Realme Buds Q im Test: Ohrwürmer für Schnäppchenjäger

Realme Buds Q im Test: Ohrwürmer für Schnäppchenjäger

Chinesische Hersteller wirbeln den Markenhimmel des Smartphone-Markts gerade gehörig durcheinander. So richtig ins Zeug legt sich beispielsweise der BBK-Konzern mit seinen Shooting-Star-Marken OnePlus, Oppo, Vivo und Realme. Letztere will Schnäppchenfüchse ansprechen. Daher wundert es auch nicht, dass die neuen True-Wireless-Kopfhörer Realme Buds Q zum Kampfpreis von nur ein paar Zehnern zu haben sind. Kann da aber qualitativ überhaupt was Gutes bei herumkommen? Der Test der Realme Buds Q hat mich verblüfft.

 

Bewertung

Pro

  • Unfassbar niedriger Preis
  • Guter Klang mit viel Bass und klaren Höhen
  • Gute Akkulaufzeit fürs Geld
  • Individualisierbare Touchbedienung
  • Sehr leicht und kompakt

Contra

  • Wackeliger Sitz
  • Geringe Geräuschabschirmung
  • Keine Trageerkennung
  • App setzt Cloud-Account voraus
  • Veralteter MicroUSB-Anschluss

Realme Buds Q: Preis und Verfügbarkeit

Die True-Wireless-Kopfhörer Realme Buds Q sind seit Juni 2020 in Deutschland erhältlich. Der vom Hersteller empfohlene Preis beträgt 29,99 Euro. Noch kein Online-Händler hat ihn nennenswert unterboten. Obwohl es das Modell grundsätzlich auch in weißem und gelbem Finish gibt, ist hierzulande nur die schwarze Variante verfügbar.

 

Realme Buds Q: Design und Verarbeitung

Wow, sind die leicht. Solche Fliegengewichte von Kopfhörern hatte ich noch nicht in der Hand. Ein Ohrknopf wiegt 3,6 Gramm. Zusammen mit der Ladeschale bringt das Set gerade einmal 37 Gramm auf die Waage. 

Fürs urbane Reisegepäck mögen die kompakten Maße angenehm sein, dem Tragekomfort ist die miniaturisierte Bauweise der Realme Buds Q nicht unbedingt zuträglich. In meinen Testerohren flippen die Knöpfe herum wie ein Kiesel in der Brandung. Das sich verjüngende Ende ist nicht flach genug, um sich als Finne in der Ohrmuschel fest verkeilen zu können. Dadurch lockern sich die Knöpfe nach mehreren Schritten oder Kaubewegungen, sodass ich den Sitz immer wieder korrigieren muss. Herausgefallen sind die Realme Buds Q während des Tests aber nie.

NextPit Realme Buds Q headphonesDie Realme Buds Q sind sehr leicht.  / © NextPit

Die kleinen Ohrknöpfe und die wie ein von Wellen geschliffener Kieselstein geformte Ladeschale sehen geradezu fragil aus. Aber das ist nicht der Fall. Sie sind aus leichtem, aber festem PC+ABS-Spezialpolymer-Verbundwerkstoff gefertigt. Außerdem hat Realme trotz der kleinen Lautsprechergehäuse und des niedrigen Preises hat Realme nicht an der Dichtung gespart. Die Buds Q sind gemäß IPX4 gegen das Eindringen von Spritzwasser und Schweiß geschützt. Einem Dauerlauf im Regenschauer steht also nichts im Weg, außer der innere Schweinehund.

Einrichtung und Bedienung

Der eingebaute Chip vom Typ R1Q verfügt über Bluetooth 5.0 und lässt sich daher sehr schnell mit einem Smartphone koppeln. Sobald Ihr die Ladeschale geöffnet und die Ohrhörer entnommen habt, tauchen sie direkt im Pairing-Bildschirm auf oder sind gleich verbunden, falls die erste Kontaktaufnahme bereits erledigt ist.

Der Hersteller empfiehlt für den Betrieb die App Realme Link, die es für Android, aber nicht für iOS gibt. Nervig: Die App lässt sich nicht verwenden, ohne ein Cloud-Konto zu registrieren. Wo gibt es denn sowas? Keine mir bekannte Kopfhörer-App verfährt so. Einziger Vorteil: Mit der App lassen sich auch andere Realme-Produkte verwalten, wobei dafür hierzulande sonst nur noch Smartphones infrage kommen. Für den Kopfhörer-Einsatz bietet die App nur eine einzige exklusive Funktion. Ihr könnt die Touchbedienung auf den Ohrhörerflanken nach Euren eigenen Vorstellungen mit abweichenden Befehlen belegen.

Ab Werk drückt Ihr eine beliebige Touchfläche zweimal, dreimal oder haltet sie zwei Sekunden lang gedrückt, um Tracks zu starten, zu pausieren, zum nächsten Track zu gelangen oder einen Anruf anzunehmen, abzulehnen oder zu beenden. Drückt und haltet Ihr beide Touchflächen gleichzeitig, versetzt Ihr die Kopfhörer in einen Gaming-Modus. Darin soll sich die Latenz auf 119 Millisekunden verringern, was Bild-Textscheren bei Spielen und Videos entgegentritt. 

NextPit Realme Buds Q case headphone
Ihr könnt unterschiedliche Befehle ausführen, ohne das Handy in die Hand nehmen zu müssen. / © NextPit

Ein einfacher Fingerdruck ist nicht vorgesehen, sodass Ihr nicht versehentlich ein Kommando aktiviert, wenn Ihr die Ohrhörer in Position bringt. Auch auf Sensoren für eine Trageerkennung verzichtet Realme, sodass die Kopfhörer nur nach einer Fingereingabe oder nach dem Verstauen in der Ladeschale Ruhe geben.

Zurück zum vorherigen Titel könnt Ihr standardmäßig nicht wechseln. Aber das lässt sich leicht über die App ergänzen, ebenso wie ein Befehl für den Start des Google Assistant. Seid Ihr stattdessen mit der werksseitigen Funktionsbelegung einverstanden, braucht Ihr Realme Link nicht. Das ist besonders für iOS-nutzer beruhigend, da es die App fürs iPhone ja nicht gibt. Trotzdem könnt Ihr natürlich mit den Kopfhörern auf Smartphones beider großer Betriebssystemlager prima Musik hören.

Realme Buds Q: Audio

Wie sollen Kopfhörer für nur 30 Euro schon klingen, mögt Ihr euch genauso wie ich vor dem Test fragen. Die Antwort ist: Verblüffend gut! Die Realme Buds Q spielen deutlich kraftvoller und dynamischer auf, als es der Preis vermuten lässt. Das dürfte zum einen auf die eingebauten Lautsprecher zurückzuführen sein. Sie sind mit einem Durchmesser von zehn Millimeter relativ groß und bringen daher schon hardwaremäßig gute Anlagen mit. Zum anderen hat Realme die Treiber aber auch softwareseitig gehörig getweakt. Dadurch schinden die Kopfhörer mit stark angehobenen Tiefen und Höhen Eindruck. Das dürfte Hifi-Puristen verschrecken, bereitet aber bei elektronischer Musik viel Freude. 

Bei genauerem Hinhören tritt dennoch zu Tage, dass Zwischentöne fehlen. Die Realme Buds Q schaffen es nicht, alle Details sehr komplexer Aufnahmen aufzulösen. In den mittleren Frequenzen klingt doch einiges konturlos. Aber das ist angesichts des Preises Kritik auf hohem Niveau. Praxisrelevanter ist, dass die kleinen Buds Q nur mäßig Außengeräusche abschirmen. Von der Gegenschalltechnik ANC können Sie dabei keine Hilfe erwarten. Von deren Einbau in ein Budget-Modell hat Realme erwartungsgemäß abgesehen.

Realme Buds Q: Akku

An der Akkuleistung ist nichts auszusetzen. Die 40-mAh-Energiespeicher der Kopfhörer schaffen mit einer Ladung laut Hersteller bis zu 4,5 Stunden Musikspieldauer bei 50-prozentiger Lautstärke. Insgesamt stellt Realme maximal 20 Stunden Spielzeit in Aussicht, was bedeutet, dass der 400-mAh-Akku der Ladeschale 15,5 Stunden Reserve bietet. Erstaunlich, dass so hochkapazitative Akkus in so kleinen Gehäusen Platz finden. Die Realme Buds Q sind ausdauernder als so manch doppelt bis dreifach so teure Modelle. 

NextPit Realme Buds Q case
In der eiförmigen Ladeschale werden die Ohrstöpsel aufgeladen. / © NextPit

Wie viel Power noch in den True-Wireless-Kopfhörern steckt, lest Ihr in der App von Realme oder im Bluetooth-Menü Eures Smartphones ab. An der Ladeschale befindet sich keine Anzeige für den Restladestand. Sie bietet auch keine Funktion für eine Schnelllaufladung. Und verkabeln lässt sich sie sich nicht per USB-C, sondern mit einem überholten Micro-USB-Stecker. Das sind allerdings verschmerzbare Zugeständnisse an den niedrigen Preis.

Abschließendes Urteil

Mit den Realme Buds Q schnürt der Newcomer ein überzeugendes Kopfhörer-Paket im Budget-Segment. Für den Preis bieten die True-Wireless-Kopfhörer eine sehr gute Klang- und Akkuleistung. Sogar Komfortmerkmale wie eine IP-Schutzklasse und eine individualisierbare Touchbedienung sind am Start. Stattdessen hat der Hersteller sinnvoll gespart. Auf Tragesensoren sowie USB-C lässt sich verzichten, wenn jeder Euro zählt. Ärgerlich ist der wackelige Sitz. Doch davor sind auch teurere Kopfhörer nicht gefeit. Deshalb schmälert dieses Manko den formidablen Gesamteindruck dieses Schnäppchentipps nicht. 

Es ist kaum zu glauben, dass der Verkaufspreis von 30 Euro kostendeckend sein soll. Womöglich ist die junge Marke einfach zum Verzicht auf eine Marge bereit, um mit Lockangeboten auf sich aufmerksam zu machen. Der Köder ist jedenfalls sehr schmackhaft und hat aus meiner Sicht keinen Haken.

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3 Kommentare

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  • Also ich weiß nicht, aber ich finde selbst bei 30€ In-Ears sollte USB-C mittlerweile Standard sein.


  • Es gibt mittlerweile sehr viele gute True Wireless in ears, und das oft günstig.

    Habe mir für 40€ die EarFun Free gekauft.
    Die sind zwar ziemlich basslastig, aber sonst für mich klanglich ok und auch laut genug.
    Zudem hat das Case USB-C und lässt sich kabellos laden, IPX7 und AAC sind an Bord, etwa 5 Stunden Akkulaufzeit sind locker drin.


  • Oder die Strategie ist: Durch die fast verpflichtende App Daten sammeln und zu Geld machen, um was daran zu verdienen.

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