, kaugummiartige Performance zieht sich durch die gesamte Nutzung des 1S (2020).

Ausstattung: Triple-Kamera, Fingerabdrucksensor und Dual-SIM

Das Ausprobieren der Triple-Kamera samt Ultraweitwinkel- und Makrolinse und praktischer Integration von Google Lens wird somit zum Geduldspiel. Knapp zwei Sekunden müsst Ihr warten, bis das Handy von der Standard-Ansicht zum Ultraweitwinkel schaltet. Die Makrolinse, über die Alcatel auch die Tiefeninformationen für seinen Porträtmodus gewinnt, ist zudem nur über das erweiterte Kameramenü erreichbar, wodurch die Triple-Kamera eher wie ein System mit zwei Linsen wirkt.

AndroidPIT Alcatel 1S camera
Triple-Kamera heißt nicht gleich gut. Das zeigt das Alcatel 1S (2020) deutlich. / © NextPit

Auf dem Datenblatt finden sich folgende Angaben zur Triple-Kamera: 

  • Auflösung: 13 MP + 2 MP + 5 MP
  • Autofokus Einzelton-Blitzlicht
  • Linsen: 5P + 4P + 3P
  • Blende: f/1.8 + f/2.2 + f/2.4
  • Sensorgröße: 1/3,06 Zoll + 1/5 Zoll + 1/5 Zoll
  • Pixelgröße: 1,12 μm + 1,12 μm + 1,65 μm
  • Videoaufnahme und -wiedergabe: 1080p bei 30 BpS
  • Funktionen: KI-Szenenerkennung, Bokeh, Gesichtsverschönerung, HDR, Makro, Nachtmodus, Panorama, Echtzeit-Fotofilter
Alcatel 1S 2020
Ohne HDR fehlt es den Bildern an Farbbrillanz. / © NextPit

Wie Ihr auf den Testbildern seht, ist die Kameraqualität nicht sonderlich zufriedenstellend. Insgesamt verkommt die Triple-Kamera zum Werbemittel, denn mit einem 2-Megapixel-Sensor und einem 5-Megapixel-Sensor hätte Alcatel sich die beiden Zusatzlinsen lieber sparen sollen. Zeitgemäß ist schließlich selbst die 13-Megapixel-Hauptkamera im Jahr 2020 kaum noch.

alcatel 1s 2020 kamera test
Links: Auch wenn die Makrofunktion viel Spaß bringt, wirklich zu gebrauchen sind die Ergebnisse in Webcam-Qualität nicht. Rechts: Der Porträtmodus weist viele Bildfehler auf. Bei diesem Porträt ist beispielsweise nur eine Seite unscharf gezeichnet worden. / © NextPit

Abseits der Smartphone-Fotografie ist die Ausstattung aber in Ordnung. Neben dem modernen WLAN-Standard 801.11n ist auch Bluetooth 5.0 an Bord. Über einen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss freut man sich bei Handys im Jahr 2020 auch immer wieder aufs Neue. Dazu erkennt der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite gespeicherte Muster schnell wieder, und der Akku ist mit 4.000 mAh üppig. Auf den Sparkurs zurück geht es aber beim internen Speicher, der mit 32 GB einfach zu knapp bemessen ist. Durch eine microSD-Karte lässt er sich nochmals um bis zu 32 GB erweitern.

Hierbei geht aber dank kombiniertem SIM-Schlitten die Dual-SIM-Fähigkeit verloren, da die Speichererweiterung anstelle einer zweiten SIM-Karte eingesetzt werden muss. Zur Musikwiedergabe verbaut Alcatel einen Mono-Lautsprecher unten im Gehäuse und dieser bietet eine wirklich unterirdische Klangwiedergabe. Musik kratzt, besitzt keinerlei Bässe und ist bei Maximallautstärke noch immer zu leise.

Fazit: Höchstwahrscheinlich Euer nächster Fehlkauf

Lange habe ich überlegt, wem ich zum Kauf des Alcatel 1S raten würde. Denn eigentlich gefallen mir das Design und der schöne Bildschirm des günstigen Handys schon. Aber beides gibt es im nur 30 Euro teureren Alcatel 3L auch, und hier verbaut der Hersteller nicht nur mehr Arbeitsspeicher, sondern auch die Prozessorvariante mit schnellerer Taktung. Wer also Gefallen am Design findet oder mit Alcatel Erinnerungen an das Nostalgie-Handy Alcatel One Touch easy verbindet, der sollte unbedingt 30 Euro mehr ausgeben. Wie sich das Alcatel 3L 2020 im Test schlägt, könnt Ihr hier nachlesen:

Sind Euch Design und Hersteller egal, gibt es für ein bisschen mehr Geld aber noch bessere Alternativen. Der Aufpreis lässt sich dabei getrost als Langzeit-Investition rechtfertigen, denn lange zufrieden werdet Ihr mit dem Alcatel 1S womöglich nicht sein. Allen voran empfehlen wir im Preisbereich unter 200 Euro das Motorola G8 für 199 Euro. Dieses bietet ebenfalls einen 4.000-mAh-Akku und sogar eine zusätzliche Kamera. Motorola setzt zudem auf einen starken Snapdragon-655-Prozessor. Wem das G8 zu teuer ist, der findet mit dem Nokia 4.2 eine Alternative für nur 89 Euro. Weitere Details zu beiden Geräten findet Ihr auf den verlinkten Seiten und eine ausführliche Beratung in unseren Smartphone-Tipps unter 200 Euro.