Realme 7 im Test: Zu viel Plastik, Rest Bombastik

Realme 7 im Test: Zu viel Plastik, Rest Bombastik

Das Realme 7 kommt kaum ein Jahr nach dem Realme 6 auf den Markt. Erfreulich ist, dass der Hersteller am 90-Hertz-Display des Vorgängers festhält und das Handy, hiervon abgesehen, nahe an die neue Pro-Version rückt. Wo das Realme 7 einzuordnen ist und für wen sich der Kauf empfiehlt, lest ihr im nachfolgenden Testbericht.

Bewertung

Pro

  • Gute Performance, die an die Pro-Version ragt
  • Kamera sorgt für natürliche Aufnahmen
  • Großer Akku mit effektivem Schnellladen

Contra

  • Materialien nicht sonderlich ansprechend
  • Groß und schwer
  • Keine IP-Zertifizierung
  • Hierzulande nur mit 48 Megapixeln (64 in Asien)

Für wen lohnt sich der Kauf?

Realme setzt aktuell zu 100 Prozent Kurs auf Smartphones mit gutem Verhältnis zwischen Qualität, Leistung und Preis und das liest sich auch auf und zwischen den Zeilen des Realme-7-Datenblattes. Denn zum günstigen Preis gibt es hier offenbar einige Vorzüge, die es sonst in weitaus teureren Handys gibt. Sparfüchse mit Vorliebe zu Quad-Kameras, 90-Hertz-Displays und großen Akkus sollten also unbedingt weiterlesen. 

Zu Kaufen gibt es Realme 7 hierzulande in der globalen Geräteversion. In Asien kam das Smartphone ein wenig früher auf den Markt und bietet in der Asia-Version eine Kamera mit 64 Megapixeln. Die deutsche 48-Megapixel-Version kaufen besonders kauffreudige Leser ganz oben auf dieser Seite.

Das macht das Realme 7 gut

90-Hertz-Display

Schon das Realme 6 überraschte Anfang des Jahres mit einem schnellen 90-Hertz-Display. Für Smartphone-Neulinge noch einmal kurz zusammengefasst: Hertz beschreibt die Frequenz, in der ein Display die Eingaben des Betriebssystems aktualisiert. Somit sieht ein 90-Hertz-Display tendenziell flüssiger aus, als ein Bildschirm mit nur 60 Hertz. Genau hier liegt der Vorteil des Displays im Realme 7, da es mit 90 Hertz der eigenen Pro-Version in dieser Hinsicht genau 30 Schritte voraus ist.

Denn kurioserweise verzichtet Realme im 7 Pro auf das 90-Hertz-Panel. Im Detail unterscheiden sich die beiden Displays wie folgt:

Realme 7 und Realme 7 Pro - Displays im Vergleich

Die Displays der beiden Smartphones sind fast gleich groß und bieten dieselbe Auflösung. Die Technologien unterscheiden sich allerdings stark voneinander.
Eigenschaft Realme 7 Realme 7 Pro
Displaygröße 6,5 Zoll 6,4 Zoll
Auflösung 1.080 x 2.400 Pixel 1.080 x 2.400 Pixel
Displayschutz Corning Gorilla Glas 3 Corning Gorilla Glas 3+
Bildwiederholrate 90 Hertz 60 Hertz
Technologie IPS LCD OLED

Wo das Realme 7 in der Bildwiederholrate punktet, glänzt die Pro-Version also hinsichtlich der genutzten Displaytechnologie. OLED-Bildschirme bieten im Vergleich zu IPS-Panels in der Regel eine höhere Leuchtkraft und bieten ein sehr hohes Kontrastverhältnis. Darüber hinaus überzeugt bei OLED in der Regel auch die Farbwiedergabe ein wenig mehr. Die Nachteile, die sich aus diesem technischen Unterschied ergeben, lassen sich aber nur bedingt auf das Realme 7 übertragen.

Denn das Display des Realme 7 überzeugt auch ohne OLED-Technologie mit einer schönen Farbwiedergabe und guten Kontrasten. Lediglich die Leuchtkraft kann nicht ganz mit OLED-Screens aus dem Jahr 2020 mithalten. Für die Nutzung in direktem Sonnenschein reicht die Helligkeit dennoch aus. Wie beim Display des Realme 7 Pro stören eher die Bildschirmränder, die für ein Smartphone aus 2020 schlichtweg zu dick sind. Die per Punch-Hole-Notch eingelassene Frontkamera ist dafür aber nicht viel größer als beispielsweise beim Google Pixel 4a 5G.

Gute Leistung auf Pro-Niveau

Das Realme 7 Pro zeigt sich in Davids Test als echter Leistungsträger und genau im Vergleich zu diesem Smartphone ist die Performance des Realme 7 spannend. Leider kommt hier allerdings kein Prozessor aus dem Hause Qualcomm zum Einsatz, sondern ein Mediatek Helio G95. Das als Gaming-Prozessor beworbene SoC  beschleunigt das vorinstallierte Android 10-Betriebssystem auf eine für den Alltag sehr angenehme Geschwindigkeit. Mein liebster Android-Hack, nämlich die Animationen in den Entwicklereinstellungen herunterzustellen, macht die Android-Experience schön flüssig und responsiv.

Dass Realme im günstigeren Modell auf Mediatek setzt, ist aber offensichtlich auch kein wirklicher Nachteil. Denn wie einige Benchmark Tests zeigen, kann es das Standard-Realme mit der Pro-Version aufnehmen. Fairerweise muss ich an dieser Stelle anmerken, dass uns Realme für unseren Test die 128-Gigabyte-Version mit 8 Gigabyte RAM schickte. Diese liegt mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 249 Euro preislich sehr nahe am Pro, das Ihr für 299 Euro kaufen könnt. Nun zu den Benchmarks:

Benchmark-Vergleich Realme 7 und Realme 7 Pro

Als Benchmarks nutzte ich Sling Shot Extreme OpenGL ES 3.1 aus der App 3D Mark und Geekbench 5. Es gab vier Messungen, von denen ich den Mittelwert zusammenrechnete.
Benchmark Realme 7 Realme 7 Pro
3D-Mark Slingshot Extreme ES 3.1 2705 2523
3D-Mark Slingshot Vulkan 2745 2638
3D-Mark Slingshot ES 3.0 3263 3551
Geekbench 5 (Single/Multi) 507 / 1637 575 / 1784

3DMark spricht der Standard-Version insgesamt sogar eher eine höhere Leistung als dem Pro-Modell zu. Diese gute Performance zeigt sich auch im Mobile Games, in denen Ihr die Grafikeinstellungen ohne große Sorgen nach oben schrauben könnt. Call of Duty: Mobile läuft mit maximalen Grafikeinstellungen flüssig und auch das Rennspiel Asphalt 9 glänzt mit knackscharfen Kanten, wenn Ihr die Qualität in den Einstellungen auf das Maximum bringt.

Kameraqualität

Ein Blick auf die Rückseite des Realme 7 löste bei mir zuallererst Ernüchterung aus. Nicht noch eine Quad-Kamera, die nur aus Marketinggründen über einen Tiefensensor, einen miserablen Weitwinkel und eine scheinheilige Makrokamera verfügt. Als ich dann in der Mittagspause mit dem Realme 7 auf Fototour ging, war ich von der Qualität der Aufnahmen aber größtenteils überrascht. Vor allem die Farbwiedergabe und der dezente HDR-Modus sehen ziemlich gut aus.

Bildqualität in fünf Akten

Gehen wir ein paar Aufnahmen einmal im Detail durch, um die Bildqualität des Realme 7 zu bewerten. Wir beginnen dabei mit einer typischen Schönwetteraufnahme mit der Hauptkamera.

Aufnahmen bei optimalen Lichtbedingungen

Gute Lichtbedingungen
Bei guten Lichtbedingungen überzeugt die Hauptkamera des Realme 7. / © NextPit

Die 48-Megapixel-Hauptkamera des Realme 7 bietet eine Offenblende von f/1.8. Da so viel Licht auf den Sensor fällt, hält das Smartphone die ISO-Empfindlichkeit bei gutem Wetter niedrig und die Belichtungszeiten kurz. Die Bilder mit 12 Megapixeln, das Smartphone nutzt Pixel-Binning und rechnet die volle Auflösung herunter, bieten eine sehr gute Schärfe und überzeugen in der Farbwiedergabe. Für meinen Geschmack ist die Aufnahme allerdings ein wenig zu überzeichnet, Objekte haben dadurch recht unnatürliche Kanten.

Aufnahmen in der Dämmerung und bei Nacht

Night Vision
Mit zunehmender Dunkelheit nimmt auch die Bildqualität stark ab. Das linke Bild wurde in einem unbeleuchteten Raum aufgenommen, in den das Flurlicht schien. / © NextPit

Kommen wir von optimalen Bedingungen zu Situationen, in denen die meisten Kameras an ihre Grenzen kommen. Moderne Smartphones besitzen für Nachtaufnahmen einen speziellen Modus, so auch das Realme 7. Die Ergebnisse sind trotz Nachtmodus recht arm an Details und rauschen stark. Bei wenig Licht zeigt sich auch hier ein starkes Nachschärfen der Aufnahmen, das die Sichtbarkeit des Bildrauschens noch ein wenig verstärkt. Das Realme 7 ist kein Nachtsichtgerät, nimmt in der Dunkelheit aber zumindest passable Bilder auf.

Brennweitenbereich von Ultraweitwinkel bis Tele

Collage Brennweiten
Während die Ultraweitwinkelkamera überzeugt, ist der Zoom des Realme 7 kaum zu gebrauchen. Dem Handy fehlt es an einer zusätzlichen Tele-Linse. / © NextPit

Seid Ihr beim Fotografieren eher lauffaul und benötigt ein Smartphone mit großem Brennweitenbereich, könnt ihr beim Realme 7 auf einen Ultraweitwinkelsensor mit einem Sichtfeld von 119 Grad zurückgreifen. Tele-Aufnahmen sind nur durch einen digitalen Zoom möglich und verlieren dementsprechend mit zunehmender Vergrößerung an Qualität. Das gesamte Spektrum seht ihr in meiner schicken Collage, unter der Lupe glänzt vor allem die Weitwinkelkamera. Denn hier erwartet euch ein schöner Dynamikumfang und überraschend gerade Linien. Die Auflösung ist mit 8 Megapixeln allerdings nur ausreichend.

HDR-Aufnahmen

Download
Der HDR-Modus (rechts) erweitert den Dynamikumfang der Kamera, ohne künstliche Bilder zu erzeugen. / © NextPit

Künstlich boostet das Realme 7 wie jedes andere, aktuelle Smartphone den Dynamikumfang des verwendeten Sensors. Im obigen Foto seht Ihr das am besten am Fenster, das mit aktiviertem HDR nicht komplett in gleißendem Licht untergeht. Realme beweist mal wieder einen guten Mittelpunkt zwischen zu viel und zu wenig. Bilder sehen dabei nicht künstlich aus und sind schön dynamisch.

Porträtmodus bei Personen und Objekten

BokehDas Bokeh bei Objekten funktioniert erstaunlich gut.  / © NextPit

Bevor dieses Review noch zum Kameratest wird, noch ein paar kurze Worte zum Porträtmodus. Dieser funktioniert auch mit Objekten und hier kommt dem Handy der eigene Tiefensensor zu Gute. Sauber, wie der hintere Teil des Fahrrades langsam in die Unschärfe übergeht, und dieser gute Eindruck bestätigt sich auch bei Selfies. Hier liefert die Frontkamera in meinen Augen vergleichbare Ergebnisse wie die Quad-Kamera auf der Rückseite. Ein letztes Beispiel habe ich Euch hier noch auf genommen:

Vergleich Selfie
Die Selfie-Kamera (links) liefert nahezu dieselbe Bildqualität wie Selfies, die ihr mit der Hauptkamera aufnehmt. Allerdings unterscheiden sich die Farben ein wenig und auch der Dynamikumfang (siehe Mütze) ist ein wenig geringer. / © NextPit

Wollt Ihr Euch mehr über Smartphone-Kameras informieren? Dann schaut in unseren Kamera-Guide für Smartphones vorbei:

Update auf Android 11 im Dezember

Realmes Zukunftsoffensive für den europäischen Markt macht sich auch bei den Updates der Geräte bemerkbar. Denn laut Update-Fahrplan wird es im Dezember ein Update auf Android 11 für die Realme 7-Serie geben. Somit hievt der Hersteller die Haltbarkeit seiner Geräte zumindest Software-technisch auf die nächste Stufe.

Realmes eigene Android-Oberfläche Realme UI macht schon in der Version 1.0 etwas her. So zeigt sich das Betriebssystem auf dem Realme 7 aufgeräumt und wirkt wie eine Mischung aus Stock-Android und dem Xiaomi-Launcher MIUI. Wie beim Realme C11 habe ich beim Testen Gefallen an den Gesten gefunden, die sich direkt auf das ausgeschaltete Display zeichnen lassen.

Akkulaufzeit mit rudimentärem Schnellladen

Gefällt Euch Realme UI nach dem Kauf auch so gut und könnt Ihr die Finger kaum vom Realme 7 lassen, könnt Ihr Euch auf eine ausdauernde Akkulaufzeit freuen. Denn das Smartphone kommt mit einem großen 5.000-Milliamperestunden-Akku, der das Smartphone allerdings ein wenig fett werden lässt. Die Bauhöhe liegt so bei fast einem Zentimeter.

Wie bei Smartphone-Reviews so üblich, lassen sich über die individuelle Akkulaufzeit nur wenig genaue Angaben machen. Ein derart großer Akku bedeutet aber in der Regel, dass Ihr bei einer Nutzung bestehend aus gelegentlichen Anrufen, regelmäßigem Schreiben von WhatsApps und abendlichem YouTube-Videos-Schauen bis zu zwei Tagen ohne Steckdose auskommt. Ist der Akku doch einmal schneller leer, als ihr es erwartet hättet, hilft euch das “Dart Charge” genannte Schnellladen.

“Dart Charge” arbeitet mit 30 Watt und soll euer Smartphone innerhalb von 26 Minuten um die Hälfte aufladen. Ein Aufladetest, der bei zehn Prozent Akkufüllstand begann, erreichte nach genau 26 Minuten einen Akkustand von 60 Prozent. Realme hält das Schnellade-Versprechen somit haargenau ein. Gerade bei derart großen Akkus sind Schnellladesysteme angenehm. Beim Honor 9A zum Beispiel benötigt der 5.000-mAh-Akku per Micro-USB-Anschluss schlichtweg zu lange.

Hier überzeugt das Realme 7 weniger

Look and Feel

Ein bisschen habe ich es bereits angeteasert, aber das Realme 7 ist nicht gerade ein Handschmeichler . Das Smartphone ist knapp einen Zentimeter dick und hat mit einem Gewicht von fast 200 Gramm auch noch Übergewicht. Dabei lässt sich schwer erkennen, woher das hohe Gewicht stammt. Denn Glas oder gar Aluminium weist das Gehäuse des Handys nicht auf.

Stattdessen gibt es ein Gehäuse aus Kunststoff, in das recht klapprige Knöpfe eingelassen sind. Der rechts am Gehäuse sitzende Anschalter arbeitet gleichzeitig als Fingerabdrucksensor und macht dabei einen guten Job. Diesen leicht günstig wirkenden Gesamteindruck unterstreicht bei der aktiven Handynutzung ein rasselnder Vibrationsmotor, den man am liebsten nur auf das Hinweisen von Anrufen verdammt. Als haptisches Feedback beim Tippen stört die Vibration eher.

Lautsprecher

Das Realme 7 verfügt über einen einzelnen Mono-Speaker auf der Unterseite. Dieser feuert wie bei vielen Android-Smartphones nach unten aus dem Gehäuse und verfügt hierfür über drei Aussparungen, die in das Gehäuse gefräst sind. Während der fehlende Stereo-Klang noch fast zu verkraften ist, stört die Positionierung des Speakers beim Schauen von Videos oder in Mobile Games.

Denn hier verdeckt man die Aussparung für den Lautsprecher häufig und reduziert die Lautstärke auf ein Minimum. Gerade beim Spielen, wo die Positionierung der Hände sehr wichtig ist, sorgt das für Nachteile im Spiel oder für müde Finger. Befreit Ihr den Lautsprecher von allen Zwängen, ist der Tongeber zwar laut, aber gerade im Bassbereich sehr schwach. Ein zweiter Speaker im Bereich über dem Display hätte dem Handy sehr gut getan.

Abschließendes Urteil

Das Realme 7 überrascht im Test mit einer sehr guten Leistung. Obwohl der Hersteller auf den Einsatz von Qualcomm-Komponenten verzichtet, liegt das Realme 7 im Benchmark-Vergleich mit der Pro-Version gleichauf. Darüber hinaus könnte einigen Nutzern auch das Display dank 90-Hertz-Bildrate besser gefallen. Allerdings müsst Ihr dabei mit einem IPS-Panel Vorlieb nehmen. Darüber hinaus enttäuscht auch das äußerst plastiklastige Gehäuse, das für in Smartphone aus 2020 zu dick ist. Auch beim Vibrationsmotor und beim Mono-Lautsprecher hat Realme die Preisschrauben ein wenig zu sehr angedreht.

Alternativen zum Realme 7

Hadert Ihr noch beim Kauf des Realme 7 in der 128-Gigabyte-Variante mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher kommt für einen Aufpreis von nur 50 Euro schon die Pro-Version in Frage. Die Vorzüge und Nachteile haben sich immer wieder im Laufe dieses Testsberichts heraus kristallisiert. Zu den weiteren Alternativen gehören im Prinzip all unsere Empfehlungen für Smartphones unter 300 Euro: Darunter das Samsung Galaxy A51, der Vorgänger Realme 6 sowie das Xiaomi Redmi Note 9 Pro

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