nokia
Nokia

Nokia 1

2,5

Pro

  • Vollständiger Lieferumfang
  • Aktuelle Software

Contra

  • Knappe Leistung
Foto: Handy Nokia nokia-1

Pros des Nokia 1

  • Vollständiger Lieferumfang
  • Aktuelle Software

Contras des Nokia 1

  • Knappe Leistung

Nokia 1: Abgespeckt bis zum Geht-nicht-mehr

Seit Jahren bin ich im Highend-Sektor der Smartphones gefangen. Als absoluter App-Junkie kommen für mich nur Smartphones infrage, die großen Speicher und vor allem viel RAM eingebaut haben. Trotzdem habe ich mich sofort auf das Nokia 1 gestürzt, als es in der Redaktion eintraf. Warum? Weil ich erleben wollte, wie gut oder schlecht ein 100-Euro-Smartphone im Alltag läuft - mein erster Eindruck auf dem MWC war einigermaßen positiv, jetzt wollte ich längere Zeit mit dem Nokia 1 verbringen. Der Test erforderte von mir ein Umdenken, aber lieferte mir auch interessante Erkenntnisse.

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Nur Google-Apps sind auf dem Nokia 1 vorinstalliert. / © NextPit

Der Preis des Nokia 1 ist das entscheidende Merkmal: Die Wahl der Komponenten ist komplett auf Günstig getrimmt: Ein 4,5-Zoll-Display mit niedriger Auflösung (854 × 480 Pixel), nur 1 GByte Arbeitsspeicher, ein schwacher Quad-Core-Prozessor von Mediatek und gerade einmal 8 GByte interner Speicher. Warum diese Ausstattung trotzdem für ein flottes Smartphone sorgen soll? Die Antwort ist Android Go. Diese Android-Version ist abgespeckt und für leistungsschwache Hardware optimiert. In den ersten Minuten wirkt das Nokia 1 auch erstaunlich flott, schnell zeigen sich aber Risse im schönen Antlitz.

Für die Grundausstattung heißt das zunächst, dass nur wenige Google-Apps vorinstalliert sind und diese meist auch nur als Go-Edition. Weniger Bunti-Bunti ist bei diesen Apps das Mittel der Wahl, um App-Größe und Ressourcenverbrauch einzudämmen. Klappt auch, geradezu bis zur Dysfunktionalität: Maps Go beispielsweise ist eine herbe Enttäuschung, denn hier handelt es sich um einen Wrapper um die mobile Webseite. Keine Turn-by-Turn-Navigation und insgesamt mickrige Performance. Gmail Go hingegen läuft einwandfrei, ruckelt und zuckelt aber immer wieder ein wenig.

Nokia 1 mit eingebauten Wartezeiten

Da sind wir auch schon beim Grundproblem des Nokia 1 angekommen: Trotz der geringen Displayauflösung gibt es immer wieder kurze Hänger und Wartezeiten, das fällt zunächst nicht zu sehr auf, macht sich aber über längere Zeit bemerkbar. Selbst ohne sonderlich viele installierte Apps - einzig WhatsApp hinzu installiert -, wacht das Nokia 1 manchmal erst nach zwei Sekunden aus dem Standby auf und zeigt dann den Lockscreen an. App-Starts dauern und der App-Wechsel ebenfalls. Und es vergeht gerne mal eine Sekunde, bis die Tastatur aufpoppt.

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Nokia 1: Schlichtes und funktionales Design. / © NextPit

Beim App-Wechsel bedient sich Android bekanntlich eines Tricks: In der App-Übersicht wird ein Screenshot angezeigt, der beim Wechsel zur App nur so lange zu sehen ist, bis die App ihre UI darstellen kann. Der verwendete Screenshot ist aber niedrig aufgelöst, sodass dieser unscharf ist. Beim Wechsel zu einer anderen App sieht man nun beim Nokia 1 diese unscharfe Darstellung noch für eine knappe Sekunde, bis die App aktiv geschaltet ist.

Also: Bitte keine großen Erwartungen an die Performance. Kurze Hänger oder Ruckler sind beim Nokia 1 Alltag, wenngleich sie bestimmt nicht jeden Nutzer stören werden. Im Test musste ich mir das immer wieder bewusst machen: Hier geht es nicht um das letzte Fünckchen Leistung, vielmehr geht es einzig um Funktionalität ohne Schnickschnack.

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Die Kamera eignet sich höchstens für Schnappschüsse / © NextPit

Abseits der erwähnten Stotterer bei App-Starts lässt sich mit dem Nokia 1 aber gut chatten und telefonieren. In meinem Test habe ich nur die für mich allernötigsten Apps und Accounts auf das Nokia 1 gezogen. Vor allem WhatsApp und Facebook - bei letzterem habe ich die Lite-App verwendet. Viele andere Dienste konnte ich über den Browser ansteuern. Zum Musikhören und meinen bevorzugten Messenger Threema später mehr. Für diese wenigen Aufgaben reicht das Nokia 1 meist.

Mehr Speicher durch MicroSD-Karte?

Gerade der knappe interne Speicher macht es natürlich attraktiv, den Speicher via MicroSD-Karte zu erweitern. Den Eigenarten von Android geschuldet empfiehlt es sich, die Speicherkarte als internen Speicher zu formatieren, andernfalls eignet sich die Karte nicht, um Apps und deren Daten zu fassen. Gesagt getan. Die eingesetzte 64 GByte Karte von Samsung ist an sich ausreichend schnell, wird vom System aber als zu langsam eingestuft.

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Android Oreo (Go-Edition) auf Basis von Android 8.1 / © NextPit

Der Eindruck spiegelt sich auch im Benchmark Passmark Disk wieder, der von 36.551 Punkten auf 24.576 Punkten fällt. Im Betrieb ist das durchaus spürbar, denn die Apps starten und installieren nun noch etwas langsamer. Außerdem kostet die eingesetzte Speicherkarte zwischen 40 und 50 Euro, was dem Preisleistungsverhältnis des Nokia 1 erheblich in die Quere kommt.

Multitasking verdirbt den Alltag

Ernüchternd ist letztlich die Multitasking-Leistung: Musikhören via Bluetooth-Headset (weil der Kopfhöreranschluss mies klingt), E-Mails und Webseiten lesen? Da stoppt Spotify schneller als man den Task wechseln kann. Spotify bleibt also nicht zuverlässig im Hintergrund aktiv. Schwach.

Threema und Twitter passen in das App-Profil für Android Go besser, denn sie können ohne Probleme vom System aus dem Speicher gekegelt werden, wenn der ohnehin knappe Arbeitsspeicher anderweitig benötigt wird. Obwohl es angesichts der Größe des Displays kaum Spaß macht: Video-Streaming à la Netflix funktioniert prinzipiell.

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Für Musik ist der Kopfhöreranschluss des Nokia 1 ungeeignet. / © NextPit

Die Software-Basis ist ein klarer Pluspunkt: Android Oreo hat die Versionsnummer 8.1 und die Sicherheitspatches sind vom April 2018. Eine kleine Hoffnung bleibt, dass Nokia die Software noch etwas optimieren kann und die beschriebenen Performance-Probleme ausmerzt.

Ordentlicher Akku und angemessene Haptik

Noch ein Wort zur Haptik dieses recht kleinen Smartphones. Die Plastikrückseite lässt sich abnehmen und gegen andere Farben austauschen. So richtig kompakt ist das Nokia 1 aber trotz seines recht kleinen Displays nicht. Dafür sorgen die recht breiten Ränder. Trotzdem ist es kleiner als sonst übliche preiswerte Smartphones. Im Lieferumfang finden sich Ladegerät und -kabel sowie ein Headset.

Im Testprofil mit geringer Nutzung ist die Akkulaufzeit ordentlich. Geringe Nutzung heißt hier, gelegentliche Telefonate, SMS und WhatsApp; unterwegs gerne mal ein bisschen Surfen im Web. In diesem Szenario muss das Nokia 1 alle zwei, drei Tage ans Stromnetz. Wer mehr vom Nokia 1 abfordert, muss auch öfter zum Ladegerät greifen - wahrscheinlich aber schon bald zu einem anderen Smartphone.

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Das Nokia 1 scheitert an klassischen Smartphone-Aktivitäten. / © NextPit

Nokia 1: Technische Daten

Fazit: Android Go ist nicht die Lösung

Android Go alleine rettet die schwache Hardware des Nokia 1 nicht. Regelmäßig stören im Betrieb kurze Aussetzer, vor allem beim Aufwecken aus dem Standby und dem Start der Tastatur. Das wirkt für Sekundenbruchteile so, als sei das Smartphone abgestürzt, weil es auf einen Befehl kein visuelles Feedback gibt.

Minimalismus in Sachen Ausstattung führt noch nicht zu einem runden Gesamtpaket. Wer auf die Preisgestaltung im Segment um die 100 Euro blickt, kann schon mit 20 oder 30 Euro Aufpreis ein deutlich besseres Smartphone kaufen. Obwohl das Nokia 1 seinen Charme hat, ist es Smartphone-Aufgaben kaum gewachsen.

Meine eigene Reise mit dem Nokia 1 war durchaus erkenntnisreich: Es muss nicht immer Highend sein, selbst das niedrig auflösende Display reicht für gelegentliche Surfsessions aus. Mir hat die Zeit mit diesem reduzierten Smartphone aber auch gezeigt, wie viel mehr mit einem leistungsfähigen Smartphone möglich ist. 

Das Nokia 1 eignet sich zum Telefonieren und chatten, mehr schafft es nicht zufriedenstellend.