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Xiaomi

Xiaomi Mi 6

4,5

Pro

  • Enorme Leistung
  • Gute Hauptkamera
  • Fairer Preis
  • Dual-SIM

Contra

  • Eingeschränkter LTE-Support (Band 20 fehlt)
  • Schwache Selfies
  • Software-Umstellung umständlich
  • Kein MicroSD-Slot
  • Klinkenanschluss per Adapter (im Lieferumfang)
Foto: Handy Xiaomi xiaomi-mi-6

Pros des Xiaomi Mi 6

  • Enorme Leistung
  • Gute Hauptkamera
  • Fairer Preis
  • Dual-SIM

Contras des Xiaomi Mi 6

  • Eingeschränkter LTE-Support (Band 20 fehlt)
  • Schwache Selfies
  • Software-Umstellung umständlich
  • Kein MicroSD-Slot
  • Klinkenanschluss per Adapter (im Lieferumfang)

Xiaomi Mi 6: Preis und Verfügbarkeit

Je nach Ausstattung kosten die Modelle des Xiaomi Mi 6 beim Import 417 bis 537 Euro netto bei Trading Shenzhen. Hinzu kommen Versandkosten von 15 Euro und eine Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent; hier also rund 80 bis 100 Euro. Das Modell Xiaomi Mi 6 mit Keramik-Rücken, 6 GByte RAM und 128 GByte internem Speicher kostet brutto also 654 Euro. Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy S8 kostet mit 64 GByte internem Speicher und 4 GByte RAM brutto 759 Euro.

Xiaomi Mi 6: Design und Verarbeitung

Das Xiaomi Mi 6 ist, ähnlich wie viel moderne Top-Smartphones, vorne und hinten mit Glas bedeckt. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um das stabile Gorilla Glass. Dennoch macht das Mi 6 einen durchaus robusten Eindruck. Zudem ist Spritzwasserschutz vorhanden; ein in der Oberklasse gern gesehenes aber inzwischen übliches Extra.

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Das Mi 6 rutscht unglaublich leicht herum. / © NextPit

Xiaomi legt dem Mi 6 eine Gummi-artige Schutzhülle bei. Nur durch diese bekommt das gläserne Smartphone alltagstaugliche Gleiteigenschaften. Ohne Hülle rutscht das Mi 6 bei der leichtesten Schräglage von glatten Oberflächen ab. Dann droht ein Sturz und Bruch des Glases.

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Zieht dem Mi 6 lieber seine Hülle an, sonst rutscht es Euch davon. / © NextPit

Ohne die Hülle spürt man zudem ein kleines Spaltmaß zwischen der hinteren Glasplatte und dem Stahlrahmen. In der Spalte würde sich langfristig Schmutz ansammeln.

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die Glasrückseite lässt sich mit wenig Mühe abhebeln. / © NextPit

Der Rahmen ist seitlich je einmal und unten zweimal durch kleine Plastikschlitze unterbrochen, durch die die Antennen funken. Unten mittig finden wir den Typ-C-Anschluss, über den Strom, Daten und digitale Audio-Signale übertragen werden. Ein Klinkenanschluss fehlt, doch ein Adapter liegt bei.

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Plastikspalten lassen Signale am Metallrahmen vorbei. / © NextPit

Xiaomi Mi 6: Display

Das mit 5,15 Zoll verhältnismäßig kompakte Display legt sich fast randlos an die langen Seiten des Gehäuses, hat jedoch am oberen und unteren Ende größere Ränder als ein LG G6 oder gar ein Samsung Galaxy S8. Mit Full HD löst es für normale Betrachtung aus einem halben Meter gut genug auf; für VR ist es nicht zu empfehlen.

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Links das Mi 6 bei minimaler Helligkeit, rechts ein iPhone 6. / © NextPit

Die Helligkeitsregelung ist überdurchschnittlich gut

Besonders beim Einsatz im Freien fallen schlechte Helligkeits-Steuerungen bei manchen anderen Smartphone-Displays unangenehm auf; nicht so beim Mi 6. Schiebt sich eine Wolke vor die Sonne, regelt dieses Display genau rechtzeitig runter und das Display bleibt gut ablesbar. Kommt man aus dem Haus ins Freie, regelt die Automatik hoch und das Display kann mühelos gegen das helle Tageslicht anleuchten.

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Das Mi-6-Display ist tiptop. / © NextPit

Die maximale Helligkeit von 600 cd/m² (Herstellerangabe) reicht für die Berliner Mittagssonne gut aus. Die minimale Helligkeit von 1 cd/m² (Herstellerangabe) ist eine der niedrigsten, die ich gesehen habe. Beim Lesen des letzten Artikels vor dem Einschlafen hilft zusätzlich der Blaufilter im so genannten Lesemodus. Der Kontrast des IPS-Panels liege bei 1:1.500 und es decke den NTSC-Farbraum zu 94,4 Prozent ab.

Xiaomi Mi 6: Besonderheiten

Das Xiaomi Mi 6 hat noch einen der inzwischen fast ausgestorbenen Infrarot-Blaster. Mit ihm und der vorinstallierten App Mi Remote könnt Ihr in Restaurants den Fernseher ausschalten oder im Media Markt Chaos stiften.

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Kontrolliert Euren oder fremde Fernsehapparate mit dem Xiaomi Mi 6. / © NextPit

Des Weiteren findet der SIM-Schlitten Platz für zwei Karten. Führt Ihr also eine zweite Karte fürs Berufliche, für preiswerte mobile Daten oder für Reisen mit Euch, könnt Ihr beide Karten simulatan betreiben; jedoch nur jeweils eine davon mit dem LTE-Netz verbinden. 

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Zwei Augen, zwei SIM-Karten. / © NextPit

Xiaomi Mi 6: Software

Das uns von Trading Shenzhen zur Verfügung gestellte Testmuster war vorerst mit chinesischer Firmware ausgestattet - die sich immerhin auf Englisch umstellen ließ. Für die Installation des Play Stores sowie essenzieller Google-Dienste nutzt man die Backup-Schnittstelle als Hintertürchen. Das Resultat ist jedoch unvollständig: Gmail und Kalender lassen sich nicht mit Google synchronisieren. Außerdem fehlt die deutsche Sprache.

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Google-Fehler und mangelnder Sprach-Support machen den ROM-Wechsel fast unerlässlich. / © NextPit

Die sinnvollere Methode, das Mi 6 an unseren Markt anzupassen, ist mit einem kompletten Austausch der Firmware verbunden. Und den solltet Ihr einem Profi überlassen, wenn Ihr nicht zufällig schon einmal ein Smartphone mit einem alternativen ROM versehen habt. Der Entsperrvorgang via Mi Account, sowie das Finden und Aufspielen der richtigen Recovery und der Firmware sind gespickt mit kleinen Fallen, die selbst an meinem Geduldsfaden gezerrt haben.

Falls Eure Geduld für solche Spielchen nicht ausrecht, solltet Ihr den preiswerten Flash-Service wie den von Trading Shenzhen in Erwägung ziehen.

Dual Apps

Ähnlich wie Huaweis EMUI-Oberfläche kann Xiaomis Android-Interpretation MIUI App-Klone erstellen. Nutzt Ihr zwei Facebook- oder WhatsApp-Accounts parallel (was ja dank des zweiten SIM-Karten-Slots durchaus der Fall sein kann), könnt Ihr für den jeweils zweiten Account einen separaten Starter der App anlegen. Die App-Daten werden dann in einem getrennten Verzeichnis abgelegt, sodass Ihr die App unter zwei unterschiedlichen Kennungen verwenden könnt. Das Feature lässt sich auf alle installierten Apps anwenden - zumindest in der Theorie.

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Dual Apps sind wirkungslos. / © NextPit

In der Praxis jedoch scheitern die Dual Apps von Xiaomi. Bei der DrimSIM-App gibt es einen Network Error und Facebook wirft einen 104-Fehler "Incorrect Signature". Alternativ bietet Xiaomi in seinem MIUI mit Second Space eine Form des Multi-User-Supports von Android an. So habt Ihr eine weitere Möglichkeit, Apps doppelt zu verwenden. Dieser stößt in unserem Test jedoch auf Konflikte mit den Google Play-Diensten.

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Xiaomis Multi-User-Umsetzung scheitert an den Google Play-Diensten - oder umgekehrt. / © NextPit

App Lock

Ihr wollt das Starten bestimmter Apps mit einem doppelten Schutz versehen? Der App Lock kann etwa Eure Twitter-App hinter einer zweiten Displaysperre oder einem Fingerabdruck verbergen. Mir erschließt sich der Mehrwert dieser Funktion nicht, schließlich bringt Android durch die normale Displaysperre sowie Bildschirm-Anheften bereits wirksame Bordmittel zum sicheren Weitergeben des Smartphones mit. Leider hat Xiaomi jedoch das als Screen-Pinning bekannte Anheften des Bildschirms in MIUI entfernt. Eine von vielen rätselhaften Design-Entscheidungen des Herstellers für seine Android-Interpretation.

Child Mode

Im Kindermodus könnt Ihr ebenfalls Apps sperren. Das Sperrprinzip ist jedoch umgekehrt zu dem des App Locks: Der Kindermodus arbeitet mit einer weißen Liste sichtbarer Apps. Der Zugriff zu den restlichen Apps verbirgt sich hinter Eurer Displaysperre oder Eurem Fingerabdruck. Auch dies hätte Xiaomi durch Androids natives Screen Pinning lösen können.

Mi Account

Der Mi Account verschafft Euch Zugang zu einem recht guten Backup-System für App-Daten und SMS sowie zum Entsperren Eures Bootloaders. Letzteres ist nötig, wollt Ihr die chinesische Firmware durch eine europäische ersetzen.

Xiaomi Mi 6: Performance

Das Xiaomi Mi 6 ist pfeilschnell. Ein geschulter Blick aufs Datenblatt (unten) lässt schon ahnen, dass es das Gerät faustdick hinter den Ohren hat. Der Prozessor ist der neuste am Markt, der Arbeitsspeicher 50 Prozent größer als bei vielen Konkurrenten üblich und der interne Speicher schnell und üppig bemessen. In unserem Benchmark-Parcours lässt das Mi 6 selbst das vergleichbar ausgestattete Sony Xperia XZ Premium in einigen Kategorien hinter sich. Temperaturbedingt muss es jedoch nach mehrmaligen Durchläufen drosseln und rutscht insgesamt etwas nach unten. Hier einige Auszüge:

Auszüge aus den Benchmarks: Xiaomi Mi 6 vs. Sony Xperia XZ Premium vs. Samsung Galaxy S8

  3D Mark Sling Shot Extreme (Open GL ES 3.1) Geekbench 4.1.0 Multi Core PCMark Work 2.0 PCMark Storage
Xiaomi Mi 6 3247 5846 6769 4633
Sony Xperia XZ Premium 3246 6294 6338 4989
Samsung Galaxy S8 3174 6402 6135 4644

Benchmarks sind gewiss nur eine Momentaufnahme, da Software-Optimierungen die Zahlen ständig verschieben. Außerdem messen sie lediglich die Leistung der CPU oder der GPU oder des Speichers und nehmen keine Rücksicht auf Signalprozessoren, Machine-Learning-Optimierungen oder die Leistung der unterschiedlichen Antennen.

Das Mi 6 bietet nativen VoLTE-Support, mit Wifi-Calling sieht es aber nicht so gut aus. Das liegt jedoch eher an den Netzbetreibern als an Xiaomi, da sich diese nicht auf einen Standard einigen wollen und lieber jeweils ihr eigenes Süppchen kochen.

Xiaomi Mi 6: Audio

Dem Mi 6 fehlt der Klinkenanschluss - zumindest am Gerät selbst. Ein Adapter zum Anschluss an die Typ-C-Buchse liegt aber bei. Seine Handhabung gestaltet sich als einfach: einstecken, verbinden, hören. Die Signalqualität ist für den Hausgebrauch okay.

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Der Adapter funktioniert, geht aber wahrscheinlich schnell kaputt. / © NextPit

Der interne Lautsprecher klingt laut und sauber. Er beherrscht Stereo nach dem Schema, das man schon beim Huawei Mate 9 oder beim HTC 10 gesehen hat: Im Querformat strahlt der Lautsprecher neben der Selfie-Kamera nach vorne und der Lautsprecher rechts neben dem USB-Anschluss zur Seite ab. Der so entstehende Stereo-Eindruck ist okay, aber nicht so gut wie mit zwei nach vorne abstrahlenden Lautsprechern wie bei älteren HTC-Geräten oder beim Nexus 6P.

Xiaomi Mi 6: Kamera

Die doppelte Hauptkamera schießt zuverlässig gute Bilder und macht farbtreue, stabilisierte Videos. Leider tragen die Fotos der Hauptkamera zunächst ein Wasserzeichen, das man in den Optionen erst deaktivieren muss. Ein Bildrauschen in schwachen Lichtverhältnissen ist nicht zu erkennen. Dafür wird beim Blick aufs Detail fast immer ein Fleckenmuster erkennbar, das Eure Bilder unfreiwillig in Van-Gogh-Kunstwerke verwandelt.

4K-Videos könnt Ihr wahlweise normal, in Zeitlupe oder im Zeitraffer aufnehmen. Durch die Stabilisierung per OIS sehen die Timelapse-Aufnahmen auch aus der Hand geschossen noch ganz gut aus. Das Tempo des Zeitraffers legt Ihr in den Einstellungen selbst fest. Einzig der HDR-Modus für Videos war im Testgerät noch fehlerhaft, aber der Bug lässt sich in einem künftigen Software-Update sicherlich adressieren.

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Videos mit und ohne HDR, in Slow-Mo oder als Timelapse: Mit dem Mi 6 geht das alles. / © NextPit

Die Selfie-Cam hingegen war recht blass und liefert nicht so gelungene Schnappschüsse; vor allem bei Dämmerung oder im Gegenlicht solltet Ihr das Smartphone lieber jemandem übergeben, damit er von Euch und Euren Freunden ein Bild mit der Hauptkamera schießt.

Xiaomi Mi 6: Akku

Der Akku des Mi 6 hält lang und lädt schnell. Circa fünf Stunden Display-on-Time sind für die Nutzung bei täglichem Laden machbar. Binnen wenig mehr als einer Stunde ist der Akku für die Tagesnutzung ausreichend aufgeladen. Das mitgelieferte Ladegerät braucht einen EU-Adapter, den Trading Shenzhen mitliefert. Alternativ könnt Ihr ihn durch ein beliebiges Typ-C-Ladegerät mit Power Delivery ersetzen und damit gleich schnell aufladen.

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Nach vier Stunden Display-Zeit und knapp anderthalb Tagen Leerlauf ist der Akku des Xiaomi Mi 6 noch nicht leer. / © NextPit
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Eine Stunde Aufladen reicht für den täglichen Betrieb. / © NextPit

Xiaomi Mi 6: Technische Daten

Abschließendes Urteil

Das Xiaomi Mi 6 ist das schnellste Smartphone, das ich bis jetzt gestestet habe. Nach dem etwas aufwändigen Umrüsten vom China-ROM aufs MultiROM wurde auch der Support für die Google-Apps komplettiert. Euch empfehle ich, den kleinen Obolus an den Importeur zu entrichten, damit er die Lokalisierung der Software für Euch übernimmt.

Abgesehen vom LTE-Band 20 kann das Xiaomi Mi 6 alles, was man von einem heutigen Top-Smartphone verlangen kann und kostet dabei 300 Euro weniger. Zusammen mit einer Versicherung gegen Glasbruch lohnt sich der Kauf wahrscheinlich für die meisten von Euch, sofern Ihr nicht zwingend auf das LTE-Band 20 angewiesen seid.

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