MIUI ist ein ganz spezielles ROM: Es erinnert sehr stark an iOS von Apple, bringt aber trotzdem einen unverwechselbaren Look mit sich. Gerade deshalb ist es aber auch eine große Umgewöhnung, vor allem wenn man von Vanilla-Android kommt. Die klassische App-Übersicht, die man mittels Druck auf den richtigen Knopf im Dock erreicht, ist komplett verschwunden. Stattdessen werden alle Apps auf dem Homescreen abgelegt.

Das wirkt auf den ersten Blick erst mal unübersichtlich und das ist es auch immer noch bei genauerem Hinsehen: Wer auf Minimalismus wert legt, dürfte die verschiedenen Homescreen-Seiten ziemlich überladen finden. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber dran. Trotzdem: Der Standard-Homescreen samt App-Übersicht von Android ist mir viel lieber.

Eigene Apps für mehr Persönlichkeit

Das gefällt mir richtig gut an MIUI: Das Custom-ROM bringt sehr viele eigene Apps mit, die nicht nur schick aussehen, sondern auch sehr funktional sind. So ist zum Beispiel eine eigene Notizapp und ein Dateimanager direkt mit an Bord.

Die Notiz-App und der Dateimanager sind sehr gut gelungen!

Zwei Screenshots von MIUI Notizen: einer zeigt eine Willkommensnachricht, der andere Speicheroptionen und Dateikategorien.
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Aber auch System-Apps wurden vom Entwicklerteam durch eigene Kreationen ausgetauscht. Die Galerie hat ein komplettes Rundum-Facelifting erhalten und sieht ganz anders aus, als man sie in Erinnerung hat. Trotz allem muss man nicht auf bekannte Funktionen, wie das Bearbeiten von Bildern, verzichten.

So gut wie alle System-Apps sehen ungewohnt, aber auch erfrischend anders aus. Bildquelle: nextpit

Zwei Smartphone-Bildschirme mit App-Gittern, Zeitmessern und Bearbeitungswerkzeugen sowie verschiedenen Fotofiltern.
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Ebenfalls vorinstalliert: Mehrere Sicherheits-Apps, darunter ein Antivirus-Programm, ein Passwort-Safe sowie eine Backup-Lösung. Das macht MIUI zu einem benutzerfreundlichen Custom-ROM, das auch für Neulinge geeignet ist. Über Sinn und Zweck eines Virenscanners lässt sich aber natürlich streiten.

Praktisch: Die Sicherheits-Apps haben ihren eigenen Ordner. Rechts ist der Virenscanner im Einsatz.

Screenshot einer App mit den Kategorien "Sicherheit", "Monitor", "Backup", "Antivirus" und einem Scan-Fortschritt von 30%.
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Wer mit dem Aussehen von MIUI nicht zufrieden ist, der findet im Theme-Katalog genügend Auswahl zur Veränderung des Systems. Neue Themes könnt Ihr aber nur herunterladen, wenn Ihr ein Xiaomi-Benutzerprofil besitzt. Das ist schade, dass sich Themes nicht ohne Registrierung und Login nutzen lassen. Ist diese Hürde aber überwunden, steht dem Download nichts mehr im Weg.

Schade: Ohne Xiaomi-Konto gibt es auch keine neuen Themes. Bildquelle: nextpit

Screenshots einer Benutzeroberfläche mit Xiaomi-Konto-Synchronisation und verschiedenen App-Layouts.
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Fehler trüben das Gesamtbild

Die von mir installierte deutsche Version von MIUI mit der Versionsnummer 3.1.18 hat leider noch einige Fehler auf meinem Nexus 7: Der vorinstallierte Browser lässt sich nicht starten, sondern quittiert seinen Dienst sofort nach dem Aufruf wieder. Auch der Haus-Button, der mich eigentlich jederzeit wieder zurück zum Homescreen bringen sollte, hat keinerlei Funktion bei mir.

Und überhaupt: Besonders angepasst für das Nexus 7 ist MIUI in der jetzigen Form nocht nicht. Auf dem Homescreen finde ich eine Telefon-App vor und die Darstellung von manchen Systemelementen, beispielsweise der Statusleiste, ist unnötig groß. Für die Zukunft steht hoffentlich eine bessere Tablet-Anpassung auf der Roadmap der Entwickler.

Auch die Stoppuhr ist optisch sehr ansprechend gestaltet.

Zwei Stoppuhren nebeneinander; links zeigt 00:00.0, rechts 00:03.7. Tasten für Start, Reset, Pause und Runde.
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Doch das ist leider noch nicht alles: Egal, für welche Bildschirmsperre ich mich entscheide (Ziehen, Gesichtserkennung, Muster, PIN oder Passwort): Nichts davon funktioniert. Wenn ich das Display aus- und wieder einschalte, lande ich sofort wieder im System. Die Sperre erscheint gar nicht erst. Das ist nicht nur nervig, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Da ich MIUI nur auf meinem Nexus 7 getestet habe, kann ich natürlich nichts darüber sagen, ob es sich hierbei um ein generelles oder gerätespezifisches Problem handelt.

Schnelleinstellungen auf der linken und die globalen Android-Einstellungen auf der rechten Seite. Bildquelle: nextpit

Einstellungen-Symbol mit Schaltern für WLAN, Bluetooth, Helligkeit und weitere Optionen auf einem Smartphone-Bildschirm.
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Ich habe aber zu Testzwecken Version 3.1.25 von MIUI installiert, die bisher noch nicht auf Deutsch verfügbar ist. Doch auch damit treten die bekannten Probleme auf. Das erschwert natürlich den Produktiveinsatz und macht MIUI zumindest auf dem Nexus 7 lediglich zu einer netten Spielerei.

Fazit

Auch wenn mir MIUI optisch sehr gut gefällt: Inzwischen habe ich wieder mein Nandroid-Backup zurückgespielt und nutze wieder ParanoidAndroid auf meinem Nexus 7. Das liegt nicht nur an den vielen Fehlern, die das Custom-ROM auf meinem 7-Zoll-Tablet hat, sondern auch daran, dass MIUI mir persönlich zu wenig nach Android aussieht. Da ich sowieso schon kein großer Fan von Herstelleraufsätzen bin, wäre MIUI für den täglichen Gebrauch auf Dauer nicht für mich geeignet.

Wer seinem Androiden jedoch ein komplett anderes Aussehen verpassen will, sollte ruhig mal selbst Hand anlegen und das Custom-ROM auf Herz und Nieren prüfen. Wenn Ihr vorher ein Komplett-Backup macht, seid Ihr ja quasi auf der sicheren Seite und könnt jederzeit über die Recovery zurück zum zuvor installierten Custom-ROM.

Mit einem Druck auf den grünen Besen-Knopf werden alle offenen Apps beendet.

Apps auf einem Bildschirm: Updater, Play Store, Galerie und Themen sowie ein Speicherstatus von 448M / 1G.
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Jetzt seid Ihr gefragt: Welches Custom-ROM sollte ich Eurer Meinung nach als nächstes testen? Hinterlasst einen Kommentar und das ROM, das mir am besten gefällt, wird auf meinem Nexus 7 installiert!

(Fotos: nh/AndroidPIT)