WhatsApp und das AGB-Chaos: Jetzt reicht's Europa!

WhatsApp und das AGB-Chaos: Jetzt reicht's Europa!

WhatsApp zieht weiterhin den Zorn auf sich, diesmal von europäischen Verbraucherschützern, die mit ihrer Beschwerde bei der EU-Kommission vorstellig wurden. Der Grund dafür: Der übermäßige Druck, der auf WhatsApp-Nutzer:innen ausgeübt würde. 

  • Europäische Verbraucherschutzorganisationen haben in Brüssel offiziell Beschwerde gegen WhatsApp eingelegt.
  • Grund sei der ausgeübte Druck auf die Nutzer:innen und die Beeinträchtigung der Wahlfreiheit
  • Verlangt werden auch klare und transparente Vertragsbedingungen

Wird der Ärger um WhatsApp eigentlich jemals abflauen? Wieder gibt es eine Beschwerde und wieder geht es dabei um die geänderten Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen des beliebten Messengers. Europäische Datenschützer haben nun gleich mehrere Kritikpunkte angesprochen und das in Brüssel – bei der EU-Kommission.

Unangemessener Druck von WhatsApp

Sehr penetrant weist WhatsApp auf seine neuen AGB hin und übt damit wieder und wieder Druck auf viele seiner Nutzer:innen aus. Zum Stichtag am 15. Mai sollten die auch in Deutschland in Kraft treten. Die Facebook-Tochter drohte zwischendurch sogar das Einschränken verschiedener Funktionen an, sollte man den neuen Nutzungsbedingungen nicht zustimmen. 

Die Aufforderungen zum Annehmen dieser Bedingungen werden so häufig und auch in so undurchsichtiger Art und Weise auf die WhatsApp-Nutzer:innen abgefeuert, dass es europäischen Verbraucherschützern nun reichte: Die europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC und acht untergeordnete Verbraucherschutzverbände haben sich offiziell in Brüssel bei der EU-Kommission über WhatsApp und das Geschäftsgebaren des Messengers beschwert. 

"Der Inhalt dieser Benachrichtigungen, ihre Art, ihr Zeitpunkt und ihre Wiederholung üben einen unangemessenen Druck auf die Nutzer aus und beeinträchtigen ihre Wahlfreiheit", hieß es am Montag in einer Mitteilung von BEUC.

Die BEUC-Chefin Monique Goyens erklärt dazu: "Seit mehreren Monaten bombardiert WhatsApp seine Nutzer durchgehend mit aggressiven Nachrichten, um sie dazu zu bewegen, die neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien zu akzeptieren. Aber die Nutzer wissen gar nicht, was sie da akzeptieren!"

Nutzerdaten würden dadurch ohne ausreichende Zustimmung weiterverarbeitet, ergänzt sie und fordert die EU zu Maßnahmen gegen WhatsApp auf. Auf diese Weise sollen die Rechte der Verbraucher:innen sowohl respektiert als auch geschützt werden.

Transparente Kommunikation Fehlanzeige!

Die Verbraucherschutzverbände sprechen auch deswegen von unlauteren Geschäftspraktiken, weil die Meldungen WhatsApps nicht nur häufig wiederkehrend sein, sondern zudem auch nicht klar genug formuliert. Nutzende haben jedoch ein Recht auf transparente und nachvollziehbarer Kommunikation. Fakt wäre aber vielmehr, dass sie sich vor allem davon kein Bild machen könnten, welche Daten nun zwischen WhatsApp und Facebook weitergegeben würden. 

Facebook als Konzernmutter WhatsApps spricht gegenüber Netzpolitik.org beschwichtigend von einem Missverständnis seitens der BEUC. Laut Handelsblatt fordert der Europäische Verbraucherverband wiederum nun dazu auf, dass europäische Verbraucherbehörden und die EU-Datenschutzbehörden zusammenzuarbeiten sollen, um Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre und der Verbraucherrechte endgültig auszuräumen.

Persönlich glaube ich, dass hier das letzte Kapitel längst noch nicht geschrieben ist und möchte Euch auch erneut dazu ermutigen, Euch nach Alternativen zu WhatsApp umzuschauen. Gründe gegen WhatsApp gibt es schließlich genügend. Ein Abwandern der User:innen scheint nämlich wohl das Einzige zu sein, auf das Facebook und WhatsApp reagieren. Lasst uns gerne in den Comments wissen, falls Ihr schon abgewandert seid und auch, ob Ihr glaubt, dass diese an die EU gerichtete Beschwerde von Erfolg gekrönt sein könnte. 

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Top-Kommentare der Community

  • Aries vor 2 Wochen

    WhatsApp bzw. Facebook müssen seitens der EU eine klare Ansage bekommen, dass man sich das nicht gefallen lässt. Aber soetwas dauert Jahre. Wir Nutzer können im Grunde von heute auf morgen etwas erreichen. Wenn innerhalb kurzer Zeit die Nutzer davonlaufen, dann reagiert Facebook auch schnell, denn das tut ihnen auf dem Konto weh. Der beste Beweis war doch die Verschiebung von Februar auf Mai. SIe haben gemerkt, dass zu viele Nutzer ernst machen.

    Das bedeutet allerdings auch, dass die Nutzer konsuequent sein müssen und das WhatsApp-Konto löschen und anschließend die App deinstallieren. Solange andere Nutzer einen noch bei WhatsApp finden, wird der Kreislauf nicht durchbrochen, dass man ja auf WhatsApp alle Freunde hat und kaum welche auf anderen Systemen.

    Nur sollte bitte niemand mehr auf Telegram hereinfallen. Das halte ich für noch problematischer als WhatsApp. Nicht nur aus technischer, sondern auch aus rechtlicher Perspektive. Telegram verarscht die Nutzer mit Ihrer angeblichen Sicherheit noch mehr als WhatsApp. Die ist nichts wert, wenn man sich deren Verfahren genau ansieht.

    WhatsApp hat gesagt, dass die neuen AGB in Europa nicht gelten und man zunächst auch keine Einschränkungen hat, wenn man ihnen nicht zustimmt. Da stellt sich zum einen die Frage, was heißt "zunächst"? Wann starten sie den nächsten Versuche, die Zustimmung zu bekommen? Zum anderen muss man erkennen, dass man nach einem Werksreset oder durch ein neues Telefon nur noch den neuen AGB zustimmen kann. Dann hat man keine Wahl mehr. Daran ändert auch ein Restore aus einem Backup nichts. Ich wette, darauf setzt WhatsApp. So haben sie nach spätestens zwei Jahren im Prinzip doch allen die neuen AGB untergeschoben.

51 Kommentare

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  • Thomas Oppenheim vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Interessante Diskussion. Ich hätte da mal vielleicht eine Lösung. Wie wäre es denn, wenn jeder Internet-User seine Identität auf einer Plattform frei schalten könnte. Wenn ich z.B. meine Mailadresse dort registrieren lasse, kann ich dort bestimmen, was mit dieser passieren darf. Darf sie von Usern weiter gegeben werden? Darf sie von Facebook und Co für ihre Interessen eingesetzt werden? Und so weiter. Die Mailadresse erscheint dann in einer bestimmten Farbe oder mit einem Symbol versehen. Der untersagte Einsatz wird dann durch die Server deaktiviert, die erlaubten aktiviert. Somit hätten wir eine digitale Selbstbestimmung.


  • Conjo Man vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Die einzigen Leute, die rumheulen würden, sind Diejenigen die für WhatsApp Nutzung plötzlich einmalig 5€ bezahlen müssten, wenn dadurch keine Daten mehr genutzt und weitergegeben würden ;-)


    • René H. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Ich bezweifle, dass FB die Daten nicht nutzen würde wenn man für WA zahlen würde. Dafür sind 5,- Euro zu wenig.


      • Conjo Man vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Threema kostet 2,99€ und nutzt die Daten nicht zum Geld verdienen


      • Aries vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Threema hat aber noch andere Modelle, um Geld zu verdienen. Sie verkaufen auch Lizenzen und Support an Firmen.


  • Pure★Aqua ツ vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Gleich geht wieder das Bekehren los ,yay.
    Nur so ein Tip , die meisten haben die Nummer schon von jemandem ohne den Besitzer überhaupt gefragt zu haben ,weil seine Kontakte sie bereitwillig einfach so weitergeben. Hier wird natürlich das Fass aufgemacht.
    Testet mal wieviele Leute Eure Nummer haben ohne das ihr es wisst. Aber nur WhatsApp ist der Böse und die Nutzer haben auch alle sichere Apps auf dem Handys ... Wacht einfach mal auf dem ist nicht so.

    Ps.: Ich krieg beim Artikel Augenkrebs. Gibts mal eine klare Linie mit Gendern bei Nextpit. Der eine machts der andere nicht. 🙈


    • René H. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Bei meinen Kontakten weiss ich, dass sie meine Nummer nicht weitergeben.

      Bei WA/FB geht es darum was FB mit den Nummern macht.


      • Pure★Aqua ツ vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Aber was geschieht denn dann ? Darauf les ich hier nie eine Antwort. Steht Ranchid vor der Tür oder ruft tausend mal an ,krieg ich jetzt Spam von der magischen Wunderlampe die ich bestellen soll ? Im kompletten Umfeld wo ich mich mal so umhöre kommt immer nur nichts als Antwort. Kein Nachteil ,keine Beweise das es irgendwie ausgenutzt wird.
        Was ist also jetzt das wirkliche Problem ?


      • René H. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Das Problem ist z.B. die SMS-Spamwelle. Ohne FB wäre sie vielleicht kleiner ausgefallen. Und viele wissen nicht wie man sich bei solchen SMSen korrekt verhält. Mal abgesehen von der DSGVO (Die verbietet die Weitergabe ohne Erlaubnis. Auch Privatbürger können zur Rechenschaft gezogen werden).


      • Aries vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Das Problem ist, dass Du gar nicht weißt, ob der Werbebrief oder Werbeanruf auf Daten von Facebook beruht.

        Es spielt auch keine Rolle, ob es noch andere Firmen gibt, die das gleiche machen. Facebook ist der größte und beschreibt sogar, was sie machen. Man muss es ihnen nicht einmal nachweisen. Sie nutzen dazu aber die Naivität der Anwender aus, denn bekanntlich liest ja kaum jemand AGB. Und wer das macht und die anderen warnt, bekommt Argumente entgegen, die vollkommen am Thema vorbeigehen. Nur aus Sorge, der Lieblingsdienst könnte verloren gehen.


      • René H. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        <<< Was ist also jetzt das wirkliche Problem >>>
        Viele Vodafone-Kunden sind Opfer von SIM-Swapping geworden. Auch wenn man VF eine Mitschuld zusprechen könnte (wenn Hotliner das Kundenkennwort nicht erfragen). Das ist eines der Probleme.


      • René H. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        <<< und beschreibt sogar, was sie machen >>>
        Es würde schon genügen die Daten zu verschlüsseln, und die APIs vor Bots zu schützen.


      • Aries vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Nein, Verschlüsselung würde nicht helfen. Dann könnten sie sie ja gar nicht mehr für den gewünschten Zweck verwenden.

        Außerdem muss man dazu sagen, welche Verschlüsselung gemeint ist.

        Transportverschlüsselung:
        Transprtverschlüsselt sind die Daten mittlerweile alle. Das bedeutet aber auch, dass sie nur auf dem Transportweg von Dritten nicht mitgelesen werden können. Aus Quelle und Ziel liegen sie unverschlüsselt vor.

        Dateisystemverschlüsselung:
        Damit liegen die Dateien verschlüsselt auf den Massenspeichern. Die greift aber nur, wenn man ein Gerät neu startet. Ist es gestartet, ist die Verschlüsselung offen. Diese Art vor Verschlüsselung soll davor schützen, dass Massenspeicher oder ganze Geräte ausgebaut und weggetragen werden und an anderer Stelle in Ruhe ausgelesen werden.

        Ende-zu-Ende-Verschlüsselung:
        Nur damit ist der Zugriff nur für die zwei Kommunikationspartner möglich. Wenn man es so sehen will, ist auch die Transportverschlüsselung eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, nur ist einer der Kommunikationspartner in diesem Fall eben WhatsApp und damit liegen für WhatsApp die Daten wieder lesbar vor. Normalerweise meint man damit aber die Verschlüsselung beispielsweise zwischen Dir und mir, wobei niemand der unsere Nachrichten transportiert, diese im Klartext bekommt. WhatsApp verwendet dafür sogar das Verfahren, das auch Signal verwendet und das deren Entwickler entwickelt haben und als Gold-Standard gilt. WhatsApp nutzt es nur nicht für alles, im Gegensatz zu Signal.

        Das liegt daran, weil Signal wirklich nur eine Dienstleistung erbringt und diese aus Spenden finanziert. Signal ist ein Verein und kein gewinnorientiertes Unternehmen. Daher auch der Aufruf in der App, während WhatsApp für Facebook zur kommerziellen Einnahmequelle werden soll.


      • Conjo Man vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        @Pure Aqua
        "...Was passiert denn dann..."

        Es wird nichts auffälliges passieren, sondern es wird "im Background" möglichst unauffälliges passieren. Die gesammelten Daten werden ausgewertet und genutzt - jedoch ohne die Zustimmung der Dritten (Deinen Kontakten aus Deinem Telefonbuch).


      • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Ich verstehe diese "was passiert denn dann" Frage überhaupt nicht. Das ist doch gar nicht von Belang, es reicht doch schon, wenn jemand ohne nachzufragen einfach meine Daten weitergibt. Das ist eine riesen Sauerei, auch ohne dass das irgendwelche Folgen hätte. Stell dir vor, dein Arzt lässt jeden, der danach fragt, einfach mal in deiner Patientenakte lesen, ohne dich vorher zu fragen. Da muss doch gar nichts passieren danach, du würdest mit Sicherheit sofort deinen Anwalt anrufen und diesen Arzt verklagen.


      • Pure★Aqua ツ vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Eine Patientenakte kannst du nicht mit der Telefonnummer vergleichen. Die Nummer kann schließlich auch so weitergegeben werden , während ein Arzt natürlich Schweigepflicht hat & ergo die Akte vor neugierigen Blicken ,unter Verschluss halten muss.
        Auch kann die Nummer durch diverse andere Apps auch abgegriffen werden und ich glaube niemand weiss ,das der andere Kontakt nicht genau so eine App vielleicht drauf hat.
        Auch die Weitergabe aktiv durch Kontakt konnte nie unterbunden werden.

        Zum Spam : Ging auch vorher ohne WhatsApp , einfach paar Nummern zufällig probieren hat sie nie abgehalten.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        "... während ein Arzt natürlich Schweigepflicht hat & ergo die Akte vor neugierigen Blicken ,unter Verschluss halten muss. "

        Diese "Schweigepflicht" hast Du auch. Denk mal an das Recht aller betreffend digitale Selbstbestimmung. Das besagt, dass Du jemanden explizit fragen mußt, bevor Du z.B. seine Telefonnummer weiter gibst. Machst Du bei WhatsApp automatisch. Und? Schon mal jemand gefragt?


      • Pure★Aqua ツ vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Wie oft noch CF brauch ich nicht da alle WhatsApp nutzen. So leicht ist es bei mir. Wer Angst hat seine Nummer geht sonst wohin ,soll mir eben keine geben.


      • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Ich weiß auch nicht, was du immer mit der Telefonnummer hast, Pure Aqua. Kannst du belegen, dass nur die Telefonnummer ausgelesen wird? Und auch nur eine einzige, und nicht alle, die einem Kontakt zugeordnet sind? Oder andere Daten, die man heutzutage bei einem Kontakt einträgt, also Adresse, Mailadresse, Geburtstag, Firmenzugehörigkeit, Ehepartner, Kinder oder Verwandte usw? Heutzutage trägt man nicht nur eine Telefonnummer ein, Kontakte werden heute gepflegt und immer wieder um alle möglichen Details ergänzt. Alles Details, die Facebook und WhatsApp nicht das geringste angehen. Also, wo genau ist belegt, dass einzig und allein die mobile Telefonnummer ausgelesen wird?


      • dieCrisa vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Juristisch ist der Fall klar.

        Die Frage von Pure★Aqua allerdings ist schon interessant - Antworten gibt es nicht wirklich darauf.

        "Schon mal jemand gefragt?"
        Das machen wohl eher wenige User.

        Wer hat schon fremde Personen auf seinen Schnappschüssen abgelichtet? Wurden die auch alle gefragt?
        Bin mal gespannt, wer den ersten Stein wirft....

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