WhatsApp: EU ruft Anordnung zurück – Geht das AGB-Chaos wieder los?

WhatsApp: EU ruft Anordnung zurück – Geht das AGB-Chaos wieder los?

In Deutschland hat sich für die umstrittenen WhatsApp-AGB vor einigen Monaten eine bequeme Lösung ergeben. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte rief eine Anordnung aus, die viele der Konsequenzen für Nutzer:innen um drei Monate aufschob. Nun ruft die EU die Anordnung zurück – geht das Chaos um die WhatsApp-AGB etwa wieder los?

  • EU ruft Anordnung des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar zurück
  • Irische Datenschutzbehörde sei in Europa für Facebook zuständig
  • Europäischer Datenschutzausschuss will nun Verstoß WhatsApps gegen die DSGVO prüfen

Im Mai 2021 handelte sich der Messenger WhatsApp einen massiven Datenschutzskandal ein. Die Einführung neuer AGB sollte bei WhatsApp dafür sorgen, dass Nutzerdaten mit Facebook und den dazugehörigen Unternehmen geteilt werden konnten. Während Camila damals die Änderungen ausführlich zusammengefasst und kommentiert hat, kann ich das ganze in Deutschland abkürzen:

Eine Anordnung des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar verzögerte die Konsequenzen für Nutzer:innen erst einmal für drei Monate. Wie die Kolleg:innen von Giga berichten, wurde diese Anordnung jetzt aber vom Europäischen Datenschutzausschuss (nachfolgend EDSA) gekippt. Heise zitiert die EDSA diesbezüglich, dass die "Voraussetzungen für den Nachweis des Vorliegens einer Zuwiderhandlung und einer Dringlichkeit nicht erfüllt" waren.

Irische Datenschutzbehörde zuständig, nicht Hamburg

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat das Inkrafttreten der AGB demnach also zu Unrecht verschoben. Dieser zeigte sich gegenüber Heise besorgt, sieht sich in einem Punkt aber durchaus bestätigt. Denn obwohl seine Anordnung für ungültig erklärt wurde, soll nun eine unrechtmäßige Datenverarbeitung zwischen WhatsApp und Facebook geprüft werden.

Hauptakteur hierbei wird die irische Datenschutzbehörde sein, denn schließlich hat Facebook dort sein europäisches Headquarter. Kann hier nachgewiesen werden, dass WhatsApp bereits Daten an Facebook weitergeleitet hat, würde das einen Verstoß gegen die DSGVO bedeuten.

Wieder ein Rückschlag für WhatsApp-Nutzer:innen

Nach neustem Stand soll also geprüft werden, ob WhatsApp Nutzerdaten nicht sowieso schon mit Facebook teilt. Eine Befürchtung, die viele Nutzer und Nutzerinnen vor einigen Monaten zu Alternativen zu WhatsApp getrieben hat. 

Wer in der Übermittlung von Nutzerdaten zu Facebook ein Risiko oder in den Entwicklungen wie der stellvertretende Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Ulrich Kühn "keine gute Nachricht für die Betroffenen und den Datenschutz in Europa insgesamt" sieht, der sollte WhatsApp schlicht und einfach nicht mehr nutzen.

Stellt sich am Ende nämlich heraus, dass es bereits zu einem Datenaustausch zwischen Facebook und WhatsApp kam, wird dies zwar Konsequenzen für Facebook haben. Aus Sicht des Datenschutz ist das Kind aber dann bereits in den Brunnen gefallen. Denn Facebook kann die Daten nicht "zurückgeben", sondern sich lediglich auf zukünftige Sanktionen oder Einschränkungen einstellen. Sind Euch Eure Daten wichtig und seid Ihr WhatsApp aufgrund der Anordnung im Mai treu geblieben, sind die aktuellen Entwicklungen sicher ein weiteres Zeichen für einen Wechsel.

Wie Ihr von WhatsApp zu Signal wechselt und wie die Migration zwischen Telegram und WhatsApp funktioniert, erfahrt Ihr in den verlinkten Artikeln. Natürlich halten wir Euch auch über die zukünftigen Entwicklungen auf dem Laufenden.

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7 Kommentare

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  • Peco vor 5 Tagen Link zum Kommentar

    hmm ein grossteil benutzt doch windows zuhause, da kriegt microsoft doch eh achon datensätze. wäre es dann nicht sinnvoll skype oder was MS noch hat zu benutzen? um nur einem dienst daten zu geben?

    oder ist es hier sinnvoller seine aktionen auf verschiedene sammelwütige apps zu verteilen, um die zusammensetzung eines gesamtbildes einer person zu erschweren?

    ich werd vorerst bei whatsapp bleiben. aber jeder wie er mag.


  • Robbi vor 6 Tagen Link zum Kommentar

    WhatsApp und Facebook schon lange nicht mehr auf dem Handy.


  • Robbi vor 6 Tagen Link zum Kommentar

    Habe mich schon lange von Facebook und WhatsApp losgesagt, ich vermisse nichts.


  • Robbi vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Die Deinstallation ist von mir schon längst vollzogen.


  • Aries vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Genau wegen diesem juristischen Hickhack bin ich für die Abstimmung mit der Fingerkuppe durch antippen der Deinstallation. Würden das genug machen, muss niemand Nachteile befürchten.

    Ist nur die Frage, in welches geschlossenes System man wechselt oder ob man richtig von WhatsApp gelernt hat und auf XMPP/Jabber setzt.


  • HEB vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Und wieder kuschen die Verantwortlichen vor Facebook. Wollen wir wirklich das diese tech Giganten eine solche Macht über uns haben? Ist es uns das wert für ein bisschen Bequemlichkeit weil wir nicht bereit sind über unsere Daten nachzudenken?


  • René H. vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Das war auch nicht anders zu erwarten. Am Ende wird es wieder heissen "Der Nachweis kann nicht erbracht werden".

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