Diese Fragen wurden an mich von einigen Lesern hier bei AndroidPIT gestellt. Ich habe mich somit nicht selber interviewt, sondern hoffe, dass diese Fragen den Geschmack bzw. das Interesse der meisten Leser hier trifft.

  1. Zuerst ein bisschen was zu deiner Person…

    Ich bin 35 Jahre alt, habe eine Ausbildung zum Euro Kaufmann gemacht, drei Semester BWL in Regensburg studiert, es dann aber vorgezogen einen Job anzunehmen, der zum Teil in den USA, zum Teil in Deutschland war. Es ging darum eine deutsche Einheit für den ersten Unified Messaging Dienst weltweit aufzubauen. Da habe ich dann auch Sven kennengelernt, mit dem ich dann einige Firmen gegründet habe. Wir arbeiten seit 1998 eigentlich ohne Unterbrechung zusammen und sind ein fest eingespieltes Team.

    Ich habe zwei Kinder – 8 und 2 Jahre alt – und wohne seit 1,5 Jahren in Berlin. Nach Berlin bin ich gegegangen, weil meiner Meinung nach diese Stadt in den nächsten Jahren Dreh- und Angelpunkt für die neuen Medien werden wird. Um etwas erfolgreich aufbauen zu können, musst Du einfach sehr nah dran sein. Sonst wird es sehr viel schwieriger. Du hast mehr Fahrtstrecke. Aber sehr viel wichtiger ist: Du kennst die Leute der Branche nicht – oder nicht so gut!

     
  2. Wie kamst du ursprünglich in die IT-Branche?

    1997 war ich an einem Call Center beteiligt. Einer unserer Kunden war der eben besagte Internet-Pionier. Er bot mir eben diese Stelle als Geschäftsführer in diesem Unified Messaging Unternehmen an. Das Schöne dabei war, dass es auch noch eine Komibination aus Internet und Telekommunikation war. Diesen Pfad haben Sven und ich dann eigentlich nicht mehr verlassen. Das Internet ist absolut faszinierend, weil es die Kraft hat Dinge, wie wir sie bisher kannten, komplett zu verändern – und selbst alte, gewachsene Strukturen zu vernichten. Man denke da nur mal an die Musikindustrie! Niemand hätte gedacht, dass es jemals möglich sein würde diese eingeschworenen Konzerne dazu zu bringen wirklich Angst um ihr Business zu haben. Durch das Internet ist es theoretisch möglich, dass ein Künstler heute quasi komplett auf sein Label verzichtet.

    Irgendwie cool! Weil das Internet eben Menschen wie Du und ich in die Lage versetzt mit viel Fleiß und Arbeit erfolgreich zu werden oder neue, faszinierende Services zu erfinden.

     
  3. Welches war dein erstes größeres Projekt?

    Das war das „Evolo Call & Business Center“, das ich eben 1997 mit zwei weiteren Personen gegründet habe. Ich bin aber 1999 dort dann ausgestiegen, um dann viel in Los Angeles zu sein. Zu Spitzenzeiten hatte es über 100 Mitarbeiter.

     
  4. Welches war dein bisher erfolgreichstes Projekt?

    Sven und ich haben 2002 die W+R Software GmbH an die 1&1 Internet AG verkauft. Das war sicherlich unser bisher erfolgreichstes Projekt. Der SMS Manager hatte damals rund 1,5 Millionen Nutzer, die einige Millionen kostenpflichtiger SMS verschickt haben.

     
  5. Was waren deine Beweggründe an AndroidPIT mitzuwirken?

    Das Wichtigste war das Team! Achim und Andreas kenne ich bereits seit knapp 10 Jahren und ich weiss, dass sie den richtigen Riecher haben. Was aber viel wichtiger war: ich verstehe mich sehr gut mit ihnen und ich vertraue ihnen voll. Das ist für den Aufbau eines Unternehmens enorm wichtig. Als dann später auch noch Sven dazugestoßen ist, war es für mich sowieso „the perfect match“!

    Das, was mich an Android gereizt hat, war der Gedanke, dass Google ein Betriebssystem für Smartphones genau zur richtigen Zeit mit der richtigen Strategie in den Markt gebracht hat. Das musste eigentlich ein Erfolg werden. Und wenn man als Erster ein Portal um ein erfolgreiches Thema aufbauen kann, so war die Überlegung, das man damit ebenfalls Erfolg haben kann.

    Und mittlerweile kann ich sagen: ich liebe AndroidPIT! Ich bin stolz darauf ein Teil davon zu sein. Und ich hoffe, dass es noch lange so weiter geht.

     
  6. Welche persönliche „Mission“ verfolgst du als Admin von AndroidPIT?

    Ich bin ja weniger Admin, als vielmehr derjenige, der dafür verantwortlich ist unsere Strategien und Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Ich habe die Verantwortung dafür. Und diese trage ich gegenüber unseren Aktionären, unseren Werbepartnern bzw. Kunden, aber auch gegenüber allen Lesern, die mit einer bestimmten Erwartung hierher kommen.

    Es ist von daher natürlich schon so, dass wir uns sehr genaue Gedanken machen, wenn wir kritisiert werden. Ist das nur eine einzelne Meinung, oder denken vielleicht viele so? Ist unsere Strategie die Richtige? Müssen wir etwas verändern, damit sich die Leser wohlfühlen? Wie können wir noch besser werden? Usw.

    Nur wenn wir es schaffen dauerhaft die beliebteste Android-Community zu bleiben, können wir erfolgreich sein. Die richtigen Entscheidungen zu treffen ist dabei nicht immer einfach. Aber ich hab ja auch noch einige Leute im Rücken, die dabei helfen. Neben dem AndroidPIT-Team müssen hier auch unsere tollen Moderatoren genannt werden. Wir würden es ohne deren Hilfe gar nicht schaffen!! Aus diesem Grunde ist auch eine Mission von mir weiterhin gute und engagierte Leute zu finden, die dabei helfen wollen unsere Seite mitzuprägen. Und das Alles für ein Ziel: die bestmögliche Android Community zu bauen, in der sich alle Android-Fans wohl fühlen, gerne hinkommen und das finden, was sie brauchen.

     
  7. Wo siehst du AndroidPIT in nicht allzu ferner Zukunft bzw. welche Visionen schweben dir vor?

    Ein funktionierendes Ecosystem ist für ein erfolgreiches Betriebssystem überaus wichtig. Damit meine ich, dass es Aktivität in allen Bereichen bedarf: aktive Hardwarehersteller, die tolle Geräte bauen. Aktive Carrier, die gute und passende Tarife für die Telefone schaffen. Kunden, die die Produkte kaufen. Und vor allem: Entwickler, die Content – also Apps – für die Telefone programmieren.

    Der Name „Smartphone“ verrät es ja eigentlich schon: die Telefone von heute sind clever und echte Problemlöser für uns. Mit Apps kann ich mein Telefon so personalisieren, dass es mir bei nahezu jedem alltäglichen Problem optimal helfen kann. Dazu brauche ich aber vor allem eine aktive Entwicklergemeinde. Android verfügt bereits über eine recht treue Entwicklergemeinde. Die Herausforderung ist aber Entwickler und User zusammenzubringen. Für einen Entwickler ist das überaus schwierig seine Kunden kennenzulernen. Er weiss ja gar nicht wer seine App heruntergeladen hat. Und er kann diese auch gar nicht ansprechen. Viel schlimmer: je erfolgreicher ein Ecosystem wird, desto mehr stürzen sich auch die großen Unternehmen darauf und können mit viel Marketinggelder ihre eigenen Apps pushen. Kleine Entwickler bleiben auf der Strecke! Wie können diese ihre Apps populär, und damit so erfolgreich machen, dass sie zumindest ihre Kosten wieder drin haben? Ich kenne genügend iPhone-Entwickler, die kaum Umsatz machen, geschweige denn davon leben können.

    Meine Vision wäre es dabei zu helfen die aktive Entwicklergemeinde zu bauen, die es zulässt, dass JEDER Android App-Entwickler die Chance hat eine gewisse Bekanntheit zu erlangen. Damit haben wir ja bereits begonnen. Das wollen wir aber weiter ausbauen – eben weil ein funktionierendes Ecosystem für Android so wichtig ist.

     
  8. Was ist deiner Meinung nach der wichtigste Tipp für Android-Neulinge und angehende Entwickler bzw. Start-Ups in dieser Branche?

    Ich selber bin kein Entwickler. Ich kann Euch die Ratschläge nur aus der kaufmännischen Perspektive, oder aus der Sicht eines Gründers geben.

    Das Wichtigste ist, dass man wissen muss, was man erreichen will. Man braucht ein festes Ziel, das man vor Augen hat. Und dann muss man wirklich aus ganzer Kraft versuchen das Beste zu bauen, was es gibt. Ich weiss, dass viele denken, dies sei eine überzogene Denkweise. Ich überspitze es bewusst. Was ich damit ausdrücken möchte, ist, dass man nicht denken darf „ich habe ja die beste Technik, deswegen ist die Grafik nicht so wichtig“. In der Regel würde ein solches Programm zu einem echten Flop werden. Es ist einfach wichtig eine App als „Gesamtkunstwerk“ zu sehen und an alle Dinge zu denken.

    Aus diesem Grund ist man in der Regel gut beraten sich Partner ins Boot zu holen. Für die Grafik, die Buchhaltung oder ganz wichtig: den Vertrieb! Hier liegen dann aber auch wieder die größten Stolpersteine. Hat man die falschen Partner – selbst wenn es die Besten ihres Fachs sind – ist das Risiko sehr groß, dass das ganze Projekt scheitert.

    Ich kann aber aus meiner eigenen Erfahrung sagen: es war sicher nicht immer alles erfolgreich, was ich gemacht habe. Vieles schon, vieles auch nicht. Menschen – vor allem hier in Europa – tendieren dazu die Dinge zu benennen, die nicht so gut gelaufen sind und Dir damit eigentlich „scheitern“ nachweisen zu wollen. Das hat mich noch nie gekümmert! Denn: zum Laufen lernen gehört das Hinfallen. Und vor allem das Wiederaufstehen! Scheitern tut nur derjenige, der liegen bleibt und sich geschlagen gibt. Von daher sollte man – selbst wenn ein, zwei, drei, oder selbst 10 Anläufe nicht geklappt haben – nicht aufhören, sofern man an sich glaubt und sofern man jedes Mal besser geworden ist und die gemachten Fehler diesmal nicht mehr begeht. Beherzigt man diesen Rat, wird man ganz automatisch irgendwann Erfolg haben. Ganz sicher!