Der Preis des LG G6 ist in drei Monaten um 33% gefallen

Als das LG G6 mit einer UVP von 749 Euro vorgestellt wurde, waren vieler der Meinung, dass das deutlich zu viel ist für ein Smartphone, das mit einem Prozessor aus dem Jahr 2016 und nur 32 GByte Speicher daher kommt. Schließlich kosten aktuelle Konkurrenten wie das HTC U11 (das aktuell stärkste Smartphone am Markt), und bietet gleichzeitig ähnliche Hardware wie der Vorgänger LG G5. Natürlich reizte das nicht wirklich.

Es überrascht also nicht, dass der Preisfall nicht lange auf sich warten lassen hat und der Preis in der zweiten Hälfte des Junis schon unter die 500-Euro-Marke gefallen ist. Eine Preisveränderung von knapp 250 Euro in gerade einmal drei Monaten. Ich weiß zwar nicht wie Ihr das seht, aber für mich ist das G6 für diesen Preis wirklich attraktiv.

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Der Preis des G6 wird immer interessanter. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Alternativen in dieser Preisklasse sind vor allem die Flaggschiffe aus dem Jahre 2016 wie das Samsung Galaxy S7 / S7 Edge, Huawei P9 oder HTC 10, aber auch aktuellere Modelle wie das Honor 8 Pro oder Huawei P10. Der große Vorteil des LG G6 gegenüber diesen älteren Modellen ist vor allem die 2017er Software. Es ist normal für ein Highend-Androide, 2 Jahre lang Software-Updates zu erhalten. Das bedeutet, dass ein Gerät von 2016 bis 2018 Updates erhalten will, ein 2017er Modell bis 2019.

Die beiden andere Geräte aus 2017, die ein ähnliches Preisschild tragen wie das LG G6, sind das Huawei P10 und Honor 8 Pro, aber auch hier spielt die Update-Politik der Hersteller durchaus eine Rolle. Als Beispiel wäre hier das LG G4 zu nennen, was relativ bald ein Update auf Android Nougat erhalten soll (das V10 wurde schon geupdatet). Als Gegenbeispiel dient das Huawei P8. Hier haben Käufer eine Kampagne auf Change.org gestartet, um Huawei dazu zu bringen, dem Smartphone noch ein Update auf Nougat zu spendieren.

Das LG G6 hat ein Design, das besonders Euren Händen gefällt

Das LG G6 hat ein Display-Format, das nicht mit den Standards von Spielen und Videoplattformen wie YouTube konform ist. Ziemlich riskant, dachte ich zunächst. Aber LG ist mittlerweile bekannt für solche Experimente. Denkt an den Power-Button auf der Rückseite, gebogene Smartphones, Geräte mit Leder, Smartphones mit zwei Displays, Module und so weiter. Hier muss das G6 natürlich anknüpfen und das 18:9-Display trifft den Punkt.

Das 18:9-Format sorgt für ein riesiges Display, ohne das Smartphone zu sehr wachsen zu lassen

Schon als ich das Gerät das erste Mal in die Hand nahm, haben sich meine Hände in die Form des Smartphones verliebt. Dieses neue Design ist ein Schmaus für die Bedienung, die schlanke Form mit dem Kombination aus Glas und Metall fühlt sich einfach toll an. Dank der 18:9-Auflösung ist es möglich, einen großen Bildschirm in einem nur 72 Millimeter breiten Gehäuse unterzubringen.

Parallel zum LG G6 habe ich weitere Geräte wie das Galaxy S7 Edge, Moto G5 Plus und HTC U11 genutzt, und kam immer wieder zum G6 zurück. Grund dafür ist vor allem die Möglichkeit, es wirklich mit einer Hand bedienen zu können. Bei anderen Smartphones kann ich mit meinem Daumen die gegenüberliegende Seiten nicht so angenehm und einfach erreichen und das bei einem 5,5-Zoll-Smartphone.

Um die gleiche Breite bei einem herkömmlichen 16:9-Smartphone zu erreichen, müssten wir runter auf 5,2 Zoll Diagonale gehen. Dank dieses neuen Verhältnisses erreicht LG beim G6 eine Bildschirmgröße von 76,8 cm², ein Smartphone mit der gleichen Größe und 5,2 Zoll Bildschirm käme auf gerade einmal 68,8 cm².

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Links LG G6, rechts Nexus 6P. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Natürlich sind nicht alle Apps und Spiele an dieses neue Format angepasst. Vor allem Filme und Videos müssen hier meist passen, werden die mit Abstand meisten natürlich im 16:9-Format ausgestrahlt (das Kinoformat ist aber zum Beispiel auch 2:1). Die Usability dieses Displays hat für mich aber deutlich zu viele Vorteile.

Eine weitere Sache, die ich liebe, aber vielleicht nicht so viel Sinn macht, sind die abgerundeten Display-Ecken. Dieses Detail sorgt für ein so stimmiges Design, das ich so bisher noch bei keinem Smartphone gesehen habe. Die Rückkehr zu einem Smartphone mit eckigen Display-Ecken ist wie ein Schritt in die Vergangenheit. Kurz gesagt, alles fühlt sich nach einiger Zeit mit dem G6 veraltet an, außer natürlich dem Galaxy S8.

Ich kann keine Probleme bei der Performance des LG G6 finden

Der Prozessor des LG G6, der Qualcomm Snapdragon 821, kommt aus dem Jahr 2016 und hat seine Leistungsstärke schon in Smartphones wie dem OnePlus 3T bewiesen. Die Präsentation des LG G6 fand im Februar 2017 statt, als der Nachfolger dieses Prozessors, der Snapdragon 835, noch nicht auf dem Markt war. Für LG hätte die Implementierung des neuen Prozessors massive Verspätungen bedeutet, so entschied man sich für das Vorjahresmodell. Der Prozessor hatte Zeit zu reifen und die Hersteller Zeit zu optimieren, und das zeigt sich im Alltag auch.

Verglichen mit dem HTC U11, kann das LG G6 natürlich in Sachen Performance nicht ganz mithalten, aber es muss sich nicht verstecken. Im Alltag verhält sich die Hardware des G6 sehr gut und es gibt praktisch nichts, über das man sich beschweren müsste.

In Sachen Akkulaufzeit gehört das LG G6 nicht wirklich zu den Dauerläufern, aber das tut leider kein aktuelles Highend-Smartphone. Wenn Ihr morgens früh das Haus verlasst, könnt Ihr Euch nicht darauf verlassen, dass der Akku Abends noch Saft hat, vor allem an langen Tagen wird das schnell zum Problem. Lösungen gibt es wie bei anderen Smartphones auch. Entweder Ihr habt immer ein Ladegerät dabei (und drückt die Daumen, es nicht irgendwo liegen zu lassen), nehmt einen externen Akku mit oder aktiviert schon früh die Akkuspar-Funktion. Letzteres kann aber natürlich dafür sorgen, dass Ihr gewisse Benachrichtigungen von bestimmten Apps verpasst.

Eine sehr funktionelle Kamera

Neben der sehr guten Qualität der Kamera, die meiner Meinung nach unangefochten ist, bietet sie auch viele Funktionen, die es nie langweilig werden lassen. Zum einen haben die beiden Kameras des Smartphones unterschiedliche Linsen. Für kurze Entfernungen haben wir eine Blendenöffnung von f/1,8 und einen optischen Bildstabilisator. Der andere Sensor ist mit einer 125-Grad-Linse ausgestattet mit einer f/2,4 Blende, aber ohne Bildstabilisator.

Die Weitwinkel-Linse bietet eine tolle Optik für Videos, aber denkt daran, dass kein optischer Bildstabilisator an Bord ist. Neben dem mittlerweile typischen manuellen Modus für Fotos, bietet das LG G6 diesen Modus auch für Videos, was wohl langsam Zeit wurde.

In den Einstellungen der Videokamera finden wir einige wirklich witzige Modi und einen Modus, in dem mehrere quadratische Videos aufgenommen werden, um kreative Kompositionen kreieren zu können.

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Die Kamera lässt viel Spielraum zu. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Würdet Ihr ein LG G6 kaufen?

Es ist klar, dass die Hardware des LG G6 eher aus dem Jahr 2016 stammt als aus 2017. Genau genommen bietet es genau die Hardware, die man sich eigentlich für das LG G5 erhofft hätte.

Mir ist bewusst, dass es für diesen Preis einige Alternativen gibt, manche sogar mit mehr Power, aber nach einigen Tagen mit dem LG G6 sehe ich viele Argumente, die eben einfach für dieses neue LG-Smartphone sprechen.

Zunächst sind da das Design und der Bildschirm, die zum einen tolle Innovationen sind und zum anderen ein neues Level an Praktikabilität erreichen. Die Dual-Kamera ist eine der besten, die Ihr zur Zeit finden könnt und setzt auf zwei unterschiedliche Linsen und viele, kreative Optionen.

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Das LG G6 bietet auch viele Personalisierungsoptionen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Bedienoberfläche ist so sauber, wie bei vielen anderen Herstellern nicht, was für eine flüssigere Performance sorgt. Schon bald wird LG das neue Update mit neuen Features für mehr Sicherheit und Effizienz ausrollen. Hier werden Facial Print, bessere Akkulaufzeit und eine Warnfunktion Einzug erhalten, die uns darauf aufmerksam machen soll, wenn wir unseren Finger auf die Kamera legen.

Ein weiteres Feature, das ich zu schätzen gelernt habe, sind die vielen verschiedenen Themes, die das LG G6 bietet. Das Stock-Design spricht mich mit seinen quadratischen Icons nämlich nicht besonders an. Das G6 ist sogar mit einem FM-Radio ausgestattet, ein Feature, das Googles Pixel-Phones zum Beispiel nicht mitbringen.

Was ich allerdings etwas vermisse, ist der Support von Daydream. Es ist wirklich schade, dass LG die virtuelle Realität etwas ignoriert, vor allem weil sie eigentlich dafür prädestinierte Bildschirme herstellen.

Natürlich ist es auch wirklich ärgerlich, dass die europäische Version des G6 nicht alle Komponenten wie in den USA und Korea verbaut hat. Ein noch besserer Audiochip, kabelloses Laden und mehr Speicher wären wirklich wünschenswert gewesen. Leider wird das vor ein paar Tagen vorgestellte LG G6+ dieses Problem wohl auch nicht lösen.

Die große Frage ist letztendliche: LG G6 oder ein Flaggschiff aus 2016? Um das zu beantworten, muss man die eigenen Erwartungen und Bedürfnisse einschätzen. Für mich sind vor allem die längeren Updates des LG G6 entscheidend. So könnt Ihr also für das gleiche Geld ein Smartphone mit längeren Sicherheitsupdates, neueren Features und ziemlich sicher einem Update auf Android P haben.

Haltet Ihr das LG G6 durch den niedrigen Preis für eine gute Option?