Wie Ihr sicherlich wisst bin ich in in der Gruppe „Samsung mobilers“. Viele von Euch wissen vielleicht nicht, was es mit den Samsung mobilers auf sich hat. Samsung möchte im Zuge besserer Handys auf das Urteil der Nutzer zurückgreifen. Hierzu wurde eine Art Wettbewerb ins Leben gerufen: nämlich die Samsung mobilers. Diese Gruppe besteht aus insgesamt drei Teams à 6 Personen. Der gesamte Wettbewerb ist aufgebaut in drei Phasen, in denen die Teams mehr oder weniger gegeneinander antreten und versuchen die besten Konzepte zu erarbeiten.

In der ersten Phase geht es darum möglichst viele Informationen zu sammeln, die dann in Phase zwei zu konkreten Ideen, und in der dritten Phase zu einem echten Konzept zusammengefügt werden.

Zunächst muss man den Mut von Samsung absolut bewundern. Denn der Schuss könnte eigentlich auch nach hinten losgehen. Wir dürfen und sollen nämlich über unsere Ergebnisse in jeder Art und Form frei berichten können. Damit hat Samsung per se kaum eine Handhabe Informationen zielgerichtet steuern zu können. Und es ist ganz offensichtlich auch nicht wirklich gewünscht. Es geht um die ehrliche, nackte Wahrheit.

Aber genau diese Strategie finde ich richtig!! Denn nur so erhält Samsung das notwendige Feedback, um eventuell wirklich solche Handys bauen zu können, die mittlerweile vom Markt gewünscht, wenn nicht sogar gefordert werden. Ich spreche von echten Smartphones. Also schlauen Handys, die Kommunikation neu definieren (à la Google Wave), den hohen Anspruch an die Hardware erfüllen und dabei gleichzeitig echte, wirklich neue Innovationen bereithalten, die sich nicht irgendein Produktmanager, der noch nie Twitter oder Facebook verwendet hat, hat einfallen lassen.

Die erste Phase hat also sehr viel mit einer Art Bestandsaufnahme zu tun. Es geht natürlich darum herauszufinden wohin die Reise gehen soll. Aber man muss aber eben auch die Wahrheit hervor kehren: wo steht Samsung denn heute mit seinen Mobiltelefonen?! Und ich persönlich glaube, dass es weniger darum gehen soll zu sagen was alles schon gut ist. Das weiß Samsung ja schon! Vielmehr muss man auch ein Stück weit herausarbeiten, wo die echten Schwächen, aber auch Chancen liegen.

Soviel also zu Vorgeschichte! Sie war mir nur deshalb wichtig, dass Ihr, falls ich hier und da kritisch in meinem Blogeintrag bin, diese Kritik richtig einzuordnen wisst. Es geht nicht darum etwas nieder zumachen. Es geht darum verbessern zu helfen!


Das Samsung Galaxy

Teil der Samsung mobilers Kampagne war, dass jeder Teilnehmer ein Samsung Galaxy bekommen hat, um mit diesem Gerät ausführlich testen zu können. Eines wusste ich natürlich schon: dieses Telefon hat ein super Betriebssystem – Android! Ich hatte aber zuvor noch kein Samsung Gerät mit Android in der Hand gehabt. Nun also Premiere!

Was mir gleich positiv auffiel: das Gerät ist leicht! Allerdings bin ich nicht wirklich ein echter Hardwareexperte, der Prozessoren, Kameraauflösungen, Chipsätze usw. richtig und objektiv beurteilen kann. Ich kenne mich vor allem mit einem aus: mit Software und ob etwas intuitiv funktioniert und auf diese Weise erfolgreich sein kann. Bei Apps gibt es für mich vier wesentliche Kriterien, die über Erfolg und Misserfolg einer App entscheiden:

  • Funktionen
  • Design
  • Usability
  • Performance

Wird bei der Programmierung der Software einer dieser Bereiche vernachlässigt, wird die App mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erfolgreich.

Ich musste bald feststellen, dass dies für die Hardware auch in gewisser Hinsicht zutrifft. Es ist zwar hier noch komplexer, da bei einem Telefon Hard- und Software zusammen spielen müssen. Aber die Analogien sind dennoch da.

Ich selber möchte mich in diesem Beitrag vor allem auf das Thema Usability beschränken.

Um es vorweg zu sagen: die Usability des Samsung Galaxy ist sehr schlecht! Und das liegt nicht an der Software. Die Designer, die an diesem Gerät gearbeitet haben, haben ganz offensichtlich eine der wohl wichtigsten Regeln in Sachen „intuitives Verhalten“ übersehen, beziehungsweise vernachlässigt. Nämlich, dass gelerntes Verhalten nicht einfach übergangen werden darf!


Entsperren des Handys
Jeder, der noch kein Samsung Galaxy in der Hand hatte, hat erstmal das gleiche Problem. Er wird es nicht schaffen, das Display zu entsperren. Ich lasse das im Freundeskreis, aber auch bei Vorträgen mit Telefonexperten immer wieder vorführen. Ich gebe jemanden das Telefon in die Hand und bitte ihn das Display zu entsperren. Es ist bisher noch keinem (!!!) auf Anhieb gelungen.

Warum? Weil das Display des Samsung Galaxy nicht, wie sonst üblich, über eine der Tasten auf der Vorderseite des Telefons entsperrt wird, sondern über eine dafür eigens installierte Taste an der Seite des Handys, die man blöderweise auch kaum noch findet. Meinen „Opfern“ bzw. Versuchskaninchen muss es wohl so ergehen, wie vielen Kunden des Galaxys nach dem ersten Auspacken: sie sind gleich ganz am Anfang frustriert! Es macht einen regelrecht verrückt, dass man es nicht hinbekommt eine so simple Aktion auf Anhieb hinzubekommen.

Das aber erwartet man doch als Kunde, oder? Oder gehörst Du zu denjenigen, die grundsätzlich immer zu Beginn eine Gebrauchsanweisung lesen?

Ich mach das nicht! Selbst bei komplexen Geräten lese ich die Gebrauchsanweisung in der Regel erst dann, wenn weißer Rauch aus dem Gerät steigt. Und irgendwie verlange ich das auch vom Hersteller, dass er sich darüber Gedanken _für mich_ macht, wie ich das Gerät verwenden werde. Und nicht umgekehrt!


Die Menü-Taste
Liebe Samsung-Galaxy-Besitzer: probiert das mal aus! Ihr werdet erstaunt sein wie gut dieser Feldtest funktioniert. Gebt mal Euer Telefon einem Freund in die Hand und bittet ihn die Menü-Taste zu finden. Mehr als die Hälfte aller Testpersonen werden versuchen auf den rechten Knöpfen herum zu spielen. Sie werden dabei die Home- und auch die Zurücktaste drücken. Und es wird sie ärgern, dass sie immer wieder aus dem aktuellen Programm, das sie eigentlich gerade bedienen wollen, herausgerissen werden.

Stellt euch einfach folgende Situation vor: Ihr habt noch nie ein Samsung Galaxy in der Hand gehabt, Ihr öffnet ein Browserfenster und versucht los zu surfen. Als eingefleischte Android-Fans wisst Ihr sicherlich, dass Ihr nun die Menütaste brauchst. Denn sonst kann man ja keine Internetadresse, beziehungsweise URL eingeben.

Man macht sich also frisch ans Werk und drückt erstmal die Zurücktaste. Blöd, da sich jetzt der Browser schließt, oder auf eine andere Internetseite springt. Die nächste Variante, die ausprobiert wird, sobald der Browser wieder offen ist, ist der Knopf rechts unten. Selbst wenn dieser eigentlich als Off-Button gekennzeichnet ist, probieren die meisten Probanden genau diesen Knopf aus. Irgendwie mutmaßen fast alle Testpersonen den Menüknopf dann dort und schauen ganz verwundert, wenn ihnen angeboten wird das Telefon entweder lautlos oder offline zu schalten, beziehungsweise es ganz auszuschalten.

„Mist, das war es also nicht! Aber wie heißt es so schön? Alle guten Dinge sind drei…“. Deswegen erneut frisch ans Werk. Diesmal ist der kleine Knopf zwischen der Zurücktaste und dem Knopf für das gänzliche Ausschalten an der Reihe. Das Ding wovon ich spreche, ist aber leider nicht die Menütaste, sondern der Home-Button. Nun hat der User die komplette rechte Reihe abgearbeitet und ist meistens sichtlich entnervt. Was noch viel schlimmer ist: er ist sogar frustriert!


Der Home Button
Selbst diejenigen, die nun endlich wissen, dass sich die Menütaste auf der linken Seite befindet und der Knopf auf der rechten Seite der Home Button ist, sind nicht davor gefeit den selben Fehler erneut immer und immer wieder zu begehen.

Warum ist das so? Das liegt einfach daran, dass einem über Jahre ein anderes Nutzerverhalten beigebracht wurde. Ganz egal ob es nun Nokia, Sony Ericsson, Siemens und all die anderen Hersteller waren. Die Tastenbelegungen haben sich bislang kaum unterschieden. Warum sollte sich das jetzt ändern? Warum sollte man dem Nutzer dazu „zwingen“ etwas Neues zu lernen? Das macht keinen Sinn, zumal der Nutzer sich dieses nicht beibringen lassen möchte! Zumindest in der Regel nicht.


Das generelle Handling

Aufgrund des eigenwilligen Aufbaus des kompletten Telefons, ist auch die Bedienung in der Praxis eher schwierig. Immer wieder kommt es beim Telefonieren zum falschen Einsatz sämtlicher Tasten. Da kann es schon mal passieren, dass man versehentlich jemanden anruft, obwohl man nur durch das Telefonbuch blättern wollte. Oder dass man jemanden weg drückt, mit dem man gerade telefoniert, obwohl man nur kurz während des Anrufes im Telefonbuch blättern wollte.

Samsung hat ganz offensichtlich auf das falsche User Interface gesetzt. Mit weitreichenden Folgen! Ich selbst verwende das Telefon so wenig wie es auch nur immer geht. Und die meisten meiner Probanden, die ich danach interviewt habe, haben eines gesagt: es war frustrierend! Genau das kann ich auch unterschreiben. Möchte man aber wirklich ein Gerät das einen frustriert?

Die Frage muss ich wohl nicht beantworten!


Fazit
Dass Samsung gute Handys bauen kann, dürfte wohl jedem klar sein. Dafür ist Samsung auch viel zu erfolgreich. Das Galaxy gehört aber aus meiner Sicht eher nicht dazu. Es ist nicht intuitiv und es ist auch nicht innovativ. Es hat sicherlich eine sehr gute Hardware. Der Screen ist sehr viel heller als viele Konkurrenzprodukte. Auch die Kamera macht exzellente Bilder.

Das aber reicht einfach nicht aus. Ich persönlich glaube, dass Telefone von heute vor allem eines tun müssen – begeistern!!! Der Mensch möchte stolz auf seine Errungenschaft sein. Er möchte das Telefon herumreichen und zeigen was es kann. Ein Telefon muss Probleme lösen, nicht neue schaffen. Und man erwartet immer selbstverständlicher, dass die Software Dinge tun kann, die andere nicht können.

Ja, das ist eine riesige Herausforderung! Und deswegen hat Samsung auch meine Hochachtung, dass sie sich auf ein solches Projekt, wie das der mobilers, einlassen.

Ob es uns als mobilers gelingen wird wirklich ein neues, innovatives, bahnbrechendes Telefon zu erfinden, oder zumindest zu gestalten, sei mal dahingestellt. Was wir aber auf jeden Fall können, ist unseren Input als Kunden und User geben. Und so haben wir die Handhabe und die Möglichkeit ein neues Telefon mitzugestalten. Das ist unglaublich spannend!

Hast Du dazu auch Lust? Dann helfe uns doch hier und gebe in den Kommentaren deine Sichtweise – oder auch -weisen – ab. All diese Kommentare werden von Samsung gelesen. Und wir als mobilers werden dadurch weiter inspiriert – sozusagen immer auf der Suche nach dem perfekten Handy!