Das isolierte Leben der AndroidPIT-Redakteure – Teil 2

Das isolierte Leben der AndroidPIT-Redakteure – Teil 2

Im dieswöchigen Newsletter überraschten wir Euch mit einem ganz besonderen Artikel. Anstatt über Technik schrieben wir diesmal in ganz persönlicher Sache. Im ersten Teil Das isolierte Leben der AndroidPIT-Redakteure sprachen die Kolleginnen aus dem deutschen Team. Nun melden sich der britische und die französischen Redakteure zu Wort.

David McCourt

Ich habe früher schon einmal von zuhause aus gearbeitet. Ich war News-Redakteur in Vollzeit für ein Magazin in England. Aber das ist inzwischen sieben Jahre her. Damals war ich noch ein Einzelgänger. Meine Aufgabe war es, acht News am Tag zu veröffentlichen. Die Kommunikation beschränkte sich auf Anrufe mit Agenturen, Pressebüros und Experten für O-Töne. Doch heute sieht das ganz anders aus.

Bei NextPit bin ich für die deutsche, französische und die englische Domain verantwortlich. Wenn ich nicht gerade selbst Artikel für androidpit.com schreibe, arbeite ich mit den Teams der einzelnen Länder daran, unsere Inhalte auf alle Domains zu verteilen. Ziel ist es, als ein großes Team zusammenzuarbeiten. Und das erfordert Kommunikation – und zwar viel!

Hangouts Meet kam wie ein Segen für uns. Wir sehen uns darüber dreimal täglich – zweimal nur die Redaktion und einmal das ganze Unternehmen – um wieder auf eine Wellenlänge zu kommen. Wir sind auch permanent in Slack vernetzt; wobei das schon vor der Home-Office-Phase der Fall war. Mit unserem Chef Fabi telefoniere ich auch oft. Wir beide stehen rund um die Uhr in engem Kontakt.

Es ist nach wie vor eine große Herausforderung, unsere tägliche Content-Produktion zu überschauen. Aus einem zweiminütigen, klärenden Gespräch von Angesicht zu Angesicht werden oft zehn Minuten, bloß weil man nicht ein gemeinsames Büro teilt. Zum Glück besteht unser Redaktionsteam aus klugen, gut organisierten Köpfen, die man nicht großartig managen muss. Ich verlasse mich mehr auf sie als sie sich auf mich verlassen müssen. Ohne diese Truppe wäre mein Leben um einiges komplizierter.

Was mir am meisten fehlt ist die Kameradschaftlichkeit im Büro; etwa wenn Shu plötzlich in schallendes Lachen ausbricht, um dann seine neuste lustige Entdeckung mit uns per Link auf Slack zu teilen.

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Auf dem Vanmoof S2: Mir fehlen die Außen-Aktivitäten meines Jobs. / © NextPit

Nach Feierabend gehe ich laufen, lese Bücher oder übe Gitarre. Wenn ich richtig abschalten will, spiele ich Pro Evolution Soccer (das jetzt eFootball PES heißt, aber dafür bin ich zu old-school) auf der PlayStation 4. Das Spiel ist wie Meditation für mich. Ich spiele ausschließlich allein, Saison für Saison der Master League. Derzeit peppel ich den 16-jährigen Zlatan Ibrahimović in meinem Mannschaft Inter Mailand auf. Oft höre ich dabei Podcasts. Die Spiel-Kommentare habe ich indes auf Deutsch umgestellt, mit mit Einheimischen über Fußball fachsimpeln zu können, wenn es wieder so weit ist.

Ab und zu bekomme ich Lagerkoller. Doch noch schaffe ich es, fünfmal die Woche Laufen zu gehen. Einer meiner Lieblingsautoren, Haruki Murakami, läuft seit über 40 Jahren mindestens 36 Meilen pro Woche. Das habe ich eins-zu-eins in Kilometer umgewandelt (weil ich in Deutschland lebe; nicht etwa weil das dann viel kürzer ist …) und als meine wöchentliche Zielmarke gesteckt. Üblicherweise spare ich mir 15 bis 20 Kilometer fürs Wochenende auf, an denen ich mehr Zeit habe für die Langstrecken-Läufe. Das Amazfit GTS von Huami ist hierfür mein Tracker der Wahl, denn dessen App summiert meine Läufe automatisch gegen mein wöchentliches Ziel auf. Nach dem Test hatte ich es einfach nie wieder abgelegt. Offenbar finde ich es gut.

Daniel Iglesias

Ich bin es gewohnt, auch unabhängig zu arbeiten. Zehn Jahre habe ich als Forscher und in der Beratung gearbeitet, und da muss man sich seine Arbeitszeit gut einteilen können. Aktuell jedoch befindet sich auch meine ganze Familie in derselben Wohnung, und dies bedarf etwas mehr logistischen Geschickes.

Das beginnt um sechs Uhr morgens, wenn mein zweijähriger Sohn wach wird (was ich nicht verstehe, denn an Kita-Tagen will er immer im Bett liegen bleiben). Er ist sozusagen unser Taktgeber, der den restlichen Tagesablauf bestimmt. Im Grunde ist er bei uns der Boss.

Die Arbeit als Redakteur für AndroidPIT ist ohnehin spannend, da wir täglich Neues dazulernen. Wir tauschen auch viel Wissen untereinander aus und es ist spannend, mit Tech-begeisterten und erfahrenen Kollegen zusammenzuarbeiten. Vor allem aber betrachte ich es als Privileg, in Anbetracht der aktuellen und kommenden wirtschaftlichen Lage noch arbeiten zu können. Wir werden weiter über die Themen unserer Leidenschaft schreiben und dies wird für uns auch persönlich eine treibende Kraft sein.

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Der Schrein der Beschützer. / © NextPit

Ich war anfangs skeptisch, ob wir monatelang so gut aus der Ferne zusammenarbeiten können. Es gibt zwar Slack und das nutzen wir auch ausgiebig. Aber nichts geht doch über das Gefühl, wenn ein Kollege einem anderen von Angesicht zu Angesicht zu seinem guten Artikel gratuliert. Ich finde auch, dass man am effektivsten lernen und etwa seinen Schreibstil verbessern kann, wenn man an einem Tisch darüber spricht. Nur so kommen Mimik, Wortwahl und Tonfall so zur Geltung, dass man sich gegenseitig wirklich versteht. Immerhin gibt es die drei Video-Konferenzen am Tag. Diese gefallen mir zunehmend besser und sie verbinden mich mit den Kollegen und der "Welt davor".

All das erfordert natürlich Organisation und fordert Opfer. Meine Frau und ich arbeiten beide von Zuhause aus. Unser Schlafzimmer ist tagsüber der "Konferenzraum" für Skype (oder Hangouts Meet). Entsprechende Termine finden auch dann statt, wenn unser Sohn mit seinem Spielzeug-LKW spielt – indem er ihn gegen die Wand wirft. Doch auch er hat sich mittlerweile an die Ausnahmesituation gewöhnt. Nun machen wir alle täglich Videokonferenzen: Meine Frau mit den Kollegen ihrer Bank, mein Sohn mit seinen Kita-Erzieher*innen und ich mit der AndroidPIT-Redaktion.

"Wie beschäftigt man einen zweijährigen bei Stubenarrest" wäre eine wunderbare Artikel-Idee. Inzwischen kenne ich etliche Apps, Spiele und Beschäftigungen, die meinen Sohn auf Trab halten. Abends um sieben gehen wir beiden dann mit dem Kinderwagen raus, wenn auf den Fußwegen nicht mehr so viel los ist. Wir stehen zeitig auf, damit der Abend frei bleibt für die unersetzlichen Dinge wie Tanzen, Sport oder Film und Fernsehen. Wir gärtnern auch ein wenig auf dem Balkon.

Wir sind inzwischen seit zwei Wochen zuhause und ich habe nicht das Gefühl, weniger zu schaffen. Ganz im Gegenteil. Seitdem weiß ich, dass ich an einem einzigen Tag in die Rollen eines Online-Redakteurs, eines Maschinenbauers, eines Flugzeugpiloten, eines Jedi, eines Finanzberaters und noch viel mehr schlüpfen kann. Ich wünsche allen Zuhausebleibern viel Glück!

Antoine Engels

Als ich vor zwei Wochen von Paris für AndroidPIT nach Berlin zog, hätte ich mir mein Debut als Autor nicht … gefangen in einem 20-Quadratmeter-Zimmer vorgestellt. Ich habe kaum anderthalb Wochen im Büro gearbeitet und vermisse es trotzdem schon. Heimarbeit ist für mich komplett neu; ich habe bislang immer in offenen Großraumbüros gearbeitet.

Anfangs gefiel mir die Stille in meinem Zimmer. Keine Tippgeräusche mehr von meinen Kollegen. Auch die 45 Minuten Pendelstrecke jeweils am Morgen und am Abend bleibt mir erspart. Die Zeit geht direkt auf mein Schlafkonto, das in unserer Branche eigentlich chronisch überzogen ist. Ich kann meine Artikel quasi vom Bett aus schreiben. Nur für die drei Meetings am Tag muss ich mich für meine Kollegen hübsch machen.

Doch nach inzwischen zwei Wochen fast ohne Kontakte – außer mit der tapferen Kassiererin und dem gelegentlichen Plausch mit einem meiner drei WG-Mitbewohner, werden die Tage spürbar länger. Das große Problem bei Heimarbeit ist, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwindet. Man verlässt nie wirklich sein Büro und schläft sogar jede Nacht dort.

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Verurteilt mich doch! Das ist meine Home-Office-Ausstattung. / © Antoine Engels

Doch das Meckern vergeht mir schnell, wenn ich über mein Glück nachdenke. Ich kann weiter arbeiten und bekomme noch mein volles Gehalt. Ich kann gemütlich von zuhause aus arbeiten, während manch anderer da raus muss, um den Laden am Laufen zu halten.

In Video-Anrufen oder in WhatsApp-"Coroniversaries" feiern wir die erste überstandene Woche bei einem Bildschirm-Bier (Tele-Schoppen?). Doch der Kater am nächsten Morgen erinnert uns daran, dass dieser Hausarrest schmerzhaft lang werden könnte. Umso mehr tut mir es weh, dass ich meine PlayStation 4 Pro für ein Ticket von Paris-Orly nach Berlin-Tegel versetzt habe.

Zum Zeitvertreib spiele ich ausschließlich Call of Duty Mobile auf meinem treuen OnePlus 7T. Ich bin da jetzt sogar in einem Clan und habe einen dedizierten Discord-Server für meine Online-Freunde aufgesetzt. Vielleicht werde ich ja auch schwach und verfalle einem Cloud-Gaming-Dienst wie dem von Shadow, wenn mich Call of Duty Mobile irgendwann nicht mehr reizen sollte.

Was den Rest betrifft, will ich mich nicht unnötig selbst unter Druck setzen oder intensive Introspektion betreiben. Ich bewahre meinen gesunden Zynismus bei und sehe dies alles nicht als eine Gelegenheit für großen Umbruch. Das ist kein kosmisches Zeichen und weder das Universum noch die Natur wollen uns mit all dem bestrafen. Ja, wir machen zu viel Dreck. Und ja, die derzeitige Verlangsamung zeigt diesbezüglich positive Effekte. Ja, wir wollten über Heimarbeit und Arbeit generell noch einmal reden, wenn das alles vorüber ist. Und ja, ich könnte mehr Bücher lesen, Yoga ausprobieren oder ein Instrument lernen anstatt vor Netflix zu verschimmeln.

Aber ich glaube nicht an Karma. Dieser Hausarrest ist keine Strafe. Er ist auch nicht das Ende der Welt. Er bedeutet lediglich eine Pause. Und diese könnte länger andauern, als wir jetzt anzunehmen wagen. Und während wir auf die Rückkehr der Normalität warten, fällt mir umso mehr auf, wie wichtig Technologie wurde für Kommunikation, Bildung und Unterhaltung. Selbst im Hausarrest kann ich noch über die Dinge schreiben, die in mir Leidenschaft entfachen. Bleibt daheim und kommt mal vorbei auf Androidpit.fr.

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19 Kommentare

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  •   54
    Gelöschter Account vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Stay at home ist ja wirklich quatsch, but go out and stay in distance erscheint mir vernünftiger .... zumindest wer kann. Heute war es schneekalt, da will man echt nicht raus, aber sonst.... Frische Luft und Sonne helfen immer auch bei Viruskoller. Die Idee mit dem Beschreiben der Homeofficemanie ist okay, solange man es nicht weiter als nötig führt.


  •   7
    Gelöschter Account vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    "Wir sind inzwischen seit zwei Wochen zuhause"...
    ... und haben unsere Corona-Homeoffice Selbsthilfegruppe gegründet.

    Wir halten uns und euch Leser bei guter Laune, denn wir berichten über:
    "Das isolierte Leben"
    "Lagerkoller"
    "noch schaffe ich es"
    "fordert Opfer"
    "Stubenarrest"
    "die erste überstandene Woche"
    "dass dieser Hausarrest schmerzhaft lang werden könnte"
    "Dieser Hausarrest ist keine Strafe"
    "während wir auf die Rückkehr der Normalität warten"
    "Selbst im Hausarrest"

    Hallo, ich heiße Malør, ich leide nicht unter Corona-Homeoffice-Depressionen, und desshalb muss ich schnell hier weg.


    • Es hält dich niemand auf. Adieu!

      Gelöschter Account


      •   7
        Gelöschter Account vor 5 Monaten Link zum Kommentar

        YEEHAW! Die Wette galt: Der sympathische, selbst ernannte Forenmoderator Tenten wird innerhalb von drei Stunden anschlagen. Wette gewonnen.

        Genau, mich hält niemand auf. Das ist mein Motto :)

        Du hast verstanden: In einer Selbsthilfegruppe treffen sich ausschliesslich Betroffene. Alle anderen müssen die Runde verlassen. Ich wünsche euch gute Genesung für die Zeit nach der großen Homeoffice Krise. Möge die Redaktion zu positiver, unterhaltsamer Technikberichterstattung zurückfinden, sonst wird aus NextPit noch ExPit.


      • "YEEHAW! Die Wette galt: Der sympathische, selbst ernannte Forenmoderator Tenten wird innerhalb von drei Stunden anschlagen. Wette gewonnen."

        Gratuliere, du hast uns allen bewiesen, was für ein toller Hecht du doch bist. Sehr beeindruckend.


      •   7
        Gelöschter Account vor 5 Monaten Link zum Kommentar

        Boah ey! Du weißt schon, wie überlegen cool und eloquent du bist ;)


    • Hahahaa. Humor hast du.


    • trixi vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      @ Malor
      Wenn es dich nicht interessiert, warum liest du es dann überhaupt? Um etwas zum meckern zu haben? 🤔


      •   7
        Gelöschter Account vor 5 Monaten Link zum Kommentar

        Hi trixi,

        du hast eine verstörende Auffassung von Meinungsfreiheit. Wie soll ich den Inhalt des Artikels kennen und für mich bewerten, wenn ich ihn nicht gelesen habe? Ob er mich interessiert oder nicht, habe ich nicht mal erwähnt. Warum sollte ich mich nicht kritisch, sondern nur zustimmend äußern? Hier nur Applaus (von immer denselben Leuten) zuzulassen, ist sicher nicht im Sinne der Veranstalter.


  • Boah, hört doch endlich mal auf mit dieser scheiß Panikmache...


    •   31
      Gelöschter Account vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      Da gebe ich dir grundsätzlich recht, aber welche Panikmache meinst du da genau?
      Hier im Artikel oder bei den User-Beiträgen kann ich nicht ansatzweise eine solche erkennen.


    • Andreas V.
      • Admin
      vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      Das haben sie vor einigen Wochen auch in Italien gesagt... Nun trauern sehr viele Familien um ihre Angehörige. Aber wenn du deine Großeltern / Eltern / vorerkrankte Verwandtschaft los werden willst... Bitte.


  •   31
    Gelöschter Account vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Ich habe die Zeichen der Krise rechtzeitig erkannt und mich noch kurz vor den Sanktionen bei IKEA mit einer LKW-Ladung voller Möbel eingedeckt. Leider komme ich jetzt nach 14 Tagen auch nicht mehr voran, da ich nun dringend einen Baumarkt benötige und derzeit auch kein Umtausch oder Reklamationen möglich sind.


  • Ich denke, es ist viel schwieriger für die Singles als für Familien.
    Wir, mit Familien, sind zwar vielleicht etwas mehr gefährdet (schließlich können nicht nur wir persönlich etwas von den Viren abbekommen, sondern auch unsere Ehepartner oder Kinder). Aber wir können uns austauschen, uns gegenseitig helfen und wir sehen andere Menschen.
    Singles sind wiederum sicherer in den vier Wänden aufgehoben.
    Aber halt alleine.
    Die Berichte sind sehr interessant und wirken auf mich total ehrlich und authentisch.
    Haltet die Ohren steif und schreibt weiterhin interessante Artikel 💪🏻😎👍🏻


    •   31
      Gelöschter Account vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      Man kann aber innerhalb der Familie auch genau das Gegenteil, nämlich sich in die Haare kriegen. Alleinstehende können nur schattenboxen. ;-))


  • Ich wünsche auch einfach mal allen, dass sie gesund bleiben. Keine einfache Zeit! Ich versuche zu Hause und im Home-Office die Zeit sinnvoll zu nutzen, aber Spaß macht es mir nicht...


  • Wir lassen den Lagerkoller nicht an uns ran. Es kommen auch wieder andere Zeiten. Viel Kraft und Gesundheit uns allen.


  • Es ist interessant zu lesen wie jeder andere Herausforderungen hat und seinen Tagesablauf organisiert. Ich hoffe ihr sowie eure Familie bleibt alle gesund und munter

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