Wenn im Iran Proteste eskalieren, greift das Regime zu seinem bewährten Mittel der Unterdrückung: Es schaltet das Internet ab. Bereits 2023 hallte der Ruf „Frau, Leben, Freiheit“ durch die Straßen. Ausgelöst durch den dramatischen Verfall der Währung befinden sich jetzt wieder täglich Tausende auf den Straßen Teherans und mittlerweile sogar auch in anderen Städten. Und das Regime möchte nicht, dass wir das im Rest der Welt mitbekommen. 99 Prozent des Internets wurden ausgeknipst.

Für die Menschen vor Ort ist der Zugang zum freien Netz überlebenswichtig. Ohne Internet können sie sich nicht koordinieren, keine Videos von den brutalen und oft tödlichen Übergriffen der Sicherheitskräfte verbreiten oder internationale Hilfe rufen. Die digitale Isolation soll die Proteste im Keim ersticken und die Verbrechen des Regimes unsichtbar machen. Es geht hier also nicht nur einfach um Kommunikation, sondern um echte Menschenleben – das ist also wahrlich kein billiger Clickbait! Die zentrale Frage ist: Wie können wir von außen helfen? Es gibt tatsächlich einfache und wirksame Wege, eine digitale Brücke zu bauen.

Snowflake: Eine Brücke ins freie Netz

Im ewigen Katz-und-Maus-Spiel zwischen staatlicher Zensur und digitalen Aktivist:innen sind dezentrale Technologien wie Snowflake eine entscheidende Waffe. Bekannte VPN-Dienste werden vom Mullah-Regime systematisch gejagt und blockiert. Und dann ist da natürlich noch die Starlink-Technologie von Elon Musk. Problem dabei: Die Empfangs-Hardware für diese Satellitentechnik ist lebensgefährlich zu schmuggeln. Deswegen braucht es mit Snowflake einen dezentralen Ansatz, den eine Regierung kaum zerschlagen kann.

Die Funktionsweise ist ebenso einfach wie genial und erfordert von den Helfenden – in dem Fall von Euch – nur wenige Klicks:

  • Durch die Installation einer kostenlosen Browser-Erweiterung (für Chrome, Firefox, Edge) wird der eigene Computer zu einer kleinen, temporären Brücke (Proxy) für Menschen in zensierten Ländern. Ihr stellt einen winzigen Teil der eigenen Internet-Bandbreite zur Verfügung, ohne dass die eigene Nutzung spürbar beeinträchtigt wird.
  • Snowflake dient quasi als „Startrampe“ in das anonymisierte Tor-Netzwerk. Der Name Tor steht für „The Onion Router“ (Der Zwiebel-Router), da die Daten wie bei einer Zwiebel durch mehrere verschlüsselte Schichten und Server geleitet werden, um die Identität der Nutzer:innen zu verschleiern. Ihr als die Helfenden stellt den ersten, entscheidenden Zugangspunkt zu diesem geschützten Netzwerk bereit.
  • Genau hier liegt die Genialität des Systems. Da weltweit aktuell über 120 000 Freiwillige ihre Computer als Brücken zur Verfügung stellen, entsteht ein riesiges, sich ständig veränderndes Netz von IP-Adressen. Für ein Regime ist es praktisch unmöglich, all diese privaten, unverdächtig aussehenden Verbindungen zu identifizieren und zu blockieren.

Ihr ladet Euch also lediglich die passende Snowflake-Erweiterung für Euren Browser herunter, oder ruft diese Seite auf Eurem Handy auf und aktiviert sie. Oben im Browser seht Ihr dann nicht nur das Schneeflocken-Icon, sondern auch eine Zahl. Die zeigt an, wie viele Menschen dank Eurer Bandbreite in den letzten 24 Stunden online sein konnten.

Eine Infografik erklärt die Browser-Erweiterung "Snowflake".
Es ist so einfach und so wichtig, den Menschen auf diese Weise zu helfen. Bildquelle: nextpit / Infografik erstellt mit NotebookLM

Die Assoziation des Tor-Netzwerks mit dem sogenannten „Darknet“ ruft bei vielen von uns fast zwangsläufig Bedenken hervor. Im Fall von Snowflake sind diese Sorgen jedoch unbegründet. Das Projekt ist darauf ausgelegt, sowohl für die Hilfesuchenden als auch für die Helfenden maximale Sicherheit zu gewährleisten.

Ist das legal? Ja, die Nutzung von Snowflake und das Teilen der eigenen Bandbreite sind in Deutschland vollkommen legal. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt klar, dass nicht die Nutzung des Netzwerks an sich unzulässig ist, sondern nur der Konsum oder das Anbieten illegaler Inhalte. Da Ihr lediglich die Technologie zur Verfügung stellt, macht Ihr Euch nicht strafbar.

Sind Eure Daten sicher? Ja, Eure persönlichen Daten sind zu jeder Zeit geschützt. Die Browser-Erweiterung hat dabei keinen Zugriff auf Dokumente, E-Mails oder sonstige private Informationen auf Eurem Rechner. Sie dient lediglich als die Schnittstelle, um den Datenverkehr umzuleiten.

Um die Zensur zu täuschen, nutzt Snowflake zudem eine clevere Tarnung: Die Technologie (WebRTC) lässt den Datenverkehr wie einen gewöhnlichen Video- oder Sprachanruf aussehen – eine für Zensoren unverdächtige Aktivität. Es wäre viel zu komplex und kostspielig, wollte das Regime versuchen, all diese Verbindungen zu überprüfen. Die Person, der Ihr helfen wollt, bleibt dabei völlig anonym. Die Methode ist somit bewusst einfach, sicher und ohne rechtliche Risiken konzipiert.

Fazit: Ja, jede Verbindung zählt!

Snowflake ist eine einfache, legale und sichere Methode, mit der jeder einen wirksamen Beitrag leisten kann, um den Freiheitskampf im Iran und den Kampf gegen Zensur in anderen autoritären Staaten zu unterstützen. Mit minimalem Aufwand wird der eigene Computer Teil eines globalen Netzwerks der Solidarität, das Zensurmauern durchbricht und Menschen den Zugang zu überlebenswichtigen Informationen sichert.

Ihr wollt helfen? Dann los! Oben sind die entsprechenden Links und es ist kinderleicht in Sekunden aktiviert. Der Zähler im Browser ist bei mir heute bereits zweistellig und das fühlt sich gut an, glaubt mir!