Vorweg geschickt: auch wenn der Stoff genügend Material für einen sentimentalen Rückblick, voll mit alten Bildern und rührenden Geschichten hergeben würde, will ich dies ganz bewusst nicht tun. Die Fonpit AG ist Geschichte – und selbst wenn AndroidPIT weiterlebt, ist es ein Neuanfang. Damit aber auch LeserInnen, die noch nicht so lange dabei sind, folgen können, hier ein kurzer Abriss um was es eigentlich geht – und zwar der Einfachheit halber aus meiner Sicht:

APit – was ist eigentlich passiert?

Im Jahr 2009 – genauer gesagt am 1. Mai – startete ich in Vollzeit damit AndroidPIT tagtäglich mit News rund um das Thema Android, aber auch mit Testberichten zu Android Apps zu befüllen. Zunächst war ich alleine, später kam mein langjähriger Geschäftspartner und Freund Sven für die Technik hinzu.

Mit Android wuchs auch AndroidPIT stetig – neue Partner beziehungsweise Aktionäre kamen hinzu. Es kamen neue Sprachen in denen wir veröffentlichten und damit auch immer mehr Mitarbeiter. Im Jahr 2012 machte ich dann erstmal eine Pause und verließ das Unternehmen um rund vier Jahre bei Heise in Hannover zu arbeiten.

Seit Mitte 2016 war ich dann wieder zurück an „alter“ Wirkungsstätte – dabei hatte sich alles verändert: neue, viel größere Räume, rund 80 Mitarbeiter und neue Produkte. Mit wachsender Größe wächst auch die Verantwortung – und die Schnelligkeit leidet.

Es hatten sich Strukturen herausgebildet, die für ein Unternehmen, das in einem so dynamischen Umfeld wie dem Online Publishing agiert, nicht mehr passend waren. Sicherlich hat uns, dem Management, an einigen Stellen auch der Mut und die Entschlossenheit gefehlt, harte Entscheidungen zu treffen.

Diese wurden uns dann Ende Mai 2019 abgenommen – die weitere Finanzierung der Fonpit AG war kurzfristig nicht mehr gewährleistet und wir mussten Insolvenz anmelden (einen Artikel hierzu gibt es nach dem Link).

Aus einem Scheitern wird man vielleicht nicht klug. Aber sehr viel klüger.

Mit dem Ende der Fonpit AG kam der Neuanfang und die Möglichkeit mit der NextPit GmbH das vor zehn Jahren Begonnene weiterzuführen – und AndroidPIT nicht endgültig in den Tod oder in fremde Hände zu schicken. Anfang August konnte die NextPit GmbH mit neuen Investoren die wichtigsten Werte der Fonpit – nämlich alle Webseiten samt Content – übernehmen. Außerdem bekamen 15 Mitarbeiter, inklusive meiner selbst, die Möglichkeit zu bleiben.

Wer mich kennt, weiß, dass ich mit sehr viel Leidenschaft beziehungsweise Disziplin Tagebuch schreibe. Ich notiere mir Erlebnisse und Tagwerk aus denen dann oft, nach einer gewissen Zeit, Erkenntnisse erwachsen.

Beim Durchblättern meines Tagebuchs konnte ich in den letzten Tagen feststellen wie oszillierend meine Stimmung in den letzten Monaten war. Geprägt durch die einzelnen Phasen des Neuanfangs, die anfangs von Traurigkeit und Frust, dann von Euphorie und Enthusiasmus weiter hin zu Überforderung und -müdung geprägt war und aus denen immer ganz neue Ideen und Gedanken entstanden, habe ich insgesamt sieben Oberpunkte destilliert.

1. Ein Abwärtsstrudel produziert immer einen Sog.

Ich habe bereits viele Unternehmen in meinem Leben gegründet. Die Fonpit AG war aber meine erste Insolvenz und damit eine ganz neue Erfahrung. Wenn einem klar wird, dass der Gang zum Amtsgericht der einzige Weg ist, der einem bleibt und der erste Schock überwunden ist, fängt man an wieder nach vorne zu denken.

Man plant, spricht mit Menschen und versucht diese von der neuen Idee zu überzeugen. Sicher, man hat Angst vor dem Ungewissen, aber gleichzeitig ist da diese Kraft und der Wille sich gegen das Schicksal aufzubäumen. Schließlich hat man es vor zehn Jahren auch schon mal geschafft – und da war man ganz alleine. Jetzt hat man noch vierzehn weitere Kolleginnen und Kollegen um sich – allesamt Meister ihres Fachs und ganz bestimmt genauso motiviert wie man selbst.

Letzteres stimmte wahrscheinlich. Was ich aber übersehen habe oder nicht sehen wollte, war, dass Andere die Unsicherheit eines neuen Projekts nicht so einfach aus dem Kopf streichen konnten. Natürlich hatte ich es in Betracht gezogen, dass nicht alle Leute, die ich am Ende der Fonpit AG ausgewählt hatte, bleiben würden. Aber ich wollte, nein ich konnte daran keinen Gedanken verschwenden. Es hätte mir sonst selbst die Kraft oder den Mut geraubt.

Natürlich holte mich dies aber ein. Das tat es leider sehr viel schneller als gedacht. So sehr ich allen Beteiligten auch beteuerte, dass wir finanziell solide aufgestellt sind, so musste dennoch irgendwo ein Zweifel bleiben. Gerade wenn man eine Familie zu ernähren hat, dann will man nicht einfach nur hoffen und vertrauen.

Und so kam es, dass uns gleich in der zweiten NextPit-Woche mit Steffen das erste Teammitglied verließ. Ich hatte es nicht kommen sehen – und so sehr ich ihn verstehen konnte, so sehr hat es mir auch gleichzeitig den Boden unter den Füßen weggezogen.

Steffen ist ein Fels in der Brandung und eine Bereicherung für jedes Team. Seine Gedanken zum Jobwechsel waren nachvollziehbar und sein Wehmut beim Gehen ehrlich. Wir haben nach wie vor ein exzellentes Verhältnis, das ich als freundschaftlich bezeichnen würde. Aber Steffens Weggang hatte selbstverständlich Signalwirkung für alle Anderen im Team.

Es entsteht ein Sog, der alles nach unten ziehen will. Plötzlich kommen Zweifel auf. Nicht nur beim Rest des Teams, sondern auch bei mir. Schaffen wir es denn trotzdem? Sind wir auf einem guten Kurs? Und werden weitere Leute gehen?

Ja, es sollten weitere Leute gehen – insgesamt vier an der Zahl. Es war wahnsinnig anstrengend das zu kompensieren. Wir mussten neue Leute finden. Aber wir haben sie gefunden.

Wenn man anfangs denkt, man sei schon ganz unten, dann stimmt das oft nicht. Meist geht es noch ein Stückchen weiter runter, bis man wirklich am Boden angelangt ist. Dann aber – und das ist das Gute – kann es nur noch aufwärts gehen.

Und genau da befinden wir uns gerade.


Dies ist eine Artikelserie. Morgen geht es an dieser Stelle weiter mit dem zweiten Teil.