#Alleihnachten-Filmtipp: "Us and Them" - Heimfahren durch Andere

#Alleihnachten-Filmtipp: "Us and Them" - Heimfahren durch Andere

In meinem Filmtipp zu #Alleihnachten geht es nicht etwa um die 100.000.000ste Inszenierung eines typischen, US-amerikanischen Weihnachtsfest mit Lametta und Geschenken. Stattdessen geht es in "Us and Them" um das chinesische Neujahr und vor allem um das ganz besonderes Gefühl, einmal im Jahr zurück zur Familie zu reisen.

In meiner Einleitung zu #Alleihnachten habe ich Euch schon verraten, was sich an diesen Weihnachten so komisch anfühlt. Die jährliche Reise zur Familie ist ein Ritus, den viele Karrieresuchenden immer wieder auf sich nehmen und meist wird in WhatsApp-Gruppen und im Büro vorher erzählt, wie anstrengend doch alles sei. Je älter man wird, desto mehr Meinungsverschiedenheiten gab es im Familienbund und ohnehin führen Eltern nach einigen Jahren der Individualisierung ein vollkommen unvorstellbares Leben.

Aber diese Bürde, sich einmal im Jahr wieder in diese überworfenen und vielfach überdachten Familienstrukturen hineinzuquetschen, lässt sich nicht nur durch ein Pflichtgefühl erklären. Gibt ja schließlich auch immer die Option, auch ohne Lockdown zu Hause zu bleiben. Nein, was wir in Deutschland an Weihnachten und in anderen Ländern zu anderen Zeitpunkten auf uns nehmen, muss einen anderen Grund haben. Meiner persönlichen Suche nach diesem Grund bin ich mit dem Film "Us and Them" ein Stück näher gekommen. Denn hier schauen wir nicht auf die eigene Kultur, sondern schauen auf das chinesische Neujahrsfest.

In Peking ist die Welt, zu Hause nur die Familie

"Us and Them" handelt von Xiaoxiao und Jianqing, die sowohl die gleiche Heimat als auch die gleiche Wahlheimat teilen. Sie leben beide in Peking und versuchen dort, eine Karriere aufzubauen. Neben vielen Szenen in winzig kleinen, WG-ähnlichen, Zimmern, zeigt der Film auch immer wieder die Reise in die Heimat zur Chunyun-Zeit, in der laut Wikipedia einmal im Jahr 2,9 Milliarden Passagiere (!) durch Asien Reisen, um zurück zu ihrer Familie zu fahren.

Um nichts von der Handlung vorweg zu nehmen, konzentriere ich mich auf das, was mich in diesen Heimatszenen so fasziniert hat. Wir sehen Menschen einer vollkommen andersartigen Kultur in einem Film, der nicht wirklich nach den gewohnten Konzepten US-amerikanischer und europäischer Filme funktioniert. Selbst das Schauen mit Untertiteln, ist für die meisten von uns ungewohnt und ich empfehle Euch unbedingt, auf die Synchronisierung zu verzichten. Denn so ist die anfängliche Entfremdung von den gezeigten Personen noch stärker, bis sie dann plötzlich in das genaue Gegenteil umschlägt.

Familie funktioniert immer gleich

Denn nach und nach wurde mir beim Schauen von "Us and Them" klar, wie ähnlich ich und meine bereits thematisierten Mittzwanziger-Karriere-Freunde uns doch sind. Die andere Sprache, das andere Aussehen und die andere Ästhetik der Bilder rückt in den Hintergrund, wenn man merkt, dass zum chinesischen Neujahr Milliarden Menschen dasselbe erleben, wie ich in Deutschland. Sie reisen zu Ihrer Familie und nehmen dafür Konflikte und Streits in Kauf.

Us dan Them
Us and Them ist ein chinesischer Film, den Ihr am besten mit Untertiteln schaut! / © NextPit

Jedes Ritual, jede soziale Vereinbarung und jedes Fest hat sich aus bestimmten Gründen in einer Gesellschaft entwickelt und über einen langen Zeitraum durchgesetzt. Dass sich Feste, an denen sich Familien einmal im Jahr zusammensetzen, auf der ganzen Welt entwickelt haben, muss also ein Indikator für etwas ganz anderes sein - und genau das zeigt "Us and Them" ganz hervorragend.

Die jährliche Reise zur Familie ist immer auch ein Spiegel der eigenen Entwicklung. Sie lässt uns beobachten, wo wir gerade im Leben, in unseren Einstellungen und in unserer Gegenwart stehen. Wir können beobachten, wie junge Menschen über die Jahre zum Familienbund dazustoßen und wie alte Menschen älter werden, bis sie irgendwann am Essenstisch fehlen.

Als wir alle Kinder waren, diente die eigene Familie als Orientierungshilfe, um die Regeln und Normen einer uns unbekannten Gesellschaft zu lernen. Während wir älter werden, verwandelt sich die Familie zu einem Messstab, an dem wir die Zeit, unsere eigene Entwicklung und den Fortschritt unserer Gesellschaft ablesen können. Hierin muss einer der Gründe liegen, warum es Menschen trotz hunderter oder tausender Kilometer ein Bedürfnis ist, zurück zur Familie zu fahren. Dort, wo wir alles schon kennen, können wir uns selbst am besten sehen.

"Us and Them" gibt's auf Netflix

Besitzt Ihr ein Netflix-Abonnement, könnt Ihr "Us and Them" direkt nach dem Lesen dieses Artikels schauen. Die Kollegen von "WerStreamt" listen leider keine andere Plattform, da es sich um einen von Netflix produzierten Film handelt. Hierfür habe ich Euch den Link zum Film einmal herausgesucht:

Ich habe in diesem Filmtipp-Artikel versucht, so wenig vom Film zu verraten, wie es überhaupt ging. Behaltet stattdessen meine Erkenntnisse aus dem Film im Hinterkopf und verratet mir anschließend, ob Ihr mir zustimmen könnt oder ob ich nur zu viel aus dem Film lese!

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