Nokia 5.4 im Test: Lohnt sich der Umstieg vom Nokia 5.3?

Nokia 5.4 im Test: Lohnt sich der Umstieg vom Nokia 5.3?

Ihr habt Euch gerade erst das Nokia 5.3 gekauft und schon hat der zu HMD gehörende Hersteller den Nachfolger, das Nokia 5.4, vorgestellt? Dann dient dieser Testbericht dazu, Euch beim quälenden Gedanken über einen Wechsel zum neueren Modell weiterzuhelfen. Los geht's ins 5.4, 3, 2, 1 ...

Bewertung

Pro

  • Moderner Look
  • Schlichtes Android One
  • Akku mit 4.000 mAh
  • Hauptkamera deutlich besser als beim 5.3

Contra

  • Zu wenig Features für zu viel Geld
  • Liegt weit hinter der Konkurrenz unter 200€

Kurzfazit

Mit dem Nokia 5.4 verbessert HMD Global den Vorgänger Nokia 5.3 lediglich in kleineren Details wie der Optik und der Kamera. Da das 5.4 hier keine großen Sprünge macht, lohnt sich ein Upgrade für Besitzer des Vorgängers kaum. Sofern Ihr Euch nicht voll und ganz in die Optik des Handys verliebt habt, rate ich Euch eher zum Kauf eines leistungsstärkeren Unter-200-Euro-Handys!

Zielgruppe und Unterschiede zum Vorgänger

Nach wie vor handelt es sich beim Nokia 5.4 um ein Smartphone der unteren Mittelklasse, mit dem Ihr Euch für 219 Euro ein Handy aus dem Jahr 2019 kaufen könnt. Dabei muss sich der zu HMD gehörende Hersteller mit Marken wie Xiaomi, Realme und Motorola messen, die zu den Platzhirschen im Bereich der Preis-Leistungs-Smartphones gehören. Nokia hat sich allerdings Lizenzen für Android One gesichert und bietet somit eine der reinsten Android-Versionen und eine Update-Garantie von mindestens zwei Jahren.

Kurzer Vergleich zum Nokia 5.3

Um diesen Test ein wenig zielgerichteter anzugehen, habe ich bei Nokia auch noch den Vorgänger, das Nokia 5.3 als Testgerät geordert. Da wir das Smartphone zum Release leider nicht testen konnten, lasse ich immer wieder Eindrücke einfließen. Die wichtigsten Unterschiede sehen aber wie folgt aus:

Unterschiede: Nokia 5.4 vs. Nokia 5.3

Hier seht Ihr die Unterschiede zwischen den beiden Geräten.
Feature Nokia 5.4 Nokia 5.3
SoC Snapdragon 662 Snapdragon 665
Display 6,39 Zoll mit Punch-Hole-Notch 6,55 Zoll mit Wassertropfen-Notch
Arbeitsspeicher 4 Gigabyte 3, 4 oder 6 Gigabyte
Hauptkamera 48 Megapixel, f/1.8 13 Megapixel f/1.8
Frontkamera 16 Megapixel f/2.0 8 Megapixel f/2.0
Aktueller Preis (laut Geizhals) ca. 205,90€ mit 128 GB ca. 165€

Wie Ihr seht, sind die Unterschiede zwischen den beiden Geräten nicht gerade deutlich. Durch das kleinere Display fällt das Nokia 5.4 zudem kaum merklich kleiner aus und auch ein wenig an Gewicht hat das Smartphone verloren. Da die größten Unterschiede beim genutzten Prozessor und bei der Auflösung der Haupt- und Frontkamera liegen, ziehe ich das Vorgängermodell bei diesen Punkten nachfolgend noch einmal genauer ran.

NextPit Nokia 5 4 and 5 3
Links das Nokia 5.4 und rechts das Nokia 5.3 ... oder war's anders herum?! / © NextPit

Hier überzeugt das Nokia 5.4

Android One als Betriebssystem

Mit einer Prise Subjektivität muss ich gestehen, dass mir Android One immer wieder gut gefällt. Als langjähriger Pixel-Nutzer ist Stock-Android einfach schön anzusehen und findet meiner Meinung nach einen guten Mix aus Animationen und Geschwindigkeit. Auch wenn ich die Animationen in den Entwicklereinstellungen bei günstigeren Smartphones immer herunterstelle, läuft das Betriebssystem in den meisten Fällen flüssig.

Darüber hinaus garantiert Euch Android One im Nokia 5.4 Sicherheits- und Betriebssystem-Updates für mindestens zwei Jahre. Versteht mich nicht falsch – dass nur zwei Jahre bei Android-Smartphones inzwischen als Positivum erwähnt werden müssen, ist absolut grauenvoll. Aber am Betriebssystem des Nokia 5.4 stört mich etwas ganz anderes, wie Ihr später noch in den Punkten lesen könnt, die mir nicht gefallen.

Design in Pixel-Optik

Wie bereits erwähnt, bin ich langjähriger Pixel-Nutzer und hatte im Jahr 2020 auch die Gelegenheit, das Pixel 4a 5G zu testen. In Sachen Haptik ist das Nokia 5.4 fast schon eine Lite-Lite-Lite-Version des günstigen Pixel-Smartphones. Der Zeigefinger fühlt sich dank rückseitig platziertem Fingerabdrucksensor direkt wohl und auch die Punch-Hole-Notch in der oberen linken Displayecke erinnerte mich direkt an das Google-Handy.

NextPit Nokia 5 4 front camera
Die kleine Notch im Pixel 4a 5G-Look hat es mir angetan!/ © NextPit

Dazu bietet das Nokia 5.4 dieselbe Plastik-Wertigkeit, die mir beim 4a 5G schon gefiel. Ja, das Smartphone besitzt eine Rückseite aus Polycarbonat, aber trotzdem fühlt es sich nicht billig oder schlecht verarbeitet an. Die Druckpunkte der insgesamt vier Buttons sind schön, die Displayränder rund um das 6,55-Zoll-IPS-Panel schmal und der Vibrationsmotor sorgt für ein deutlich angenehmeres Feedback, als der des Nokia 5.3. 

Gerade letzterer sorgt meiner Meinung nach im Nokia 5.4 für einen wertigen Gesamteindruck. Der Motor klappert nicht so stark wie im Vorgängermodell und wirkt ein wenig pointierter. Die Rückseite im Nokia 5.4 ist zudem nicht mehr matt, was für zusätzlichen Halt sorgt. Schön!

Überraschend schöne Fotos

Das wohl signifikanteste Upgrade vom Nokia 5.3 auf das 5.4 ist die Hauptkamera. Denn diese löst maximal nicht mehr mit 13 Megapixeln, sondern mit 48 Megapixeln auf. Das Upgrade ermöglicht es der Software des Handys, immer vier Pixel zu einem zusammenzurechnen. Das sogenannte Pixel-Binning ist in aktuellen Foto-Smartphones der neuste Schrei und funktioniert auch im Nokia 5.4 ganz gut. So schauen die Bilder mit effektiven Auflösung von 12 Megapixeln aus:

Bildqualitaet Nokia 5 4 NextPit
Gerade die Belichtung der Hauptkamera überzeugt beim Nokia 5.4. / © NextPit

Für eine Smartphone-Kamera fand ich die Farben und die Belichtung überraschend realistisch. Während andere Hersteller HDR-Aufnahmen schnell unnatürlich wirken lassen oder die Farben übersättigen, hält sich HMD Global zurück und findet in meinen Augen eine gute Mitte.

Allerdings hätte Nokia auch den anderen Kameras ein Upgrade spendieren sollen. Denn sobald Ihr auf die Ultraweitwinkelkamera schaltet, überzeugen die Bilder nicht mehr so sehr. Dabei fallen gerade die Farbunterschiede und die geringere Schärfe im Ultraweitwinkel auf. Der Porträtmodus ist wiederum bei Selfies okay, bei allen anderen Motiven ziemlicher Murks.

Portrait Nokia 5 4 NextPit
Während Porträts von Menschen mir ganz gut gefielen, versagt der Porträtmodus bei anderen Objekten. / © NextPit

Die "Quad-Kamera" ist beim Nokia 5.4 womöglich eher für die Verpackung integriert und nicht für bessere Bilder. Das ist zwar schade, in der Smartphone-Mittelklasse aber leider gängige Praxis. Einen letzten Foto-Check möchte ich aber noch machen und hierfür ein Bild des Nokia 5.3 heranziehen.

Nokia 5 4 vs Nokia 5 3 NextPit
Links: Nokia 5.4 – Rechts: Nokia 5.3 / © NextPit

Die Bilder des Nokia 5.3 besitzen schon fast einen gewissen Lomographie-Charme, sind aber selbst als kultige Schnappschüsse grenzwertig. Das Upgrade war also bitter nötig und in zukünftigen Nokia 5.x-Modellen wünsche ich mir dann auch bessere Makro-, Ultraweitwinkel-, und Frontkameras

Akku

Mittelklasse-Smartphones haben sich aus irgendeinem Grund als echte Goldgrube für Handys mit langer Akkulaufzeit gemausert. Man denke an das Realme 7i oder das Motorola Moto G9 Power, die dank ihres 6.000-mAh den meisten Flaggschiffen in Punkto Durchhaltevermögen davonlaufen.

NextPit Nokia 5 4 camera
Statt 12 Megapixeln bietet der neue Sensor 48 Megapixel. / © NextPit

Die Batterie im Nokia 5.4 ist mit 4000 Milliamperestunden zwar nicht ganz so eindrucksvoll, sorgt aber dennoch für eine angenehme 2-Tage-Sorglos-Akkulaufzeit. Im Testzeitraum waren 48 Stunden zudem auch dann realistisch, wenn man nicht gerade vorsichtig mit dem Stromverbrauch umgeht und beispielsweise ständig das Bluetooth deaktiviert, wenn man es mal nicht braucht.

Natürlich ist die Akkulaufzeit stark von dem Nutzerverhalten abhängig, aber zumindest eine Tendenz hin zu zwei Tagen kann ich dem Handy ruhigen Gewissens bescheinigen. Das liegt aber auch am Display mit mäßiger HD+-Auflösung und am größten Kritikpunkt, zu dem ich jetzt direkt überleite.

Hier enttäuscht das Nokia 5.4

Display mit starker Blickwinkelabhängigkeit

Während Displays in günstigen Smartphones immer besser werden, frage ich mich, wo Nokia denn diesen ollen Leuchtkörper gefunden hat. Das 6,39 Zoll große IPS-Panel löst nur mit 720 x 1.560 Pixeln auf und ist vor allem viel zu dunkel. Selbst bei Bewölkung war es manchmal schwer, Motive beim Fotografieren richtig einzustellen und dann müsst Ihr auch noch echt aufpassen, wie Ihr auf das Display schaut.

Display Nokia 5 4 NextPit
Das Display des Nokia 5.4 verändert sich mit dem Blickwinkel. Achtet einmal auf die hellen Wolken. (Screenshots aus Video, aufgenommen mit iPhone 12 Pro Max) / © NextPit

Denn im Jahr 2021 noch ein Display einzubauen, das derart abhängig vom Blickwinkel ist, ist fast schon amüsant. Ich muss dem Handybildschirm fast einen kleinen Nostalgie-Bonus geben, da ich mich ein wenig an mein erstes Compaq-Notebook von vor knapp 10 Jahren erinnerte. Denn schon wenn Ihr das Nokia 5.4 ein wenig von links nach rechts dreht, ändern sich Farben und es zieht ein deutlich erkennbarer Schleier über den Anzeiger. Gäb's keine moderne Notch, hätte ich fast gesagt, die Panels hätten noch in einer dunklen Ecke des Lagers gestanden.

Performance

Das Nokia 5.4 nutzt das SoC Snapdragon 662 von Qualcomm und bietet leistungstechnisch kein Upgrade zum 5.3, das den Snapdragon 665 besitzt. In beiden Achtkern-Chips arbeiten jeweils vier "Hochleistungs"-Prozessoren mit bis zu 2 Gigahertz und vier Stromspar-Kerne mit 1,8 Ghz. Die Grafikeinheit Adreno 610, ist beiden SoCs gemein. Als kleiner Vorteil zeichnet Qualcomm den Snapdragon 662 als WiFi-6-Ready aus, durch den sich das Nokia 5.4 zwar mit WiFi-6-Netzwerken verbinden kann, dabei aber nicht von allen Vorteilen profitiert. 

Die Leistung bei der Nutzung des Smartphones würde ich aber insgesamt als "untermotorisiert" bezeichnen. Apps brauchen recht lange zum Öffnen, im Betriebssystem kam es trotz deaktivierter Animationen zu Verzögerungen und die langen Ladezeiten von Mobile Games werden anschließend auch nicht wirklich belohnt. Hier gibt es in derselben Preisklasse Handys, die mit deutlich mehr Muskeln glänzen.

Leider noch zu teuer

Das bringt mich schon zum nächsten Punkt: Das Nokia 5.4 ist insgesamt für das Gebotene entweder zu teuer oder es spielt nicht ganz in der Liga, in der sich andere Mittelklasse-Handys aktuell bewegen. Es ist schon ein schlechtes Zeichen, wenn bei der Vorstellung eines neuen Smartphones eher der Vorgänger als Vergleichswert in den Sinn kommt und nicht die Geräte anderer Hersteller.

Die Konkurrenz in der Preisklasse unter 200 Euro ist aber auch wirklich eine harte Nuss. Xiaomi legt mit dem Redmi Note 9 Pro ordentlich vor und stellte Anfang des Jahres mit dem Note 9T sogar ein fähiges 5G-Smartphone vor, das zur Einführung nur 199,90€ Euro kostete und dessen UVP nach der Early-Bird-Phase auch nur auf knapp 220 Euro steigt. 

Zu den weiteren Alternativen zählen das Samsung A40 mit OLED-Display, das Realme 7 mit einem deutlichen Mehr an Leistung oder das Huawei P 40 Lite, das eine richtig gute Kamera besitzt. Das Nokia 5.4 macht für knapp 200 Euro alles ein bisschen, aber nichts wirklich gut. Das reicht im aktuellen Feld an Mitbewerbern schlichtweg nicht.

Technische Daten auf einen Blick

Da ich mich in diesem Testbericht aufs Wesentliche konzentriert habe, gibt's hier noch das Datenblatt:

Datenblatt Nokia 5.4

Alle Specs im Überblick
Spec Nokia 5.4
Display 60 Hertz 6,39 IPS-LCD mit HD+-Auflösung (720 x 1.560 Pixel)
Größe (HxBxT) 160,97mm x 57,99 mm x 8,7 mm
Gewicht 181 Gramm
SoC & Speicher Snapdragon 662 / 4 GB / 64 oder 128 GB / um 512 GB erweiterbar
Kameras 48 MP Haupt / 5 MP Ultraweitwinkel / 2 MP Tiefe / 2 MP Makro / 16 MP Selfies 
Konnektivität Bluetooth 4.2 LTE , 802.11 b / g / n / GPS / NFC / USB-C
Audio 2 Mikrofone, OZO Audio, 3,5mm-Klinkenanschluss, Mono-Speaker
Akkukapazität 4.000 mAh, Aufladen mit 10 Watt, kein Wireless-Charging
Betriebssystem Android 10 vorinstalliert, "Android 11 ready"
Preis & Farben 219 € / Polar Night / Dusk

 

Fazit: Ohne Liebe auf den ersten Blick kein Kauftipp

Schaue ich so über meine Pro- und Contra-Liste, bin ich ein wenig verärgert. Denn nicht nur hält sich Nokia beim 5.4 im Vergleich zum Vorgänger dermaßen mit Upgrades zurück, dass ich die beiden Handys im Grunde genommen nur an der unterschiedlichen Notch unterscheiden konnte, HMD Global versaut mir auch den Ruf meiner geliebten Unter-200-Euro-Handys.

NextPit Nokia 5 4 and 5 3 camera
Das Display ist einer der großen Unterschiede zwischen dem Nokia 5.4 und dem 5.3 – reicht nicht! / © NextPit

Denn andere Hersteller zeigen seit einigen Jahren, was für geile Handys es für wenig Geld gibt und dass man hier gar nicht mal so viele Kompromisse eingehen muss. Wenn man aber das Nokia 5.4 kauft, weil man endlich ein günstiges Handy gefunden hat, das einem zusagt, erhält man eine lahme Ente mit drei überflüssigen Kameras und einem Display, das wie aus der Zeit gefallen scheint. Sorry Nokia, aber das war nix.

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6 Kommentare

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  • Ich würde mich mal über ein richtig gutes Mittelklasse Gerät freuen, nicht immer dieser Käse!


  • Gelöscht


  • "So schauen die Bilder mit effektiven Auflösung von 12 Megapixeln aus:"
    Hier hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Ich glaub es sollte
    'So schauen die Bilder mit effektiven Auflösung von 12 Megapixeln aus, nachdem ich sie auf Briefmarkengröße geschrumpft und dann totkomprimiert habe:' heißen.
    Wieso zeigt ihr Bilder der Kamera mit denen man die Qualität nicht beurteilen kann? Der helle Teil des Himmels ist einfach nur ein heller Fleck, es gibt Treppeneffekte am Dach des Hauses und jede Menge Kompressionsartefakte. Ich bezweifle stark, dass die Originalbilder die Probleme auch haben.


  • Dann besser auf das neue Samsung A52 warten.


  • Andorid One & Enterprise-Zertifizierung. Spricht definitiv andere Zielgruppe an als dieses Chinabölleramateurspielzeug.
    Also bitte weniger manipulative Polemik. Danke!


    • @Exilbonner: Kann deine Meinung nachvollziehen, aber bitte nicht Polemik kritisieren und dann selbst anwenden (Chinabölleramateurspielzeug).
      Danke!

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