OnePlus 9 im Test: Mehr Nord als Pro

OnePlus 9 im Test: Mehr Nord als Pro

Das OnePlus 9 ist der kleine Bruder des OnePlus 9 Pro! Somit stellt es nicht nur den günstigeren, sondern auch den etwas abgespeckten Einstieg in den Katalog der High-End-Smartphones des chinesischen Herstellers dar. Im Test muss das Handy beweisen, ob es trotzdem mit aktuellen Flaggschiffen wie dem Galaxy S21 oder dem Mi 11 mithalten kann.

Bewertung

Pro

  • Der 120Hz-Amoled-Bildschirm
  • Solide Akkulaufzeit
  • 50 MP Ultra-Weitwinkelobjektiv
  • Nachtsichtmodus
  • Power des Snapdragon 888
  • Der Preis

Contra

  • Kein Teleobjektiv
  • Kein kabelloses Laden mit 50 W (begrenzt auf 15 W)
  • Aggressives Thermal-Throttling
  • Uninspiriertes Design (aber schöne Farben)
  • Keine IP68-Zertifizierung

Kurzfazit zum OnePlus 9

Das OnePlus 9 kommt in zwei Konfigurationen mit 8/128 GB und 12/256 GB für 699 Euro bzw. 799 Euro! Gegenber dem OnePlus 8 aus dem letzten Jahr gibt es also keine Preiserhöhung. Mit Blick auf das OnePlus 8T müsst Ihr einen Aufpreis von 100 Euro zahlen, obwohl die Geräte recht ähnlich sind.

Und zu diesem Preis ist es ein direkter Konkurrent zum hervorragenden Xiaomi Mi 11, das ich kürzlich getestet habe. Auch mit dem sehr guten Samsung Galaxy S21 muss es sich messen, auch wenn das mein Kollege Ben getestet hat.

Das OnePlus 9 kommt mit Snapdragon 888, einem 6,55-Zoll-Amoled-Display mit 120 Hz, derselben 50-MP-"Freiform"-Ultraweitwinkel-Linse des OnePlus 9 Pro und auch mit dem gleichen 4500-mAh-Akku. Als Kompromisse zum Pro-Modell müsst Ihr Euch mit dem Fehlen eines Teleobjektivs, einem recht "alten" Sony IMX689-Hauptsensor (im Vergleich zum IMX789 beim Pro), der Schnellladung mit 15 Watt (im Vergleich zu 50 Watt beim Pro) und der fehlenden IP68-Zertifizierung abfinden.

OnePlus hat, wie jeder Android-Hersteller, sein Basis-Flaggschiff, das "Vanilla"-Modell, zum uninteressantesten Smartphone in seinem High-End-Katalog gemacht. Dabei fällt es mir schwer zu übersehen, wie das zugegebenermaßen gute Preis-Leistungs-Verhältnis den Mangel an Innovation im Vergleich zu den High-End-Smartphones des Herstellers aus dem letzten Jahr kompensieren kann.

Design: Nicht originell, aber schön angepinselt

Wie das OnePlus 9 Pro  kommt das OnePlus 9 in einem ziemlich klassischen Design für ein Flaggschiff. Die Farbvarianten sind aber wie immer sehr gut gelungen und helfen wirklich dabei, das Smartphone gut aussehen zu lassen.

Kurz gesagt, ich mochte:

  • die rosafarbene Farbe "Winter Mist" und ihr Spiegeleffekt
  • das eher dünne Fotomodul im Relief

Kurz gesagt, ich mochte nicht:

  • kein microSD-Steckplatz
  • sehr konventionelle Bauweise
  • keine IP68-Zertifizierung
  • das flache Display (subjektive Wahl, die bei weitem nicht die Mehrheit ist, ich weiß)
NextPit OnePlus 9 side
Die Rückseite des OnePlus 9 spiegelt einen immer undurchsichtiger werdenden lila Farbverlauf wider. / © NextPit

Für meinen Test hatte ich die Farbe Winter Mist mit lila / violetten Tönen, deren Reflexionen einen sehr schönen rosa Spiegeleffekt erzeugen. Ich habe auch den Eindruck, dass die Beschichtung auf der Rückseite von der linken oberen Ecke ausgehend einen diagonalen Verlauf nach unten nimmt. Auf dieser Achse wird die Oberfläche auf der Rückseite mehr und mehr undurchsichtig, ein bisschen wie ... naja ein "Winternebel". Auf jeden Fall ist der Effekt ziemlich schick.

Der Bildschirm des OnePlus 9 ist im Gegensatz zu dem des OnePlus 9 Pro flach, aber seine Rückseite ist leicht gewölbt mit einer Neigung, die der eines 2,5D-Glases von Samsung ähnelt. Wir finden den sehr praktischen Schalter oder "Alert Slider" – ikonisch für OnePlus.

NextPit OnePlus 9 usb
Der Bildschirm des OnePlus 9 ist flach, aber seine Rückseite ist leicht gewölbt / © NextPit

Das Dreifach-Kameramodul ist vertikal in einer rechteckigen Insel angeordnet, was zwar nicht originell ist, aber zumindest den Vorzug hat, dass es nicht zu sehr aus dem Relief herausragt. Mit seinen 192 Gramm ist das OnePlus 9 für ein Flaggschiff zudem nicht allzu schwer.

Auf der anderen Seite ist das Fehlen eines microSD-Steckplatzes schade und auch die fehlende IP68-Zertifizierung muss ich ankreiden. Das gehört sich für ein Flaggschiff nicht.

Insgesamt ist das Design des OnePlus 9 wirklich sehr konventionell, für meinen Geschmack ein bisschen zu langweilig. Ich spüre nicht genug Unterschiede zu den letztjährigen Iterationen. Aber die sehr schöne Farbe und die metallischen Effekte sind eines Premium-Smartphones durchaus würdig.

Display: Nach wie vor ein schöner 120-Hz-AMOLED-Screen

Das OnePlus 9 verfügt über ein 6,55 Zoll großes Fluid-Amoled-Display mit einer Full-HD+-Auflösung von 2.400 x 1.080 Pixeln oder 402 ppi im Seitenverhältnis 20:9. Hinzu kommen eine adaptive Bildwiederholfrequenz von 120 Hz, eine maximale Helligkeit von 1100 Nits und eine Touch-Abtastrate von 240 Hz.

Kurz gesagt, ich mochte:

  • die Bildwiederholfrequenz von 120 Hz
  • die maximale Helligkeit von 1100 nits

Kurz gesagt, ich mochte nicht:

  • die "intelligente" adaptive Bildwiederholrate
  • die auf 240 Hz begrenzte Touch-Abtastrate ohne den HyperTouch-Modus
NextPit OnePlus 9 screen
Der Fluid Display 2.0-Bildschirm und seine weniger stromfressende LTPO-Technologie ist dem OnePlus 9 Pro vorbehalten. / © NextPit

Wie fast immer bei einem OnePlus-Flaggschiff ist der Amoled-Bildschirm exzellent verarbeitet, profitiert aber nicht vom Update der Fluid-Display-Technologie in der Version 2.0, die dem OnePlus 9 Pro vorbehalten ist. Die wichtigste Neuerung ist die Integration der LTPO-Technologie, die das Display des OnePlus 9 Pro weniger stromhungrig sowie berührungsempfindlicher und framerate-stabiler machen soll. Auch diese fehlt dem günstigeren Modell.

Es ist schade, dass man beim regulären OnePlus 9 auf diese Vorteile verzichten muss. Denn letztendlich ist der Bildschirm kaum "besser" oder besitzt Vorteile gegenüber dem Screen des OnePlus 8T.

NextPit OnePlus 9 front camera
Die von OnePlus versprochene Bildwiederholrate von 1 Hz konnte ich nicht sehen / © NextPit

Ich bedauere auch, dass das OnePlus 9 den HyperTouch-Modus des Pro-Modells überspringt und die Touch-Abtastrate nicht von 240 auf 360 Hz erhöht. Wir sitzen also bei 240 Hz fest.

Ich bin auch etwas skeptisch, was die adaptive Bildwiederholrate angeht. Indem ich den nativen FPS-Zähler von Android 11 aktivierte, konnte ich sehen, dass wir von 120 Hz bei Call of Duty: Mobile auf 60 Hz bei Youtube oder Netflix kamen. OnePlus sagt jedoch, dass es bis auf 1 Hz heruntergehen kann, um Text zu lesen oder Fotos zu betrachten.

Ich konnte diese Werte nicht erreichen. Tatsächlich war die niedrigste Rate, die ich erreichen konnte, 30 Hz, und das war nur, wenn ich die Tastatur in einigen Messaging-Apps oder einfach in den Suchleisten von Google, Maps, Spotify oder YouTube verwendet habe.

Insgesamt fand ich den Bildschirm des OnePlus 9 sehr gut, Punkt. Und gleichzeitig gibt es keinen Grund, eine große Sache daraus zu machen oder einen Aufsatz darüber zu schreiben. Das ganze Marketing rund um die adaptive und intelligente Bildwiederholrate überzeugt mich nicht. Aber das Panel liegt an der Spitze dessen, was auf dem Android-Markt verfügbar ist.

Leistung: Snapdragon 888 leistungsstark, aber heiß

Das OnePlus 9 ist mit dem Snapdragon 888 ausgestattet, dem neuesten High-End-5G-SoC von Qualcomm. Wir finden die Tri-Cluster-Struktur mit einem Cortex-X1, der mit 2,84 GHz getaktet ist, drei Cortex-A78, die mit 2,42 GHz getaktet sind, und vier Cortex-A55 mit 1,8 GHz.

Kurz gesagt, ich mochte:

  • Spielen einiger Spiele mit 90 oder 120 FPS
  • die rohe Leistung des Snapdragon 888

Kurz gesagt, ich mochte nicht:

  • der Fnatic-Modus, der die Leistung nicht wesentlich erhöht
  • die wirklich instabile Framerate nach 30 Minuten Spielzeit
  • thermische Drosselung

OnePlus 9

Grafische Benchmarks
Benchmarks OnePlus 9 OnePlus 9 Pro Xiaomi Mi 11 OnePlus 8T
3D-Mark WildLife 5683 5670 5702 3812
3D Mark Wild Life Stresstest 5716 5698 5697 3792
Geekbench 5 (Einzel / Multi)

1119/3657

1112/3633 1085/3490

887/3113

PassMark Speicher

32124 31891 26.333 27766

PassMark-Disc

115311 112370 120.430 98574

Wie beim Xiaomi Mi 11 funktionieren einige Grafik-Benchmarks nicht, da sie im Vergleich zum Snapdragon 888 veraltet sind. Aber man würde vermuten, dass das OnePlus 9 in Bezug auf die rohe Leistung in der obersten Reihe rangiert.

Ich war sogar überrascht, bessere Ergebnisse als mit dem OnePlus 9 Pro zu erzielen, wenn jeweils die Modi Fnatic und Gaming Pro aktiviert waren.

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Selbst bei konstanter Temperatur liegt die durchschnittliche Framerate des OnePlus 9 bei "nur" 34 FPS / © NextPit

Außerdem ist mir eine sehr starke Tendenz des OnePlus 9 aufgefallen, thermisches Throttling, also eine Leistungsbegrenzung bei drohender Überhitzung, zu betreiben. Das Smartphone wird dabei zwar nicht wirklich heiß, aber die FPS in Spielen leiden recht arg.

Bei einer 20-minütigen Test-Session des Wild Life Stress Test Benchmarks stieg das OnePlus 9 von 35 auf 43 °C, was nicht abnormal ist. Aber es war nicht in der Lage, eine stabile Framerate zu halten und schwankte zwischen 13 und 42 FPS. In der Tat, sobald das Smartphone 40°C erreicht, bricht die Framerate ein und bleibt unter 20 FPS.

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Eine Temperatur von 43 ° C ist nicht dramatisch für ein Flaggschiff, aber das OnePlus 9 macht seine Drama-Queen / © NextPit

Ich erinnere Euch noch einmal daran, dass diese Wild Life-Benchmarks eine unrealistische und wirklich intensive Nutzung simulieren, die die meisten Anwender ohnehin nicht machen werden. Aber mir wäre es lieber, OnePlus würde sein Kühlsystem verbessern, als die Leistung zu drosseln, um Überhitzung zu vermeiden.

Kamera: Fotomodul sponsored by Hasselblad

Das OnePlus 9 verfügt über ein Triple-Kameramodul, dessen Software in Zusammenarbeit mit Hasselblad entwickelt wurde und folgende Spezifikationen aufweist:

  • 48 MP Weitwinkelobjektiv: Sony IMX689, 1/1,43" (Sensorgröße), 2,24μm (Pixelgröße mit 4-in-1-Binning), EIS, Blende f/1,8, 23 mm äquivalent
  • 50 MP Ultra-Weitwinkelobjektiv: Sony IMX766, 1/1,56" (Sensorgröße), Freiformobjektiv, Blende f/2,2, 14 mm äquivalent
  • 2 MP Monochrom-Sensor
NextPit OnePlus 9 camera
Die Partnerschaft mit Hasselblad ist bei diesem OnePlus 9 nur Software / © NextPit

Die Weitwinkelfotos des OnePlus 9

Der 48-MP-Hauptsensor des OnePlus 9 ist nicht mit dem des Pro-Modells identisch. Es ist der Sony IMX689 aus dem OnePlus 8 Pro, nicht der neuere Sony IMX789 aus dem OnePlus 9 Pro, aber deutlich besser als der ältere Sony IMX586 aus dem OnePlus 8T.

Der Clou an diesem Hasselblad-Kameramodul ist die Farbmessung. Ich finde, die Farben sind leicht gesättigt, aber nicht übersättigt. Insgesamt gefällt mir das Ergebnis sehr gut, aber ich finde die Aufnahmen zu scharf.

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Der Hauptsensor nimmt Fotos in 12 MP durch ein 2x2 OCL-Pixelbinning auf / © NextPit

Das Highlight des 48-MP-Hauptsensors ist die Unterstützung von nativem Dual-ISO, 12-Bit-RAW und 3-HDR. Diese 3-HDR-Technik, die letztes Jahr beim OnePlus 8 Pro vorgestellt wurde, soll die Belichtung von Hintergrund und Vordergrund harmonisieren, um einen größeren Dynamikumfang zu erreichen.

Und fürs Protokoll, ich finde die Verwaltung des Dynamikbereichs im Vergleich zum OnePlus 9 Pro enttäuschend. Schaut Euch das zweite Foto unten an, vom Alten Museum in Berlin. Die Säulen an der Frontfassade sind völlig im Schatten versunken, während die Szene perfekt ausgeleuchtet ist und ich nicht im Gegenlicht stehe.

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3-HDR soll den Dynamikbereich erweitern, indem Hintergrund- und Vordergrundelemente gleichmäßig beleuchtet werden / © NextPit
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Hier sind die Schatten viel zu stark ausgeprägt, während die eigentliche Szene perfekt ausgeleuchtet ist / © NextPit

Die Ultraweitwinkel-Fotos des OnePlus 9

Das OnePlus 9 verfügt über das gleiche Sony IMX766 Ultra-Weitwinkel-Objektiv wie das OnePlus 9 Pro, das ein "Upgrade" des 48-MP-Sensors des OnePlus 8 Pro ist. Der Hauptunterschied besteht in der Integration von sogenannten "Freiform"-Linsen, die den Verzeichnungseffekt auf weniger als 1% eindämmen sollen.

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Das Ultraweitwinkel-Foto (links) stimmt nicht mit dem Weitwinkel der Hauptkamera überein / © NextPit
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Manchmal ist diese Inkonsistenz eine gute Sache, wie hier, wo ich den Kontrast im Ultraweitwinkel besser finde / © NextPit

Ich fand, dass die Ultraweitwinkelaufnahmen eine leichte Farbinkonsistenz im Vergleich zu den Weitwinkelaufnahmen hatten. Aber der große 1/1,56-Zoll-Sensor, größer als der eines Galaxy S21, fängt genug Licht ein, um ein gutes Maß an Details zu bieten, auch wenn man die digitale Glättung im Vergleich zu den Weitwinkelaufnahmen sieht.

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Achtet auf die Textur des Wassers in der Spree und die Säulen links. Sie sind im Ultraweitwinkel weniger scharf und weniger detailliert / © NextPit
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Der Verzerrungseffekt hält sich in Grenzen, selbst bei diesem Winkel und dieser Komposition, die jedoch für einen Fischaugeneffekt günstig sind / © NextPit
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Der Dynamikbereich und damit die Belichtung bleiben von einem Sensor zum anderen recht gleich / © NextPit

Zoomen mit dem OnePlus 9

Leider profitiert das OnePlus 9 nicht von dem Teleobjektiv des OnePlus 9 Pro. Ehrlich gesagt hätte ich ein Teleobjektiv, selbst ein mittelmäßiges, dem ziemlich überflüssigen 2MP-Monochromsensor vorgezogen.

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Der Zoom des OnePlus 9 ist rein digital / © NextPit

Die Vergrößerung ist rein digital und bietet einen Zoom von x2 bis x10. Natürlich sinkt der Detaillierungsgrad erheblich, sobald wir über die x2-Ebene hinausgehen.

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Von oben nach unten, von links nach rechts: x1, x2, x5 und x10 / © NextPit
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Der x10-Zoom des OnePlus 9 ist kaum nutzbar / © NextPit

Und ich finde es wirklich schade, auf ein Teleobjektiv zu verzichten, das so viel Vielseitigkeit bringt und das Nutzererlebnis bereichert. Das sollte bei jedem Flaggschiff Standard sein. Tatsächlich habe ich die gleiche Kritik am Xiaomi Mi 11 geäußert.

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Keine Textur an der Fassade des Alten Museums in Berlin / © NextPit
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Die Farbmetrik und der Weißabgleich sind hier katastrophal, die Farben sind viel zu warm und das Bild hat Gelbsucht / © NextPit

Die OnePlus 9 Nachtaufnahmen

In der Nacht schneidet das OnePlus 9, wie auch das Pro-Modell, recht gut ab. Der Nachtmodus "NightScape" funktioniert nur mit dem Ultraweitwinkel- und Hauptweitwinkelobjektiv. Aber bei guten Lichtverhältnissen, mit städtischer Beleuchtung, "erzwingt" das Handy die helle Ausleuchtung dunkler Bereiche nicht zu sehr und die Aufnahmen bleiben recht natürlich.

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Die Straßenlaterne ist etwas zu strahlend, aber OnePlus verhindert, dass das Bild ausbrennt / © NextPit

Ich finde, dass das OnePlus 9 recht gut mit starken Lichtquellen umgeht, indem es zum Beispiel verhindert, dass die Stadtbeleuchtung das Bild völlig ausbrennt. Digitales Rauschen ist natürlich vorhanden und die Schärfe kriegt dabei einen leichten Knick.

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Digitales Rauschen ist beim Betrachten des Himmels immer noch vorhanden / © NextPit

Selbst bei Ultraweitwinkel, einem Sensortyp, der bei schlechten Lichtverhältnissen große Probleme hat, schneidet das OnePlus 9 deutlich besser ab als viele seiner Android-Konkurrenten.

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Ich finde diese Nachtaufnahme besonders schön in Bezug auf die Atmosphäre, bravo OnePlus, nicht bravo ich / © NextPit

Insgesamt habe ich festgestellt, dass OnePlus bei der Fotografie sehr deutliche Fortschritte gemacht hat. Aber ich finde den Beitrag von Hasselblad auf dem OnePlus 9 noch ein wenig zu dezent, denn hier profitiert man nicht einmal von den neuesten Technologie, die im Pro-Modell implementiert sind. Das Kameramodul ist besser als beim OnePlus 8 oder 8T, liegt aber eine Stufe unter dem eines Galaxy S21.

Solide Akkulaufzeit, aber kein kabelloses Laden mit 50 W

Das OnePlus 9 verfügt über einen 4500-mAh-Doppelzellen-Akku und akzeptiert das kabelgebundene Schnellladen mit Warp Charge 65T, nicht aber das neue Warp Charge Wireless mit 50 Watt, das dem Pro-Modell vorbehalten ist.

Kurz gesagt, ich mochte:

  • solide Akkulaufzeit
  • die kabelgebundene Ladung Warp Charge 65T

Kurz gesagt, ich mochte nicht

  • der 4500-mAh-Akku hätte größer sein können
  • das kabellose Laden mit 50 Watt exklusiv für das Pro-Modell (beim Basismodell mit 15 Watt blockiert)
NextPit OnePlus 8T charger
Das Warp Charge 65T-Ladegerät, das es zuerst im OnePlus 8T gab / © NextPit

Im Alltag hielt das OnePlus 9 13 Stunden durch, bevor es unter die Marke von 20 % verbleibender Akkulaufzeit fiel. Das ist etwas mehr als beim OnePlus 9 Pro. Ein mehr als respektables Ergebnis, während ich das Smartphone für meine Benchmark- und Fototests mit dem Bildschirm in Full HD+/120 Hz (adaptive Bildwiederholrate) verwendet habe.

Das kabelgebundene Schnellladen Warp Charge 65T wurde bereits beim OnePlus 8T vorgestellt, das über denselben 4500-mAh-Dual-Zellen-Akku verfügt. Im Durchschnitt konnte ich das OnePlus 9 in 30 Minuten oder etwas weniger von 0 auf 100 % aufladen.

Was das Warp Charge Wireless mit 50 Watt angeht, so habe ich leider und sehr dummerweise vergessen, das kabellose Ladegerät im Büro zu lassen, um es mit nach Hause zu nehmen. Aber die Basisversion des OnePlus 9 ist ohnehin auf 15 Watt begrenzt.

Die Akkulaufzeit des OnePlus 9 geht für seinen 4500-mAh-Akku in Ordnung, obwohl dieser auf dem Papier alles andere als beeindruckend ist. Warp Charge 65T ist immer noch sehr effizient und bringt im Alltag einen echten Vorteil.

OnePlus 9 Spezifikationen

OnePlus 9

Technische Daten
Modell OnePlus 9
Prozessor Snapdragon 888
Speicher
  • 8 GB LPDDR5/ 128 GB UFS 3.1
  • 12 GB LPDDR5/ 256 GB UFS 3.1

Erweiterbarer Speicher

Nein, kein microSD-Steckplatz

Konnektivität 5G
Bildschirm
  •  
  • 6,55-Zoll, AMOLED, 20:9
  • 2400 x 1080 Pixel, 402 ppi
  • 120 Hz
  • Flat-Screen
Größe 160 x 74,2 x 8,7 mm
Gewicht 192 Gramm
Kamera
  • Hauptweitwinkel 48 MP: Sony IMX689, 1/1,43" (Sensorgröße), 2,24μm (Pixelgröße mit 4-in-1-Binning), EIS, Blende f/1,8, 23 mm äquivalent
  • Ultraweitwinkel 50 MP: Sony IMX766, 1/1,56" (Sensorgröße), Freiformobjektiv, Blende f/2,2, 14 mm äquivalent
  • 2 MP monochrom
  • Dual-LED-Blitz
  • Multi-Autofokus: PDAF+CAF für alle Pixel, omnidirektional

Video

  • 8K-Video bei 30 FPS
  • 4K-Video bei 30/60 FPS
  • Super Slow Motion: 720p bei 480 FPS, 1080p bei 240 FPS
  • Zeitraffer: 1080p 30 FPS, 4K bei 30 FPS
Batteriekapazität 4500 mAh
Ladetechnologien
  • Warp Charge 65T (kabelgebunden) 65 Watt
  • Qi kabelloses Laden 15 Watt
Audio Zwei Stereolautsprecher mit Dolby Atmos
IP-Zertifizierung Nein
OS OxygenOS 11 basierend auf Android 11
Preis von 699 Euro

Fazit

Für 699 Euro sehe ich kein Android-Smartphone, das wirklich einen besseren Kompromiss bieten kann als das OnePlus 9. Vielleicht beweist mir das Realme GT in Zukunft das Gegenteil, wenn es herauskommt.

Aber ich fordere Euch heraus, ein Smartphone mit einem 120Hz-Amoled-Display, Snapdragon 888, 65W-Schnellladung und einem anständigen Dreifach-Kameramodul für unter 699 Euro zu nennen (China-only-Modelle zählen nicht).

So gut das Preis-Leistungs-Verhältnis auch sein mag, wenn man es isoliert betrachtet, hatte ich ehrlich gesagt während des gesamten Tests das Gefühl, ein OnePlus 8T in den Händen zu halten.

Sicher, das 8T hat den alternden Snapdragon 865, einen veralteten Sony IMX586-Hauptsensor, aber es hat auch den gleichen 120Hz-Bildschirm, den gleichen 4500mAh-Akku und die gleiche 65-Watt-Schnellladung. Hinzu kommt, dass man 5G in Deutschland ohnehin noch nicht sehr gut nutzen kann und es gibt ein paar blöde Einsparungen für ein Flaggschiff wie den metallischen Kunststoffkanten und das Fehlen von IP68.

Wenn es ein OnePlus-Smartphone gibt, das man dieses Jahr kaufen sollte, dann ist es das OnePlus 9 Pro. Als Nutzer des OnePlus 8T seit seinem Release sehe ich im Moment keinen Grund, auf das Basisgerät OnePlus 9 aufzurüsten. Das ist hart, zumal wir es auf dem Papier immer noch mit einem sehr guten Smartphone zu tun haben. Aber ich begründe meine Bewertung dennoch mit dem mangelnden Ehrgeiz des Herstellers, der wieder einmal alles in sein Pro-Modell gesteckt hat.

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8 Kommentare

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  • Finde es auch etwas fragwürdig, dass der Prozessor positiv hervorgehoben wird, obwohl er eindeutig und nachweislich Hitzeprobleme hat. Dass das eindeutig am 888 liegt und nicht an einzelnen Herstellern, ist mittlerweile deutlich erkennbar, haben doch ausnahmslos alle QSD888-Geräte die gleichen Probleme dahingehend.
    Was dem ganzen irgendwie die Krone aufsetzt ist, dass im gleichen Atemzug beim S21 Ultra-Test der Exynos 2100 als Negativpunkt genannt wurde, da er angeblich weniger Leistung hat, als der 888, was auch nur bestenfalls für die ersten 30min gilt.


  • Langsam geht einem die Flut der schlecht supporteten, nahezu gleich ausgestatteten chinesischen Baukastensmartphones aus den Konzernen BBK und Xiaomi echt auf die Nerven. Die Datenschutzskanadale von One+, Xiaomi und Co scheinen auch niemanden mehr zu interessieren.....

    Naja, Samsung, Sony, Google oder, auf der anderen Seite, Apple haben wenigstens noch ein eigenständiges Design...

    Tim


  • Ist beim Galaxy s21 genau das selbe, die qualcom Geräte überhitzen nach 30 Minuten spielen.

    In fast jedem Benchmark Vergleich wirken die Exynos und qualcom erstmal ungefähr gleich, das selbe bei vielen Gaming vergleichen.


    Spielt man aber echt mal mehr als 30 Minuten bricht die Framerate eine. Die Exynos schaffste z.b 4h P G ab stück ohne wirkkiche Einbrüche, die 888 bricht nach ziemlich genau 30 Minuten ein, sieht aber kurz vorher noch etwas stabiler aus.

    Naja bin froh die Exynos zu haben, diese hat mich dieses Jahr vollkommen überzeugt.

    Auch ist die Exynos im Energiesparmodus ganz erheblich Leistungsfähiger als die Snapi 888.

    Seid dem ich via Galaxy Labs, ein persöhnlich einstellbares Thermal throtling betreibe, ist mein Ultra generell kalt, das funktioniert extrem gut.
    Dazu noch batterie guardian direkt von Samsung und die schon eh guten Akkuwerte wurden nochmal deutlich besser. 5h Display on und noch über 50% Akku sind bei mir schon standart, es reicht echt aus alle zwei Tage mal 20 Minuten an zu laden 😅.

    Im Fall s21 ist ganz klar die Exynos das bessere Chipset. Qualcom trickst etwas wodurch ein kaltes Gerät kurz etwas bessere Bench werte erzielt, aber das ist ganz schnell vorbei, sobald es einmal warm geworden ist.


    • Stimmt. Und trotzdem wird der Exynos immer noch als schlechter bezeichnet, weil man einfach nur kurze Benchmarks macht, die einem Gerät bestenfalls 10min Leistung abverlangen und bezeichnet den 888 dann als besser - die Hitzeprobleme werden fast immer ignoriert. Dabei sollten die Lauscher dahingehend eigentlich aufhören lassen, denn beim 810 hatte Qualcomm das exakt gleiche Problem und da war der Aufschrei zurecht groß.

      Dass der Exynos im Energiesparmodus mehr Leistung hat, dürfte eigentlich nicht sein. Benchmarks darfst du dafür nicht hernehmen, denn bei diesen deaktiviert Samsung gern den Energiesparmodus während er durchläuft.


  • Für ein einigermaßen solides Gerät in der oberen Mittelklasse (so jedenfalls stellt sich das für mich in diesem Artikel dar) ist der Preis doch etwas hoch, wie ich finde. Jedenfalls sehe ich den nicht unbedingt auf der Pro-Seite. Ein Galaxy S20 FE 5G wäre da der deutlich bessere Deal.


  • Irgendwie finde ich es seltsam bei der Bewertung die Power des 888 als + aufzuführen und gleichzeitig das throttling als -. Sowas gehört doch zusammen. Was nützt ein theoretisch schneller Prozessor wenn er die Leistung bei intensiven Gaming-Sessions nicht wirklich halten kann?
    Glaube kaum das es nur an OnePlus liegt. Bisher tritt die Problematik ja bei allen Geräten mit dem 888 auf.


    • Ja der Knaller ist ja das Mii11 was fast an die 70 grad kommt und auch sau schnell leer ist.

      Also das ist jenseits von gut und böse, das passierte mir noch nicht mals wenn ich eine mobile Dualcore von 600 auf 1200mhz übertaktet habe.

      Und für den Gerätepreis ist sicherlich auch die 888 und das qualcom monopol verantwortlich, das Gerät könnte gut und gerne 200€ weniger kosten.

      Das Spaltmaß vom Simkartenslot ist bei dem Preis genauso ein Ding was nicht sein darf, bei solchen Preisen darf man wie ich finde so etwas bemängeln.

      Tim


  • "Mehr Nord als Pro" ist aber schon arg überzogen, Nord ist ja wohl meilenweit noch entfernt von dem 9er, also bitte.. 😮

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