Smart Home ist im Kommen. Etliche Standards etablieren sich und wir haben fünf der wichtigsten exemplarisch vorgestellt. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll vielmehr einen Einblick vermitteln, worum es beim Vernetzen der heimischen Geräte geht.

Peter Hübinger, Leiter des Geschäftsbereichs Smart Home bei Miele, haben wir gefragt, was seiner Meinung nach das vernetzte Zuhause für den Anwender bedeutet.

„Durch die Vernetzung hat der Anwender auf eine sehr komfortable Weise die Möglichkeit, den Status seiner Geräte zu überwachen oder sogar zu starten – und zwar nicht nur zu Hause, sondern auch von unterwegs. Damit ist er flexibler geworden, kann seine ohnehin knappe Zeit besser einteilen, ohne unnötige Wege zurückzulegen. Zusätzlich erhält er aber auch nützliche Informationen, wenn es wirklich wichtig ist, einzugreifen – wenn etwa die Gefrierschranktür offen steht oder er vergessen hat, den Herd auszuschalten. Die Miele@mobile-App schafft weitere Freiräume durch die praktische Verbindung zum Miele-Onlineshop, in dem schnell und von überall zum Beispiel Wasch- und Spülmittel nachbestellt werden können. Die Vernetzung der Geräte bietet außerdem die Chance, nur dann die Energie zu nutzen, wenn sie günstig zur Verfügung steht, zum Beispiel bei einer Geräte-Anbindung an eine Photovoltaikanlage.“

Springt zum Standard

ZigBee

ZigBee ist ein vor allem in Europa relevanter Smart-Home-Standard. Philips, Osram, SengLED oder Miele bieten Produkte mit dem Übertragungsstandard an. Die Spezifikation wird in Form der IEEE 802.15.4 festgeschrieben. Das Protokoll wurde auf Einfachheit und niedrigen Energieverbrauch, nicht aber auf hohe Übertragungsraten optimiert.

Seit ZigBee 3.0 kommunizieren Geräte auch Hersteller-übergreifend. Die Interoperabilität wird auch durch die Zusammenarbeit mit dem unten vorgestellten EnOcean verbessert werden. Ältere Geräte etwa von Sengled oder Philips waren miteinander nicht kompatible, sodass man sich auf einen Hersteller festlegen musste.

Mit Miele steigt ein für uns Deutsche wichtiger Vertreter aus der Gruppe ZigBee-verwendender Hersteller aus. Stattdessen kündigt Miele an, künftig auf WLAN zu setzen. Geschirrspüler, Dunstabzughauben, Waschmaschinen und Co. werden so mit dem Internet vernetzt und sind dann in der Lage, ihr Waschmittel selbst nachzubestellen.

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Miele setzt künftig auf WLAN. / © Miele Bildquelle: Miele

Z-Wave

Z-Wave ist etwas älter als ZigBee und war von Anfang an darauf ausgelegt, dass Geräte unterschiedlicher Hersteller miteinander kommunizieren können. Z-Wave arbeitet lediglich mit Territorien, sodass amerikanische Produkte nicht mit europäischen kommunizieren oder umgekehrt. Dem Vorsprung von drei Jahren vor ZigBee hat das Protokoll eine erheblich größere Verbreitung zu verdanken.

Insbesondere Devolo tut sich hier mit einem breiten Portfolio an Z-Wave-kompatibler Hardware für das Smart Home hervor. Den im Starter Kit befindlichen Controller verbindet Ihr mit Eurem Router. Anschließend könnt Ihr von jedem Ort der Welt aus Eure Heizung in der Wohnung ausschalten oder erhaltet eine Benachrichtigung, wenn etwas den Bewegungsmelder passiert.

EnOcean

EnOcean-Controller werden batterielos betrieben und nutzen Bewegungsenergie oder Licht, um ihren eigenen Strom zu produzieren. Etliche Module in der Liste sind so genannte „Harvester“, die das EnOcean-System dauerhaft mit kostenloser Energie beliefern.

Die Liste der kompatiblen Produkte zeigt bekannte Hersteller wie Osram oder Siemens. Oft jedoch wird EnOcean verbaut, ohne dass der Name erwähnt wird. OEMs können die Technologie lizenzieren und ohne Namensnennung verwenden.

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WLAN

Warum nicht einfach eine Technologie verwenden, die eh schon jeder hat? WLAN ist typischerweise in Haushalten vorhanden, deren Bewohner sich für Smart Home interessieren. Apple, Amazon oder Google nutzen daher die naheliegende Lösung zur Vernetzung. Da der Standard jedoch auf Übertragungsrate und nicht auf Effizienz optimiert wurde, eignet er sich für andere Aufgaben.

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Amazon Echo: Die smarte Pringles-Dose für zuhause. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Also empfiehlt sich der Mischbetrieb aus WLAN und anderen Funkstandards. D-Link etwa hat bereits ein Smart-Home-Hub gezeigt, das Z-Wave und WLAN-Sensoren verknüpft und zentral steuert. Euch als Anwender kann es dann egal sein, mit welchem der beiden Standards Eure vernetzten Hausgeräte kommunizieren.

DECT ULE

Fritzbox-Besitzern sollte DECT ULE ein Begriff sein. Vor allem der in Deutschland erfolgreiche Router-Hersteller AVM setzt auf den sparsamen Standard. Dieser kann mit geringem Energiebedarf Heizkörper und Steckdosen in Eurem Haushalt fernsteuern. Leider ignorieren Fritzboxen dann ZigBee oder Z-Wave, sodass Ihr umsändlich ein weiteres Hub wie das von Devolo an die Fritzbox anschließen müsst.

Fazit

Die meisten der oben genannten Techologien fürs Smart Home wollen genau dasselbe: Automatische Steuerung und drahtloser Betrieb bei minimalem Energieverbrauch. ZigBee kann dank der Kooperation mit EnOcean sicherlich Boden gut machen. Z-Wave hat zwar eine bemerkenswerte Verbreitung, hat aber im Öko-Vergleich gegenüber EnOcean das Nachsehen. DECT ULE hätte ohne den Support durch AVM wahrscheinlich keine Relevanz. WLAN ist zwar von der Einrichtung her die einfachste Lösung, ist aber durch seinen hohen Energiebedarf kaum als Smart-Home-Standard zu bezeichnen.

Also hoffe ich, dass wir auf dem MWC mehr Lösungen sehen, die Z-Wave oder EnOcean mit WLAN verknüpfen. Insbesondere Router-Hersteller müssen hier intensiver mit der Baubranche zusammenarbeiten, da hier viel Potenzial brach liegt.

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Der Artikel ist der Auftakt für ein neues Themengebiet und wird im Laufe der Zeit um weitere Standards erweitert werden.