Soundcore Liberty Air 2 Pro im Test: Erstklassiges Preis-Leise-Verhältnis

Update: Jetzt mit offizieller Firmware
Soundcore Liberty Air 2 Pro im Test: Erstklassiges Preis-Leise-Verhältnis

Wenn Soundcore neue True-Wireless-Kopfhörer vorstellt, sollte man langsam aber sicher aufhorchen. Denn mit den Liberty Air 2 Pro vereint der Hersteller die Qualitäten der Liberty-Modelle 2 Pro und Air 2 und verlangt dafür nicht mehr als 130 Euro. Im Test hinken die kabellosen In-Ear-Kopfhörer trotz vieler Qualitäten im Vergleich zu anderen Modellen leider in einem Aspekt hinterher.

 

Bewertung

Pro

  • Guter Klang dank Equalizer und Hear-ID
  • Lange Akkulaufzeit
  • Effektives ANC
  • Kompakt, sowohl Earbuds als auch Case
  • Schnelles Pairing mit Auto-Play

Contra

  • Kein Multi-Pairing per Bluetooth
  • Nur nach IPX4 wasserdicht
  • ANC knistert ohne Musik (Vorbehalt, da Beta-Produkt)

Vorab-Gerät und für wen sich die Kopfhörer eignen

Da Anker uns die Kopfhörer vor der Vorstellung am 12. Januar 2021 zur Verfügung stellte, musste ich die Kopfhörer vorerst mit der Beta-Version der Soundcore-App testen. Kurze Zeit später waren die True-Wireless-Kopfhörer jedoch auch mit der herkömmlichen App nutzbar, sodass ich diesen Testbericht genau eine Woche nach dem Release noch einmal angepasst habe. Die nachfolgenden Infos habe ich jeweils noch einmal überprüft und falls nötig angepasst.

Ganz grundlegend sollten sich all diejenigen die Liberty Air 2 Pro anschauen, die nach kompakten True-Wireless-Kopfhörern mit aktiver Geräuschunterdrückung und einer guten Akkulaufzeit suchen. Soundcore positioniert sich wie bei den Over-Ear-Headphones Life Q30 wieder einmal sehr stark im Bereich der Preis-Leistung und die Rechnung geht auch hier auf. Denn für die unverbindliche Preisempfehlung von 129,99 Euro bieten die Liberty Air 2 Pro viele Qualitäten, die Ihr sonst nur in High-End-Modellen findet.

Die AirPods Pro beispielsweise kosteten zu ihrer Markteinführung knapp 270 Euro und selbst die schon recht günstigen Huawei FreeBuds Pro schlägt Soundcore noch einmal um knapp 50 Euro. Einen Vergleich zu diesen Alternativen ziehe ich immer wieder, da ich mir als Test-Partner mit Johanna ein Apple-Fangirl und mit Antoine einen Kopfhörer-Nerd zur Seite gestellt habe. Die beiden haben jeweils eigene Versionen der Kopfhörer bekommen, da Soundcore uns mehrere Modelle geschickt hat.

Unterschiede zu den bekannten Modellen

Seid Ihr bereits Soundcore-Kenner, will ich die Liberty Air 2 Pro noch kurz im Lineup des Herstellers verorten. Denn wie die Namensgebung bereits andeutet, sind die neuen True-Wireless-Kopfhörer ein Hybrid aus den Modellen “Soundcore Liberty 2 Pro” (129,99 Euro) und “Soundcore Air 2” (99,99 Euro).

Das Ladecase erinnert mit seinem Schiebe-Mechanismus an das der Liberty 2 Pro und von hier überträgt Soundcore erfreulicherweise das Wireless-Charging per QI-Standard und die Erstellung einer eigenen Hear-ID. Einen deutlichen Unterschied gibt’s aber im Design der Earbuds selbst. Denn während die Hörer der Liberty 2 Pro eher an die Sony WF-1000XM3 erinnern und somit vergleichsweise klobig ausschauen, sind die neuen Air 2 Pro dezent und mit Stiel.

Das Design der Kopfhörer an sich hat Soundcore somit eher an den Liberty Air 2 orientiert. Diese orientieren sich eher am Design der Apple AirPods, die mit einem kleinen Stiel aus dem Ohr herausragen. Auch hier gab’s bereits Hear ID, das Case verfügt aber über einen Klappmechanismus – die bekannte Zahnseiden-Analogie liegt nicht allzu weit fern.

Ganz neu für einen True-Wireless-Kopfhörer von Soundcore ist allerdings das integrierte Active Noise Cancelling. Die aktive Geräuschunterdrückung findet immer häufiger Einzug in Kopfhörer und zuletzt konnte Soundcore David damit im Testbericht zu den Life Q30 überzeugen. Ob das ANC hier genauso gut oder gar besser arbeitet?

Pro: "Still got the blues ..."

Klangqualität

Kommen wir gleich zu, denn bevor es leise wird, soll es erst einmal laut werden. Für meine Testberichte zu Kopfhörern, Lautsprechern und sonstigen Audio-Geräten reiche ich immer gerne Playlisten mit der Musik, an denen ich die Klangqualität des jeweiligen Gerätes gemessen habe. Zum Zuhören braucht Ihr später einen Spotify-Account oder Ihr gebt die Titel bei YouTube ein.

NextPit Soundcore Liberty Air 2 Pro Case
Das Case geht mit einem Schiebe-Mechanismus auf, das bereits das Pairing zum Smartphone auslöst.  / © NextPit

Bei meiner Playlist habe ich versucht, einen guten Genremix hinzubekommen und auch darauf zu achten, dass der jeweilige Song auch in guter Tonqualität, also möglichst keine Live-Aufnahmen oder verrauschte Plattendigitalisierungen, besitzt. Bevor wir tiefer in die Songs eintauchen, noch ein wenig etwas zur Technik.

Kurz zur Technik:

Soundcore nutzt in den Liberty Air 2 Pro Treiber mit der eigenen Purenote-Technologie, die 11 Millimeter im Durchschnitt messen. Die Treiber durch das Auftragen zehn gehärteter Nanoschichten eines nicht weiter benannten Materials optimiert worden sein. PureNote analysiert zudem das Klangprofil der Musik in Echtzeit und soll den Bassanteil der Musik um 45 Prozent und Klangfrequenzen um 30 Prozent erweitern.

Das soll für mehr Klarheit und mehr Präzision bei der Ausgabe von Schallwellen sorgen – da die Liberty Air 2 Pro allerdings mit einem Frequenzbereich von 20 Hz - 20 kHz arbeiten, ist es fraglich, ob PureNote da tatsächlich für einen signifikanten Unterschied sorgt.

Rein technisch ist im Vergleich zu vielen anderen Soundcore-Modellen auffällig, dass die Liberty Air 2 Pro den Musikcodec aptX nicht unterstützen. Dieser sorgt im Verbund mit Android-Smartphones vor allem für eine geringere Latenz, wodurch sich aptX-kompatible Kopfhörer zumeist besser für Gaming-Smartphones eignen. Ein Audio-Sync-Test auf YouTube zeigte aber keine sonderlichen Makel bei der Synchronisation von Audio und Ton. Darüber hinaus hat Soundcore zumindest an AAC gedacht, ein Codec der sich zumindest auf iPhones und Androiden gleichermaßen funktioniert.

Weitere technische Daten findet Ihr ganz unten im Testbericht, denn womöglich interessiert das die meisten Leser und Leserinnen weniger. Kommen wir daher zu dem, was wirklich zählt: Der Musik!

Praxis-Hörtest

Kommen wir endlich zum Klangtest der Kopfhörer und zum bereits erwähnten Spotify-Embed. Hier könnt Ihr die einzelnen Titel anklicken:

Inca Roads von Frank Zappa

Starten wir mit dem Titel “Inca Roads” von Frank Zappa, da es gleich in den ersten Takten viel über die Dynamik und über die Klarheit von Kopfhörern erzählt. Hier achte ich in der Regel darauf, wie klar sich die einzelnen Instrumente unter dem von links nach rechts wechselnden Synthesizer-Sound heraushören lassen. Die Aufgabe meistern die Liberty Air 2 Pro gut. Im Hintergrund sind Ruth Underwoods Vibraphone-Parts gut zu hören und auch das Crash-Becken gleich zu beginn bleibt schön lange erkennbar.

Mit den bereits an meine Ohren und Vorlieben angepassten Equalizer zeichnen sich auch die Bassspur sowie die Base-Drum des Schlagzeugs gut ab. Sobald der Gesang einsetzt freue ich mich zudem darüber, wie schön die Kopfhörer den im Stereoklang und im Beat leicht versetzten, mehrstimmigen, Gesang auflösen. Man spürt den gehauchten Gesang fast am Ohr.

Inca Roads ist sehr vielschichtig und Kopfhörer eignen sich sehr gut dazu, um diese Vielschichtigkeit wahrzunehmen. Da Frank Zappa besessen von der maximalen Aufnahmequalität war, sind Unklarheiten dabei ziemlich sicher nicht der Aufnahme geschuldet. Ein Lob an Soundcore!

NextPit Soundcore Liberty Air 2 Pro Earbuds 2
Die 11 Millimeter großen Treiber produzieren einen klaren und druckvollen Klang. / © NextPit

Im Lied “Knots” von Gentle Giant wird selbiges noch einmal deutlicher. Die verwirrenden Xylophon-Klänge purzeln förmlich durch den Raum, als würden die Musiker hinter Euch stehen. Wenn knapp bei 1.40 Minuten die ganze Band einsetzt wird zusätzlich die Breite des Klangs schön deutlich.

Autumn Leaves von Ryo Fukui

Die Klarheit der Kopfhörer lässt sich auch gut in Ryo Fukuis Interpretation des Jazz-Standards Autumn Leaves heraushören. Sein Trio besteht aus ihm selbst am Klavier, einem Kontrabassisten und einem Jazz-Drummer. In der Aufnahme verteilen sich die Keys gleichmäßig auf beide Ohren, während der Kontrabassist eher auf dem linken Kanal und der Drummer eher rechts steht.

Die Positionierung der Musiker im virtuellen Raum schaffen die Kopfhörer gut und besonders schön geben sie Nuancen wieder. Das gelegentliche Streicheln des Drumsticks über das Ride-Becken des Drummers oder die leichten Schläge auf dem Kontrabass (gerade beim Solo ab 4.20 Minuten). Macht Spaß!

Xanny von Billie Eilish

Natürlich wollen wir nicht nur Opa-Musik hören, bei der die Musiker recht bunt über das gesamte Spektrum von Tief über Mitten zu Höhen verteilt sind. Billie Eilish übertreibt es mit der Neigung zum Bass gerne und hier können wir gut schauen, ob die Kopfhörer übersteuern. Das Lied Xanny beginnt mit einem ultratiefen Bassspiel, bei dem sich zwischendurch ganz nuancierte Bassschläge ausmachen. Hier machen die Liberty Air 2 Pro gut mit und mir persönlich ballern die Kopfhörer fast zu sehr ins Kleinhirn. So sagt man das doch in Fachkreisen, oder?

Ist das Intro vorbei, dreht Billie noch ein wenig mehr auf und hier arbeitet sie mit ihrem Bruder Finneas bewusst in einem Gain-Bereich, bei der die Musik übersteuert klingt. Trotz Stilmittel habe ich aber schon Speaker gehört, die die Stimme der Musikerin hier noch klar trennen konnte. Das funktioniert bei Soundcore nicht zu 100 Prozent.
Der Titel ist aber auch recht schwierig, da er neben dem Equipment auch den Hörer an die Belastungsgrenze bringt. Beim Ausprobieren habe ich die Kopfhörer natürlich voll aufgedreht und machte mir ein wenig Sorgen um meine Gesundheit.

Giorgo by Marauder - Daft Punk

Ebenfalls basslastig aber sicher ein wenig sauberer produziert: Giorgo by Marauder von Daft Punk. Beim Electro-Track überzeugen die Kopfhörer im Bassbereich, selbst wenn ich von meiner Vorliebe für Höhen und Mitten im Equalizer abweiche und voll auf Bass setze. Während der Bass nicht zum Übersteuern neigt, kann ich mir vorstellen, dass es einigen Hören sogar zu wenig ist.

Antoine beschreibt sich selbst eher als Bass-Fan und hätte sicher eine Hip-Hop-lastigere Playlist zusammengeschustert. Standardmäßig waren ihm die Bässe bei den Kopfhörern zu wenig potent und aus seinen Erfahrungen sprach er von einer Standard-Konfiguration, die den meisten Nutzern gefallen soll. Doch das ist nicht weiter schlimm, denn wie schon bei den Life Q30 holt Soundcore viel durch Equalizer heraus.

Equalizer und Hear-ID

In der Soundcore-App, die ich aufgrund der Bereitstellung der Kopfhörer vor offiziellem Erscheinen in der Beta-Version betreiben musste, findet Ihr einen 8-Band-Equalizer. Hierdurch könnt Ihr den Frequenzbereich bei 100, 200, 400, 800, 1.600, 3.200, 6.400 und 12.800 Hertz von +6 bis -6 Dezibel anpassen. Der Equalizer ist effektiv, liefert für Überforderte aber keinerlei Presets. Diese könnt Ihr Euch aber selbst erstellen und für die Ewigkeit abspeichern.

HearID
Mit der Hear-ID könnt Ihr ein Profil erstellen, das an Euer Ohr angepasst ist. / © Soundcore / Screenshot: NextPit

Alternativ zum Equalizer bietet Soundcore in den Liberty Air 2 Pro erfreulicherweise sein Feature Hear ID an. Wie bei einem medizinischen Hörtest müsst ihr zur Einrichtung Töne wahrnehmen und angeben, wann Ihr einen Ton nicht mehr hören könnt. Das Prozedere dauert knapp fünf Minuten und wird für jedes Ohr einzeln durchgeführt.

Zufälligerweise habe ich vor knapp einem Jahr einen medizinischen Hörtest gemacht und dort gab es keine Auffälligkeiten. Mein Gehör ist überdurchschnittlich gut, sagte meine Ärztin und dementsprechend konnte ich 95 Prozent der Töne im Hear-ID-Check hören. Mein Equalizer war daher recht flach, doch die Klangqualität verbesserte sich im Vergleich zur Standard-Konfiguration merklich.

Zumal Soundcore hier nicht aufhört: Ausgehend von Eurer Hear-ID könnt Ihr die Einstellungen in den 8 Frequenzbändern noch einmal an Eure eigenen Vorlieben einstellen. Dann sogar für jedes Ohr einzeln und hier finden sich dann auch 21 Presets, die von Rock über Spoken Word bis hin zu Podcasts reichen.

Die Soundcore-App ist wirklich gelungen und durch die ganzen Einstellungsmöglichkeiten echt Spaß! Kopfhörer-Neulinge haben dabei die Möglichkeit, eigene Vorlieben zu entwickeln und müssen sich nicht mit den an Bass-Liebhaber orientierten Presets vieler anderer Hersteller gewöhnen.

Halt und Passgenauigkeit

Doch Gespräche mit meinen Kollegen und Freunden zeigen immer wieder, dass die Klangqualität gar nicht mehr die Hauptsache bei Kopfhörern ist. Die digitalen Wahnsinnigen unserer Zeit (wie ich!) haben Kopfhörer gerne mal den lieben langen Tag im Ohr. Im Testzeitraum habe ich bei einem Musik- und Podcast-Marathon an einem Tag knapp 10 Stunden Nutzungsdauer erreicht.

Das ist bei In-Ear-Kopfhörern wie den Liberty Air 2 Pro nicht immer angenehm. Ich habe offenbar ein 0815-Ohr und konnte mit den vorinstallierten Aufsätzen einen guten Mittelpunkt aus Bequemlichkeit und Halt genießen. Selbst beim Joggen hatte ich nie das Gefühl, dass die Kopfhörer aus dem Ohr rutschen und nach einiger Eingewöhnung war ich sogar selbstbewusst genug, um mich mit den Soundcore Liberty Air 2 Pro über die Spüle zu beugen.

Johanna hingegen fand in den acht Paaren (!) an mitgelieferten Aufsätzen (zusammen mit den vorinstallierten sind's 9) keinen einzigen, der ihr so richtig passen wollte. Auch Antoine hatte das Gefühl, dass die Liberty Air 2 Pro zu wenig Halt böten und wünschte sich entweder größere Ohrstöpsel oder eine zusätzliche Halterung.

Dennoch muss man Soundcore anrechnen, dass sie überdurchschnittlich viele Aufsätze mitliefern. Diese bestehen allerdings offenbar allesamt aus Silikon und nicht aus Memory Foam. Letzterer passt sich ein wenig besser an den Gehörgang des Trägers an, die Silikonaufsätze vertrauen ein wenig mehr auf den Druck, der beim Einstecken entsteht.

Akkulaufzeit

Bei meinem 10-stündigen Tragemarathon habe ich die Kopfhörer nur ein einziges Mal wieder in die Ladeschale legen müssen. Denn die Akkulaufzeit von knapp 6 Stunden bei der Nutzung im Ohr, die Soundcore uns vorab verriet, ist auch in der Praxis realistisch. Die Lautstärke war dabei moderat und ANC überwiegend aktiv.

Mit dem Ladecase könnt Ihr die Kopfhörer ganze dreimal wieder aufladen. Anker spricht zudem von einer Schnellladefunktion, durch die Ihr Ihr bei einer zehnminütigen Aufladung ganze zwei Stunden Ladezeit rausholen sollt. Ob sich das auf das Einlegen der Earbuds ins Case oder auf das Anstecken des Lade-Etuis über seinen USB-C-Port bezieht, lässt sich ohne weitere Angaben schlecht nachvollziehen.

Ich gehe aber davon aus, dass Soundcore die Aufladung des Ladecase meint – die Kopfhörer selbst laden aber auch ausreichend schnell. Wenn ich die Kopfhörer einmal bei Nichtbenutzung zurückgelegt habe und anschließend wieder brauchte, waren sie ausreichend voll aufgeladen, um keine Probleme zu bekommen. Da wohl die meisten Nutzer die Kopfhörer zwischendurch immer mal wieder in das Lade-Etui legen, wird die Nutzung recht selten von der monotonen “Battery Low”-Durchsage durchbrochen.

Kompaktes Gehäuse mit Wireless-Charging

Kurz noch ein paar Worte zum Case! Dieses ist von knapp 6,5 x 6 x 3 Zentimetern klein genug, um in der Hosentasche nicht viel Platz einzunehmen. Zum Herausnehmen der einzelnen Earbuds müsst Ihr den Deckel nach hinten aufschieben, was zuerst ein wenig ungewöhnlich ist, sich mit der Zeit aber als sehr praktisch herausstellt. Denn es ist kein Problem, das Gehäuse mit einer Hand aufzuschieben und wieder zu schließen. 

NextPit Soundcore Liberty Air 2 Pro Groesse
Das Lade-Case der Liberty Air 2 Pro ist schön klein. / © NextPit

Als kleines Extra unterstützt das Lade-Case kabelloses Aufladen nach dem Qi-Standard. Für den Test habe ich es auf eine Smartphone-Halterung gelegt und schon indizierten die drei LEDs an der Vorderseite die Aufladung. Noch praktischer ist das, wenn Euer Smartphone Reverse-Wireless-Charging unterstützt und Ihr es durch Auflegen auf das Handy laden könnt.

Verbindung zum Handy

Dieser Testbericht wird so langsam zu lang, aber ein Detail möchte ich dennoch nicht missen. Die Verbindung der Kopfhörer zu gepaarten Smartphones ist schon fast "Apple-esque". Lade-Etui aufschieben und die Kopfhörer suchen sich die Verbindung zum Handy. Anschließend steckt Ihr beide Kopfhörer ins Ohr und dank der Trage-Erkennung wird die Musik auch direkt wiedergegeben. Das ganze läuft sowohl unter Apples iOS als auch unter Android erstaunlich gut und wirft die Frage auf, warum das nicht immer so sein kann?

Schön ist auch, dass die Trage-Erkennung per Druck und nicht über einen Näherungssensor funktioniert. Somit könnt Ihr die Kopfhörer im Mono-Modus, also beim Tragen eines Kopfhörers, auch auf den Tisch legen oder in die Tasche stecken und braucht nicht gleich zu befürchten, dass die Musik ständig ausgeht.

Telefonie

Auch telefoniert habe ich häufiger mit den True-Wireless-Kopfhörern. Die Gesprächsqualität war dabei auf meiner Seite sehr gut und die Gegenseite merkte nicht einmal, dass ich statt meines Handys einen Kopfhörer zum Telefonieren nutzte. Lediglich dass ich meine eigene Stimme baubedingt nicht so gut hören konnte, störte mich ein wenig.

Hier bin ich zwiegespalten

ANC

Die Liberty Air 2 Pro sind Soundcores erste In-Ear-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung. Die Erwartungen waren durch meine Erfahrungen mit den Soundcore Life Q30 weniger hoch. Meiner Meinung nach bieten die Over-Ear-Kopfhörer ein eher mittelmäßiges ANC.

Wirklich vergleichbar ist die aktive Geräuschunterdrückung der beiden Geräte aber schon baubedingt nicht. Denn die Liberty Air 2 Pro bieten als In-Ear-Kopfhörer schon eine grundlegende passive Abschirmung, die bei meinen Ohren normal und in Antoines Ohren zu gering war. Schaltet Ihr dann aber das ANC zu, ergibt sich meiner Meinung nach eine gute Geräuschunterdrückung.

Diese ist effektiv genug, als dass ich Lautsprecherdurchsagen im Supermarkt nicht mehr verstehen konnte. Auch der Verkehrslärm bei einer kleinen Fototour wurde bei leiser Musik bis auf ein Minimum reduziert. Während ich diesen Test schreibe, habe ich die In-Ear-Kopfhörer ebenfalls im Ohr und das nervöse Getippe auf meiner Logitech MX Keys ist weniger als halb so laut.

Allerdings vernehme ich bei aktivem ANC ohne musikalische Zuspielung ein klar wahrnehmbares Knistern. Der Verdacht, dass dies noch an der Beta-Software im ersten Testdurchlauf lag, bestätigte sich nicht. Auch mit der neusten Firmware nach dem Release wird das ANC stets von einem Knistern begleitet.

Gerade auf dem linken Ohr klingt es, als würde ein kleines Feuer in meinem Ohr brennen und gerade diese Einseitigkeit stört mich. Das Knistern ist dabei sogar leicht wahrnehmbar, wenn man leise Musik hört und hierdurch schalte ich das ANC leider häufig aus.

NextPit Soundcore Liberty Air 2 Pro Case 2
Über kleine Kontakte werden die Soundcore Liberty Air 2 Pro geladen. In das Case schnacken sie dank Magneten fest ein. / © NextPit

Kombinierte ich das ANC zusammen mit Musik, konnte ich die Umgebung aber dennoch sehr effektiv und gut ausblenden. Nicht einmal das Klingeln eines Paketboten konnte ich hören und selbst auf plötzliche Geräusche wie das Hupen eines Autos reagierten die Kopfhörer zuverlässig. Es ist schön zu sehen, dass ANC im Preisbereich um die 100 Euro (die Kopfhörer werden sicher schnell im Preis fallen) inzwischen ganz gut sein kann. Nur für komplette Stille ohne Musik reicht es wohl noch nicht ganz. 

Der Transparency-Modus gefällt mir bisher zudem bei keinem Anker-ANC-Kopfhörer. Hier mag ich es persönlich, wenn die Umgebung schon fast wie bei einem Hörgerät durchscheint und diese Gefühl ist mir dabei einfach zu schwach. Der dedizierte Modus für Stimmen hat meiner Einschätzung nach auch keinen sonderlich großen Effekt. Nichts für Hobby-Spitzel am Nachbartisch oder an der Supermarktkasse.

Contra: "Not quite my tempo ..."

Keine Multi-Pairing per Bluetooth

Sehr schmerzlich vermisse ich bei den Soundcore Liberty Air 2 Pro allerdings die Möglichkeit, mehrere Bluetooth-Geräte gleichzeitig zu verbinden. Denn die Life Q30 sowohl mit dem Handy als auch mit dem Notebook koppeln zu können, macht das Privat- und Arbeitsleben deutlich einfacher. Soundcore hat also schon die Technologie, um die Wiedergabe auf zwei Geräten zu erkennen und automatisch wechseln zu können.

Warum es das Feature in den neuen True-Wireless-Kopfhörern nicht gibt, ist mir da ein Rätsel und das ist womöglich einer der großen Kritikpunkte. Denn so bringt Soundcore Kopfhörer heraus, denen ein Feature fehlt, das Apple schon lange beherrscht und das Samsung Gerüchten zufolge auch in seinen neuen Galaxy Buds Pro integrieren wird.

Nervige Eigenwerbung in der App

Erschreckend musste ich auch feststellen, dass Soundcore in der eigenen App für seine eigenen Produkte wirbt. Über das Benachrichtigungssymbol könnt Ihr Ankündigungen wie die Vorstellung neuer In-Ear-Kopfhörer am 12. Januar (welche könnten das wohl sein? – Kleiner Scherz) sehen. Das ist nicht weiter schlimm und dient eventuell noch als News-Channel für Anker-Fans.

Soundcore App
Die kleine Lasche störte mich bei der Nutzung ungemein. Warum nur, Soundcore? / © Soundcore / Screenshot: NextPit

Nerviger ist da eine kleine Lasche, die man manchmal auf der Startseite der Soundcore-App findet. Hierüber erreicht Ihr ebenfalls Produktankündigungen und ehrlich gesagt will ich nach dem Kauf eines Produkts nicht noch zum Kauf dessen Geschwister gebracht werden. Zwar könnt Ihr die Lasche wegklicken, sie kommt allerdings immer wieder.

Antoine kritisiert Kopfhörer-Steuerung

Ein ziemlich kleines Detail, das Antoine im Vorgespräch noch angesprochen hat: Während viele Kopfhörer, so auch wieder der Life Q30, durchsagen, welcher ANC-Modus aktuell aktiv ist, veräußern die Liberty Air 2 Pro lediglich einen kurzen Piepton. Somit muss man ein wenig raten, ob man nun den Transparenz-Modus, den man erst in der App in die ANC-Schleife am Kopfhörer hängen muss, oder das ANC nutzt.

Vielleicht wird auch das durch ein Software-Update behoben. Denn schon aktuell ist die Steuerung der Kopfhörer sehr gut auf die eigenen Bedürfnisse anpassbar. Ihr könnt beispielsweise statt ANC auch den Sprachassistenten Eures Handys über 2-sekündiges Drücken aktivieren und ANC nur am Handy steuern.

Nicht sonderlich wasserdicht

Ein deutlicher Nachteil der Liberty Air 2 Pro ist die geringe Zertifizierung gegen Wasser. Soundcore zeichnet die Kopfhörer nach IPX4 aus – das “X” steht dabei für eine nicht weiter zertifizierte Dichte gegen Staub und die 4 deutet auf einen Feuchtigkeitsschutz gegen Spritzwasser von allen Seiten hin.

Auch wenn Geräte meist etwas widerstandsfähiger sind, als die Zertifizierungen der Hersteller versprechen, über meine Marshall Major III bin ich beispielsweise schon mit dem Auto gefahren und habe sie in der Badewanne versenkt – funktionieren immer noch, verliert Ihr hierdurch die Sorglosigkeit bei der Nutzung im Regen oder im Badezimmer.

NextPit Soundcore Liberty Air 2 Pro USB Anschluss
Die Wasserdichte der Kopfhörer liegt nur bei IPX4. / © NextPit

Das Ladecase ist laut Hersteller gar nicht gegen Wasser geschützt und somit hat man auch nach dem Herausnehmen der Kopfhörer ein ungutes Gefühl, wenn die Earbuds im Case in der Tasche sind. Hand aufs Herz, ich habe das Case leider mitsamt Kopfhörern in ein Wasserglas fallen lassen. Da Idioten meist viel Glück haben, ist dabei zumindest nichts passiert. Aber Ihr seid ja schließlich keine Idioten wie ich!

Soundcore Liberty 2 Pro: Technische Daten

Bluetooth

  • Bluetooth-Version: V 5.0
  • Bluetooth-Profil: AVRCP1.6, A2DP1.3, HFP1.7
  • Bluetooth-Frequenz: 2402-2480 MHz
  • Bluetooth-Reichweite: 10m


Ohrhörer

  • Eingangsleistung: 5 V ⎓ 0.5 A
  • Ausgangsleistung: 5 mW @ 1% THD
  • Akkukapazität: 2x 55 mA (Ohrhörer); 500 mA (Ladehülle)
  • Akkuleistung (variiert je nach Lautstärke und Musikgenre): Bis zu 7 Stunden (mit Ladehülle insgesamt 26 Stunden)
  • Aufladezeit: 2 Stunden (15-minütiges Aufladen = 3 Stunden Spielzeit)

 

  • Audio-Format: SBC, AAC
  • Audiotreiber-Format: 2x 11 mm PureNote Treiber
  • Impedanz: 16 Ω
  • Frequenzgang: 20 Hz - 20 kHz

Quelle: Soundcore

Abschließendes Urteil

Zusammenfassend liefert Soundcore mit den Liberty Air 2 Pro einen sehr guten Ersteindruck ab. Die ANC-Earbuds bieten mit dem richtigen Ohr einen sehr hohen Tragekomfort und den nötigen Halt, um auch beim Sport im Ohr zu bleiben. Die Klangqualität ist dabei gerade durch den effektiven Equalizer und durch die Analyse Eurer “Hear ID” sehr gut. Während Bässe und Höhen sich dabei anpassen lassen, machen die Kopfhörer auch in puncto Klarheit und Auflösung eine gute Figur. Auf genaue Angaben hierzu müssen wir allerdings noch warten.

Das ANC ist zusammen mit Musik auch gut und schirmt Euch effektiv gegen Klänge aus der Umwelt ab. Nur für ANC-only weisen die Kopfhörer aktuell noch zu viele Störgeräusche auf – ein Umstand, der sich vielleicht durch Software-Updates nach dem offiziellen Release ändern könnte. Zu guter Letzt spielt Soundcore wieder mal den Vorteil aus, zu Anker zu gehören. Denn die Akkulaufzeit ist mit bis zu 7 Stunden bei dauerhafter Nutzung herausragend. Da machen beispielsweise die AirPods Pro schon nach 3 bis 4 Stunden schlapp.

Im Ersteindruck überzeugen die Kopfhörer also voll und ganz – beim recht günstigen Preis von 129,99 Euro kann ich das bisschen Werbung in einer sonst sehr guten App und die geringe IP-Zertifizierung verzeihen.

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5 Kommentare

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  • Das ist ja ober-peinlich, schon in der Überschrift Rechtschreibfehler! Wer als Redakteur Karriere machen will, sollte sich nicht ausschließlich auf die Auto-Korrektur verlassen. Das Lesen macht so überhaupt keinen Spaß, auch wenn der Inhalt durchaus interessant wäre.


    • Benjamin Lucks
      • Admin
      • Staff
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Eii, da ist der Wortwitz aber über dich hinweggeflogen!
      Preis ist ja korrekt und "Leise" wegen der neuen aktiven Geräuschunterdrückung, die alles ein wenig leise macht. Wenig Geld für viel Ruhe quasi.

      Dachte das ist klar ersichtlich, aber ich hoffe du freust dich nach der Aufklärung noch über den kreativen Titel und über den Text.

      Liebe Grüße!


      • Ok, mit Erklärung hab's auch ich verstanden. Dennoch hat es noch weitere Ausdrücke drin, die wohl Dialekt sind, aber das scheint heutzutage ja nicht wichtig zu sein.
        Der Artikel jedenfalls ist inhaltlich sehr informativ.
        LG


  • Leider sagen die Tests sehr selten etwas über die Lautstärke aus. Ich bin schon fortgeschrittenem Alters und Dank vieler Konzerte in den 80ern und 90ern brauche ich jetzt einen guten Bums, gerade während des Sports (für das Adrenalin:-)). Ich habe zurzeit ein paar In-Ears mit gutem Klang, aber einfach mir einfach zu leise.


    • Benjamin Lucks
      • Admin
      • Staff
      vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Lieber Bernhard,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Die Maximallautstärke der Liberty Air 2 Pro fand ich für meine Ohren vollkommen ausreichend. Leider konnte ich gestern keine Dezibel-Angaben finden, da schaue ich aber im Laufe des Tages gerne noch einmal nach.

      Dank des effektiven Equalizers kann man bei den Kopfhörern auch noch ein bisschen was an Lautstärke herausholen. Da die Wahrnehmung der Lautstärke ziemlich individuell ist, hilft da leider nur Ausprobieren.

      Für iOS und Android gibt es übrigens sogenannte Volume-Booster-Apps. Das fiel mir eben noch ein, leider habe ich da nicht viele Erfahrungswerte – aber vielleicht helfen sie Dir ja weiter.

      Liebe Grüße
      Ben

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