In den Zeiten von auf Hauswand-Größe gedruckter Smartphone-Fotos schwingt bei Mobiltelefonen das ständige Versprechen mit: „Du brauchst gar keine ausgewachsene Kamera mehr. Dein Smartphone reicht.“ Genau das habe ich mit dem Xiaomi Mi Note 10 ausprobiert – und meine vertraute DSLR auf einer zweiwöchigen Reise durch Indonesien zu Hause gelassen.

Hauptverantwortlich für den Schritt war die Hauptkamera im Mi Note 10. Mit 1/1,3 Zoll ist der 108-Megapixel-Bildsensor der drittgrößte, der jemals in einem Smartphone verbaut wurde – nach dem legendären Nokia 808 PureView und dem rohrkrepierten Panasonic CM1. Meine Begeisterung hinsichtlich des Samsung Isocell HMX Bright habe ich bereits an anderer Stelle niedergeschrieben.

Hier findet Ihr eine Auswahl von Original-Testfotos mit dem Xiaomi Mi Note 10. Darüber hinaus sind natürlich auch unten in den Testbericht jede Menge Fotos eingebunden mit Kommentaren, Ausschnittsvergrößerungen und Hinweisen.

Fotoqualität

Der Sensor sticht aus dem ansonsten im Mittelklasse-Segment verankerten Mi Note 10 derart hervor – man mag das Gerät fast als Public Beta für Samsungs neuen Flaggschiff-Sensor ansehen. Jüngsten Gerüchten zufolge werden die Koreaner den Chip mit der Modellnummer S5KHMX auch im neuen Galaxy S11 verbauen. Der Sprung von den 12 Megapixeln der vergangenen Jahre auf nun 108 Millionen Bildpunkte will wohl überlegt respektive vorab getestet sein.

Hauptsensor

Die Fotos aus dem Hauptsensor begeistern fast immer. Die Vollautomatik destilliert aus den 108 Megapixeln in bester Quad-Bayer-Manier meist ausgezeichnete 27-Megapixel-Fotos. Gut gefällt die neutrale Farbwiedergabe bei Tageslicht, die sehr lebendige und natürliche Farben auf die Bilder bringt. Bei kontrastreichen Motiven leistet der HDR-Modus gute Arbeit und erhält sowohl in sehr hellen als auch dunklen Bildbereichen viele Details.

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Der HDR-Modus leistet im Mi Note 10 grundsätzlich gute Dienste. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Allerdings hatte ich im Test immer wieder mit dem HDR-Modus zu kämpfen. Mit der „Auto“-Einstellung konnte ich mich nicht darauf verlassen, dass tatsächlich der Hochkontrast-Modus feuert. Entsprechend setzte ich am zweiten Tag der Reise das Häkchen bei HDR schlicht auf „on“ und beließ es zumeist auch dabei. Meistens war eine gute Entscheidung, hätte das Mi Note 10 nicht auch bei Tageslicht in seltenen Fällen mit Geisterbildern zu kämpfen.

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Zugegeben: Derart starke Ghosting-Effekte sind selten, versauen aber ein ansonsten schönes Bild. Das Bewegungsartefakt im Wasser war im prallen Sonnenlicht auf dem Display nicht auszumachen, entsprechend gibt es keine weiteren Bilder von dieser Szene. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Leider traten diese Geisterbilder nicht nur bei stark bewegten Motiven, sondern auch bei Übergängen mit extremen Helligkeitsunterschieden zu Tage. 

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Die allermeisten Fotos gelingen wirklich gut. Allerdings traten im Test hin und wieder auch Ghosting-Artefakte auf (siehe kleines Bild). / © NextPit Bildquelle: NextPit

Um einen womöglich schiefen Eindruck zu korrigieren, habe ich tatsächlich nachgezählt: Durch (vermutlich) den HDR-Modus ausgelöste Artefakte machen sich bei 25 von 1845 Fotos störend bemerkbar. Das sind 1,4 Prozent. Wenn das eine oder andere ansonsten tolle Foto für die Tonne ist, sorgt das trotzdem für schlechte Laune.

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Volle Lotte ins Gegenlicht: Die Sonne senkt sich hinter dem Berg Batok, und das Mi Note 10 hat dennoch irgendwie noch ein vernünftig belichtetes Bild zu Tage gefördert. Der Erfahrung nach hätte hier eine DSLR nur mit Belichtungsreihe signifikant mehr gerissen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Bei Nacht schließlich spielt der große Bildsensor seine Performance voll aus. Mit dem dedizierten Nachtmodus gelingen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen noch scharfe und erfreulich klare Fotos. Allerdings sollte man diesen Modus auch nutzen – die Ergebnisse sind deutlich besser als mit der Vollautomatik.

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Der Nachtmodus im Xiaomi Mi Note 10 liefert sehr schöne Ergebnisse. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Wer nun wirklich die vollen 108 Megapixel ausfahren möchte, findet dazu einen separaten „108M“-Modus. Insbesondere bei guten Lichtverhältnissen ist die Detailwiedergabe wirklich atemberaubend. Es ist wirklich ein Vergnügen, in die riesigen Bilder hineinzuzoomen, Feinheiten zu entdecken und das eine oder andere Foto mit ungeahntem Freiraum neu zuzuschneiden.

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Die 108-Megapixel-Fotos weisen wirklich extrem viele Details auf. Zum Bildrand hin lässt die Schärfe allerdings etwas nach. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Eine für Smartphones eher ungewöhnliche Charakteristik bringt der vergleichsweise große Bildsensor noch mit: ein echtes, optisches Bokeh. Allerdings ist die Form der Lichtpunkte nicht so attraktiv, wie man es von deutlich größeren DSLR-Objektiven her kennt. Mit den Löchern in der Mitte erinnern die Unschärfekreise fast ein wenig an „Russentonnen“.

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Das Bokeh von Smartphone-Objektiven hat keine so gleichmäßige, sanfte Charakteristik wie das von größeren Linsensystemen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Im Pro-Modus ist es übrigens nur möglich, entweder RAW oder 108 Megapixel auszuwählen – beides zusammen ist nicht möglich. Angesichts der zu erwartenden Dateigröße im dreistelligen Megabyte-Bereich ist das vielleicht gar nicht so schlecht. Abgesehen davon sind auch die 27-Megapixel-RAW-Bilder voll von den Problemen, die ein kleiner Sensor mit unendlich vielen Pixeln nun mal mit sich bringt. Der traditionelle Kamera-Workflow mit RAW und Adobe Camera RAW ist der Computational Photography unterlegen, sprich: HDR, Night Mode & Co.

Penta-Kamera

Abseits der fulminanten Hauptkamera wirkt das Kamera-Setup leider überhaupt nicht wie aus einem Guss. Nicht nur sieht die Rückseite aus wie ein Huawei P30 Pro, in das man kurzerhand zwei zusätzliche Löcher gebohrt hat. Auch die technischen Daten klingen irgendwie nach Sensor-Reste-Rampe. 

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Das Penta-Kamera-Setup lässt eine klare Linie vermissen, und das nicht nur beim Design. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Ultraweitwinkel

  • Sony IMX350
  • 20 Megapixel, Blende F2.2
  • 1,12 Mikron Pixel-Pitch 
  • kein optischer Bildstabilisator
  • 1/3-Zoll-Sensor

Hauptkamera

  • Samsung Isocell HMX Bright
  • 108 Megapixel, Blende F1.69
  • 0,8 Mikron Pixel-Pitch
  • optischer Bildstabilisator
  • 1/1,33-Zoll-Sensor

2x Telezoom

  • Samsung Isocell 2L7
  • 12 Megapixel, Blende F2.0
  • 1,4 Mikron Pixel-Pitch
  • kein optischer Bildstabilisator
  • 1/2,6-Zoll-Sensor

3,7x Telezoom

  • OmniVision OV08A10
  • 8 Megapixel, Blende F2.0
  • 1,0 Mikron Pixel-Pitch
  • optischer Bildstabilisator
  • 1/4,4-Zoll-Sensor

Makro-Kamera

  • unbekannter Sensor
  • 2 Megapixel
  • 1,75 Mikron Pixel-Pitch

Die Kollegen von AndroidAuthority bezeichnen das Mi Note 10 recht treffend als Schweizer Taschenmesser für Fotografen. Um bei der Analogie zu bleiben: Man mag sich die diversen Klingen messerscharf und teilweise beidseitig vorstellen: Man greift schnell daneben, insbesondere im Dunkeln.

2x Telezoom

Selbst bei guten Lichtverhältnissen ist ein Abfall bei der Bildqualität zu sehen, sobald man von der Haupt- auf eine der anderen Kameras wechselt. Die für Portraits häufig genutzte 2x-Telekamera hat mit immerhin 1/2,6 Zoll Sensorgröße noch sehr ordentliche Voraussetzungen. Schwächen machen sich hier insbesondere bei fein texturierten Flächen wie etwa Wasser oder Vegetation bemerkbar. Besonders störend ist, dass hier Bildteile mit guter Detailwiedergabe direkt an Bildteile mit schlechter Detailwiedergabe anschließen. Weiterhin gab es auch immer mal wieder Probleme mit Posterisation.

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Bei Verwendung des zweifachen optischen Zooms gehen Bereiche mit guter Detailwiedergabe häufig direkt in vermatschte Bereiche über (links). Die Hauptkamera hat dieses Problem nicht (rechts). Der Effekt ist beim 5x-Zoom noch stärker. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Bei Portraits dagegen ist die Qualität in der Regel hervorragend. Feine Details wie Augen arbeiten die Algorithmen gestochen scharf heraus. Die Wiedergabe von Hauttönen gelingt in der Regel ordentlich, allerdings gibt es auch hier immer wieder Aussetzer, insbesondere bei nicht-optimalen Lichtverhältnissen. Im Dunkeln gehen schließlich immer mehr Feinheiten verloren. Die Bilder sehen dann zunehmend wie gemalt aus.

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Wundertüte: Beim 2x-Objektiv ist die Detailwiedergabe teilweise großartig, teilweise enttäuschend. Da kann man nur erschreckt gucken. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Das Bokeh-Feature zum Weichzeichnen des Hintergrunds leistet bestenfalls durchschnittliche Dienste. Probleme beim Freistellen sind bereits bei verkleinerter Betrachtung spürbar. Im Übrigen eignet sich der Portrait-Modus auch, um beliebige Gegenstände vom Hintergrund freizustellen.

Weiterhin werden leider immer wieder Gesichter nicht korrekt erkannt, und die Kamera fokussiert statt auf die Person auf den Hintergrund. Ich kann mich nicht erinnern, mit einem Smartphone derart viele fehlfokussierte Portraitbilder geschossen zu haben. Mit einem Fingertipp lässt sich das zwar korrigieren, es ist aber einfach lästig.

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Die Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund klappt leider nur bei anspruchsloseren Motiven gut. / © NextPit Bildquelle: NextPit

3,7x Telezoom

Weiter geht’s mit dem Fünffach-Zoom und seinem Bildsensor mit 8 Megapixeln und dem 1/4,4-Zoll-Format. Diese ohnehin schon ungünstigen Voraussetzungen verschlechtert Xiaomi noch durch einen Kunstgriff: Das Objektiv vor dem Mini-Chip bietet nämlich nur einen 3,7-fachen Zoom. Um nun auf „5x“ zu kommen, wird ein 5-Megapixel-Ausschnitt aus der Sensormitte wieder auf 8 Megapixel hochinterpoliert. Jaul.

Bei perfekten Lichtverhältnissen und verkleinerter Betrachtung sind die Ergebnisse schon halbwegs brauchbar. Bei allem, was nicht direkt von der Sonne beleuchtet wird, vermatschen Details jedoch bis zur Unkenntlichkeit. Wie beim „2x“-Sensor liegen auch hier immer wieder Bildbereiche mit akzeptabler direkt neben Bildbereichen mit völlig vermatschter Detailwiedergabe. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Autofokus oft katastrophal agiert.

AndroidPIT xiaomi mi note 10 5x sharpness
Mal auf den Hintergrund fokussiert (links oben), mal gar nicht richtig scharf (links unten), mal fokussiert aber doch irgendwie matschig (rechts) – von insgesamt 38 Fotos sieht das große Bild noch mit am besten aus. Die Details sind teilweise okay, teilweise geraten die Texturen aber sehr matschig. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Ein weiteres Problem der 5x-Telezoom-Kamera sind die häufig sehr starken chromatischen Aberrationen. Dabei handelt es sich um violette und grüne Farbsäume, die meist an kontrastreichen Übergängen im Bild auftauchen.

Ultra-Weitwinkel

Das Ultra-Weitwinkel-Modul finde ich prinzipbedingt toll. Egal, ob Landschaft, Innenräume oder auch mal Portraits: Der große Bildwinkel ist praktisch und hat mir schon viele interessante Bilder beschert – und im Übrigen auch tolle Videos.   

In Sachen Bildqualität siedelt sich das 20-Megapixel-Modul ungefähr auf einem Niveau mit dem 2x-Telesensor an: Die Farbwiedergabe ist gelungen, und grundsätzlich ist die Detailwiedergabe gut. Leider kämpfen auch die Ultra-Weitwinkel-Fotos mit den teilweise vermatschten Texturen, wie oben beim 2x-Telezoom-Modul beschrieben. Bei schwächeren Lichtverhältnissen macht sich schließlich der Größenunterschied zum Hauptsensor bemerkbar – die Bildqualität fällt dann insbesondere im direkten Vergleich deutlich ab.

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Mehr aufs Bild: Der Ultra-Weitwinkel ist bei solchen Motiven einfach toll. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Sollte der Ultra-Weitwinkel dann tatsächlich einmal nicht ausreichen, hat das Mi Note 10 übrigens einen hervorragenden Schwenk-Panorama-Modus, der sehr hochauflösende und schöne Fotos schießt. Ausprobieren lohnt sich.

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27 Megapixel und schöne Details: Dieses Panorama könnte man problemlos im Großformat ausdrucken. Bei sehr kontrastreichen Motiven kommt es allerdings prinzipbedingt zu überbelichteten Bildbereichen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Makro-Kamera

Bleibt zu guter Letzt noch das Makro-Modul, das ich persönlich als überflüssig erachte. Wer in das Bild der Hauptkamera digital hineinzoomt, bekommt genauso viele, wenn nicht mehr Details. Der einzige Vorteil der 2-Megapixel-Makroknipse ist wohl, dass man gleich eine Vorschau für das finale Bild erhält und nicht nachträglich noch vergrößern muss. Das ließe sich aber auch per Software lösen.

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Es müssen noch nichtmal 108 sein: So groß ist das 2-Megapixel-Bild im Vergleich zu einem 27-Megapixel-Bild aus der Hauptkamera. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Performance

Bei der Performance weist insbesondere die Hauptkamera leider deutliche Defizite auf. Selbst im 27-Megapixel-Betrieb liegt mit aktiviertem HDR-Modus zwischen jedem Bild eine etwa zweisekündige Zwangspause. Hinzu kommt eine deutliche Auslöseverzögerung. Bei einer Actionszene genau den richtigen Augenblick festzuhalten, ist wirklich problematisch – ob mit oder ohne HDR-Modus. Hier sollte man unbedingt den Serienbildmodus nutzen, der etwa zehn Bilder pro Sekunde auf den internen Speicher schaufelt. Die Auflösung liegt hier bei 27 Megapixeln, die Kompression ist aber deutlich höher, was die Dateigröße verkleinert.

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Aus dem fahrenden Auto daneben geschossen: Lustigerweise war das Flugzeug bei der Bildvorschau zunächst mittig angezeigt. Nach abgeschlossener Bildverarbeitung war die Nase ab. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Noch schwieriger gestaltet sich das Fotografieren bei voller Auflösung. Zwar hat sich die Verarbeitungszeit mit einem kürzlich ausgespielten Update halbiert. Mit etwa drei bis fünf Gedenksekunden zwischen jedem Bild muss man dennoch rechnen. Zu guter Letzt reagierte die Kamera-App selbst nicht immer stabil, gelegentlich war sogar ein Neustart erforderlich, um sie wieder zum Laufen zu bringen. 

Selfie-Kamera

Die Selfie-Kamera bringt auf dem Papier ordentliche Voraussetzungen mit – und hat sich auch im Praxiseinsatz unter verschiedenen Bedingungen wirklich gut geschlagen.

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Selfie mit Bokeh-Effekt: Die Frontkamera liefert sehr schöne Fotos. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Selfie-Kamera

  • Samsung S5KGD1
  • 32 Megapixel, Blende F2.0
  • 0,8 Mikron Pixel-Pitch
  • kein optischer Bildstabilisator
  • 1/2,8-Zoll-Sensor

Bei guten Lichtverhältnissen sehen die Fotos gestochen scharf aus und weisen natürliche und lebendige Farben auf. Wer im Portrait-Modus auf die Selfie-Kamera wechselt, kann hier auch Bokeh-Effekte nutzen. Auch bei durchwachsenen Lichtverhältnissen fördert Xiaomi noch schöne Aufnahmen aus dem Sensor zu Tage, die mit weitgehend natürlichen Farben und guten Details glänzen. 

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Arschkalt im Zug: Auch bei suboptimalen Bedingungen wie hier unter Kunstlicht liefert die Selfie-Kamera noch gute Ergebnisse. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Videoqualität

Der eingangs angesprochene Kamera-Salat zeigt seine Auswüchse auch im Videomodus. Es ist nicht möglich, während der laufenden Videoaufnahme die Kamera zu wechseln. Wer also im Ultra-Weitwinkel-Modus die Aufnahme startet, zoomt stets nur digital in dem Bild eben jener Kamera herum. Wer dagegen im Telemodus die Aufnahme startet, kann nicht bis zum Weitwinkel herauszoomen. Ausgehend von der Hauptkamera ist das Hineinzoomen dank Pixelmasse und Sensorgröße jedoch kein Problem – man sollte das aber vor dem Start der Aufnahme bedenken.

Abgesehen davon zeigt sich im Videomodus ein ähnliches Bild wie beim Fotografieren: Die Hauptkamera liefert tolle Ergebnisse, Weitwinkel und 2x-Zoom sind gut, und das 3,7x/5x-Telezoom-Modul kann nicht so recht überzeugen. Erfreulich ist noch die gute Videostabilisierung, die nur bei schlechten Lichtverhältnissen unangenehme Unschärfeartefakte auf die Bilder bringt.

Ich habe für Euch ein Video mit ein paar Szenen aus Indonesien zurechtgeschnitten. Es sind bewusst weder Effekte noch Musik über das Video gelegt, um Euch ein möglichst unverfälschtes Bild der Videoqualität zu geben.

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Akkulaufzeit

Auch wenn es dem allgemeinen Test vorgreift, so hat es dennoch hier eine Erwähnung verdient: Die Akkulaufzeit ist bei fleißiger Verwendung der Kamera katastrophal. Der mit 5260 mAh wirklich potente Akku übersteht beim regelmäßigen Einsatz der Kameras nicht einmal einen ganzen Urlaubstag.

Fazit

Zurück zur plakativen Eingangsfrage: Kann das Smartphone, hier repräsentiert durch das Xiaomi Mi Note 10, also die DSLR ersetzen? Ich kann schon den Aufschrei in den Kommentaren spüren, aber trotzdem! Mehr als jeder andere jüngst in Smartphones verbaute Bildsensor hat der 108-Megapixel-Chip das Zeug dazu, zumindest für den Durchschnittsnutzer.

Wenn ich mir nun ein Xiaomi Mi Note 10 ohne die durchwachsene Performance, ohne die gelegentlichen Vollaussetzer und dafür mit einem aufgeräumten Kamera-Setup und noch etwas Feintuning bei den Algorithmen vorstelle, dann lautet die Antwort für mich: Ja, ich würde meine DSLR dann bei einer solchen Reise wohl nicht mehr vermissen. 

Bis wir den Bildsensor von morgen nun auch mit dem Smartphone und der Software von morgen bekommen, da müssen wir, nunja, wohl bis zum „morgen“ warten. Neben dem zuvor erwähnten Samsung Galaxy S11 ist das Xiaomi Mi Mix Alpha ein heißer (und allerdings auch hart teurer) Kandidat. Das Potenzial, die Smartphone-Kamera-Welt im Jahr 2020 auf den Kopf zu stellen, hat der Sensor auf jeden Fall.

Zum Abschluss sei noch einmal erwähnt: Die allermeisten Fotos und Videos habe ich vor den beiden jüngsten Firmware-Updates geschossen. Allerdings konnte ich alle im Test erwähnten Probleme – sofern nicht explizit erwähnt – in der einen oder anderen Form auch nach dem Update beobachten. In den sehr dürftigen Change Logs war bei beiden Updates nichts von der Kamera zu lesen, auch wenn sich zumindest die Performance im 108M-Modus spürbar verbessert hat.