Kompakter 4,3-Zöller: Motorola Razr i im Vergleich mit dem Samsung Galaxy S3 

Design und Verarbeitung

Das Razr i ist ein typisches Motorola, was bedeutet: die Verarbeitung ist sehr sauber und das Gerät besteht aus edelsten Materialien. Plastik ist hier ein Fremdwort, stattdessen setzt Motorola wieder auf die von der Razr-Serie bekannte Kevlar-Rückseite, die von einem mit Torx-Schrauben fixierten Stahlrahmen eingefasst wird. Klar, dass sich das auch im Gewicht niederschlägt: 126 Gramm sind schon eine Hausnummer für ein so kompaktes Smartphone.

In der Summe hinterlässt das Razr i einen extrem stabilen und hochwertigen Eindruck. Ganz ehrlich: Mein S3 sieht dagegen aus wie ein Billig-Phone. In dieser Beziehung ist Moto wirklich spitze.

Das Razr i besteht aus Kevlar und Stahl und mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen.

Zwei Smartphones liegen nebeneinander auf einem grünen Untergrund, eines mit einer strukturierten Rückseite und das andere glänzend.
/ Bildquelle: nextpit

Display

Ich finde, dass Motorola mit der Ankündigung eines Edge-to-Edge-Displays den Mund etwas zu voll genommen hat. Keine Frage, das Razr i verschenkt neben dem Display kaum Fläche auf der Front, aber oben und unten ist doch noch eine Menge Platz und der Rahmen an den Seiten trägt bestimmt mehr als zwei Millimeter dick auf. Versteht mich bitte nicht falsch – das Razr i liegt extrem gut in der Hand und lässt sich trotz 4,3-Zoll-Diagonale noch bequem mit einer Hand bedienen, was nun wirklich keine Selbstverständlichkeit ist.

Aber, und jetzt kommt’s:

  • Die Auflösung: Motorola betonte heute zwar die hervorragende Farbdarstellung und ganz allgemein die hohe Qualität der Darstellung, was unter anderem der Tatsache geschuldet ist, dass der Abstand zwischen Frontglas und Display sehr klein ist. Stimmt alles, aber für mich als S3-Nutzer sind 960 x 540 Pixel ein absolutes No-Go. Immer wenn ich auf das Razr i schaue, habe ich das Gefühl, dass alles total verwaschen aussieht.
  • Das Frontglas ist leicht in den Rahmen eingelassen, sodass man mit dem Finger oder Daumen immer spürbar an die äußere Kante stößt, wenn man über das Display streicht. Motorola hat das Display bewusst so versenkt, damit das Glas nicht aufliegt, wenn man das Smartphone irgendwo hinlegt. Schön und gut, aber Ich habe heute mit mehreren Kollegen gesprochen – alle empfanden das als störend.

Das Glas ist leicht im Rahmen versenkt – das stört. Bildquelle: nextpit

Zwei Smartphones liegen nebeneinander, eines zeigt "Kein SIM-Karte" und "Notruf" auf dem Bildschirm.
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Kamera

Besonders stolz sind Motorola und Intel auf ihren „Schnellschuss“-Modus: Wenn man länger drauf drückt, knipst das Razr zehn Bilder in einer Sekunde und hört sich dabei an wie ein Maschinengewehr. Die Kamera ist außerdem extrem schnell bereit, man kann im Prinzip sofort aus dem Standby heraus Bilder schießen.

Mich persönlich interessieren solche Dinge herzlich wenig. Zum einen brauche ich so etwas nicht, zum anderen haben mittlerweile alle Hersteller entsprechende Funktionen im Gepäck. Viel wichtiger ist mir die Lichtempfindlichkeit der Kamera, daher habe ich einfach mal aus dem Londoner Cafe, in dem ich gerade sitze, raus in Richtung Fenster fotografiert – einmal mit dem S3 und einmal mit dem Razr i. Der S3-Fotochip hat dabei klar mehr Licht eingefangen.

Prozessor / Leistung / System

Herz der Maschine ist ein Atom 2480 aus Intels Medfield-Serie. Der hat nur einen Kern, was einige vielleicht als technisches Alteisen abstempeln werden, aber dank Intels Hyper-Threading-Technologie kann das System zwei Anwendungen gleichzeitig ausführen. Es handelt sich genau genommen also um einen virtuellen Dualcore-Prozessor.

Und der kann bei Bedarf ordentlich Tempo machen, unter Last taktet er hoch auf 2 Gigahertz. „Der steckt ein Galaxy S2 leistungsmäßig locker in die Tasche“, erklärte uns ein Motorola-Manager. Wohlgemerkt: Er sagte „S2“ und nicht „S3“. Intel will mit seinem Mobil-Prozessor also gar nicht auf den Smartphone-Olymp, sondern einfach nur in den Markt einsteigen.

Optische Täuschung: Weil das Razr i nicht so groß ist wie das S3, sieht es dicker aus. Dabei sind beide Modelle sehr flach.

Zwei Smartphones liegen nebeneinander auf einem Tisch mit einem grünen Tuch, eines ist ein Samsung-Gerät.
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Eine besondere Erwähnung verdienen die JavaScript-Verbesserungen des Chip-Riesen. Bei der Anpassung von Android an die x86-Architektur habe man viele Optimierungen am JavaScript-Compiler von Android vorgenommen, erklärte uns ein Intel-Manager. Das Resultat soll eine deutlich schnellere Ausführung von JavaScript sein, was sich vor allem im Browser bemerkbar machen soll.

Klingt vielversprechend, aber meinem Testgerät merkte man die versprochene Performance nicht an. Im Gegenteil, die Oberfläche leistete sich deutliche Stotterer, auch der Browser reagierte nicht gerade wie eine Rakete. Aber ich halte nur eine Vorserie in den Händen, daher möchte ich mir hier kein Urteil erlauben und auch keine Benchmarks laufen lassen.

Ein letztes Wort noch zur Kompatibilität der Android-Apps mit der x86-Architektur von Intel. Intel hat nach eigenen Angaben schon 500 der beliebtesten Apps speziell angepasst, die anderen sollen in einem Emulator laufen können. „Vor allem Chrome war eine Herausforderung, aber wir haben sie gemeistert“, erklärte uns ein Intel-Manager. Was er noch betonte: Intel ist an dem Thema dran. Sie nehmen es sehr ernst und sie haben die Marktmacht, um eine hohe x86-Kompatibilität zu erreichen.

Aber alle Apps aus dem Play Store? Ich glaube, das ist selbst für Intel eine Nummer zu groß. Vieles hängt natürlich auch davon ab, wie es mit Intel und Android zukünftig weiter geht. Sprich: Ob das Razr i ein Verkaufsschlager wird.

Das einsteigerfreundliche „Quick Settings“-Menü, das eingeblendet wird, wenn man von links nach rechts über den Homescreen streicht, macht auch deutlich, wen Motorola mit dem Razr i adressiert: den Otto-Normal-Verbraucher, nicht den Geek. Bildquelle: nextpit
 

Smartphone-Bildschirm mit Einstellungen: Klingelton, WLAN, Bluetooth, GPS, Mobile Daten und Flugmodus angezeigt.
/ Bildquelle: nextpit

Fazit: Wo ist das Flaggschiff?

Da sind wir auch schon beim letzten und entscheidenden Punkt. Wo kann man das Razr i einordnen? Es war nicht das Highend-Modell mit rahmenlosem Bildschirm, auf das ich gehofft hatte, nachdem Intel und Motorola so kräftig auf die Hype-Trommel geschlagen haben. Mich haben sie daher enttäuscht.

Aber man muss einfach berücksichtigen, welchen Markt das Razr i adressiert. Es kostet 399 Euro UVP und dürfte nach Verkaufsstart schnell auf 350 Euro fallen. Für diesen Preis ist das Gebotene mehr als ordentlich. Motorola will mit dem Modell eben keine Hightech-verwöhnten Geeks wie mich ansprechen, sondern den Otto-Normal-Verbraucher, der sich nur alle paar Jahre ein Smartphone kauft und dem völlig egal ist, was für ein Prozessor den Takt vorgibt. Genau diesen Leuten bietet der Hersteller das, was sie wollen: ein wertiges und hübsches Smartphone mit einem strammen Akku und einer guten Kamera.

Damit kann ich leben. Trotzdem ist mir die Modellpolitik von Motorola ein Rätsel. Man lädt mit großem Getöse nach London ein, um dann doch nur ein „gutes“ Smartphone zu zeigen, und ein paar Tage vorher erwähnt man beiläufig in einer Pressemitteilung, dass der Highend-Bolide Razr HD bald in Deutschland verkauft wird. Welches Modell steht denn nun eigentlich an der Spitze der Produktfamilie?

Meiner Meinung nach braucht jeder Hersteller ein Flaggschiff, das zeigt, was technisch möglich ist. Solche Spitzenprodukte haben doch vor allem die Eigenschaft, dem Kunden zu zeigen, was das Unternehmen drauf hat. Und in dieser Funktion strahlen sie sozusagen nach unten ab und geben ihren Glanz an die Midrange-Modelle weiter, die letztendlich das Rückgrat der meisten Smartphone-Produktlinien bilden. Und alle Hersteller haben ein solches Modell im Portfolio – alle außer Motorola. In meinen Augen könnte das für den Hersteller zu einem echten Problem werden.

Ausgeliefert wird das Modell übrigens mit Android 4.0.4. Ein Update auf Jelly Bean soll aber „zeitnah“ kommen, so das in London heute mehrfach geäußerte Versprechen. Leider habe ich das von Motorola in der Vergangenheit schön öfter gehört und nichts ist passiert. Aber man lässt sich ja immer wieder gerne positiv überraschen. Den Bootloader hat Motorola beim Razr i geöffnet, was ich schon mal als gutes Zeichen werte.