Casa Casi 21: Catfish – wer sind wir im Netz?

Casa Casi 21: Catfish – wer sind wir im Netz?

Seid Ihr sicher, dass Euer Gegenüber im Netz genau die Person ist, die sie vorgibt zu sein? Fabi und ich haben in der neusten Folge unseres NextPit-Podcasts "Casa Casi" über das Phänomen des Catfishs gesprochen:

Seit sich die Menschheit im Internet herumtreibt, gibt es dort Menschen, die sich als jemand ausgeben, der sie nicht sind. Bärbel73 aus Eurem Chat muss nicht tatsächlich eine Bärbel sein (You don't say, Captain Obvious?). Heute wollen wir aber nicht über diejenigen sprechen, die sich einfach nur einen anderen Namen geben. Stattdessen geht es um ein besonders possierliches Tierchen – den Catfish! 

Catfish oder Realfakes: Meister:innen der Illusion

Natürlich reden wir nicht wirklich von dem Fisch, hierzulande als "Katzenwels" bekannt. Es geht vielmehr um Personen, die sich in sozialen Netzwerken oder auf Dating-Portalen eine falsche Online-Persönlichkeit zulegen und für die sich diese Bezeichnung neben "Realfakes" durchgesetzt hat. Es gibt da draußen auch die Romance-Scammer oder Love-Scammer, die sowas wie moderne Heiratsschwindler sind. Denen geht es schlicht gesagt um Kohle und deswegen spielen sie Leuten die ganz großen Gefühle vor. 

Der Catfish aber ist eine andere Gattung von Online-Fake: Diesen Menschen geht es nämlich nicht um Geld. Sie schlüpfen einfach in eine andere Rolle mit anderem Namen, natürlich anderem Aussehen, anderem Beruf. Da hört es aber noch lange nicht auf! Solche Leute haben eine komplett erdachte Vita, sie können Euch erzählen, wo und wie sie aufgewachsen sind,  berichten von ihren Familienverhältnissen und ganz oft auch von schlimmen Krankheiten, die sie erdulden müssen. Selbst ihren Freundeskreis erspinnen sie komplett neu und legen auch für diese erdachten Freunde Accounts an.

Vor Jahren schrieb ich bereits für Mobilegeeks einen Artikel über das Thema. Damals berichtete ich auch über die Geschichte der Victoria Schwartz, die so einem Catfish – Fake-Name: Kai – in die Falle ging.

In der Folge schrieb sie sogar ein Buch über diesen Realfake und womit wir es dabei generell zu tun haben. Ihr bekommt es bei Amazon für 'nen Zehner für Euren Kindle, oder auch als Taschenbuch. 

Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde: Das Phänomen Realfakes

Im Podcast erzähle ich eine eigene Geschichte, bei der ich Euch unmöglich sagen kann, ob ich da so einem Fake aufgesessen bin oder nicht. Es war nur eine flüchtige Internetbekanntschaft, daher war es zu keiner Zeit dramatisch für mich. Sie kam auch aus Dortmund, schlug immer wieder vor, dass man sich ja mal treffen könne. Tatsächlich getroffen haben wir uns aber nie und irgendwann bekam ich eine Nachricht über den Messenger, dass sie verstorben wäre. 

Wie gesagt: Ich habe keine Ahnung, ob es diese Person gab oder ob mir da jemand nur was vorgespielt hat, aber in der Tat gehen solche Geschichten sehr oft so aus, dass Euch klargemacht werden soll, dass Euer Gegenüber verstorben ist. Diese Realfakes erhalten ihre Lügengeschichten ja oft über Jahre am Leben. Und wenn man sich dann irgendwann zu sehr in Widersprüche verstrickt hat und zu oft geplante Treffen abgesagt hat, bleibt ihnen nur dieser Ausweg. Zurück bleibt eine Person, die tatsächlich Gefühle investiert hat und unter diesem Verlust wirklich leidet.

"Mir könnte sowas nicht passieren"

Wie ich überhaupt auf das Thema gekommen bin? Weil ich vor einigen Tagen die neue Netflix-Serie "Clickbait" geschaut habe. Es geht um einen Familienvater, der entführt wird. Es taucht ein Video mit ihm auf, indem er Schilder hochhält, die ihn als jemanden hinstellen, der Frauen misshandelt. Zudem hält er ein Schild hoch, auf dem zu lesen ist, dass er umgebracht wird, sobald das besagte Video 5 Millionen Klicks erhält. 

Ich möchte natürlich nichts spoilern, falls Ihr die Serie noch nicht gesehen habt. Aber es geht darin eben auch um Personen, die im Netz was anderes darstellen und richtiggehende Beziehungen eingehen, ohne den vermeintlichen Partner bzw. die vermeintliche Partnerin jemals Auge in Auge gesehen zu haben. 

Genau wie in der Serie passiert es den Opfern auch im tatsächlichen Leben, dass sie sich nicht ausmalen können, wirklich auf so eine Nummer reinfallen zu können. Das hängt oft damit zusammen, dass man ab irgendeinem Punkt tatsächlich was für den anderen Menschen empfindet. Das schärft nicht gerade unseren objektiven Blick und man möchte sich natürlich auch nicht eingestehen, dass dieser schöne Traum nur eine Seifenblase sein könnte, die jederzeit zerplatzen kann.

Dazu gehört aber auch, dass es diese Catfishs meisterlich verstehen, diese Rolle zu spielen und genau bei unseren Zweifeln setzen diese Personen auch an. Denn die wissen Ihrerseits ganz genau, welche Zweifel in uns nagen. Also warten die nicht, bis Ihr irgendwann um ein Treffen bittet, sondern schlagen selbst eins vor. ... Wie soll das ein Fake sein? Der will sich ja sogar mit mir treffen ...

Natürlich kommt das Treffen dann nicht zustande, was oft daran liegt, dass der Catfish einem Beruf nachgeht, der es ihm leicht macht, Ausreden zu erfinden. Er ist weit weg stationierter Soldat, ist vielleicht Entwicklungshelfer oder ähnliches. Dazu kommen dann die ebenfalls erfundenen Krankheiten, die auch immer wieder als Ausrede herhalten müssen. Wir bringen für all das Verständnis auf, denn schließlich wussten wir ja vorher, dass die Person so einen schwierigen Job hat oder so eine schlimme Krankheit. 

Außerdem haben uns ja auch schon irgendwelche Personen bestätigt, dass sie diesen Menschen dann und wann persönlich getroffen haben. Dass diese Dritten ebenfalls Online-Accounts unseres Catfishs sind, ahnen wir natürlich nicht. Ihr seht, es ist ein sehr, sehr perfides Spiel.

Falls Euch das Thema übrigens über unsere Podcast-Folge hinaus interessiert: Ihr findet online bei YouTube den Dokumentarfilm "Catfish" aus dem Jahr 2010, in dem es genau um so eine Person geht, die ihren "Catfish" endlich treffen möchte.

Darauf basierend entstand kurze Zeit später eine Reality-Serie, die auch in Deutschland auf MTV ausgestrahlt wurde. Einige Staffeln davon findet Ihr aktuell auf der Streaming-Plattform Joyn. Es geht dort jeweils um Menschen, die endlich das ersehnte Treffen mit ihrer Online-Bekanntschaft stattfinden lassen möchten. 

Vier Staffeln "Catfish – Verliebte im Netz" findet Ihr bei Joyn
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Es ist angerichtet: Casa Casi, Folge 21

Ihr könnt es Euch denken: Fabi und ich konnten zwar über dieses Phänomen sprechen, stehen der Sache dennoch ziemlich ratlos gegenüber. Uns ist einfach nicht klar, wieso Menschen so agieren. Dabei dürfte es durchaus mannigfaltige Gründe dafür geben, wieso jemand sich so eine Scheinwelt ausdenkt. Als Beispiele fallen mir spontan ein:

  • Er ist einsam oder mit der eigenen Realität unzufrieden
  • Er möchte Macht über eine andere Person besitzen
  • Er glaubt, dass er selbst nicht attraktiv/liebenswert genug ist und versteckt sich somit hinter einer anderen Person

Rein logisch kann ich diese Motivationen begreifen, dennoch erschließt sich mir nicht, wie ein Mensch so sein kann. Wieso tut man Leuten so was an, denn die andere Seite leidet ja oft genug wie ein Tier angesichts dieser unerfüllten Liebe. Vermutlich können wir uns drauf einigen, dass bei Menschen, die als Catfish agieren, psychisch einiges im Argen ist. 

Falls Ihr fürchtet, in so eine Situation zu geraten, versucht einfach beharrlich auf ein reales Treffen hinzuwirken. Solange das nicht funktioniert, besteht auf Telefonanrufe oder besser noch auf Videocalls. Lasst Euch nicht hinhalten und bleibt skeptisch – gerade, wenn es nicht nur eine "Bekanntschaft" ist, sondern Ihr Gefahr lauft, Euer Herz zu verlieren.

Apropos Herz verlieren: Natürlich hoffen wir darauf, dass Ihr Euer Herz an uns verliert – an diese beiden Möchtegern-Jugendlichen, gefangen im Körper eines Boomers, die Euch in der "Casa Casi" die Welt erklären. Wir wollen Euch mit unseren bezaubernden Radiostimmen becircen und hoffen natürlich darauf, dass Ihr auch mit dieser Folge Spaß habt. Noch toller wäre es, wenn Ihr mit uns in den Kommentaren diskutiert: Sind Euch schon solche Geschichten widerfahren? Seid Ihr einem Catfish schon einmal in die Falle gegangen oder seid selbst gar so ein Catfish? Lasst es uns unbedingt wissen!

Und wie jede Woche ende ich mit dem Appell: Mögt Ihr unseren Podcast, dann teilt ihn bitte, bewertet ihn, versprüht Online-Liebe im Netz und erzählt Euren Leuten von uns – das hilft uns sehr. Und jetzt viel Spaß mit der neuen Folge!

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9 Kommentare

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  • Aries vor 1 Woche Link zum Kommentar

    @Fabi: Im Sommer kann man doch auch Netflix gucken. Zum Beispiel wenn man in einer tropischen Nacht bei 30 Grad nicht schlafen kann.


  • Aries vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Ich muss Euch etwas beichten! Mein echter Name ist gar nicht Aries.


  • Michael K. vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Vertraulichkeit sollte man sich verdienen, und sie nicht als gegeben voraussetzen. Wer eine Beziehung mit einer Lüge beginnt, hat schon mal die besten Voraussetzungen geschaffen, kein Vertrauen zu verdienen.
    Zu viel Vertaulichkeit unbekannten Personen gegenüber ist schon bei direkten Kontakten keine gute Idee, im Netz halte ich sie nochmals problematischer. Wer seine wahre Identität bei einer Kontaktaufnahme verschleiert, der treibt zumindest ein perfides Spiel, rechnen muss man aber mit Schlimmeren wie Betrug, Erpressung oder sogar Missbrauch.
    Da will der/die Unbekannte einen unbedingt sehen, braucht aber 300 € für die Fahrt, da er/sie leider gerade knapp bei Kasse ist. Überweist jemand dann tatsächlich die Summe, sieht er weder Kontakt noch Geld je wieder.
    Ich weiss zwar nicht, ob das dann noch "Catfishes" sind, aber ältere Herren, die sich als Jugendliche ausgeben und sich dann am Chat und geschickten Bildern jugendlicher Mädchen "aufgeilen" oder diese dann mit den geschickten Fotos erpressen, wie im Fall der Amanda Todd, sind ebenso ein Risiko, ganz zu schweigen davon, was Kindern zustoßen kann, wenn sie sich auf solche Personen einlassen, oder sich gar mit ihnen treffen.
    Kontakte übers Netz herzustellen kann trotzdem zielführend sein, dann halte ich aber spezielle Kontaktportale für sinnvoller. Auch hier kann man Fakeidentitäten aufsitzen, aber da die Mitgliedschaft i.d.R. nicht kostenlos ist, dürfte einiges davon schon dadurch ausgefiltert sein.
    Lügenbarone bleiben ein Risiko, aber eben nicht nur im Netz.


  • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Gibt's da eigentlich Zahlen darüber, ob das immer Männer sind oder erfinden auch Frauen in diesem Ausmaß eine andere Person?


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Ich such mir ja gerne Zahlen für unsere Podcasts raus, aber in der Hinsicht habe ich nichts Belastbares gefunden. Die Beispiele, über die ich gestolpert bin, waren sowohl Frauen als auch Männer. Ich hab im Artikel den Film Catfish verlinkt. In dem Fall war es eine Frau, die in die Rolle der jungen, attraktiven Megan geschlüpft ist.
      Ehrlich gesagt würde ich fast sogar behaupten, dass ich mir das Catfishing bei Frauen besser vorstellen kann – wir Männer sind einfach schlechter im Multitasking und vielleicht lügen wir auch einfach schlechter ^^


      • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Ja, das mag gut sein. Es kann aber natürlich auch sein, dass Frauen, denen sowas passiert, damit seltener an die Öffentlichkeit gehen wollen. Sowas verletzt sehr tief und Frauen machen sowas eher mit sich selbst aus als Männer.


      • Carsten Drees
        • Staff
        vor 1 Woche Link zum Kommentar

        Habe jetzt einige Folgen der Serie Catfish gesehen mittlerweile und tatsächlich sind es da zumeist Frauen, die dort in die Rolle einer anderen Person schlüpfen. Sagt aber natürlich jetzt nichts darüber aus, wie sich das tatsächlich verteilt.

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