Vorab: Für diesen Test hatten wir die Gelegenheit, ein von Google für Daydream freigeschaltetes Pixel XL und das VR-Headset Daydream View zu testen. Zum Testzeitpunkt waren bereits einige Inhalte verfügbar, die Daydream-Plattform ist aber noch ganz am Anfang. Ein Test mit einem anderen Smartphone war zunächst noch nicht möglich.

Daydream View: Preis und Verfügbarkeit

Daydream View ist in Deutschland im Google Store sowie bei der Telekom erhältlich. Der Preis liegt bei 69 Euro.

In den USA gibt es das Headset nun auch in den Farben Rot und Weiß.

Ob die neuen Farben auch nach Europa bzw. Deutschland kommen, ist noch unklar. Im deutschen Google Store ist von der neuen Farboption noch nichts zu sehen.

Daydream: Spezifikationen der VR-Plattform von Google

Daydream-fähige Smartphones gibt es noch nicht viele: Vor allem sind es die beiden Pixel-Smartphones von Google. Google nennt nur Herstellern genaue Bedingungen für die Daydream-Zertifizierung. In der „Compatibility Definition“ für Android 7.0 sind aber einige Voraussetzungen für den VR-Modus von Android zu finden:

  • Mindestens zwei physische CPU-Kerne
  • Displaydiagonale zwischen 4,7 und 6 Zoll
  • Display-Auflösung mindestens Full-HD, empfohlen sind mindestens Quad-HD
  • 60 Hertz Bildrate im VR-Modus
  • Reaktionsrate des Displays (Grau-zu-Grau und Schwarz-zu-Weiß) unter 3 Millisekunden
  • Displays müssen einen Modus unterstützen, in dem Pixel maximal 5 Millisekunden Licht abgeben
  • Unterstützung für OpenGL 3.2 und Vulkan
  • Ein dauerhafter Modus für konstante Leistung
  • Bluetooth 4.2 und Bluetooth LE Data Length Extension

Außerdem sieht die Daydream-Spezifikation ein Headset sowie einen Controller vor. Daydream View ist nun das erste VR-Headset von Google, das außerdem die erste VR-Brille für Daydream ist. Und so sieht sie aus:

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Daydream View mit Controller / © NextPit Bildquelle: NextPit

Außen bestimmt ein grau melierter Stoff die Optik. In den ersten Stunden sonderte die VR-Brille einen chemischen Geruch ab, der später nicht mehr wahrzunehmen war. Vorne in der Klappe findet im Betrieb ein Smartphone Platz, zum Transport kann dort der Controller verstaut werden.

Bedienungsfelder oder Stromanschlüsse braucht (und hat) Daydream nicht. Der Controller wird via Bluetooth mit dem Pixel XL gekoppelt und hat einen USB-C-Stecker, um den Akku zu laden.

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Und los… / © NextPit Bildquelle: NextPit

Jetzt aber los: Smartphone auf die Klappe legen und los geht’s.

Daydream View: Einrichtung und erste Versuche

Mit einem Daydream-fähigen Smartphone müsst Ihr zunächst die Daydream-App sowie die Google VR-Services herunterladen. Bei unserem Test war nach dem Start der Daydream-App ein weiterer Login nötig – wenn Daydream für alle User freigegeben ist, wird das aber wohl nicht mehr nötig sein. Jetzt erfolgt ein Update der Controller-Firmware und dann kann es schon los gehen: Ein Tutorial macht Euch mit der Bedienung von Daydream vertraut. Ihr lernt, wie Ihr den Controller kalibriert und wie Ihr Euch durch die Benutzerführung von Daydream navigiert. Ein langer Druck auf den Home-Knopf des Controllers zentriert die Sicht wieder, was auch innerhalb von Spielen funktioniert und immer wieder nötig ist.

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Daydream View mit Pixel XL / © NextPit Bildquelle: NextPit

Der Controller wird bei manchen Spielen virtuell in die Sichtumgebung eingeblendet. Die virtuelle Benutzeroberfläche zeigt meist Räume, Landschaften oder auch mal Höhlen an, in die Menüs eingeblendet werden. 

Daydream View: Die Optik und das Sichtfeld

Vor allem im Hauptmenü ist das schmale Blickfeld von Daydream View störend zu bemerken. Ihr seht nur rund 90 Grad, was kaum für einen wirklich beeindruckenden Erlebnis ausreicht, denn das menschliche Auge hat ein Sichtfeld von rund 180 Grad. Gerade in Menüs entsteht eher der Eindruck einer sichteinschränkenden Taucherglocke oder eines Bullauges. Aber: In Spielen fällt das kaum auf, denn hier ist soviel Bewegung, dass das eingeschränkte Sichtfeld nicht hinderlich erscheint. Der Tiefeneindruck der VR-Umgebung kommt gut zur Geltung.

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Die VR-Grafik haut nicht ganz vom Hocker / © NextPit Bildquelle: NextPit

Problematischer ist da schon der Eindruck, den die VR-Grafik macht. Hierbei hat auch Daydream View das Problem, dass die Subpixelmatrix aufgrund der Linsen zu erkennen ist. Im direkten Vergleich mit Samsungs Gear VR erscheint dieses Problem aber weniger ausgeprägt. Trotzdem heißt das zum Beispiel: Eine durchgehende farbige Fläche seht Ihr nicht. Stattdessen ist eine schwarz-bunte Farbmatrix zu sehen, die zwar eine lebensgroße Umgebung darstellt, der es aber an Detailschärfe mangelt. Gerade nicht bewegte weiße Flächen zeigen die Subpixel-Matrix des Displays deutlich.

Daydream View: Der Tragekomfort

Daydream View wiegt 220 Gramm. Es gibt nur ein Gummiband, das die Brille auf dem Kopf hält. In dem kurzen Testzeitraum war nicht einzuschätzen, ob das Band schnell ausleiert. Jedenfalls ist die Größenverstellung so empfindlich, dass sie meist beim Aufsetzen nachjustiert werden muss.

Je nach Gesichtsform scheint von hinten und an der Aussparung für die Nase etwas Licht in die VR-Brille, was dem VR-Erlebnis nicht zu gute kommt. Außerdem sind oftmals Staubfetzen auf dem Display oder der Linse zu sehen – vor jeder Session sollte das Smartphone sowie die Daydream-Brille also staubfrei gewischt werden.

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Die volle Ausstattung: Daydream View, Controller und Pixel XL / © NextPit Bildquelle: NextPit

Brillenträger können Daydream View ohne Probleme verwenden – zumindest, wenn die Brille nicht zu groß ist. Kollege Eric hat einen Probedurchgang mit der Daydream View gewagt und war zufrieden mit der Bildqualität des VR-Erlebnisses durch die Brille. Die oben genannten Probleme mit der Displaymatrix monierte er allerdings auch.

Daydream View: Apps und Spiele

Die extra eingerichtete Sektion für Daydream-Spiele und -Inhalte ist aktuell noch recht dünn. Verfügbar sind ein paar Spiele und einige wenige Apps. Im VR-Modus schaltet sich das Pixel XL übrigens in einen speziellen Performance-Modus. Dadurch erwärmt sich das Metallgehäuse erheblich – trotzdem drosselt der Prozessor nicht so stark, dass Ruckler wahrzunehmen wären – im Gegenteil: Selbst nach einer halben Stunde und einem richtig heißen Pixel XL ist die Performance wie in der ersten Minute.

Apps und Video-Inhalte

YouTube, Google Photos und einige andere Apps sind im Daydream-Teil vom Play Store erhältlich. Dieser ist über die Daydream-App im normalen und im VR-Modus bedienbar.

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Daydream Home / © Screenshot: nextpit Bildquelle: Screenshot: NextPit

YouTube erlaubt den Zugriff auf einige 360-Grad-Videos. Zu sehen ist beispielsweise ein Video, das einen Hai auf der Jagd zeigt – und Ihr seid mittendrin. VR zeigt diesen natürlich in etwa in Lebensgröße an – Gruselfeeling ist hier garantiert.

Google Fotos ist als App erhältlich – hier könnt Ihr auf Eure eigenen 360-Grad-Aufnahmen zugreifen. Allerdings sind hier nicht alle Bilder zu sehen. In meinem Fotos-Account schlummern mindestens hundert 360-Grad-Fotos, in der Daydream-App sind aber gerade einmal sieben zu sehen. Schade, dass es keine Option gibt, durch alle Fotos zu scrollen.

Auch Google Play Movies ist mit an Board. Hier könnt Ihr Filme oder Serien in einem virtuellen Open-Air-Kino ansehen. Dabei kommen aber die Probleme der VR-Optik am stärksten zur Geltung. Das schmale Sichtfeld schränkt schon etwas ein und dann ist da für Blu-ray-verwöhnte Augen die sichtbar niedrigere Bildqualität. Mit Kopfhörern und den vergleichsweise geringen Ausmaßen der Daydream View wird aber ein mobiles Kino möglich – vorausgesetzt, Ihr verwendet Google Play Movies.

Daydream-Spiele

Zweifellos ist Daydream für Spiele gedacht. Einige sind schon erhältlich, die zeigen, wie Daydream-Spiele aussehen können.

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Der Controller hilft bei Spielen aller Art. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Eines der zum Start verfügbaren Spiele ist Mekorama VR. Es handelt sich hierbei nicht um eine Eins-zu-Eins-Umsetzung des Rätselspiels, sondern es gibt neue Levels zu entdecken. Die Steuerung erfolgt mit Hilfe des Controllers, der im Spiel eine Art Zeigestab ist. So könnt Ihr die Szenerie drehen oder dem Roboter sagen, wo es lang geht. Mekorama VR macht Spaß, kostet aber happige 4,29 Euro.

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Mekorama VR / © Screenshot: nextpit Bildquelle: Screenshot: NextPit

INSTALLIEREN (com.martinmagni.mekorama.vr)

Ein weiteres Spiel ist Hunters Gate. Hier müsst Ihr mit Eurer Spielfigur eine von Dämonen überfallene Welt befreien. Rollenspiel-Elemente sorgen dafür, dass sich Euer Charakter verbessert und sein Schadenspotenzial wächst. Die Umgebung ist düster und beeindruckend, die Steuerung dank des Touch-Controllers ziemlich eingängig und verständlich. 6,49 Euro kostet der Spaß.

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Hunters Gate / © Screenshot: nextpit Bildquelle: Screenshot: NextPit

INSTALLIEREN (com.ClimaxStudios.HuntersGate)

Cardboard-Spiele

Daydream-Spiele erscheinen im klassischen App-Drawer und können direkt gestartet werden. Aber wie sieht es mit Cardboard-optimierten Apps aus? Die funktionieren auch, allerdings gibt es einige Einschränkungen. Am Beispiel von Lamper VR sind die Unterschiede zu sehen: Im Daydream-Launcher erscheint Lamper VR nicht. Um das Spiel zu starten musste ich zunächst Daydream starten, dann wieder beenden, und dann Lamper VR öffnen. Dann startete das Tutorial, was ich auch abschließen konnte. Danach erfordert Lamper VR jedoch in seinem Menü eine Eingabe, die beim Pixel mit Daydream View nur über einen Tipp auf den Touchscreen ausführbar ist, den Controller erkennt Lamper VR nicht.

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Daydream View mit Controller ist kein Cardboard / © NextPit Bildquelle: NextPit

Kurzum: Cardboard-Spiele funktionieren zwar grundsätzlich auch mit Daydream View, in vielen Fällen dürften sie aber quasi unbedienbar sein. Ob es möglicherweise Workarounds für die Probleme gibt, muss sich noch zeigen.

Daydream View: Akkulaufzeiten

Im VR-Betrieb wird das Pixel XL ziemlich warm. Ist auch der Akkuverbrauch hoch? Ja. Innerhalb von kurzer Zeit sinkt der Akku rapide. Angesichts der notwendigen Rechenleistung ist das kaum verwunderlich. Rund zwei bis drei Stunden Dauer-VR hielt der Akku des Pixel XL aber durch. Meine eigene Grenze lag bei etwa 30 Minuten langen VR-Sessions – danach fühlte ich mich unwohl und wollte wieder in die Realität zurück.

Daydream View: Testfazit

Ein finales Fazit zu Daydream und Daydream View erscheint aktuell kaum möglich: Zu jung ist die Plattform und es gibt noch zu wenige Inhalte. Was Daydream insbesondere auszeichnet, sind die Hardware-Angebote von unterschiedlichen Herstellern – auf alternative Hardware müssen wir aber noch warten und Daydream-fähige Smartphones gibt es noch lange nicht wie Sand am Meer.

Insgesamt hat Google aber offenkundig an vielen Stellen die richtigen Entscheidungen getroffen. Insbesondere die Vorgaben für schnelle Displays und dem dauerhaften Performance-Modus sind lobenswert, denn so bleibt das visuelle Erlebnis in konstanter Qualität abspielbar. Schade ist hingegen, dass keine vollständige Cardboard-Kompatibilität vorhanden ist.

Im Detail zeigen sich weitere Schwächen: Der Raum vor den Augen ist nicht genügend vor eindringendem Licht geschützt, was den Eindruck von VR schmälert und ein breiteres Sichtfeld wäre definitiv wünschenswert. Die Pixeldichte der Displaymatrix müsste außerdem höher sein – was aber eher am Smartphone als am Daydream View liegt.

Eine Revolution stellt Daydream im jetzigen Zustand nicht dar. Allerdings steht die Plattform ganz am Anfang und kann sich noch erheblich verbessern. VR-Interessierte Pixel-Besitzer können mit der Daydream-View-Brille einen Einstieg wagen. Aber es wird noch einige Hardware-Generationen brauchen, bis VR die Qualitätsstufe erreicht hat, die für ein wirklich einnehmendes VR-Erlebnis wünschenswert wäre. Daydream ist aktuell kein Kaufgrund für ein Pixel – ebensowenig wie die Gear-VR-Plattform ein spezieller Kaufgrund für ein Top-Samsung-Phone ist.

Individuell unterschiedlich wird die Zeit sein, die Ihr im VR-Modus mit Daydream verbringen könnt. Mir haben im Test Sessions von maximal einer halben Stunde gereicht, bis ich der virtuellen Realität entfliehen musste – nach dieser Zeit hatte ich ein unangenehmes Gefühl in den Augen und im ganzen Körper.

Was haltet Ihr von Daydream View? Legt Ihr die VR-Brille zu Eurem Pixel oder wartet Ihr auf ein anderes kompatibles Smartphone? Lasst es uns wissen!

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