Realme C11 im Test: Wie günstig geht gut?

Realme C11 im Test: Wie günstig geht gut?

Schafft es Realme mit dem Einsteiger-Smartphone C11 endlich, die Smartphones unter 100 Euro auf ein neues Leistungslevel zu hieven? Schließlich kommt mit dem Helios G35 einer der neusten Mediathek-Prozessoren zum Einsatz. Diesen konzipiert der Hersteller vor allem für günstige Gaming-Smartphones und das klingt doch ziemlich vielversprechend! Abseits des Rechenkerns glänzt das Smartphone mit ikonischem Balken und viel zu großem Herstellerlogo auf der Rückseite mit einem großzügigen Akku, der stolze 5.000 Milliamperestunden bietet. Im Praxistest finden wir gemeinsam raus, wie gut sich der neue Prozessor im Realme-Smartphone schlägt.

Bewertung

Pro

  • Großer Akku mit 5.000 mAh
  • Solide Kamera
  • Schöne Kniffe im Betriebssystem

Contra

  • Lahme Performance
  • Alte Technik mit Micro-USB und ohne WiFi 5 und 6
  • Lautsprecher fast zu schwach für Klingeltöne

Realme C11: Preis und Verfügbarkeit

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von umgerechnet 89 Euro startete das Realme C11 im Juli in Indien. Ein wirklich guter Preis, der im knapp 6.000 Kilometer entfernten Deutschland nur um 10 Euro ansteigt. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt laut Herstellerangaben bei 99 Euro, im Netz gibt es das Handy bei vielen Onlineshops für Preise ab 120 Euro. Hier solltet ihr also aktuell den Onlineshop von Realme nutzen, bis die Preise bei Drittanbietern ein wenig fallen.

Zur Auswahl steht das Realme C11 in den Farben Mint Green und Pepper Grey. Den grünen Farbton seht ihr auf den Bildern in diesem Testbericht.

Hier überzeugt das Realme C11

Akkulaufzeit

Kurz nach der Vorstellung des neuen Pixel 5 erhielt Google im Netz viel Lob für den vergrößerten Akku. Im Angesicht zum Realme C11 kann das neue Pixel-Smartphone aber noch lange nicht mithalten. Denn wieder schafft es sein Hersteller, satte 5.000 Milliamperestunden in ein günstiges Handy zu packen. Diesen Spagat schaffte schon Huawei im Honor 9A und auch bei Realme sorgt der Akku für ein mit 9,1 Millimetern vergleichsweise dickes Gehäuse.

NextPit Realme C11 usb
Bei Realme sorgt der Akku für ein vergleichsweise dickes Gehäuse / © NextPit

Wen das nicht stört, der wird das C11 bei normaler Nutzung bis zu zwei Tage ohne Steckdose betreiben können. Mit normaler Nutzung meine ich dabei das gelegentliche Surfen, Telefonieren, Fotografieren und Nachrichtenschreiben, das im Alltag eben so anfällt. Natürlich sinkt die Akkuanzeige stärker, wenn Ihr das Smartphone als mobile Spielekonsole nutzt oder die Videofunktionen der Dual-Kamera dauerhaft beansprucht. Da die meisten Nutzer Ihr Handy ohnehin jede Nacht laden, bringt der Akku eher in Ausnahmesituationen einen echten Vorteil. Verreist Ihr und seid dabei zwei Tage unterwegs, könnt Ihr die Powerbank mit ein wenig Sparsamkeit zu Hause lassen.

Die Akkulaufzeit sollte aufgrund des moderneren, und laut Herstellerangaben energiesparenderen, Prozessors sogar über der des Honor 9A liegen. In der Praxis ließ sich aber kein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Geräten feststellen. Leider behält diese Aussage ihren Wahrheitsgehalt auch beim Aufladen der Akkus. Wie das 9A verfügt das Realme C11 über einen Micro-USB-Anschluss und lädt mit nur 10 Watt gähnend langsam. Wer das Handy nicht über Nacht beim Schlafen lädt, sitzt gute drei Stunden wartend neben dem Smartphone.

Gesprächsqualität

Wenn Hersteller bei ihren Handys schon aus Kostengründen Funktionen streichen, dann sollten die Grundfunktionen umso mehr überzeugen. Hier überzeugt das Realme C11 mit einer überraschend klaren Gesprächsqualität, die sowohl mich als auch meine Gegenseite überzeugte. Auffälliges Rauschen ließ sich im Gespräch nicht verzeichnen und auch Hintergrundgeräusche entfernte das Smartphone zuverlässig. Bezüglich der Telefonie muss ich zudem den Dual-SIM-Schacht mit zwei Standby-SIM-Schächten erwähnen. Viel länger will ich Euch mit diesem Thema aber nicht langweilen – wer telefoniert schon noch im Jahre 2020?

NextPit Realme C11 back
Das Logo auf der Rückseite ist alles andere als dezent / © NextPit

Betriebssystem und Software-Funktionen

Viel wichtiger sind heutzutage die kleinen Tweaks und Details, mit denen Betriebssysteme glänzen. Hier verbirgt sich hinter der Realme UI eine wahre Goldgrube an Kniffen, die das Smartphone gerne ein wenig mehr bewerben könnte. Entscheidet Ihr Euch zum Kauf des Realme C11, solltet Ihr Euch zur Einrichtung ein paar Minuten Zeit nehmen, um durch die Einstellungen durchzusteigen.

Die in Android 10 eingeführte Gestensteuerung konnte ich nach vorangegangener Ernüchterung so doch noch finden und durch diese wirkt das Smartphone gleich ein wenig moderner. Ebenfalls entdeckte ich einen sehr gelungenen Darkmode und Gesten, mit denen sich das Handy im ausgeschalteten Zustand steuern lässt. Während viele Smartphones im Standby höchstens auf Klopfsignale zum Aufwecken reagieren, könnt Ihr Gesten auf das dunkle Display zeichnen, um bestimmte Aktionen auszulösen. Das ist natürlich keine Weltneuheit, doch gewinnt das Realme C11 hierdurch deutlich an Charme hinzu.

Ohnehin ist das installierte Android-10-Betriebssystem gelungen und vor allem topaktuell. Während des Tests Ende September erhielt das Smartphone den im August erschienenen Sicherheits-Patch seitens Google. Realme kündigte zudem an, dass seine Oberfläche Realme UI 2.0 auf Android 11 basiere und veröffentlichte diesbezüglich eine Roadmap. Auf dieser ist das Realme C11 leider nicht zu finden und auch eine Mitarbeiterin bestätigte im Realme-Forum, dass Android 11 für das Einteiger-Smartphone nicht bestätigt sei. Schade, denn hier verschenkt Realme einen großen Pluspunkt.

Kamera

Es gab Zeiten, da waren Smartphone-Kameras noch einfach. Man öffnete die App, nahm ein Foto auf und dieses war schon irgendwie in Ordnung. Inzwischen ist die Bedienung mancher Kamera-Smartphones fast so kompliziert, wie der Betrieb einer "richtigen" Kamera. Aus diesem Grund ist die Dual-Kamera des Realme C11 eine erfrischende Abwechslung.

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Die Hauptkamera mit 13 Megapixeln liefert scharfe und natürliche Aufnahmen / © NextPit

Denn die zweite Linse dient lediglich zur Unterstützung als Tiefensensor und fügt dem Funktionsumfang keine alternativen Brennweiten hinzu. Die Auflösung von 13 Megapixeln bei der Hauptkamera reicht für die bloße Ansicht und das Ausdrucken in kleineren Formaten vollkommen aus. Besonders lichtstark ist die Kamera mit f/2.2 allerdings nicht.

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Zoomen könnt Ihr mit dem Realme C11 im Grunde genommen vergessen. Selbst bei niedrigen Zoomstufen nimmt die Qualität stark ab / © NextPit

Die funktionsberaubte Kamera liefert gute Ergebnisse und ist leicht zu bedienen. Wer jetzt sofort die Mistgabeln herausholt, sollte einmal an nicht ganz so technisch versierte Nutzer denken. Um nur mal eben eine Erinnerung festzuhalten oder per WhatsApp ein Bild zu schicken, reichen sowohl die Qualität als auch der Funktionsumfang aus. Real(m)y easy!

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Hauttöne nimmt das Realme C11 recht blass auf, die Details gehen aber sowohl bei der Frontkamera (rechts) und bei der Hauptkamera samt Porträtmodus (links) in Ordnung / © NextPit

Hier überzeugt das Realme C11 nicht

Performance und Langlebigkeit

Jetzt ist Zeit für Mistgabeln, denn in puncto Performance muss ich das Smartphone nach heutigen Maßstäben messen. Grundlegend sollte ein Smartphone direkt nach dem Auspacken zumindest das Betriebssystem und rudimentäre Funktionen ohne Ruckler und mit akzeptablen Ladezeiten bewältigen. Und genau hier gibt es beim Realme C11 Probleme, denn das Handy ist, gelinde gesagt, saulangsam!

Um das zu demonstrieren, habe ich mir ein kleines Ben(ch)mark überlegt: Die linke Hand am Realme C11 habe ich Apps geöffnet und zeitgleich mit der rechten Hand die Zeit gestoppt. Als Praxiseindruck habe ich dabei Arbeitsabläufe gestoppt. Los geht’s:

Um die neusten News auf NextPit zu lesen, entsperre ich das Realme C11 mit meinem Gesicht (2 Sekunden Wartezeit) und öffne den Chrome-Browser (3,2 Sekunden Wartezeit) und gebe anschließend die URL ein. Möchte ich ein Selfie erstellen, nutze ich im Standby-Screen eine Geste. Bis sich die Kamera öffnet, vergehen dabei 6,5 Sekunden. Das Umwechseln auf die Selfie-Kamera benötigt weitere 2 Sekunden und die Aufnahme erfolgt ohne weitere Verzögerung. Gelegentlich treten aber auch hier heftige Ruckler auf. Zu guter Letzt öffne ich den Google Assistant und öffne die YouTube-App per Sprachbefehl. Bis die App auf dem Screen erscheint vergehen dabei 15 Sekunden.

NextPit Realme C11 front camera
Die Gesichtsentsperrung dauert vergleichsweise lang. / © NextPit

Für sich allein wirken die Ladezeiten nicht sonderlich lang, doch zusammengerechnet hat man das Gefühl, ständig auf das Smartphone zu warten. Diesen Eindruck scheinen auch Nutzer im Realme-Forum zu haben, die nach Lösungen für die zähe Performance fragen. Dabei kommt die Frage auf, wie sich das leistungsschwache Smartphone bei längerer Nutzung schlägt.

Denn dass ein Smartphone ohne zusätzliche Apps ruckelt, ist nie ein gutes Zeichen. Tummeln sich nach einem halben Jahr hunderte Fotos auf dem internen Speicher und installiert Ihr ein paar zusätzliche Apps, verlieren Smartphones zusätzlich an Geschwindigkeit. Beim Realme C11 ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihr Euch dann nach einem neuen Smartphone sehnt – und das solltet Ihr auch bei einem 100-Euro-Handy nach so kurzer Zeit nicht tun.

Da der Mediatek Helio G35 als Gaming-Prozessor gehandelt wird, kurz noch ein paar Worte zu Mobile Games. Call of Duty: Mobile ist mit geringen Grafikeinstellungen zwar spielbar, Ruckler finden sich aber auch hier. Diese treten vor allem dann auf, wenn Ihr aus der App auf dem Home-Screen wechselt. Bei Multitasking ist mit nur 2 Gigabyte Speicherplatz also endgültig Schluss.

Technik

Denn die Technik des Smartphones ist abseits des Prozessors ziemlich altbacken. Die bereits erwähnten 2 Gigabyte Arbeitsspeicher sind laut Systemanalyse stets zu 80 Prozent belegt und auf einen Fingerabdrucksensor müsst Ihr weder am Gehäuse noch unter dem 6,5-Zoll-IPS-Display komplett verzichten. Mit WiFi 802.11 b/g/n stehen weder WiFi 6, noch WiFi 5 zur drahtlosen Kommunikation bereit und kabelgebunden wirkt uraltes USB 2.0 per Micro-USB schon fast wie charmante Retro-Technologie.

NextPit Realme C11 side
Die Technik des Realme C11 wirkt leider veraltet / © NextPit

Das sind die auf Dauer schmerzhaften Abzüge, die man beim Kauf eines derart günstigen Smartphones noch immer akzeptieren muss. Sie sorgen dafür, dass das Realme C11 neben modernerer Technik wie aus der Zeit gefallen wirkt und wieder bereitet mir die langzeitliche Zufriedenheit Sorgen. 

Integrierter Speaker

Bevor wir unter diesen Testbericht einen Strich ziehen, noch ein paar Worte zum installierten Lautsprecher. Hier nutzt Realme einen einzelnen Mono-Lautsprecher, der nach unten aus dem Gehäuse feuert. So lustlos, wie diese Beschreibung klingt, tönt auch der Speaker. Musik klingt auffallend leise und besitzt Bässe, noch Höhen. Dabei ist der Speaker derart schwach, dass selbst Klingeltöne überraschend leise sind. Die Auswahl eines besonders schrillen Tons ist daher ratsam, sonst buhlt das Realme C11 im Nebenraum womöglich umsonst um Eure Gunst!

Abschließendes Urteil

Das Realme C11 bietet für knapp 100 Euro einen ziemlich lückenhaften Funktionsumfang und schneidet in puncto Leistung ebenfalls mittelmäßig bis schlecht ab. Lediglich der große Akku, die akzeptable Kamera und das schöne Betriebssystem bleiben positiv in Erinnerung. Das ist schade, machte der neue Mediatek-Prozessor ganz zu Beginn noch große Hoffnungen. Doch da selbst das unangetastete Betriebssystem kurz nach dem Auspacken ruckelt, leuchten meine Alarmglocken hinsichtlich der langzeitlichen Zufriedenheit nach dem Kauf. Wer sein Smartphone täglich nutzt und im Alltag darauf angewiesen ist, sollte noch ein paar Wochen sparen und zu einer Alternative greifen. Wollt Ihr Eltern im Seniorenalter oder Kindern aber einfach nur ein Handy bereitstellen, wird das Realme C11 genau dann interessant, wenn Ihr von einem Gebrauchtkauf absehen wollt.

Alternativen zum Realme C11

In der Preisklasse um und unter 100 Euro gibt es mit dem Honor 9A oder dem Alcatel 1S zwar durchaus Alternativen, diese plagen aber dieselben Dämonen. Micro-USB und ruckelnde Betriebssysteme treibt Ihr erst mit dem Kauf von teureren Smartphones aus. Ab 150 oder 200 Euro erwarten Euch dann Geräte wie das Alcatel 3L oder das Motorola Moto G8 Power, die wahre Meister Ihrer Klasse sind. Zu weiteren Alternativen raten wir Euch in der Bestenliste der Smartphones unter 200 Euro.

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1 Kommentar

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  • Für 100 € kann man ja nicht viel erwarten aber fürs normale wie Internet, WhatsApp und einfache Spiele zwischendurch und telefonieren gehen diese Geräte in Ordnung. Freundin hat das Doogee X95 seit März und ist auch zufrieden. Fotos reichen für Facebook und WhatsApp. Sehr schöner und detaillierter Bericht. Cubot bietet fürs gleiche Geld auch sehr alltagstaugliche Smartphones an oder Blackview.