Für wen sich das iPad Magic Keyboard eignet

Zu Apples Tastatur-Hülle namens Magic Keyboard greifen Nutzer des iPad Pro mit 11 und 12,9 Zoll Diagonale. Die Aussparung für die rückseitige Kamera ist so geformt, dass das Zubehör neben der aktuellen auch die vorherige Generation von Apples Pro-Tablets umschließt. Die kleine Variante kostet 340 Euro, die große 400 Euro. Das ist jeweils etwas weniger als ein Drittel des günstigsten aktuellen iPad Pros, das dazu passt. 

Für diese hohe Investition entscheidet Ihr Euch, wenn Ihr nicht jeden Euro zweimal umdrehen braucht und mit dem Apple-Tablet häufig Aufgaben erledigt, für die sonst ein MacBook zum Einsatz kommt. Arbeitet Ihr nur gelegentlich am iPad Pro oder ist Euch das Original-Zubehör zu kostspielig, könnt Ihr auch eine erschwingliche Alternative etwa von Logitech oder Brydge in Betracht ziehen. Aber dabei müsst Ihr auf bestimmte Vorteile von Apples Magic Keyboard verzichten. 

Was mir am iPad Magic Keyboard im Test gefällt

Tablet-Halterung 

Ein Schlüsselmerkmal des iPad Magic Keyboard ist der Deckel der Hülle. Er fixiert drei Viertel der Tablet-Rückseite magnetisch und lässt den unteren Rest im aufgeklappten Zustand unbedeckt. Dadurch wirkt es, als ob das iPad Pro im Einsatz schwebt.  

Mittels eines zweiten Scharniers im Deckel lässt sich der Blickwinkel auf das iPad-Display stufenlos zwischen 90 und 130 Grad verstellen. Wegen der Schwebeaufhängung braucht die Hülle in der Basis keine Führungsschiene, aus der man das Tablet lösen und darin wieder einrasten lassen müsste. 

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Hält gut: Die Magnethalterung des Magic Keyboard. / © NextPit Bildquelle: NextPit

In meinem Praxistest halten die Magnete je ein iPad Pro 12.9 aus 2018 und 2020 stabil in der gewählten Position. Weder der Deckel noch das ganze Konstrukt kippelt oder wackelt dabei. Das passiert selbst dann nicht, wenn ich mit dem Apple Pencil 2 auf das Display tippe oder ihn zum Laden an der magnetischen Stirnseite des iPad Pros befestige. 

Um das Apple-Tablet zu entfernen, ziehe ich es einfach mit minimalem Kraftaufwand in meine Richtung. Das ist viel bequemer als es bei der Hüllen-Alternative von Logitech an allen vier Seiten aus einer gummierten Führung zu fummeln. Drücke ich das iPad zum Wiedergebrauch ans gepolsterte Deckelinnere, begibt es sich automatisch wieder auf seinen Posten und trifft dadurch präzise den Smart Connector. Über den dreipoligen Kontakt tauscht das Tablet Signale mit dem Trackpad und der Tastatur aus. Deswegen braucht das iPad Magic Keyboard keinen separaten Akku und Bluetooth-Empfang. 

Trackpad 

Als Computer-Anwender bin ich es seit den 90ern gewohnt, Geräte mit einem Cursor zu bedienen. Seit iPadOS 13.4 ist das auf Apple-Tablets ebenfalls möglich, was mit dem Trackpad des Magic Keyboards prima gelingt. Die zehn Zentimeter breite und 4,5 Zentimeter hohe Eingabefläche reagiert auf Klicks und Fingerbewegungen direkt aus dem Karton so, wie ich es erwarte. Wer das Trackpad stattdessen abweichenden Arbeitsvorlieben anpassen möchte, ändert in den iPadOS-Einstellungen die Zeigerschnelligkeit oder Scrollrichtung. Außerdem könnt Ihr Euch für oder gegen einen Klick durch Tippen und den Zweifinger-Sekundärklick entscheiden. 

Multi-Touch-Gesten akzeptiert das Trackpad ebenfalls, sodass ich dafür nicht mehr die Hand zum Display ausstrecken muss. Wische ich mit drei Fingern nach oben, gelange ich zum Home-Screen. Wische ich nach links und rechts, wechsele ich durch geöffnete Apps.  

Tastatur 

Die Tastatur des iPad Magic Keyboard bietet mir im Praxistest ein angenehmes Schreibgefühl, mit dem es Spaß macht, längere Texte zu verfassen. Statt der kritisierten Butterfly-Tasten kommen mit einem Scherenmechanismus ausgestattete Tasten zum Einsatz. Ihr Druckpunkt lässt sich auf Anhieb gut erfühlen, der Hub ist mit einem Millimeter angenehm gewählt. Die Hintergrundbeleuchtung der Tasten sorgt dafür, dass Ihr auch im Schummerlicht nicht blind tippen müsst. Allerdings folgt die Helligkeit nur den strikten Vorgaben eines Sensors und lässt sich nicht von Hand ändern. 

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Die Tastatur ist beleuchtet. Das könnt Ihr aber nicht steuern. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Separater USB-C-Anschluss 

Das Magic Keyboard erhält seine Energie vom gekoppelten iPad und braucht daher keinen Ladeanschluss. Trotzdem verfügt es über einen zum Laden geeigneten USB-C-Steckplatz im Hauptscharnier. Dieser reicht die Energie über den Smart Connector an das gekoppelte Tablet durch, sodass die Schnittstelle des Tablets für anderes freibleibt. Dadurch lässt sich das iPad Pro über den eigenen USB-C-Anschluss mit einer Kamera oder einem Monitor verbinden, während es gleichzeitig über das Magic Keyboard neue Energie tankt. Praktisch! 

Was mir am iPad Magic Keyboard im Test weniger gut gefällt

Steiler Blickwinkel 

Obwohl sich der Blickwinkel um 40 Grad ändern lässt, bietet die Halterung nicht genug Spielraum für alle Einsatzzwecke. Die Hülle bringt ein iPad Pro zwar ideal in Position, wenn ich mit Augenabstand von mindestens 40 Zentimetern davor arbeite. Möchte ich näher heranzurücken, um kleinere Schrift zu erkennen, ist der Blickwinkel dafür aber zu steil. Darüber hinaus bietet die Halterung keine Möglichkeit, das Tablet in leicht angewinkelter Leseposition auf dem Tisch zu platzieren. Dazu muss ich es herausnehmen und selbst in der Hand halten. Den Deckel weiter nach hinten kippen zu können, wäre auch deshalb wünschenswert, weil ich unter Umständen mit den Fingern gegen die untere Displaykante stoße, wenn ich nach der Zahlenreihe taste.  

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Die Kamera-Aussparung am iPad Pro 2018. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Keine Funktionstasten 

Ihr sucht die Escape-Taste oder möchtet am Keyboard die Helligkeit ändern und Medien steuern? Fehlanzeige! Apple verzichtet auf die von Mac-Schreibbrettern gewohnte Funktionstastenleiste. Daher lassen sich nur die in iPadOS hinterlegten Shortcuts verwenden oder anpassen. Will Apple damit Platz und Gewicht sparen? Alternativen von Logitech und Brydge geben Euch Funktionstastenleisten an die Hand und sind trotzdem nicht nennenswert schwerer oder größer.  

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Das Magic Keyboard macht als Hülle optisch eine gute Figur. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Hohes Gewicht 

Auch ohne die eingesparte Funktionstastenleiste ist das iPad Magic Keyboard ein gewaltiger Brocken. Die große Version wiegt angesichts 700 Gramm Eigengewicht zusammen mit einem iPad Pro 12.9 (640 Gram) so viel wie ein Macbook Air mit 13-Zoll-Display (1,3 Kilogramm). Die kleinere Version (600 Gramm) reißt in Kombination mit dem 11-zölligen iPad Pro (470 Gramm) ebenfalls die Kilogramm-Marke. Das schmälert den mobilen Vorteil des Tablets, sofern Ihr die Keyboard-Hülle immer dran lasst.

Abschließendes Urteil

Das iPad Magic Keyboard macht Apples Profi-Tablets erheblich vielseitiger. Tippen, Klicken und freihändig drauf zu gucken ohne den Nacken zu strapazieren, wird mit dem Magic Keyboard am iPad Pro deutlich angenehmer. Klar, bei dem Gewicht könntet Ihr auch gleich zu einem MacBook greifen, aber dort lässt sich nicht einfach mal eben auf die Tastatur verzichten. Trackpad und Tastatur des Magic Keyboard bieten ein Laptop-vergleichbares Tipp- und Schreibgefühl und sind gut auf iPadOS abgestimmt – wenn man von der fehlenden Funktionstastenleiste absieht. 

Nichts ist perfekt, aber es nervt, dass Apple trotz des Preises mit einem trivialen Feature wie Sondertasten geizt. Zudem würde ich mir mehr Spielraum bei den auswählbaren Blickwinkeln wünschen. Die geniale Magnethalterung macht das aber wieder wett. So easy lässt sich das iPad zwar auch bei Brydge Pro+ befestigen und entfernen, aber die Alternative muss extra geladen werden und bezieht die Energie nicht automatisch vom iPad. Das Original-Zubehör harmoniert mit seiner magnetischen Halterung und dem Smart Connector einfach am besten mit Apples Tablet und bietet das bequemste Gesamtpaket. Das ist es zumindest vertretbar, dass nicht nur die iPad-Halterung, sondern auch der Preis über den Dingen schwebt.