Ein Design, das sich gegen Eigenständigkeit wehrt

Eine der großen Enttäuschungen bei der Präsentation war das recht uninspirierte Design, das sich eindeutig am iPhone orientiert. Sobald man es allerdings in die Hand nimmt, vergisst man dieses Argument sehr schnell. Vor allem die blaue Variante weiß zu gefallen. Es gibt aber natürlich weitere Unterschiede, zum Beispiel sitzt bei Honor der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite und die Bänder für die Antennen oben und unten. In meiner ganzen Zeit mit dem Honor 8 Pro hat keiner gedacht, dass ich ein iPhone nutze. Nur bei der schwarzen Variante kommt es wohl eher zu dieser Verwechslung.

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Die Ähnlichkeit ist offensichtlich, fällt aber bei der Nutzung nicht weiter auf. © NextPit Bildquelle: NextPit

Auch wenn sich das Honor 8 Pro beim Design nicht wirklich absetzt, bleibt es mit seinem Aluminium-Body und der sehr guten Verarbeitung ein richtig schönes Smartphone. Es bietet zwar nicht die Eleganz und Originalität wie das LG G6, LG V30 oder das Samsung Galaxy S8 mit ihren randlosen Displays, wirkt dafür aber robuster als die genannten Smartphones. Nach drei Monaten mit dem Honor 8 Pro kann ich Euch versichern: Das Smartphone ist sehr robust. Es ist schon mehrmals heruntergefallen und ist dabei mit verschiedenen Bodenbelägen in Berührung gekommen. Aber weder der Rahmen noch das gesamte Gehäuse haben bisher auffällige Schäden davon getragen.

Solide Performance mit Hitzeproblemen

Da es sich bei dem Honor 8 Pro um das Topmodell des Herstellers handelt, dachte ich mir, man muss es auch mal richtig unter Stress setzen. Bisher hat es mich hinsichtlich Performance nicht im Stich gelassen. Das Smartphone hat unsere Testergebnisse stets bestätigen können. Der Kirin-960-Prozessor, den wir schon aus dem Huawei Mate 9 kannten, und die 6 GByte RAM sorgen für eine sehr ansprechende Leistung. Multitasking geht schnell von der Hand, Apps starten flott, Wartezeiten halten sich stark in Grenzen und kein Spiel zwingt es in die Knie. Im Vergleich mit dem HTC U11 und LG G6 mit Snapdragon 835 bzw. 821 muss es zwar etwas zurückstecken, aber die Unterschiede sind minimal. Im normalen Alltag fallen sie nicht weiter auf. Man bekommt viel Technik für den Preis von 549 Euro.

Die hohe Performance hat einen Nachteil: Das Gerät erhitzt sich recht schnell.

Alle diese Leistungsfreudigkeit hat allerdings auch einen klaren Nachteil: Das Gerät erhitzt sich doch recht schnell. Setzt man es unter Stress, wird es merklich wärmer. Das ist zunächst nicht weiter gefährlich, aber an warmen Tagen, wie wir sie in diesem Jahr sogar auch in Berlin erlebt haben, wird das schnell unangenehm. Auch beim wiederholten Aufladen des Smartphones ist dieses Verhalten zu beobachten.

Perfekt für Multimedia

Das Format des Honor 8 Pro und der 5,7-Zoll-Bildschirm machen es zum perfekten Multimedia-Tool. Beim Streamen von Videos oder Surfen im Internet kann man die Vorteile eines solchen Displays erst so richtig genießen. Auch Virtual Reality ist mit dem Honor 8 Pro dank der hohen Auflösung möglich. Honor weiß das und liefert einen Karton, der zur VR-Brille umfunktioniert werden kann. Natürlich ist das eher eine Spielerei, ermöglicht aber einfach und schnell die ersten Schritte in der virtuellen Realität. Auch in Sachen Audioqualität kann sich das Honor 8 Pro sehen bzw. hören lassen. Die Ausgangsqualität ist tadellos, Verzerrungen kaum wahrnehmbar und der Klang sehr dynamisch. Der verbaute Lautsprecher kann da leider nicht ganz mithalten.

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Die Verpackung des Honor 8 Pro wird zur VR-Brille. © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Kamera des Smartphones birgt wenig Überraschungen. Das Honor 8 Pro ist mit einer Dual-Kamera ausgestattet. Ein Sensor ist für Schwarz-Weiß-Aufnahmen, der andere für Farbbilder zuständig. Die zwei 12-Megapixel-Sony-IMX286-Sensoren sorgen in Kombination mit einer f/2.2-Blende für gute Bilder, die aber nicht mit denen eines Google Pixel oder Galaxy S8 mithalten können. Die Farbwiedergabe ist anständig und auch die Kontrastwerte enttäuschen nicht. Bei schlechten Lichtverhältnissen sieht es ähnlich aus, auch wenn hier mehr Rauschen und Glättungen der Software auftauchen. Wenn man in Sachen Fotografie und Videos höhere Ansprüche hat, der sollte ggf. auf das Honor 9 zurück greifen. Wie sich das Honor 9 im Vergleich zum OnePlus 5 schlägt, dass haben wir in einem Vergleich der Dual-Kamera-System beider chinesischen Unternehmen unter die Lupe genommen: 

Auch die Frontkamera darf hier nicht unerwähnt bleiben, die viel Licht aufnimmt und auch Details gut wiedergibt. Insgesamt ist das Honor 8 Pro für die meisten Einsätze gut gewappnet. Die Software macht einen guten Job, manuelle Änderungen sind nur selten nötig – anders als etwa beim Huawei P10.

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Die Farbwiedergabe ist richtig gut. © NextPit Bildquelle: NextPit
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Bei schlechtem Licht zeigt das Honor 8 Pro vermehrt Rauschen. © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Benutzeroberfläche des Honor 8 Pro ist angenehm zu nutzen und in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Lange Zeit haben Honors und auch Huaweis Smartphones unter der ungewöhnlichen EMUI gelitten, die zu nah an iOS angelehnt war und selten aktualisiert wurde. Glücklicherweise ist das mittlerweile nicht mehr so. Der bzw. die Hersteller haben sich weiterentwickelt und EMUI komplett überarbeitet. Ähnlichkeiten zu Apples Betriebssystem tauchen immer noch auf, aber die Software bietet nur mehr Anpassungsmöglichkeiten, wie z.B. die Aktivierung des App Drawers und die Belegung der On-Screen-Buttons.

In den 100 Tagen, die wir gemeinsam verbracht haben, zeigte die EMUI-Oberfläche keinerlei Bugs. Besser noch, Honor spielt nun regelmäßig Updates für das Honor 8 Pro aus. Das ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Pluspunkte bei diesem Smartphone. Der chinesische Hersteller hat auf seine User gehört und Features wie den App Drawer zurückgebracht. Man kann sich schon jetzt auf ein Update auf Android 8.0 Oreo freuen.

  • Android 8.0 Oreo: Update-Übersicht für Smartphones und Tablets
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Das Honor 8 Pro hat den Sicherheitspatch von Juli erhalten. © NextPit Bildquelle: NextPit

Ein bisschen Kritik muss aber sein

Insgesamt ist das Honor 8 Pro ein tolles Smartphone. Das Gerät hat aber natürlich auch ein paar Schwächen. Vor allem der SAR-Wert des Smartphones macht etwas stutzig. Zur Erinnerung, der SAR-Wert gibt den Strahlungswert eines Geräts an. Dieser Wert, gemessen in W/kg, gibt also Aufschluss darüber, wie sehr ein Smartphone strahlt und wie schädlich diese Strahlung sein kann. Honor war hier noch nie ein wirkliches Vorbild, und auch beim Honor 8 Pro erreichen sie keine guten Werte. Das Smartphone erreicht eigentlich immer recht hohe SAR-Werte: 1,28 W/kg am Kopf, 1,27 W/kg am Körper. Das ist in der heutigen Zeit einfach zu viel, liegt aber immer noch innerhalb der gesetzlichen Grenzen.

Würde ich das Honor 8 Pro empfehlen?

Aber welchen Gesamteindruck hinterlässt das Honor 8 Pro nun? Für mich ist es ein wirklich tolles Smartphone. Es ist ergonomisch, wenn auch sehr groß, und bietet viel Technik fürs Geld. Günstiger aber genauso kraftvoll wie ein Huawei Mate 9, bietet Honors Phablet sogar eine QHD-Auflösung, welches das Huawei-Smartphone nicht besitzt. Honor hat sich offensichtlich darauf konzentriert, so viel Leistung fürs Geld wie möglich zu liefern, und das schaffen sie auch. Natürlich bietet es keine großen Besonderheiten oder eigenständiges Design wie ein Galaxy S8 Plus oder sogar ein LG G6, aber eine starke Performance für Jedermann.

Wie findet Ihr das Honor 8 Pro? Habt Ihr schon oder würdet Ihr eins kaufen?