Repeater waren gestern. Waren Meshnets, also vermaschte Netze, bis vor kurzem noch etwas für Freifunker und Profis, hält die Technologie langsam auch Einzug in herkömmlich vermarktete Consumer-Hardware. Sie sorgt für starken WLAN-Empfang im gesamten Haus oder in großen Wohnungen und eliminiert dabei die von Repeatern bekannten Geschwindigkeitseinbußen.

Google hat dazu kürzlich sein Fritz WLAN Repeater 1750E zusenden lassen, die sich dank Labor-Firmware ebenfalls in ein Meshnet verwandeln.

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AVM Meshnet vs. Google Wifi: Preis

Der Gesamtpreis Eures Mesh-Nets hängt von seiner Gesamtgröße ab. Obligatorisch sowohl für das vermaschte Netz mit AVM oder mit Google Wifi ist ein Modem. Im Falle von AVM ist dies in der Fritzbox integriert. Im Falle Google müsst Ihr den Router Eures Providers oder Eure bisherige Alternative weiterverwenden. Google Wifi kostet 249 für 2 oder 139 Euro für eine Einheit.

Den Mesh-Knoten stellt im AVM-Aufbau eine Fritzbox (7490/7590/7580) mit Firmware Fritz OS 6.80 oder neuer dar. Die Erweiterung des Meshs erfolgt mit Repeatern oder Powerline-Adaptern (1750E, 1240E, 546E, 540E). Sämtliche Komponenten müssen für den Mesh-Betrieb mit der experimentellen Labor-Firmware ausgestattet werden.

Die einfachste Mesh-fähige Fritzbox gibt es bei eBay für rund 164 Euro. Die Repeater kosten nur je rund 75 Euro. Das AVM-Setup kann für Euren Haushalt also die günstigere Variante sein, vor allem wenn Ihr viele Repeater benötigt. In Häusern empfiehlt sich für jedes Stockwerk einer, in Wohnungen in jedem zweiten Zimmer.

AVM Meshnet vs. Google Wifi: Einrichtung

Google wirbt zwar damit, dass die Einrichtung von Google Wifi besonders einfach ist. Und tatsächlich ist der Assistent der App recht einfach zu verstehen und geht Schritt für Schritt. Doch als einer der Satelliten sich partout nicht verbinden wollte, musste auch ich einmal den Support anrufen.

Außerdem solltet Ihr das WLAN Eures bisherigen Routers deaktivieren. In meinem Fall musste ich den Speedport als Modem und Telefonanlage weiterverwenden, denn diese Funktionen bietet Google Wifi nicht.

google wifi app
Die Wifi-App hat eine Art Newsfeed zum Status. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Google Wifi verwendet kein Passwort sondern Euer Google-Konto zum sicheren Login. Die Anmeldung erfolgt unabhängig davon, ob Ihr Euch im Heimnetz oder in einer anderen Internetverbindung befindet. Wollt Ihr Dritten den Zugang zu Eurer WLAN- und Smart-Home-Steuerung gewähren, erfolgt dies über so genannte Manager-Konten, die Euch, also dem Administrator unterstehen. Das Google-Wifi optimert und automatisiert sich von selbst und gibt Ratschläge zum Aufstellen der Einheiten.

google wifi app setup
/ Bildquelle: NextPit

AVM ist hier eleganter konzipiert, wenngleich der WLAN-Router mit integriertem Modem die seit über zehn Jahren handelsübliche, recht technisch-kompliziert anmutende Web-Oberbläche zur Einrichtung bietet. Die Authentifizierung erfolgt im Heimnetz per Gerätepasswort oder weltweit via MyFritz-Kennung.

fritzbox web interface
Dank Mobile Web Design funktioniert die Adresse fritz.box lokal auch super auf dem Smartphone. / © NextPit Bildquelle: NextPit

In Sachen Mesh ist die Einrichtung mit der Fritzbox leider noch nicht so elegant wie mit Google Wifi. AVM hat die Mesh-Funktionalität noch nicht fertig ausgetüftelt und bietet sie deshalb lieber erst einmal unter Beta-Status als Labor-Feature an. Labor heißt, dass Ihr eine experimentelle Firmware auf Eure Fritzbox aufspielen sollt. Unsere Test-Fritzbox lief mit Labor 6.88 im dreitägigen Test geschmeidig und viele Kunden nutzen die Labor-Software dauerhaft. Seid aber gewarnt, dass solche Experimente nach hinten losgehen können. Neben dem Download der Labor-Firmware für die Fritzbox solltet Ihr auch die Downgrade-Anleitung abspeichern.

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Im Heimnetz seht Ihr, welcher Repeater noch aktualisiert werden muss. Anschließend bekommen entsprechende Komponenten ein Mesh-Symbol. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Einmal auf Labor aktualisiert, müsst Ihr auch die Repeater und Powerliine-Adapter jeweils per Update Meshnetz-fähig machen. Das geht aus der Fritzbox-Verwaltung heraus. Das müsst Ihr zum Glück nur einmal machen; danach aktualisiert die Fritzbox Eure Mesh-Untereinheiten automatisch. Falls Euch die technischen Details zum Meshnetz interessieren, lohnt sich die Lektüre des entsprechenden Fragen-und-Antworten-Bereichs von AVM.

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Der Repeater dient dank LAN-Anschluss auch als WLAN-Brücke. / © NextPit Bildquelle: NextPit

AVM Meshnet vs. Google Wifi: Performance

Kommen wir endlich zum Wesentlichen und gucken, welches von beiden Setups schneller ist. In beiden Fällen haben wir eine zehn Meter lange Brücke aus Knoten und Satellit aufgebaut und die kleinen Zwei-Punkte-Meshnets jeweils am äußeren Punkt gemessen. Das Messgerät war ein Huawei MateBook E, je einmal mit einem ASUS-USB-Ethernet-Adapter und je einmal mit seinem integrierten Intel Dual Band Wireless-AC 8275 Adapter. Gemessen haben wir mit einem Speedtest.net-Server in Berlin.

WLAN-Brücke, LAN-Kabel

  Ping Download Upload
LAN-Referenz 2 ms 572,5 Mbps 196,3 Mbps
AVM Mesh 3 ms 106,9 Mbps 92,3 Mbps
Google Wifi 4 ms 95,1 Mbps 95,1 Mbps
google wifi connections
Auch Google Wifi hat an jeder Einheit Gbit-LAN-Anschlüsse. / © NextPit Bildquelle: NextPit

WLAN-Leistung, Mesh

  Ping Download Upload
WLAN-Referenz 4 ms 104,3 Mbps 94,1 Mbps
AVM Mesh 4 ms 102,5 Mbps 89,9 Mbps
Google Wifi 5 ms 92,3 Mbps 95,2 Mbps
Google Wifi (Priority) 7 ms 93,0 Mbps 95,1 Mbps

Fazit

Zum jetzigen Zeitpunkt muss man das AVM-Meshnet über Google Wifi empfehlen. Sowohl Preis als auch Performance sprechen klar für das Produkt, auch wenn die Einrichtung mit der Labor-Firmware weniger anfängerfreunlich ist.

Die Frage nach dem Langzeitsupport bleibt jedoch offen: Welches der beiden Geräte wird sich langfristig besser erweitern lassen? Welches integriert sich tiefer ins Smart-Home-Ökosystem? Google hat hier dank seiner internationalen Vernetzung etwas bessere Karten.

AVMs Hardware hingegen ist besser auf den deutschen Markt angepasst und bietet dank integrieter Modems und Telefon-Verwaltung praktische Alles-in-einem-Lösungen, die Google – vielleicht fatalerweise – ignoriert. Was bevorzugt Ihr?

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