Das für diesen Test genutzte Gerät wurde uns von TradingShenzhen mit chinesischer Firmware zur Verfügung gestellt. Das Smartphone läuft mit Android 10 und bietet das Sicherheitslevel vom 6. Oktober.

Huawei Mate 30 Pro: Die Kameras unter der Lupe

Der Huawei Mate 30 Pro bringt im Vergleich mit seinem Vorgänger, dem Mate 20 Pro, neue Kamera-Features mit sich, die hardwareseitig in und neben dem großen, kreisförmigen Bereich auf der Rückseite platziert sind. Insgesamt gibt es vier verschiedene Sensoren.

  • 40MP Ultra-Weitwinkel-Sensor, 18mm, f/1.8, 1/1.54 Zoll, 18mm
  • 40MP, 27mm, f/1.6, 1/1.7 Zoll Weitwinkelsensor, optischer Bildstabilisator
  • 8MP, 80mm, f/2.4, ¼ Zoll Teleobjektiv, optischer Bildstabilisator, 3fach-Zoom
  • 3D-Tiefensensor (ToF) für bessere Bokeh-Effekte und schnellere Fokussierung

Auf der Vorderseite befindet sich ein 32MP-Sensor mit f/2.0-Blende, der den 3D-Sensor der Gesichtsentsperrung nutzt, um ein möglichst natürliches Selfie aufzunehmen. Mit der Frontkamera können Videos in FHD+ mit 30 fps aufgenommen werden. Wichtig zu wissen ist, dass die Hauptkamera Fotos bei 10 MP erstellt und je vier Pixel zu einem zusammenzieht – so errechnet sich die 40-Megapixel-Kamera. Mit dem Mate 30 Pro sind auch Fotos im RAW-Format möglich. Dieser Modus ist empfehlenswert, wenn ihr die Fotos noch nachträglich bearbeiten möchtet. Mehr Bildinformationen werden gesammelt, dafür wird die Bilddatei des geschossenen Fotos aber auch deutlich größer.

  • Huawei Mate 20 Pro: nicht einwandfreie Kamera, aber trotzdem großartig.
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Ein neuer Look für die Kamera des Huawei Mate 30 Pro / © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Kamera-App: schnell und intuitiv, aber mit einigen Schwächen

Die einfach und schnell zu bedienende Kamera-App bietet verschiedene Modi: Nacht, Portrait, Zeitlupe, Panorama, Monochrom (schwarz-Weiß), HDR, Zeitraffer sowie AR und Dual View, die speziell für den Videomodus entwickelt wurden. Im Pro-Modus könnt ihr Parameter wie ISO, Verschlusszeit, Belichtung und Weißabgleich manuell einstellen. Die Aktivierung und Deaktivierung von KI-Unterstützung (standardmäßig aktiv) sowie Filtern, die live auf die Aufnahmen gelegt werden, ist nur einen Fingertipp oder -wisch entfernt. Die Spur der künstlichen Intelligenz ist spürbar, besonders bei Farben wie Grün und Rot, allerdings wirken sie im Test nicht zu invasiv.

Die Navigation in der App erfolgt vorrangig durch intuitive Wischgesten durch die unten angebrachte Leiste der verschiedenen Modi. Unten rechts ist stets der Schalter zum Wechseln zwischen Rück- und Frontkamera.

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Zoomen gestaltet sich mit dem Mate 30 Pro eher schwierig. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Der Zoom kann mit einem Schieberegler verstellt werden, aber es ist fast unmöglich, sie mit einer Hand einzustellen, wenn man im Querformat aufnimmt. Selbst im Hochformat ist die Zooms-Einstellung für Linkshänder problematisch. Außerdem benötigt die Automatik teilweise mehrere Sekunden – zu lang – um ein geschossenes Bild zu bearbeiten und in der Galerie darzustellen.

So schlägt sich das Mate 30 Pro in verschiedenen Szenarien

Tagsüber und in gut beleuchteten Räumen macht der Huawei Mate 30 Pro schöne Fotos. Die Aufnahmen überzeugen durch Schärfe bis ins Detail und offenbaren fast kein Bildrauschen. Der Weißabgleich ist im Allgemeinen gut und die Hauttöne von abgebildeten Personen werden sehr exakt wiedergegeben – dies zeigt sich an der Analyse des im Bild unten hervorgehobenen grünen Bereichs.

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Auf der rechten Seite haben wir die Sättigung erhöht, um weniger helle Farbtöne zu erhalten / © NextPit Bildquelle: NextPit

Auch die Farbdarstellung wurde optimiert, obwohl das Mate 30 Pro in einigen Fällen mit fehlender Sättigung zu kämpfen hat. Im nächsten Bild seht ihr den Vergleich mit dem Google Pixel 4 XL, wo eine genauere Farbdarstellung zutrifft, die Hauttöne aber blasser wirken.

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Gleiche Aufnahme mit Pixel 4 XL / © NextPit Bildquelle: NextPit

Lowlight-Aufnahmen überzeugen und bestätigen die Leistungsfähigkeit von Huawei und Leica in diesem Bereich. Der spezielle Nachtmodus startet eher langsam und braucht durch die längere Belichtungszeit ohnehin mehr Zeit und Ruhe beim Fotografieren. Dafür leistet er aber auch in völlig dunkler Umgebung gute Dienste, weil er die Szene deutlich besser belichtet und erfasst.

Alternativ gibt es den schnellen Automatikmodus, der für die meisten Szenarien bei schlechten Lichtverhältnissen mehr als ausreichend ist: Auch ohne Stativ entstehen hier rauscharme Schnappschüsse im Dunkeln.

Der Automatikmodus des Mate 30 Pro bietet realistischere Farben (das Licht im unteren Bild war ziemlich warm), einen besseren Dynamikumfang und eine bessere Detailwiedergabe als der des Google Pixel 4 XL. Auf dem Foto, das mit dem neuen Pixel aufgenommen wurde, ist auch der Rausch-Anteil merklich höher.

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Der Mate 30 Pro / © NextPit Bildquelle: NextPit

Bei Nachtaufnahmen vergleichen wir das Mate 30 Pro mit dem OnePlus 7T Pro. Das OnePlus-Setup erstellt im Dunkeln Fotos mit satteren Farben. Dafür ist der Detailreichtum des abgebildeten Gebäudes in größrere Entfernung bei Huawei besser. Hier ist die Fassade nicht so rosa ist wie bei der OnePlus-Aufnahme. OnePlus ist zwar wärmer, aber auch künstlicher – Huawei liegt näher an der Realität.

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Intensivere Farben beim Foto des OnePlus 7T Pro, das Gebäude wird aber von Huawei-Modell besser erfasst. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Das Teleobjektiv des Huawei Mate 30 Pro überrascht mit einer „niedrigen Auflösung“. Es bietet einen 3-Fach-Zoom, weniger also als der 5-fache Zoom des P30 Pro, allerdings zahlt sich der Technologiewechsel mit dem AI-RAW-Algorithmus aus und mit der standardmäßigen 5-Fach-Funktion der App schafft es das Huawei Mate 30 Pro, scharfe Aufnahmen zu liefern, die denen des P30 Pro in nichts nachstehen.

Klar ist auch, dass die Zoom-Fotos im Dunkeln qualitativ nicht mit denen des Hauptsensors mithalten können. Nachts solltet ihr wenn möglich also auf die Vergrößerung verzichten.

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Erstklassiger Zoom im Hellen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Im Ultra-Weitwinkel-Modus sehen wir kaum Qualitätsverlust – klar, der Sensor ist technisch auf dem Stand der Hauptkamera. Die Ergebnisse sind über jeden Zweifel erhaben. Der Autofokus ist vor allem bei nahen Objekten sehr stark und setzt sie dank großem Winkel gut in Szene.

Die Frontkamera im Test

Die 32MP-Frontkamera überzeugt durch eine detaillierte, naturnahe Fotografie. Hier ist das Mate 30 Pro besser als das P30 Pro. Beim Wechsel von der Hauptkamera zur Frontkamera , wechselt die App automatisch in den Hochkantmodus.

Beim Bokeh-Effekt leistet das Mate 30 Pro hervorragende Arbeit dank einer sanften Wiedergabe der Tiefenschärfe. In diesem Fall verwendet der Portraitmodus nicht das Teleobjektiv, sondern die Hauptkamera, die mit ihrem Detailreichtum auch einzelne Haare nicht zu „Bildmatsch“ werden lässt, sondern detailliert mit aufnimmt.

Noch kurz zu den Videos: Huawei hat ein verbessertes Videoerlebnis versprochen und hält das tatsächlich durch gute Arbeit und entsprechende Ergebnisse im Bewegtbildbereich. Standardmäßig könnt ihr mit dem Mate 30 Pro Filme in 4K aufnehmen – bei 60 fps. Auch der Autofokus funktioniert problemlos und macht Videos intuitiv und automatisch besser.

  • Fotogalerie Mate 30 Pro

Fazit

Huawei bleibt auch beim Mate 30 Pro obenauf bei der Kamera. Das Mate 20 Pro führte den Weitwinkelmodus ein, der später vom P30 Pro übernommen wurde. Das Mate 30 Pro vereint die gesamte Technologie-Bandbreite der Marke, optimiert sie und bestätigt die Leistungsfähigkeit der Kamera, indem es durch die Bank gute Aufnahmen in verschiedenen Szenarien liefert. Vor allem nachts ist Huawei ganz oben mit dabei.

Alles in allem ist es schwierig, einen Schwachpunkt zu finden. Es einige Aspekte, die verbessert werden können, angefangen bei der Zoom-Steuerung in der App bis hin zu den Videos, bei denen der technische Verbesserungsspielraum mit am größten ist. Auf jeden Fall kann die Kamera auf dem Mate 30 Pro für die meisten Benutzer mehr als nur ein Werkzeug sein, mit dem sie ihre Erinnerungen festhalten. Ob es aber das Beste auf dem Markt ist – diese Meinungen können auseinander gehen. Das habt ihr in unserem Kamera-Blindtest selbst bewiesen!