In „Bargeld: Der stille Tracker in Eurer Hosentasche“ haben wir vor Kurzem erklärt, dass Bargeld gar nicht so anonym ist, wie viele denken. Wer etwa Zigaretten am Automaten kauft oder bei Rewe oder an der Tankstelle seine Geldscheine in einen Zahlautomaten steckt, dessen Geld wird registriert. Mehr noch. Bargeld beim Wocheneinkauf an der Kasse im Supermarkt abheben? Für viele Kunden ist das längst Routine – ob bei Aldi, Lidl, Rewe oder im Drogeriemarkt. Kostenlos, schnell, ohne den Umweg zum Geldautomaten. Doch der Komfort hat seinen Preis. Neben dem Verlust von Anonymität gibt es gleich mehrere Gründe, warum das Geldabheben an der Kasse problematisch sein kann.
1. Bargeld macht transparent
Ob Supermarkt oder Drogerie – viele Banken, insbesondere solche ohne eigenes Automatennetz wie jüngst die ING, bewerben den Service offensiv: Geldabheben beim Einkauf, völlig gebührenfrei. Doch jede Auszahlung wird im Kassensystem protokolliert. Wer zusätzlich Kundenbindungsprogramme wie Payback oder Lidl Plus nutzt, verknüpft seine Bargeldtransaktion mit einem detaillierten Einkaufsprofil – ein Datensatz, der sowohl Einkaufsgewohnheiten als auch zeitliche Bewegungsmuster offenlegt.
Verbraucherschützer kritisieren diese Praxis scharf und haben Lidl wegen der Datenverarbeitung in der Lidl-Plus-App bereits verklagt. Am klassischen Geldautomaten hingegen bleibt der Händler außen vor – und damit auch die zusätzliche Datenspur.
2. Erhöhtes Risiko für Diebstahl
Das Eingeben der PIN in einem belebten Kassenbereich ist oft weniger diskret als am Geldautomaten einer Bank. Besonders Selbstbedienungskassen bergen ein erhöhtes Risiko für sogenanntes „Shoulder Surfing“ – das Ausspähen der PIN durch Dritte. Hinzu kommt die Gefahr eines Überfalls nach der Bargeldabhebung: auf dem Parkplatz, an einer Bushaltestelle oder auf dem Heimweg, insbesondere bei Dunkelheit oder geringer Frequentierung.
3. Obacht, Falschgeld
Nach Angaben der Deutschen Bundesbank wurden 2024 rund 72.400 gefälschte Euro-Banknoten im Wert von 4,5 Millionen Euro aus dem Umlauf gezogen – ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am häufigsten betroffen: 20- und 50-Euro-Scheine, da sie im Alltag am häufigsten genutzt werden.
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Auffällig ist: Das meiste Falschgeld taucht im Einzelhandel auf und wird oft erst erkannt, wenn es später bei der Bank eingezahlt wird. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, an der Supermarktkasse eine „Blüte“ zu erhalten, ungleich höher als am Bankautomaten – dort gilt das Risiko als nahezu null.
Das Bundeskriminalamt warnt: „Wer Falschgeld entgegennimmt und es zu spät erkennt, bleibt auf dem Schaden sitzen. Eine Entschädigung gibt es nicht. Wer es wissentlich weitergibt, macht sich strafbar.“
Weitere Kritikpunkte – auch aus dem Bankensektor
Selbst aus den Reihen der Banken kommt Skepsis gegenüber Bargeld. Die Sparkasse weist darauf hin, dass Banknoten oft mit einer Vielzahl von Keimen und sogar Spuren illegaler Substanzen wie Kokain belastet sind – Folge ihres langen Umlaufs. Studien belegen, dass Bargeld nicht nur hygienisch problematisch sein kann, sondern in seltenen Fällen auch ein gesundheitliches Risiko darstellt.
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Dieser Artikel scheint mir mal wieder typisches Bargeld-Bashing zu sein, mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten.
Zu 1.)
Wer Kundenbindungsprogramme verwendet, verkauft seine Daten unabhängig von der Zahlweise, auch bei Kartenzahlung oder Handyzahlung. Die Abhebung an der Kasse ist zudem praktisch angesichts abnehmender Bankautomaten, die zudem für Fremdkunden nicht immer kostenlos sind, und die Kasse am Supermarkt mag zwar den Auszahlvorgang registrieren, kann aber normalerweise nicht die Seriennummern der Scheine erfassen – anders als ein Bankautomat. Da die Kassen im Supermarkt zudem besetzt oder überwacht sind, sollten Manipulationen dort sogar schwieriger sein als an Bankautomaten die häufig unüberwacht sind. Bekannt sind mir solche Manipulationrn an Kartenlesern on Supermärkten überhaupt nicht.
Und selbstverständlich registrieren die Kassen auch bargeldlose Zahlvorgänge. Also absolut kein Argument gegen Barabhebungen im Supermarkt oder auch Barzahlungen dort.
Zu 2.)
An den mir bekannten Selbstbedienungskassen ist das "Shoulder Surfing" auch nicht einfacher als an Bankautomaten. Zudem sind, wie schon unter 1. dargestellt, diese Bereiche oft überwacht, was das Anbringen z.B. von Kameras erschwert.
Karten lassen sich, im Zusammenhang mit ausspionierten Pins, genauso klauen. Im Fall von Raub an dunklen Bushaltestellen sollte der Verlust von vielleicht 200 € Bargeld angesichts der Lebensbedrohung verkraftbar sein. Ein Räuber kann auch einen Kartenbesitzer zur Abhebung zwingen oder zumindest zur Herausgabe von Karte und Pin.
Und macht ein Räuber Bar-Beute, macht ihn das möglicherweise weniger aggressiv.
Zu 3.)
Etwa 73000 Scheine sind wenig, wenn man bedenkt wieviel im Umlauf sind, das Risiko ist also gering. Falschgeld kann man nicht nur bei der Abhebung erwischen, sondern auch als Rückgeld.
Hier ist ersichtlich wieviel Scheine etwa im Umlauf sind, wohlgemerkt jeweils in Millionen:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/186249/umfrage/euro-banknoten-bargeldumlauf
Da scheint mir die Wahrscheinlichkeit, einen falschen Fuffziger zu erwischen doch eher im.Bereich weniger ppm (Parts per Million, das sind Promill von Promill). Das deckt sich auch damit, das bei 1,5 Billlionen € Bargelumlauf (2022), 4,5 Millionen die aus dem Umlauf gezogen wurden, etwa 3 ppm ausmachen. Das Risiko kann man sagen, ist verschwindend gering, wobei es natürlich "Hotspots" gebäen kann, in denen es etwas höher ist.
Gerade die Kritik aus Reihen der Banken nehme ich nicht ernst. Wenn man an jeder bargeldlosen Transaktion verdienen kann, ist man natürlich gegen Bargeld.
Wieviel Erkrankungen durch den Kontakt mit Bargeld sind denn bekannt? Mir ist kein einziger dokumentierter Fall bekannt. Und Keime können auch an den Waren selber in geraumer Menge sein, die nicht nur durch viele Hände gegangen ist, sondern oft von anderen Kunden wieder zurückgestellt worden ist. Ein gewisser Kontakt mit Keimen ist zudem völlig natürlich und kann das Immunsystem in Bewegung halten und Allergien vermeiden (wird allerdings auch von manchen Forschern bestritten).
Auch wenn ich inzwischen vermehrt mit Karte zahlen muss gilt für mich persönlich immer noch "Nur Bares ist Wahres".
1. Bargeld macht transparent
"Doch jede Auszahlung wird im Kassensystem protokolliert."
Dies geschieht auch bei einer Kartenzahlung – IMMER.
Zahle ich bar, geschieht das NIE.
2. Erhöhtes Risiko für Diebstahl
"Besonders Selbstbedienungskassen bergen ein erhöhtes Risiko für sogenanntes „Shoulder Surfing“ – das Ausspähen der PIN durch Dritte."
Dies ist IMMER bei JEDER Kartenzahlung im Einzelhandel oder Restaurant gegeben, nicht nur beim Geldabheben.
Zahle ich bar, geschieht das NIE.
3. Obacht, Falschgeld
"Damit ist die Wahrscheinlichkeit, an der Supermarktkasse eine „Blüte“ zu erhalten, ungleich höher…"
Der Großteil des Falschgeldes wird über den Einzelhandel und den Dienstleistungssektor in Umlauf gebracht und nicht primär beim Geldabheben im Supermarkt.
"Studien belegen, dass Bargeld nicht nur hygienisch problematisch sein kann, sondern in seltenen Fällen auch ein gesundheitliches Risiko darstellt."
Das gesundheitliche Risiko, an der Kasse die PIN bei (jeder) Zahlung mit Karte einzugeben, ist oft höher als an einem klassischen Geldautomaten in einem geschützten Bereich. Zahlungsterminals und deren Tastaturen gehören zu den Gegenständen mit einer hohen Keimbelastung, da sie täglich von Hunderten von Menschen berührt werden. Studien haben gezeigt, dass sich auf solchen Oberflächen verschiedene Bakterien und Viren ansammeln können. Dieses Risiko steigt mit der weiteren Zunahme des "propagierten" bargeldlosem Bezahlen.
Der Handschlag gilt als eine der effizientesten Methoden zur Übertragung von Keimen. Der Grund dafür ist der direkte Haut-zu-Haut-Kontakt. Erreger, insbesondere Viren, können so unmittelbar von einer Person zur nächsten gelangen. Da wäre es doch viel sinnvoller, wenn wir das demnächst nur noch virtuell/digital machen (statt mit Bargeld zu zahlen), oder? Ich jedenfalls habe täglich mehr Hände in der Hand als Bargeld. Wenn es Dir tatsächlich um unser aller Gesundheit geht: Warne vor dem Handschlag!
"In "Bargeld: Der stille Tracker in Eurer Hosentasche" haben wir vor Kurzem erklärt, dass Bargeld gar nicht so anonym ist, wie viele denken."
Da hast Du die Kommentare offensichtlich nicht gelesen. Dort wie hier geht es eher um an den Haaren herbeigezogenes Geschwurbel. Damit lieferst Du gute Gründe für das Zahlen in bar – ohne es zu merken.