Was zum Teufel ist Clubhouse - und wo bekommt man Invites her?

Was zum Teufel ist Clubhouse - und wo bekommt man Invites her?

Seit einigen Tagen erlebt die iOS-App "Clubhouse" einen regelrechten Hype. Wenn Ihr mitreden oder gar mitmachen wollt, erzählen wir Euch hier alles, was Ihr über Clubhouse wissen müsst. Dabei widmen wir uns auch der Frage, wie Ihr an die raren Invites kommt. 

Es wird mal wieder eine Hype-Sau durchs digitale Dorf getrieben, zumindest in Deutschland. Denn während die App namens "Clubhouse" seit letztem Jahr im März am Start ist und bereits im letzten Sommer für jede Menge Buzz sorgte, hat sich das Interesse in Deutschland augenscheinlich erst in den letzten paar Tagen entwickelt. 

Wir werden Euch jetzt erzählen, was Clubhouse eigentlich ist, wer dahintersteckt, wie es funktioniert und wie Ihr an die augenblicklich heiß begehrten Invites für die App kommt, die es nur für iOS gibt und die sich nach wie vor in einer geschlossenen Beta-Phase befindet. Wir wollen aber auch ein paar Schattenseiten beleuchten. 

Was ist Clubhouse?

Klären wir also zunächst mal, was Clubhouse überhaupt ist. Es ist eine Social-App auf Audio-Basis. Dahinter steckt das Unternehmen Alpha Exploration Co und deren Gründer Paul Davison und Rohan Seth. Clubhouse startete letzten Frühling in seine geschlossene Beta und sorgte da direkt für viel Wirbel. Stand jetzt ist Clubhouse iOS-only und nur per Einladung nutzbar, aber auf der Seite kündigt das Unternehmen an, dass man das natürlich ausbauen will und die Plattform jedermann zugänglich machen möchte. 

Innerhalb von Clubhouse wird in "Räumen" kommuniziert. Ihr könnt öffentlichen Räumen beitreten und dort einfach nur still zuhören, was andere reden. Ihr könnt aber auch die Hand heben, wenn Ihr selbst was zum Thema beitragen wollt. Natürlich könnt Ihr auch selbst Räume aufmachen, wobei auch geschlossene Räume möglich sind, wenn Ihr "unter Euch" bleiben wollt.

Unterschieden werden also die verschiedenen Nutzer-Rollen Sprecher und Zuhörer, sowie Moderatoren, die die Diskussion leiten und die Entscheidung treffen können, ob jemand als Sprecher auf die virtuelle Bühne geholt oder von selbiger gekickt wird. Stellt Euch vielleicht einfach vor, dass es Podcast und Sprachnachricht miteinander treiben – der Nachwuchs müsste ungefähr sowas wie Clubhouse sein.

Diskussionen können vorab terminiert werden, sodass Ihr Euch Panels überlegen könnt, auf denen Ihr und eingeladene Personen über ein bestimmtes Thema diskutieren. Zusätzlich gibt es bei Clubhouse auch sogenannte Clubs, in denen es jeweils nur um ein bestimmtes Thema geht. Vermutlich ist das am ehesten sowas wie ein Äquivalent zu Forenbereichen oder Facebook-Gruppen.

Wieso der Hype um diese Plattform? 

Wenn Ihr ebenfalls schon länger im Internet unterwegs seid und viele Social Networks und Plattformen ausprobiert habt, kennt Ihr den Trick, mit dem nun auch Clubhouse für Aufmerksamkeit sorgen konnte. Geschlossene Beta und rare Invites sind das Geheimnis. Sehr früh waren sehr prominente wie Ashton Kutcher und Paris Hilton mit von der Partie, das hat den Hypetrain in Bewegung gesetzt. Wer dabei sein will, braucht also zwingend eine Einladung einer Person, die bereits auf Clubhouse unterwegs ist.

Übrigens kann man dann im Profil auch lesen, von wem man eingeladen wurde. Wer besonders aktiv ist, kann sich weitere Invites verdienen und somit mehr Menschen einschleusen und sich in seiner Bubble beliebt machen. Dieser Trick mit der künstlichen Verknappung hat bei Clubhouse im letzten Jahr so gut funktioniert, dass die Plattform bereits bei gerade einmal 1.500 angemeldeten Nutzern von der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz mit 100 Millionen US-Dollar bewertet wurde. 

Dadurch, dass immer noch relativ wenig Menschen dort unterwegs sind, kann es Euch also durchaus passieren, dass Ihr dort Jared Leto, Drake, Kevin Hart oder auch Joko Winterscheidt über den Weg lauft und mit ihnen diskutieren könnt. 

... und wieso nun der verspätete Hype in Deutschland?

Mit dem guten Herrn Winterscheidt, der seit einigen Tagen auf Clubhouse aktiv ist, aber auch Politikern wie Christian Lindner (FDP) oder Influencerin Caro Daur schnuppern seit wenigen Tagen auch immer mehr Deutsche ins Audio-Klubhaus rein. Das ist insofern überraschend, weil es bereits im letzten Sommer – auch in Deutschland – mal ein wenig Aufmerksamkeit für die Plattform gab, der danach aber auch flott wieder abebbte. 

Dass die Nummer jetzt zumindest in Germanien so durch die Decke zu gehen scheint (ist ja immer eine sehr subjektive Wahrnehmung innerhalb einer Bubble), könnte an den Herrschaften Philipp Glöckler & Philipp Klöckner vom Doppelgänger Tech Talk Podcast liegen, die vor einigen Tagen ordentlich die Werbetrommel für Clubhouse gerührt haben. 

Wenig überraschend ist auch das Klientel auf Clubhouse ein sehr tech-affines. Ihr trefft dort also auf Menschen, die in Tech-Unternehmen arbeiten, über welche berichten, Startups gründen und auf Prominente, die sich – wie Winterscheidt – eben auch in solchen Filterblasen befinden. Mittlerweile finden sich dort mehr und mehr auch Influencer ein und die üblichen Early Adopter, wobei "Early" in diesem Fall eigentlich im Grunde gestrichen werden kann. 

Wie komme ich an so einen verdammten Invite?!

Wie bereits erwähnt kommt nicht jeder rein, Clubhouse macht 'ne harte Tür, zumindest derzeit noch. Nur iOS aktuell und eben nur auf Einladung. Ihr müsst aber nicht zwingend warten, bis Ihr zufällig im Bekanntenkreis auf jemanden trefft, den Ihr wegen eines Invites anschnorren könnt. Dazu verweise ich wieder auf den Doppelgänger-Podcast, denn die beiden Jungs haben sich überlegt, hier als "Schleuser" zu fungieren und eine entsprechende Telegram-Gruppe (https://t.me/doppelhouse) ins Leben gerufen. 

Dort bieten dann Clubhouse-Nutzer kostenlos ihre Invites an, die Ihr als Teilnehmer der Gruppe dann abgreifen könnt. Einzige Bedingung: Ihr verpflichtet Euch damit, Eure Invites ebenfalls dort zur Verfügung zu stellen, damit die nächsten dann ebenfalls profitieren. 

Das fette "Aber ..."

Seid Ihr jetzt heiß auf Clubhouse und wollt unbedingt mit einsteigen? Dann kommt hier jetzt die kalte Dusche, Freunde. Klar, Android-Nutzer sind erstmal außen vor und damit der größte Teil der weltweiten Smartphone-Nutzer. Außerdem ist es natürlich für Taube oder Schwerhörige keine Option, da sich alles über Audio abspielt. Das richtig fette "Aber ..." ist eigentlich die Tatsache, dass die Macher einen Kardinalfehler gemacht haben, den schon viele Plattformen vor ihnen ebenfalls machten: Es fehlten lange entscheidende Guidelines!

Zwar erklären die beiden Gründer, dass man daran werkelt und hat vor einigen Tagen auch aktualisierte Regeln kommuniziert, aber Stand jetzt haben wir es mit einer im Grunde unkommentierten Plattform zu tun, bei der die Betreiber nicht selbst eingreifen und in der lediglich die jeweiligen Moderatoren als Instanz gelten. Wenn der Moderator aber seinen Raum moderiert, in welchem gegen Linke, Frauen, Muslime oder linke, muslimische Frauen gehetzt wird, kann er diesen ganzen Hass locker durchwinken. Mittlerweile kann man auch Verstöße melden (auch das ging lange nicht), aber die Frage ist, wie ihr bei Audio-only-Vergehen beweisen wollt, dass ein Nutzer tatsächlich übergriffig wurde oder sich rassistisch äußerte. Maggie Tyson hat sich dazu recht ausführlich auf Instagram zu Wort gemeldet

Immer wieder tappen Erschaffer solcher Social Networks in diese Falle: Man möchte um jeden Preis wachsen und spannend sein und konzentriert sich auf alles Mögliche, aber nicht auf die Regeln und Umgangsformen. So kommt es, dass sich bei Clubhouse eben auch Neonazis, Verschwörungstheoretiker, Sexisten mit Vergewaltigungs-Witzen und ähnliches Zeug die virtuelle Klinke in die Hand geben. 

Ebenso sehr bedenklich: Wenn Ihr die App installiert, verlangt sie Zugriff auf Euer komplettes Adressbuch. Ihr rückt also nicht nur Eure Daten raus, sondern die euer Kontakte gleich mal mit. Ihr verknüpft dann im Profil auch noch Twitter und Instagram? Glückwünsch – die Daten sind damit allesamt flotter auf den Servern in den USA angekommen, bevor ihr "Verdammtes WhatsApp, ich wechsel zu Signal" sagen könnt. 

Clubhouse: Hot oder Schrott?

Ich kann jetzt schlecht Clubhouse in der Luft zerreißen, weil es so wirken würde wie eine beleidigte Reaktion, weil man mich als Android-Nutzer nicht mitmachen lässt – und ein bisschen würde es sogar stimmen. Die Plattform klingt nämlich spannend, wenn man berücksichtigt, dass man auf prominente Gesprächspartner treffen kann und sich dort vor allem Experten zu vielen Themen dort vernetzen können. 

Allerdings befürchte ich, dass die Nummer nicht funktioniert, wenn Clubhouse von mehr und mehr Nutzern überrannt wird und dieser Austausch mit Promis dann ebenso unwahrscheinlich wird wie auf Twitter und man in einem Meer von Marketing-, Influencer-, Schneeballsystem-, Buzzwort-,Pitch-Schwachsinn ertrinkt. Dazu kommen die erwähnten Haken bezüglich des Sexismus / Rassismus-Wildwuchses und die Datensicherheits-Geschichte. 

Mag sein, dass Clubhouse gekommen ist um zu bleiben, weil es ja tatsächlich eine spannende Idee mitbringt. Persönlich würde ich mich aber auch nicht darüber wundern, wenn Clubhouse weiter was für eine spezielle Nische bleibt und der fette deutsche Hype flott wieder vorbei ist, wenn die Early Adopters eine andere fancy App entdeckt haben. Wer sich also ärgert, dass er nicht eingeladen wird, oder das falsche Smartphone besitzt: Haltet noch aus, der Spuk ist möglicherweise bald vorüber. 

Via: t3n

10 Kommentare

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  • Harald Pailliart vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    ..... kann es Euch also durchaus passieren, dass Ihr dort Jared Leto, Drake, Kevin Hart oder auch Joko Winterscheidt über den Weg lauft....

    Wer? Ich gestehe, ich kenne keinen einzigen von denen.
    Ach ja, dieses "Clubhouse" wird genauso schnell wieder verschwinden, wie es aufgetaucht ist.


  • Ludwig vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Ich habe da auch noch was ganz Spezielles,
    einfach nach Corona in ein Bistro gehen, das Handy daheim oder im Auto lassen und sich mit anderen übers Wetter, Frauen, Männer, oder sonstwas unterhalten, soll sogar richtig Spaß machen und kann sogar recht lustig sein.
    Ich kann diesen ganzen Scheiß über Social Ballaballa echt nicht mehr hören/lesen.
    Es gab Zeiten da wurde sich im Dorf auf der Straße gegrüßt, heute laufen sie mit dem Handy in der Hand aneinander vorbei und merken nicht mal, daß da jemand war.


    • Torsten vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Als Kind lebte ich in einem kleinen Dorf (1.500 Einwohner). Nach der Grundschule dann Schule in der Stadt und erst mal völlig perplex, dass man sich da nicht grüßt auf der Straße. Nach Gewöhnung dann in Gedanken auf dem Heimweg die Nachbarin übersehen... Gab am nächsten Tag glatt einen Anschiss durch die Eltern, weil die Nachbarin mich "Grüßmuffel" gepetzt hat.

      Heute wär es wahrscheinlich umgekehrt und ich Dauergrüßer bekäme gesagt, ich soll die Nachbarin nicht so belästigen 🤣


  • Thomas vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    schon alleine dieses Invite getue hält mich von sowas ab,dass war bei One Plus genauso und ich halte mich auch nicht für so elitär,dass ich unbedingt bei sowas mit machen muss


    • Tenten vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Sehe ich auch so. Bei Invite bin ich schon raus, sowas mache ich nicht mit. Man wird auch nicht zum Kult, weil man sich selbst künstlich verknappt.


  • Torsten vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Also ist das sowas ähnliches wie Discord, nur statt Nerds für Coole?


  • Tobias G. vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Ihr verknüpft dann im Profil auch noch Twitter und Instagram? Glückwünsch – die Daten "sind damit allesamt flotter auf den Servern in den USA angekommen, bevor ihr 'Verdammtes WhatsApp, ich wechsel zu Signal' sagen könnt."
    Schönes Statement ;)

    Stimme dem vorletzten Absatz voll zu, nachdem ich gelesen habe, was das sein soll. Entweder es bleibt klein und die Leute sollen sich freuen, oder es wird groß und überlaufen mit Werbemüll & co.


  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Ich muss zugeben: Die Clubhouse-Idee finde ich unglaublich cool. Aber die Punkte, die Casi oben anbringt sind natürlich sehr valide. Wenn wir es hier wieder mit einer Plattform zu tun haben, auf der wie wild ganz ohne Netiquette losposaunt werden darf – dann kann man nur erahnen, wie es dort sehr bald zugeht.


    • Simeon S. vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      So wie auf jeder Social Media Plattform. Voller Trolle, schlechte Diskussionskultur...

      Aber ich bin mir nicht ganz so sicher ob es denn genauso wird. Denn wenn wirklich alles mit "Sprachnachrichten" funktioniert könnte das etwas zurückrudern. Immerhin ist man dann nicht mehr ganz so anonym wie wenn man nur Schreibt. Man traut sich dann vermutlich nicht mehr wirklich alles zu schreiben. Aber genau weiß ichs nicht.


      • Tenten vor 6 Monaten Link zum Kommentar

        Das hatte man damals bei so Plattformen wie Chatroulette oder wie die hießen auch gesagt, was soll da schon sein, ist ja nicht anonym und so. Und am Ende saßen da trotzdem nur nackte Vollspacken vor der Kamera.

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