Streit um News: Google droht mit Abschaltung der Suchmaschine in Australien

Streit um News: Google droht mit Abschaltung der Suchmaschine in Australien

In Australien streiten sich Google und Facebook bereits seit einiger Zeit mit der Regierung um eine geplante Gesetzgebung, die Zahlungen der beiden Unternehmen an Nachrichtenunternehmen bedeuten könnte. Die US-Firmen drohen nun mit neuen Maßnahmen, um sich dagegen zu wehren.

Die jüngste Eskalation im Kampf zwischen Google, Facebook und den australischen Behörden ist die Drohung der Abschaltung von Googles Suchmaschine. Facebook drohte damit, den News Feed für alle Nutzer in Australien zu deaktivieren.

Streit um Bezahlungen an Nachrichtenunternehmen

Der Hintergrund ist ein Gesetz, welches vorsieht, dass Google und Facebook mit Nachrichtenunternehmen über Zahlungen an diese verhandeln müssen, wenn sie auf die Inhalte der Medien verlinken. Können diese sich nicht einigen, soll ein Vermittler helfen, die endgültige Zahlung festzulegen.

Wie der Guardian berichtet, würde dies bedeuten, dass 19 Millionen Australier auf die Google-Suche verzichten müssten, die diese monatlich nutzen. Weitere 17 Millionen Facebook-Nutzer in Australien wäre nicht länger in der Lage, News in ihrem Nachrichtenfeed zu sehen oder zu verlinken.

Eine Google-Sprecherin sagte, dass das Unternehmen Änderungen am Gesetz vornehmen wolle, um es „funktionsfähig“ zu machen. Welche Änderungen dies genau sind, geht aus dem Bericht nicht hervor. Google würde sich auch darüber freuen, mit den Nachrichtenorganisationen entsprechende Vereinbarungen zu treffen. Weltweit gebe es schon rund 450 derartiger Abkommen.

Australiens Premierminister Scott Morrison sagte zu Googles Vorschlag, dass man auf Drohungen nicht reagieren werde. „Australien legt Regeln für Dinge fest, die Sie in Australien tun können. So funktionieren die Dinge hier in Australien“, so Morrison. Laut der Sprecherin handele es sich dabei jedoch nicht um eine Drohung, sondern um das Worst-Case-Szenario.

Keine generelle Absage zu Abkommen mit Medienunternehmen

Bei dem Streit geht es aber offenbar nicht darum, dass sich Google generell gegen Abkommen mit und Zahlungen an Medienunternehmen weigert. Laut der New York Times geht es in Australien vielmehr darum, wer über die Zahlungen entscheidet, wann Gebühren anfallen und wann Tech-Unternehmen etwaige Änderungen an Algorithmen preisgeben müssen. Die Tech-Giganten hätten hier also möglicherweise Nachteile, die große und unberechenbare Kosten verursachen könnten.

In anderen Ländern – zum Beispiel jüngst in Frankreich – konnte Google sich mit Nachrichtenunternehmen auf bestimmte Kriterien einigen, wie etwa die Größe der Leserschaft. Hier gibt es keine Vermittler, was bedeutet, dass Streitigkeiten vor einem Gericht landen und so möglicherweise über lange Zeit diskutiert werden, bevor gezahlt werden muss. Medienunternehmen haben hier also möglicherweise das Nachsehen.

Während in Frankreich also bereits Einigung mit Google erzielt werden konnte, hat die Bundesregierung sich noch nicht auf einen Entwurf verständigen können, wie die EU-Reform umgesetzt werden soll – SPD und CDU kommen da zumindest noch auf keinen gemeinsamen Nenner. Allerdings hat die Koalition hierzulande auch noch ein wenig Zeit: Bis Juni müssen die Richtlinien der EU in nationales Recht umgesetzt werden. 

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Top-Kommentare der Community

  • trixi vor 4 Monaten

    Worüber sich Australien und Google streiten ist ziemlich genau die Umsetzung des Artikels 11 der Urheberrechtsreform, einer der Artikel gegen den zig tausende Internetuser (unter anderem ich) 2019 auf die Straße gegangen sind.

    Artikel 11 besagt, dass Suchmaschinen und ähnliche Angebote – womöglich bis hinunter auf Blogs – Verlage bezahlen müssen, wenn sie auch nur kleinste Ausschnitte ihres Materials verwenden.

    Wir können uns also darauf freuen, dass ein ähnlicher Streit in den nächsten Monaten auch hier möglich ist, wenn Deutschland das Ganze 1zu1 umsetzt.

30 Kommentare

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  • Das Konzept wäre doch auch etwas für unsere brachliegende Gastronomie. Man verlangt von Google Maps Geld dafür, dass dort Werbung für sie gemacht wird. Schließlich kann auch die Gastronomie behaupten, dass Google mit ihnen Geld verdient. Und demnächst werde ich eine größere Rechnung an Nextpit stellen für die Nutzung meiner Kommentare hier. Denn schließlich basiert ja das Geschäftsmodell von Nextpit unter anderem auf dem Aspekt "Community" ;D
    Ich bin eher selten auf Seiten von Google und finde es gut, wenn man die Techgiganten ein wenig in die Schranken verweist, aber in Sachen Leistungsschutzrecht kann ich nur den Kopf schütteln und Google raten, in Australien mal ein Zeichen zu setzen und die Dienste dort einfach mal einzustellen. So groß ist Australien nicht, das kann Google gut verkraften. Und der Rest der Welt wird es überleben, wenn australische Seiten nicht mehr gefunden werden. Australien, das zweite Bielefeld :)


    • Sehe ich fundamental anders. Google zeigt ein parasitäres Verhalten, wenn die einfach redaktionelle Arbeiten von Zeitungen und dergleichen nutzen wollen. Sollen sie doch selber Journalisten einstellen und Nachrichten verfassen. Google will meiner Meinung nach zu oft Geld mit Leistungen anderer verdienen. Mir imponieren die Australier. Lassen sich von so einem Konzern nicht unter Druck setzen. Und die Welt kann auch ohne Google leben. Die Chinesen verzichten ja auch auf Google Dienste. Und, geht es denen dadurch schlecht? Ich nutze ein Huawei P40 Pro Plus und verzichte somit auch auf Google Dienste. Und jetzt kommt's. Ich lebe noch. Und Nachrichten zu Australien finde ich exakt genau so gut mit Bing. Aber deinen letzten Sätzen nach zu urteilen, wusstest du gar nicht, dass es noch andere Suchmaschinen gibt.


      • Aries vor 4 Monaten Link zum Kommentar

        Wenn Australien das durchzieht, war es das für alle News-Reader inkl. der RSS-Feeds und vielen kleinen Blogs.

        Ich nutze übrigens auch kaum Google-Dienste und das aus gutem Grund, aber man muss trotzdem fair bleiben.


      • @Berhard Feder
        Statt einfach mal pauschal weil es alle tun auf Google einzuhacken oder mir zu unterstellen, ich wüßte nicht, dass es neben Google auch noch weitere Suchmaschinen gibt, solltest du dich vielleicht besser informieren. Denn dann wüsstest du, dass es eben gerade nicht um redaktionelle Inhalte geht. Denn für diese würde Google selbstverständlich bezahlen. Man verlangt von Google, rein für das VERLINKEN Geld zu bezahlen. Dass so ein Link zwei, drei Worte zum Zielthema enthält, ja enthalten muss, sollte eigentlich klar sein. Dabei ist aber doch noch lange kein redaktioneller Inhalt "gestohlen".
        Setzt sich diese Praxis durch, ist das im Prinzip das Ende des Internets, denn dann muss künftig jeder Link bezahlt werden. Da werden auch deine anderen Suchmaschinen nicht helfen, denn auch diese werden dann natürlich zur Kasse gebeten.

        Hier zum Weiterlesen:
        https://www.golem.de/news/australien-google-darf-bei-der-linksteuer-nicht-einknicken-2101-153657.html


  • trixi vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Worüber sich Australien und Google streiten ist ziemlich genau die Umsetzung des Artikels 11 der Urheberrechtsreform, einer der Artikel gegen den zig tausende Internetuser (unter anderem ich) 2019 auf die Straße gegangen sind.

    Artikel 11 besagt, dass Suchmaschinen und ähnliche Angebote – womöglich bis hinunter auf Blogs – Verlage bezahlen müssen, wenn sie auch nur kleinste Ausschnitte ihres Materials verwenden.

    Wir können uns also darauf freuen, dass ein ähnlicher Streit in den nächsten Monaten auch hier möglich ist, wenn Deutschland das Ganze 1zu1 umsetzt.


    • Google muss doch seine Suchmaschine nur so programmieren, dass in den Suchergebnissen keine Ausschnitte mehr erscheinen solange mit den Urhebern keine Nutzungsvereinbarung abgeschlossen wurde. Dann müsste Google auch nicht zahlen.


      • So einfach ist es natürlich nicht. Die Verlage sind ja auch nicht doof. Man verlangt, dass Google die Inhalte nutzen muss, da es sonst seine marktbeherrschende Stellung ausnutzen würde. Google könnte natürlich seinen Dienst im jeweiligen Land komplett einstellen, aber sowas macht ein Unternehmen natürlich nicht einfach so.

        Tim


      • Aries vor 4 Monaten Link zum Kommentar

        Google hat seine Suchmaschine so programmiert, dass die einer Robots.txt und den dem Tag Metatag "robots" folgt. Die Verlage müssten nur auf noindex setzen. Aber dann erscheinen sie gar nicht mehr im Suchindex. Das wollen sie auch nicht. Dafür wollen sie Geld von Google, weil Google ihre Inhalte sichtbar macht.

        Weil die Verlage diesen Widerspruch in ihrer Argumentation kennen, konzentrieren sie sich nun auf die News-App. Aber dafür gilt eigentlich das gleiche. Sie wollen die Dienstleistung nutzen und anders als sonst überall üblich nicht dafür bezahlen, sondern auch noch Geld bekommen.


  • lolo vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Und vor 2 Monaten gab es zum Anlass der US-Klage gegen Google hier noch heftige Meinungsverschiedenheiten zu Monopolen und ob man diese stärker restriktieren soll...
    Also Google hat auf jeden Fall ein Monopol, das sieht man hier! Sonst könnten die so etwas gar nicht versuchen.


  • C. F.
    • Blogger
    vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    "Lassen Sie mich das klar sagen: Australien legt die Regeln für Dinge fest, die man in Australien tun kann. [...] So funktionieren die Dinge hier in Australien." Er fügte hinzu: "Wir reagieren nicht auf Drohungen."

    Richtig so. Und alle anderen Länder sollten nachziehen. Ich lege ja auch fest, was man bei mir zu Hause machen kann und darf, und nicht die Gäste.

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