Kurzfazit und Kaufen

Das VanMoof S5 hievt Fahrradfahren auf ein neues Level – denn im Alltag hilft das E-Bike sehr gut mit, sorgt für eine gewisse Sorglosigkeit dank Anti-Diebstahl-Funktionen, und die Kombination aus Fahrspaß und sehr hohem Fahrkomfort ist über alle Zweifel erhaben. Nachteile sind die mit fast 3.000 Euro hohen Kosten, das recht umständliche Ring-Display, die nicht immer zuverlässige Automatik-Gangschaltung sowie das sehr hohe Gewicht.

VanMoof S5 Vorderlicht
Gewöhnungsbedürftig: Das Vorderlicht des VanMoof S5 dreht sich beim Lenken nicht mit. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Schreckt Euch das nicht ab, könnt Ihr Euch in der neuesten VanMoof-Generation erstmals zwischen zwei Modellen entscheiden. Im Alltag habe ich das S5 mit 28-Zoll-Reifen für Personen zwischen 1,55 und 2,10 Metern Körpergröße getestet. Alternativ bietet VanMoof das kleinere und vor allem wendigere A5 an. Dieses bietet einen identischen Funktionsumfang, weitere Informationen zum A-Modell findet Ihr im Laufe dieses Testberichts oder in unserer Release-News zur fünften Generation der VanMoof-Bikes.

Noch ein Hinweis bevor’s losgeht: Der Hersteller VanMoof hat noch immer mit sehr langen Lieferzeiten zu kämpfen. Im Netz und in meinem privaten Umfeld habe ich von Fällen gehört, in denen Kunden mehrere Monate auf die Lieferung des E-Bikes warten mussten.

Design & Verarbeitung

VanMoof setzt beim Design seiner E-Bikes voll und ganz auf Minimalismus. Der Rahmen zeichnet sich durch klare Linien aus, Kabel oder Kabelführungen findet Ihr nirgends. Teil der VanMoof-Experience sind zudem akustische und optische Signale, mit denen das Fahrrad wie ein eigenwilliges Lebewesen auf Eure Anweisungen am Bike oder am Smartphone reagiert.

Gefällt:

  • Sehr cleanes Design mit hochwertiger Verarbeitung
  • Akustisches und optisches Feedback nicht nur ein Gimmick
  • Eingebautes Schloss und Diebstahlschutz

Gefällt nicht:

  • Sehr groß und schwer
  • Ring-Displays eher umständlich zu lesen
  • Schwer selbst zu reparieren

VanMoof verfolgt bei seinen E-Bikes einen strikten Minimalismus. Im Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern gibt es bei den Modellen S5 und A5 keine „losen“ Bauteile. Die Bremshebel gehen fließend in den Lenker über, das Vorder- und Rücklicht ist fest in den Rahmen integriert und selbst der integrierte Fahrradständer sieht aus, als würde er direkt aus dem Tretlager wachsen. Dieser Look ist sehr clean und passt zum hochwertigen Image der Elektroräder.

VanMoof S5 in der Gesamtaufnahme
Das VanMoof S5 ist überaus minimalistisch designed. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Verarbeitungsqualität ist dabei exzellent. Mit einem Gewicht von 23 Kilogramm – 22 Kilogramm wiegt das kleinere A-Modell – liegt das VanMoof S5 wuchtig und sicher auf der Straße. Selbst auf Kopfsteinpflaster klappert oder wackelt nichts und nach diversen Testfahrten habe ich den Eindruck, dass VanMoofs Fahrräder für die Ewigkeit gebaut sind. Lediglich der fest in den Rahmen integrierte Akku scheint die Lebensdauer einzuschränken.

VanMoof S5 Lichtleisten
Statt Display im Rahmen gibt’s beim S5 und A5 dezente Lichtleisten, die Infos weniger präzise darstellen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Ein Unterschied im Vergleich zum Vorängermodell S3 ist die geänderte Anzeige für Akkustand, Unterstützungstufe und Geschwindigkeit. Ältere Modelle zeigten Euch die Geschwindigkeit präzise über ein Dot-Matrix-Display am Rahmen direkt unter dem Lenker an. Nun könnt Ihr diese Informationen anhand von Lichtringen neben den Griffen erkennen, beziehungsweise „erahnen“.

Was das Design noch einmal ein wenig cleaner macht, bedarf jedoch eine gewisse Eingewöhnungszeit. Schade finde ich zudem, dass Ihr die Geschwindigkeit ohne Euer Smartphone nicht genau ablesen könnt. Wollt Ihr genau wissen, wie schnell Ihr unterwegs seid, könnt Ihr Euer Handy mit passender SP-Connect-Hülle in der Mitte des Lenkers anbringen. Wahlweise könnt Ihr Euer Handy dabei über einen USB-C-Anschluss aufladen.

Handyhalterung VanMoof S5.
Für die Handhalterung benötigt Ihr eine kompatible Hülle. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Für die Steuerung der Unterstützungsstufe, das Betätigen der Klingel sowie einer Lichthupe sowie für den Boost verfügt das VanMoof S5 über vier Knöpfe. Diese erreicht Ihr bequem ohne Umgreifen mit Euren Daumen, die Druckpunkte sind perfekt und auch mit Handschuhen lassen sich die Buttons blind bedienen.

Neben den Knöpfen am Lenker findet Ihr an der hinteren Radaufhängung noch einen Knopf, der das „Smart-Kick-Lock“ betätigt. Diesen könnt Ihr wahlweise mit der Hand oder mit dem Schuh betätigen. Achtet Ihr dabei darauf, dass der Hinterreifen korrekt positioniert wird, wenn Ihr das Fahrrad abschließt. Aufgeschlossen wird das VanMoof S5 entweder über Euer Smartphone oder über einen individuellen Code, den Ihr über die Boost-Taste eingeben könnt. Zusammen mit der auf GPS basierenden Diebstahlsicherung samt Anbindung an Apples Find-My-Netzwerk ergibt sich ein nützlicher Diebstahlschutz.

VanMoof S5 Sattel
Wollt Ihr den Sattel in der Höhe verstellen, benötigt Ihr einen speziellen Inbusschlüssel. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Ärgerlich finde ich beim VanMoof S5, dass Reparaturen nur eingeschränkt möglich sind. Denn um auch die beweglichen Teile des VanMoofs vor Diebstählen zu schützen, liefert VanMoof seine Fahrräder mit einem Set an Anti-Diebstahl-Werkzeug aus. Dieses benötigt Ihr, um die Schrauben und Muttern am VanMoof, beispielsweise zur Höhenverstellung des Sattels, zu lösen und festzuziehen.

Darüber hinaus laufen alle Kabel und Bremsseile im Inneren des Rahmens. Wer also gerne an seinem Fahrrad herumschraubt, der sollte sich eventuell ein anderes E-Bike aussuchen.

VanMoof A5 Testfoto
Im direkten Vergleich ist das VanMoof A5 deutlich kleiner und wendiger. / © NextPit Bildquelle: NextPit

E-Motor und Fahrspaß

VanMoof setzt wieder auf einen Elektromotor im Vorderrad. Dieser leistet 250 Watt und kann auf Knopfdruck weitere 68 Newtonmeter Drehmoment freisetzen. Die VanMoof-typische automatische Gangschaltung hat der Hersteller von vier Gängen auf drei reduziert und einen Drehmomentsensor in das Tretlager eingebaut. Dadurch arbeitet die Schaltung leiser, flüssiger und fällt beim Radfahren weniger auf. Während das A-Modell mit kleinen Rädern wendiger sein soll, ist das S-Modell eher zum „cruisen“ geeignet.

Gefällt:

  • Sehr hoher Fahrkomfort
  • Spritzige Leistung dank Boost-Modus
  • Smoothe Fahrten auch ohne Federung

Gefällt nicht:

  • Automatische Gangschaltung lässt sich nicht manuell betätigen …
  • … und lässt einen manchmal ins Leere treten
  • S-Modell aufgrund des hohen Gewichts recht behäbig

Die neuen VanMoof-Modelle sind die bisher leistungsstärksten Fahrräder des Herstellers. In Kürze werden sie allerdings vom S-Pedelec „VanMoof V“ abgelöst, das Geschwindigkeiten von bis zu 50 Km/h erreichen soll. E-Bike-typisch sind die Modelle A5 und S5 auf 25 km/h abgeregelt, sodass Ihr sie auch ohne Versicherungsschutz auf deutschen Straßen bewegen könnt.

Elektromotor des VanMoof S5 im Vorderrad.
Der Elektromotor sitzt im Vorderrad und leistet 250 Watt. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Mit einem 250 Watt starken Akku samt Boost-Modus bewegt Ihr Euch mit dem S5 aber wirklich zügig von 0 auf 25 km/h. Der Boost-Knopf, der Euch mehr Drehmoment bringt, ist dabei in der City wirklich praktisch. Auf meinen Testfahrten konnte ich beispielsweise zügig an langsameren Radfahrern vorbeiziehen oder noch schnell eine Grünphase an der Kreuzung erwischen. Bei Ampelrennen mit anderen Radfahrern werdet Ihr ebenfalls einen entscheidenden Vorteil haben.

Für das schnelle Vorankommen könnt Ihr die Leistung des Motors mit Eurer eigenen Muskelkraft ergänzen. Dabei bestimmt das VanMoof S5 automatisch, in welchem Gang Ihr gerade am effizientesten und bequemsten vorankommen werdet. Die Gangschaltung wurde vom Hersteller verbessert, dennoch fehlte mir persönlich eine manuelle Möglichkeit, zwischen den Gängen hin- und herzuschalten.

Denn gerade beim Abbremsen, bei dem das VanMoof von selbst herunterschaltet, trat ich bei meinen Testfahrten immer wieder ins Leere. Denn wer beim Radfahren aufgrund von Kopfhörern oder Straßenlärm nicht genau hinhört, kann nicht genau einschätzen, wann das Fahrrad seinen Schaltvorgang beendet hat. Da die Stabilität des Fahrrads aber sehr hoch ist, entstanden dabei niemals Gefahrensituationen.

VanMoof S5 Scheibenbremsen
Die Scheibenbremsen packen kräftig zu und bringen das schwere Fahrrad sicher zum Stehen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Denn das VanMoof S5 fühlt sich mit seinem steifen und stabilen Rahmen sowie dem hohen Gewicht im Straßenfluss fast wie ein Mofa oder ein Roller an. Im stockenden Verkehr auf der Sonnenallee in Berlin konnte ich dank des Boost-Modus locker – und vor allem sicher – mit anderen Verkehrsteilnehmern mithalten.

Für enge Kurven oder besonders dynamisches Fahren ist das S5 meinem Eindruck nach aber eher weniger geeignet. Im Testzeitraum nutzte ich zeitgleich ein Sushi Maki+, das sich eher als „S-Fixie“ bezeichnen lässt. Fahrt Ihr im Straßenverkehr gerne zwischen den Autos her oder entscheidet Euch kurzfristig für Richtungswechsel, ist das S5 zu behäbig. Hier wäre das A5-Modell oder ein leichteres E-Bike besser geeignet. 

Akkuleistung und smarte Funktionen

VanMoof gibt die Reichweite des S5 mit 55 Kilometern im Vollstrommodus und 140 Kilometern im Sparmodus an. Im Praxis-Test, bei dem ich meist auf höchster Unterstützungsstufe und mit regelmäßigem Boost unterwegs war, schaffte ich eine Akkuladung in 40 Kilometern. Seid Ihr nur kurz zu Besuch bei Freunden, bietet VanMoof einen Schnelllademodus, der eine halbe Akkuladung in nur 2,5 Stunden auflädt. Eine volle Ladung dauert 6,5 Stunden.

Gefällt:

  • Praktischer Schnelllademodus
  • Reichweite von 55 Kilometern für Stadtgebiete sehr tauglich
  • Praktischer Diebstahlsschutz

Gefällt nicht:

  • Akku standardmäßig nicht entnehmbar (Zusatzakku soll noch erscheinen)
  • Offenbar gibt es Probleme beim Ladevorgang der neuesten VanMoof’s

Eine Reichweite von maximal 140 Kilometern im Sparmodus ist durchaus beeindruckend, stellt im Vergleich zum Vorgänger S3 allerdings ein kleines Downgrade dar. Meiner Meinung nach sind solche Angaben aber ohnehin eher Marketing-Argumente, denn wer kauft sich ein E-Bike, um es dann im Stromsparmodus auf der niedrigsten Unterstützungsstufe zu fahren?

VanMoof S5 Ladeanschluss
Der Ladeanschluss sitzt über dem Hinterrad und ist proprietär. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Mit dem S5 seid Ihr also eher zwischen 50 und 60 Kilometern am Stück unterwegs, was immer noch sehr alltagstauglich ist. Erfreulich ist zudem, dass VanMoof die erste Hälfte des Akkus schneller auflädt und Euch folglich weitere 25 bis 30 Kilometer Reichweite in nur 2,5 Stunden ermöglicht. In meinem Alltag mit dem Fahrrad ist das Aufladen allerdings ein echter Kraftakt. Denn da VanMoof den Akku fest im Rahmen einbaut, musste ich das Bike immer mit in meine Wohnung im zweiten Stock tragen.

VanMoof verriet uns aber auf Nachfrage, dass man bereits an einem Zusatz-Akku arbeitet, der sich bequem in der Wohnung laden lässt. Wie beim Fitness-Tracker Whoop 4.0 (zum Test) lädt die externe Batterie anschließend den internen Akku auf, sodass Euer VanMoof auch vor dem Mehrfamilienhaus stehen bleiben kann.

Smarte Funktionen

VanMoofs E-Bikes zeichnen sich durch einige smarte Funktionen aus, die es bei anderen Herstellern in dieser Form nicht gibt. Allen voran genießt Ihr einen umfassenden Diebstahlschutz, der beim Smart-Kick-Lock beginnt und beim zielgenauen Orten Eures Fahrrads endet. Apple-Nutzer profitieren zudem von einer Unterstützung des Find-my-Netzwerkes, über das Ihr Euer Fahrrad ebenfalls orten und als vermisst melden könnt.

Einige Screenshots aus der VanMoof-App.
Die VanMoof-App ist hübsch, gut aufgebaut und funktional! / © NextPit Bildquelle: NextPit

Neben dem Diebstahlschutz mutiert VanMoofs Companion-App zum intelligenten Bordcomputer. Dieser zeichnet Eure Fahrten auf, kann auf Wunsch mehrere VanMoofs kontrollieren und macht Euer Fahrrad zu einem digitalen Schlüssel. Steht Ihr mit dem Handy in der Tasche nämlich nahe genug am VanMoof S5, könnt Ihr das Fahrrad auch ohne Entsperrcode oder Wischbewegung am Handy entsperren.

Abschließendes Urteil

Nach einigen Tagen im Test werde ich das VanMoof S5 im Alltag sicher vermissen. Denn das E-Bike strahlt mit seinem eigenwilligen Design, der charmanten Licht- und Soundgestaltung und dem hohen Fahrkomfort sehr viel „Personality“ aus. VanMoof schafft es, dass man eine persönliche Verbindung zu seinen Rädern aufbaut und das kann bei Gefallen ein entscheidender Vorteil sein.

VanMoof S5 Indikatoren für das Schloss.
Um das eingebaute Schloss zu betätigen, müsst Ihr drauf achten, dass die Linien im Hinterrad übereinanderliegen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Könnt Ihr dennoch eine gewisse Distanz wahren, kauft Ihr mit dem S5 ein leistungsstarkes und hochwertiges E-Bike. Dieses bietet mit dem eingebauten Diebstahlschutz inklusive Kicklock einen besonders komfortablen Schließmechanismus und mit dem Boost-Knopf eine echte Spaßgarantie. Seid Ihr mit dem VanMoof unterwegs, werdet Ihr zudem regelmäßig angeschaut oder sogar darauf angesprochen.

Als Nachteile ist das VanMoof sehr schwer und lenkt sich im Großstadtdschungel eher behäbig. An die automatische Gangschaltung ohne manuelle Schaltmöglichkeit muss man sich beim aktiven Fahren lange gewöhnen. Für mich ist ein Kontrollverlust immer ein Nachteil, auch wenn VanMoof die Funktion im Vergleich zum Vorgänger verbessern konnte. Dass die Reichweite mit 55 Kilometern im Vollstrommodus nicht gerade ausdauernd ist, könnte für viele Interessenten ein Dorn im Auge sein.

Mit diesem Symbol kennzeichnen wir Partner-Links. Wenn du so einen Link oder Button anklickst oder darüber einkaufst, erhalten wir eine kleine Vergütung vom jeweiligen Website-Betreiber. Auf den Preis eines Kaufs hat das keine Auswirkung. Du hilfst uns aber, nextpit weiterhin kostenlos anbieten zu können. Vielen Dank!