Wir alle tragen die Narben. Die kollektive Enttäuschung über Serienfinales wie „Game of Thrones“ oder „Lost“ sitzt tief in der Seele eines jeden Serienfans. Es ist die Angst, dass eine jahrelange Reise, eine tiefe emotionale Investition in Charaktere und Welten, in den letzten Stunden zunichtegemacht wird. Und genau diese Angst schwebt nun wie der Mind Flayer über der finalen Staffel von Stranger Things.

Was bekommen wir? Perfektes Finale – oder eine Bruchlandung?

Nach dem Meisterwerk, das Staffel 4 für mich darstellte, sind die Erwartungen astronomisch hoch. Die zentrale Frage, die uns allen im Nacken sitzt, ist daher unumgänglich: Gelingt den Duffer-Brüdern die Punktlandung? Als jemand, der mit diesen Kids aufgewachsen ist und die Serie abgöttisch liebt, ist meine Anspannung vor dem finalen Vorhang fast unerträglich.

Wir reden also über Staffel 5, Ausgabe 2 – die Folgen 5 bis 7 der finalen Season. Oder anders gesagt: Hiernach folgt nur noch eine einzige Episode, diese drei Folgen müssen also die Weichen für ein sagenhaftes Finale stellen. Die Fallhöhe könnte also kaum größer sein. Machen wir uns bereit für den Deep Dive!

Doch bevor wir reingehen, eine kleine Vorwarnung: Ja, natürlich kommt es hier zu Spoilern! Lest also nur weiter, wenn Ihr auf dem neuesten Stand seid – oder es Euch nichts ausmacht, entscheidende Wendungen zu erfahren.

Zusammengefasst: Stranger Things Staffel 5, Episoden 5-7

Die drei Episoden enthüllen Vecnas wahren Plan und würfeln die gesamte Mythologie der Serie durcheinander. Es stellt sich heraus, dass das „Upside Down“ nie eine eigenständige Dimension war, sondern lediglich eine Art Wurmloch, das als Brücke zu einer finsteren Höllendimension namens „The Abyss“ dient.

Die Infografik stellt Vecnas Plan und den Gegenplan der Stranger-Things-Helden dar.
Vecnas Plan, die Brücke und der Gegenplan unserer Helden im Überblick. Bildquelle: nextpit / KI-generiert mit NotebookLM

Vecnas ultimatives Ziel ist es, diese Brücke zu nutzen, um beide Welten zu einer neuen Realität unter seiner totalen Kontrolle zu verschmelzen, was die bisherige Bedrohung weit übersteigt. Die Geschichte von Holly und Max, die gemeinsam eine Flucht aus Vecnas Gedankengefängnis versuchen, spielt eine zentrale Rolle beim Verständnis dessen, was Vecna plant.

Inmitten der apokalyptischen Bedrohung blitzen wiederholt weitere interne Konflikte der Gruppe auf: Jonathan und Nancy trennen sich, Will outet sich und Dustin und Steve prügeln und versöhnen sich. All das bereitet die Bühne fürs große Finale und die Umsetzung des Plans, bei dem überraschenderweise Steve eine der entscheidensten Ideen hatte.

Der große Deep-Dive: Was in Hawkins (nicht) funktioniert

Ihr merkt, ich will nicht lange chronologisch all das nacherzählen, was Ihr vermutlich eh alle gesehen habt. Stattdessen möchte ich Euch meine Eindrücke verraten, was für mich funktioniert hat und wo ich Bedenken habe. Fangen wir mit den Dingen an, die mir Probleme bereitet haben.

Zerstückelt und deplatziert: Das Problem mit dem Rhythmus

Eines der fundamentalsten Probleme, das ich mit Volume 2 habe, ist sein Rhythmus. Die Staffel fühlt sich unrund an, weil sie an den unpassendsten Stellen den Plot für Charaktermomente unterbricht. So wichtig diese Momente für die Figuren auch sind, ihr Timing zerstört regelmäßig die aufgebaute Spannung. Ich hab ein paar Beispiele dafür:

Holly und Max beispielsweise wollen aus Vecnas Gedankenwelt entfliehen. Im Upside Down erblicken wir – wieder einmal – ein Portal, mithilfe dessen Max entkommen könnte. Wir erinnern uns, dass sie die letzte Gelegenheit um Sekunden verfehlte. Trotzdem hat sie alle Zeit der Welt, um erst noch flott unserer neuen Heldin Holly zu verklickern, dass diese ihr ganz eigenes Portal finden müsse. Dazu gehört, dass sie zehn Minuten lang von Max stark geredet werden muss, um wirklich an sich zu glauben.

Ja, toller Dialog, auch irgendwie sinnig. Aber wie soll ich als Zuschauer glauben, dass sich jede Sekunde möglicherweise das Portal schließen könnte, wenn Max offensichtlich alle Zeit der Welt hat? Und eigentlich ist es ein Arschloch-Move, wenn man mit Holly diese ganze Flucht durchzieht, um dann in letzter Sekunde zu erzählen: „Super, dass wir das Portal erreicht haben – übrigens: Du kannst da nicht mit durch, Holly. Schade, Schokolade!“

Dann sind da Jonathan und Nancy: Mitten in einer Situation, in der es um Leben und Tod geht, führen die beiden ihren finalen Trennungs-Talk. Die Szene ist emotional, wunderbar gespielt und bricht einem als Fan das Herz. Aber brauchte ich diese Szene, und vor allem in diesem Moment höchster Dringlichkeit? Nein, echt nicht. Schon gar nicht so lange.

Kleines Geständnis am Rande: Ich hab nicht gerafft, dass die da Schluss machen. Ich dachte, sie hätten da neue Hoffnung geschöpft für ein gemeinsames Leben. Die Duffer-Brüder selbst waren es, die mir dann die Augen öffneten, dass wir es mit einer wirklichen Trennung zu tun haben.

Schlechtes Timing, aber notwendig: Ein Coming-Out und eine Versöhnung

Es gibt noch zwei wirklich wichtige Szenen, bei denen ich verstehe, dass man sie unterbringen musste. Das Timing nervt mich weniger als bei obigen Beispielen, aber es riss mich jeweils auch ein wenig aus dem Flow.

Da ist zunächst der Streit zwischen Steve und Dustin. Ihr Streit und die darauffolgende Versöhnung bezüglich Eddies Tod ist wundervoll – der Autor dieser Zeilen hat dazu ein paar Tränen vergossen. Trotzdem: Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie der falsche Moment für einen tiefen emotionalen Tauchgang gewählt wurde.

Und dann ist da noch Wills Coming-Out: Die ganze Bande hat einen Plan und muss jetzt blitzschnell an die Arbeit, um ihn realisieren zu können. Aber da ist Will, der vor versammelter Mannschaft erklären muss, dass er schwul ist. Ja, surprise, surprise, ich weiß. Ich verstehe absolut, wieso er das sagen musste: Vecna nährt sich von Unsicherheiten, also ist dieser Schritt für Will notwendig, um seine größte Angst zu überwinden.

Aber musste es echt so melodramatisch sein und so lang? Cooler gefunden hätte ich, wenn er ängstlich gesteht, dass er schwul ist – und die Situation aufgelöst wird durch ein „Dein Ernst? Wissen wir längst! Und jetzt lass uns bitte die Welt retten!“ Aber ja: Um gegen Vecna und den Mind-Flayer bestehen zu können, musste sich Will offenbaren.

Monster-Logik und Stirnrunzel-Momente

Neben dem Timing gibt es einige Logiklücken, die einen aus der sonst so dichten Atmosphäre reißen und mich mehrfach zum Kopfschütteln brachten.

Das Demogorgon-Dilemma

Cool, dass diese Staffel die Demo-Dogs zurückbringt. Sie sind ebenso tödlich wie die Demogorgons, nur eben „hundiger“. Umso irritierender ist es dann, wenn sie kurz darauf gegen unsere Hauptfiguren kämpfen und plötzlich an die tollpatschigen Raptoren aus der berühmten Jurassic-Park-Küchenszene erinnern. Die Serie macht ihre Monster stark oder schwach, wie es der Plot gerade verlangt, was die Regeln der Welt untergräbt.

Bin ich da zu kritisch? Stört es Euch nicht, wenn die Demo-Dogs erst einmal an unseren Helden vorbeispringen, um sich andere Opfer zu schnappen? Oder wenn sie sie beim Geräusch aus der Waschmaschine sekundenschnell dort sind, aber vorher in Zeitlupe durch die Küche schleichen, obwohl aus dem Cassettenrekorder volle Pulle „Running up that hill“ dröhnt?

Zu viele Helden in Hawkins?

Ein weiteres Kernproblem wird immer offensichtlicher: Der Cast ist zu groß. Die Show hat einfach nicht die „Eier“, wichtige Hauptfiguren sterben zu lassen. Ist natürlich schön, dass wir uns nicht von lieben Charakteren verabschieden müssen. Aber es führt dazu, dass viele von ihnen in der finalen Staffel kaum etwas Sinnvolles zu tun bekommen.

Hopper und Joyce laufen meist nur mit, und die Dialoge leiden darunter, weil jeder etwas sagen oder eine Spitzenidee haben muss. Das führt dann dazu, dass Mikes Mutter plötzlich die Heldin wird in besagter Küchenszene. Übrigens: Fragt sich eigentlich echt niemand, nicht mal Mike, was mit ihrem Mann ist? 😀 Ebenso absurde Situation: Wann wurde aus Nancy eigentlich ein weiblicher John Rambo? Dank heftiger „Plot-Armor“ bleibt sie bei Schussgefechten vom fahrenden LKW mit den Soldaten unverletzt, während die natürlich reihenweise erwischt werden.

Was auffällig ist: Wir haben so viele Charaktere und so wenig Zeit, dass sie sich jetzt sogar regelmäßig die Sätze teilen müssen. Achtet mal drauf, wie oft jemand einen Satz anfängt, den dann jemand anders beendet.

Dustin erklärt im Sender allen anderen seine Theorie zur Stranger-Thigns-Mythologie.
Dustin erklärt, was es mit der „Brücke“ auf sich hat. Bildquelle: Netflix / (Screenshot: nextpit)

Das passiert halt alles, weil wir zu wenig Charaktere verlieren. Im Gegenteil, Staffel 5 führt sogar noch neue ein bzw. verleiht unwichtigen Gestalten plötzlich Gewicht. Weil jeder Charakter einen Moment bekommen muss, werden da Szenen in die Handlung gezwängt und Dialoge verhunzt. Während manche Dialoge unnötig lang wirken, wirken viele anderen Momente unlogisch und/oder gehetzt, und zerreißen die Spannung. Staffel 4 hat es wesentlich besser geschafft, dem riesigen Ensemble eigene, bedeutungsvolle Aufgaben zu geben. Hier wirkt es oft so, als wüssten die Autoren nicht, wohin mit all ihren Lieblingen.

Vecna ist doch nicht der böseste aller Endbosse

Auch die Schurken und die Mythologie erfahren eine Veränderung, die nicht jedem Fan gefallen dürfte: Vecna, der in Staffel 4 als die pure, furchterregende Verkörperung des Bösen etabliert wurde, wird nun als so eine Art missverstandene Seele mit schwerer Kindheit angedeutet. Ich will aber nicht mit Vecna mitfühlen. Ich möchte, dass man ihm alle Knochen bricht und ordentlich fertig macht!

Außerdem fühlte es sich in Staffel 4 so an, als wäre Vecna unser würdiger Chef-Schurke der ganzen Veranstaltung. Jetzt scheint er mehr eine Marionette unter der Fuchtel des Mind-Flayers zu sein.

Schlechte Staffel? Nein, natürlich nicht!

Die Erwartungen an die finale Staffel von Stranger Things sind gigantisch, und jede Abweichung vom perfekten Kurs (was eh jeder anders bewertet) wird kritisiert. Einige bemängeln, dass der Plot für zu viele rührende Charaktermomente unterbrochen wird. Dabei übersehen sie, dass genau diese Momente seit jeher das Fundament der Serie bilden.

Der Vibe der ersten vier Staffeln ist absolut noch da und es gibt genügend Beispiele dafür.

Die wahre Stärke: Tiefgründige Charakter-Momente

Stranger Things war schon immer mehr als nur Horror und 80er-Nostalgie. Die größte Stärke der Serie lag stets in den zwischenmenschlichen Beziehungen, und gerade hier brilliert die fünfte Staffel mit Momenten, die unter die Haut gehen.

Die oben bereits beschriebene Szene zwischen Max und Holly in Episode 6 tritt zur Unzeit auf die Bremse, ja. Doch gerade hier zeigt sich die emotionale Intelligenz der Serie. In einem ruhigen, fast meditativen Moment sprechen die beiden über Ängste und Selbstakzeptanz. Diese Szene, aber auch der Streit und die Versöhnung zwischen Dustin und Steve belegen, dass es nicht immer um Monster geht und ums Retten der Welt, sondern um Freundschaft und Charakterentwicklung. Und ja, ich finde schon, dass die Duffer Brothers über die fünf Staffeln die Charaktere fast allesamt super entwickelt und weitererzählt haben.

Der Geist von Stranger Things lebt

Die Episoden 5 bis 7 sind der unumstößliche Beweis: Die Serie hat ihre Seele nicht verloren. Der Charme stimmt immer noch, und es macht einfach Spaß, diese Figuren auf ihrem letzten großen Abenteuer zu begleiten. Die Mischung aus tiefen Emotionen, cleverem Storytelling und unerschütterlicher Freundschaft ist das, was wir an dieser Serie lieben.

Dazu gehört für mich auch, dass der 80er-Vibe nicht nur wie eine Monstranz vor sich hergetragen wird, sondern komplett organisch wirkt. Achtet einfach mal in den Räumlichkeiten des Senders, wie detailreich jeder Tisch, jedes Regal, jede Wand dekoriert und ausgestattet ist. Das kommt nicht mit dem „Hier, schau mal – ein Zauberwürfel“-Dampfhammer, sondern subtiler, echter.

Was ist in der Box??

Auch gibt es wieder so viele Anspielungen auf andere Filme, die nicht zwangsläufig aus den Achtzigern stammen müssen. Wenn zum Beispiel der junge Henry Creel in einer Rückblende einen mysteriösen, rauchenden Aktenkoffer findet, schreit alles in uns Pulp Fiction („Sind wir glücklich?“ oder Sieben (what’s in the box?!”. Diese offensichtliche Hommage an so große MacGuffins der Filmgeschichte ist genau die Art von cineastischer Verneigung, für die wir Stranger Things lieben.

Ich mag auch, dass wir in dieser Staffel immer wieder Berührungspunkte mit der ersten Staffel haben. Wie ein Kreis, der sich schließt. Zu keiner Zeit fühlte sich das für mein Empfinden zu bemüht an. Selbst die Erkenntnis, dass das Upside Down nur ein Wurmloch ist, also eine Brücke zwischen den Dimensionen, finde ich passend. Es wirkt sogar eher konsequent, dass man an irgendeinem Punkt eine neue Erkenntnis erlangt. Apropos Konsequenz: Wundervoll ist auch, wie die Jungs konsequent an ihren D&D-Analogien festhalten und ihre Rollenspiel-Skills die Show weiterhin prägen.

Momente, die bleiben

Ja, es werden tolle Szenen erschaffen, auch wenn ich das Pacing oder die Logik bei einigen oben bereits kritisierte. Ich lieb das, dass Karen Wheeler plötzlich als Heldin auftrumpft und Holly so viel Tiefe gewinnt. Ich liebe es, wenn Dustin seine Theorie nicht stumpf auf einen Zettel schmiert, sondern mit Edding an eine Scheibe im Sender. Hab ich geheult, als Lucas Max endlich wieder in die Arme schließen konnte? Aber natürlich!

Max schließt in Stranger Things Lucas wieder in die Arme.
Sehr schöner, tränenreicher Moment der aktuellen Staffel. Bildquelle: Netflix / (Screenshot: nextpit)

Und ja, trotz der Kritik mag ich es auch, dass da so viele Menschen zusammenhocken, man den ganzen Cast in ein Zimmer zwängt, um sie gemeinsam diesen Plan entwickeln zu lassen, der dem Schrecken ein endgültiges Ende setzen soll. Auch die Idee, dass Steve eine entscheidende Idee beisteuert, gefällt mir sehr. Bislang war er ja eher unverdächtig, das Brain der Gruppe zu sein.

Stranger Things steuert auf ein Finale zu, das nicht nur spektakulär, sondern vor allem ein würdiger und emotionaler Abschluss für eine der größten Serien unserer Zeit zu werden verspricht. Davon bin ich wirklich überzeugt. Es war ein teils chaotischer, vogelwilder Ritt mit so manchem Dialog und so mancher Aktion, die es nicht gebraucht hätte.

Aber ich glaube, die Duffers wollten einfach so viele Erzählstränge wie möglich entweder beenden oder fürs Finale vorbereiten, was absolut legitim ist.

Wer steht auf der Todesliste: Wer überlebt das Finale nicht?

Kleine Sidequest, bevor ich Euch mein Fazit gebe: Wer wird im großen Finale sterben? Ich hab ein paar Ideen dazu:

  • Will: Seine Verbindung zu Vecna ist nun stärker als je zuvor. Ist sein Schicksal damit an das des Monsters gekoppelt? Also muss er sterben, wenn Vecna stirbt? Ich hab da so harte Horcrux-Harry-Potter-Vibes, wenn ich darüber nachdenke. Aber hey, Harry hat schließlich auch überlebt.
  • Eleven & Kali: Mit Kalis Rückkehr ist ein mächtiges Duo entstanden. Könnte ihr Schicksal in einem gemeinsamen Opfer liegen? Oder wird Kali, geschwächt von ihrer Gefangenschaft, früh im Finale sterben, um Elevens Zorn zu entfesseln? Irgendwas in mir lässt mich auch vermuten, dass Kali vielleicht ein falsches Spiel treiben könnte.
  • Hopper: Er ist und bleibt der klassische Kandidat für einen heldenhaften Opfertod, um seine Tochter und die Welt zu retten. Er signalisiert auch viel zu oft, dass er wirklich alles tun würde, um sie zu beschützen. Vielleicht kann er genau deswegen nicht sterben, weil es zu offensichtlich wäre?
  • Vecna: Oder wählt die Serie den sichereren Weg und lässt alle Haupthelden überleben, während nur der große Bösewicht besiegt wird? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Vecna wird (hoffentlich) sein Ende finden, aber ich bin sicher, er geht nicht allein.

Im Vorfeld wurde viel darüber geredet, dass es ein tränenreiches Finale gibt. Daher denke ich, dass es auch irgendeinen „Wichtigen“ erwischen wird. Außerdem muss so ein Finale weh tun. Eine so sehr geliebte Serie wird nie wieder mit einer weiteren Episode zurückkehren. Daher braucht es einen Paukenschlag, irgendetwas, was diesen subtilen Schmerz besser manifestiert. Verlieren wir einen der vier ursprünglichen Jungs oder Elfi/Jane, gäbe es diesen Paukenschlag, glaube ich.

Fazit: Ich sehe keine „Game of Thrones“-Gefahr

Fassen wir zusammen: Volume 2 ist in mancherlei Hinsicht wohl eine Enttäuschung. Das Pacing ist holprig, die Logik wackelt, und der überfüllte Cast führt zu erzählerischem Stillstand. Dennoch ist das alles Meckern auf sehr hohem Niveau. Die Serie ist immer noch besser als die meisten anderen da draußen. Der Charme, die Liebe zu den Figuren und die faszinierende Welt sind nach wie vor ständig greifbar.

Vor allem aber müssen wir den Vergleich mit Game of Thrones entschieden zurückweisen. Nein, Stranger Things wird nicht so hart verkacken wie GoT oder Lost, da möchte ich mich jetzt schon fast festlegen.

Stranger Things leidet unter demselben Syndrom wie jede gute Serie, die einmal zu Ende erzählt wurde: Mit enger Verbundenheit kommen auch immer persönliche Erwartungen. Aber nicht jeder erwartet dasselbe, ergo kann gar nicht jeder den Schluss bekommen, der ihn glücklich macht.

Im Spannungsfeld zwischen „die Serie sollte nie aufhören“ und „gebt ihr ein würdiges Ende“ kann man unmöglich alles richtig machen, glaub ich. Daher akzeptiere ich für mich, dass manche Ideen, manche Dialoge für mich nicht so ganz gezündet haben. Ich bin dennoch glücklich, dass man mich mit weiteren drei Episoden dieser Serie beschenkt hat.

Lasst Euch auch nicht dadurch ablenken, dass ich wirklich viele Haare in der Suppe gefunden habe. Letzten Endes ist ja auch das Finden der Schwachpunkte nur ein weiterer Liebesbeweis. Ich hab natürlich auch ein kleines bisschen Angst davor, dass mir die allerletzte Folge auf verschiedenen Ebenen das Herz bricht. Aber ja: Ich bin jetzt bereits und warte sehnsüchtig auf die allerletzte, zwei Stunden lange Folge. Keine Ahnung, wie Ihr Silvester feiert – ich habe am 1. Januar um zwei Uhr morgens jedenfalls einen Termin!