Pros des Samsung Gear 360

  • Meist sehr gute Bildqualität
  • Atmosphäre eines Ortes wird gut konserviert

Contras des Samsung Gear 360

  • Teilen der Bilder ist umständlich
  • Unhandlich und schlecht transportabel
  • Nur mit wenigen Samsung-Smartphones kompatibel

Samsung Gear 360: Preis und Verfügbarkeit

Die Samsung Gear 360 kostet derzeit 349 Euro und ist offiziell lediglich in Samsungs Online-Shop erhältlich. In den freien Handel soll die Kamera ebenfalls kommen, ein Zeitpunkt ist dafür aber noch nicht bekannt.

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Samsung Gear 360: Design und Verarbeitung

Die Gear 360 ist eine kleine Kugel, die einen Durchmesser von rund sechs Zentimetern hat. Ein Mini-Tripod-Stativ dient zusammengeklappt als Haltegriff. In eine Hosentasche passt die Kamera nicht so recht, sodass der Transport insgesamt etwas unhandlich ist.

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Samsung Gear 360 / © NextPit Bildquelle: NextPit

Einigermaßen robust ist die Gear 360 immerhin. Vor Spritzwasser und Staub ist sie aber nur nach IP53 geschützt, zumindest einen Regenschauer sollte die Kamera aber aushalten. Eine Actioncam ist sie mit dieser IP-Norm bei Weitem nicht. Und das 360-Grad-Unterwasserpanorama, das Ihr schon immer fotografieren wolltet, bleibt auch mit der Gear 360 Wunschdenken. Stürze der Kamera solltet Ihr möglichst vermeiden – Kratzer im Glas vor dem Objektiv sind ärgerlich und dürften auf den Bildern klar zu erkennen sein. Daher: Es gilt, auf die Gear 360 aufzupassen. Zum Schutz gibt es eine kleine graue Tasche, die beim Transport in der Tasche gute Dienste leistet.

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Eine graue Transporttasche ist im Lieferumfang / © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Gear 360 mit einem Stativ

Das mitgelieferte Mini-Stativ dient – wie schon erwähnt – auch als Handgriff. Mit diesem steht die Gear 360 recht niedrig, was für einige Fotos nicht unbedingt ideal ist, weil dadurch der Boden überbetont ist. Glücklicherweise gibt es aber eine Lösung: Die Gear 360 verfügt über ein Stativgewinde.

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Die Gear 360 hat ein Stativgewinde/ © NextPit Bildquelle: NextPit

Damit lassen sich auch andere handelsübliche Stative verwenden – ganz gleich, ob es sich um Einbein- oder klassische Dreibein-Stative handelt. In meinem Test hat sich die Lösung mit einem kompakten Dreibein-Stativ bewährt. Das brachte den Vorteil mit sich, dass ich einerseits die Kamera in eine vernünftige Höhe halten konnte (rund 1,40 Meter) und andererseits konnte ich die Kamera darauf montiert gut transportieren.

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Stativ oder in der Hand halten – Fotografieren mit der Gear 360 will gelernt sein/ © NextPit Bildquelle: NextPit

Samsung Gear 360: Display

Auf der Kamera ist ein kleines Display, das den aktuellen Modus anzeigt. Über die Menu-Taste ist die Kamera auch ohne gekoppeltes Smartphone bedienbar. Die wichtigsten Modi sind dort direkt auswählbar: Foto, Video und Timelapse. Die Videoloop-Funktion nimmt ein Video auf, überschreibt die ältesten Daten jedoch regelmäßig. So richtig erschließt sich der Sinn dieses Modus jedoch nicht. Ein Druck auf den Auslöseknopf startet die Aufnahme.

Samsung Gear 360: Software

Ganz gleich, ob eher Fotos oder Videos gefragt sind: Die Gear 360 ist kaum schnappschusstauglich. Das liegt daran, dass nach dem Auslösen zunächst ein Zwei-Sekunden-Countdown startet. Der ist nötig, denn anders ist es nicht möglich, die Kamera hoch zu halten oder in eine vernünftige Entfernung zu kommen, in der ich als Fotograf nicht vollkommen im Weg stehe (oder völlig verzerrt dargestellt werde).

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Gear 360 Manager – ganz rechts: Liveview der Gear 360 im Manager/ © nextpit Bildquelle: NextPit

Der zur Kamera-Verwaltung notwendige Gear-360-Manager wird über den Play Store installiert und aktuell gehalten, ist aber nur auf dem Samsung Galaxy S6 und S7 sowie deren Edge-Versionen verfügbar. Bilder speichert die Kamera auf einer MicroSD-Karte, die nicht im Lieferumfang enthalten ist.

Sind die Fotos erst einmal importiert, fällt ein fehlendes Feature auf: Denn die Bilddateien können mit Hausmitteln der App nicht auf die Speicherkarte transferiert werden. Selbst beim Galaxy S7 mit 32 GByte Speicher (24 GByte verfügbar) kann man so schnell in Speicherplatzprobleme kommen. Allerdings können die Bilder mit einem Dateimanager auf die Speicherkarte verschoben werden – der Gear-360-Manager erkennt die Fotos dennoch. Schade, dass Samsung hier keine komfortable Verschieben-Funktion eingebaut hat.

Ein weiteres Problem kann bei der Software auftreten, wenn Ihr die Kamera nicht gerade haltet: Der Horizont kann dann schief sein. Eigentlich sollte dies beim Zusammenfügen der Bilder korrigiert werden, leider erkennen aber nicht alle Apps die Korrekturen. So kam es beispielsweise vor, dass ein Bild im Gear-360-Manager gerade schien, vor dem Speichern mit Google Fotos aber schräg erschien. In der Webansicht von Googles Foto-Cloud wiederum sieht alles einigermaßen gerade ausgerichtet aus. Grund dafür? Unbekannt. Beste Abhilfe? Fotos möglichst mit gerade ausgerichteter Kamera aufnehmen.

Samsung Gear 360: Kamera

Die Gear 360 knipst Bilder mit zwei Linsen in einer Auflösung von rund 15 Megapixel – die Originale haben einen starken Fischaugen-Look. Beim Übertragen von der Kamera auf das Handy werden die Bilder in ein Equirectangular-Format umgewandelt. Die zusammengefügten Bilder haben eine Auflösung von 7.200 x 3.600 Pixel.

Die Bildqualität ist ist alles in allem ganz gut, es gibt aber einige Bildbereiche, die nicht ganz so gut weg kommen. Das betrifft zum Beispiel ein Bild, auf dem einige Laubbäume in rund 50 Metern Entfernung zu sehen sind: Deren Blätter wirken recht verwaschen und könnten detailreicher gezeichnet sein. Angesichts der extrem niedrigen Brennweite der Linse ist hier aber wohl auch eine technische Grenze erreicht.

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Gear 360: Kleines Display, große Bilder / © NextPit Bildquelle: NextPit

Fotos sind natürlich nur die halbe Miete, denn die Gear 360 kann natürlich auch Videos aufzeichnen. Hier liegt die maximale Auflösung bei 3.840 x 1.920 Pixel, wobei die Kamera mit 30 Bildern pro Sekunde (fps) aufnimmt. Wer schnelle Bewegungen aufnehmen möchte, kann einen Modus mit 60 fps einstellen, dann beträgt die Auflösung aber nur noch 2.560 x 1.280 Pixel.

Die Bildqualität von Videos ist in Ordnung, allerdings ist die Detailauflösung nicht extrem hoch. Bei schnellen Bewegungen eines Balls ist ziemlich deutlich zu sehen, dass die typischen 30 Bilder pro Sekunde einer Aufnahme nicht ausreichen. Der Modus mit 60 Bildern pro Sekunden führt aber wegen der niedrigeren Auflösung zu einem schlechteren Bild.

Kaum zu vermeiden sind Fehler beim Zusammensetzen (Stitching) zu einer Panorama-Ansicht. Je näher an der Kamera sich ein Objekt befindet, um so stärker sind Fehler zu erkennen. In einer Entfernung von wenigen Metern sind kaum Stitching-Fehler auszumachen.

360-Grad-Aufnahmen ansehen

Wirklich anzusehen sind die Bilder aber nur mit spezieller Software: Entweder mit dem Gear-360-Manager, aber auch Facebook, Google Photos und sogar normale Webseiten mit einem Javascript-Plugin können die Bilder anzeigen. Ohne VR-Brille könnt Ihr auf dem Smartphone-Display den anzuzeigenden Ausschnitt auswählen und nach Lust und Laune den Blick ändern.

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Gear-360-Bilder mit der Gear VR anzusehen, ist gar nicht so leicht / © nextpit Bildquelle: NextPit

Wer die Bilder nur über seine eigene Gear-VR-Brille ansehen möchte, trifft schon auf das erste Ärgernis. Denn schlichtweg unergonomisch ist der Weg dahin, die selbst aufgenommenen Inhalte mit der Gear VR anzusehen. Der Gear-360-Manager verzichtet manchmal aus unerklärlichen Gründen darauf, den Gear-VR-Button anzuzeigen, mit dem das Bild über Samsungs VR-Brille anzusehen wäre.

Dann führt der Weg über die Oculus-App, die automatisch startet, wenn das Smartphone in die VR-Brille eingesetzt wird. Jetzt wird es aber wild: Die Oculus-Foto- und Oculus-Video-Apps können mit den Gear-360-Aufnahmen nichts anfangen! Die Foto-App zeigt keine selbst erstellen Inhalte an, die Video-App könnte das durchaus, hat aber ein ganz eigenes Problem: Sie erkennt 360-Grad-Videos nur dann, wenn im Dateinamen _360 vermerkt ist – was vom Gear-360-Manager nicht automatisch erledigt wird. Also müsst Ihr den Dateinamen manuell verändern. Machbar, aber unhandlich und nicht gerade intuitiv. Aber selbst dann kann die Video-App die Inhalte nicht abspielen, sondern zeigt nur ein Standbild an! Ob ein _playback im Dateinamen hier Abhilfe geschaffen hätte, mochte ich nicht ausprobieren.

Als Alternative gibt es im Oculus-Store immerhin eine VR-Galerie-App von Samsung. Die ist nicht gerade komfortabel, zeigt aber wenigstens die Bilder und Videos an. Jetzt klappt auch die Wiedergabe von Videos und die Anzeige von Bildern.

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Die Gear 360 in einer Rundum-Ansicht. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Noch schlimmer wird es, wenn Ihr die Bilder mit anderen Gear-VR-Besitzern teilen möchtet. Facebook ist hier die einzige komfortable Alternative, wenn Ihr nicht die Dateien via Cloud-Storage tauschen möchtet. Der Weg über Facebook hat den entscheidenden Nachteil, dass die Bilder neu komprimiert werden – darunter leidet die Qualität deutlich. Außerdem müsst Ihr die Bilder so – zumindest in gewissen Rahmen – veröffentlichen. Warum nicht Google Fotos oder YouTube? Google Fotos ist eigentlich die beste Möglichkeit, denn hier könnt Ihr einfach mittels eines Links anderen Zugriff zu den Originalbildern gewähren. Aber: Andere Gear-VR-Besitzer können nicht einfach die Fotoalben ansehen, weil die Fotos-App nur Cardboards unterstützt. Bei YouTube ist das gleiche Problem vorhanden. Diesen Dienst könnt Ihr (derzeit) nur Samsungs VR-Internet-Browser verwenden. 

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Ein herunterskaliertes 360-Grad-Bild / © nextpit Bildquelle: NextPit

Atmosphäre vs. Bildqualität: 360-Grad-Bilder und die Gear VR

Nun aber die Gear VR aufgesetzt – meine Fotos lagern ja zum Glück auf meinem Galaxy S7. Über die VR-Brille wirken die Bilder extrem beeindruckend, denn die Ansicht ist in etwa lebensgroß. Die Gear 360 bringt im Zusammenspiel mit einer VR-Brille die Atmosphäre eines Ortes wunderbar rüber. Auch Videoaufnahmen sind beeindruckend, wenngleich nicht ganz so detailreich, wie die Fotos. Allerdings gibt es hierbei zwei Dinge, die nicht ideal gelöst sind:

  • Die eigentliche Auflösung der aufgenommenen Bilder ist zwar recht hoch, aber die Gear VR hat nur das Galaxy S7 als Anzeigemedium. Dessen Pixeldichte reicht aber nicht aus, um ein wirklich qualitativ beeindruckendes, detailliertes Panorama im Kopf des Zuschauers zu zaubern.
  • Der Fokus einer 360-Grad-Aufnahme ist nicht unendlich. Es gibt also das Problem, dass nur ein bestimmter Bildbereich scharfgestellt ist – außerhalb dieses Bereichs der Schärfentiefe leidet die Sichtbarkeit von Details deutlich.

Eine bessere VR-Plattform könnte möglicherweise ein besseres Resultat in puncto Bildqualität liefern, denn die Aufnahmen der Gear 360 verfügen über Reserven, die mit der Gear VR und einem Galaxy S7 einfach untergehen.

In einem Google-Fotos-Album haben wir einige 360-Grad-Impressionen hinterlegt. Darin ist die – mitunter durchwachsene – Bildqualität der Fotos schön zu sehen:

Samsung Gear 360: Akku

Besonders spannend ist bei so einer Kamera natürlich die Frage, wie lang die Kamera mit einer Akkuladung durchhält. In meinen Tests war ich mit der Akkulaufzeit nicht komplett glücklich. Einen intensiven Tag mit vielen 360-Fotos und -Videos hält die Kamera nicht durch. Bei längeren Videosessions erwärmt sich die Kamera spürbar.

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Laden mit einem MicroUSB-Kabel / © NextPit Bildquelle: NextPit

Allerdings gibt es zwei gute Nachrichten: Aufladen lässt sich die Kamera über einem klassischen MicroUSB-Anschluss. Eine Powerbank reicht also aus, um nachzuladen. Die zweite: Der Akku ist wechselbar. Allerdings gibt es im Augenblick keine Zweit-Akkus zu kaufen. Aber immerhin ist diese Möglichkeit gegeben. 

Samsung Gear 360: Technische Daten

Abschließendes Urteil

Hat die Gear 360 im Test richtig überzeugt? Nun ja: Das Fazit fällt gemischt aus. Für maximale Qualität von Urlaubserinnerungen ist die Kamera nicht geeignet, was angesichts der extremen Weitwinkellinsen der Gear 360 nicht weiter überrascht. Für viele Motive reicht wohl auch eine Smartphone- oder je nach Geschmack auch eine Spiegelrefelex-Kamera aus, weil einfach kein sinnvolles 360-Grad-Panorama vorhanden ist.

Dafür hält die Kamera die Atmosphäre eines Ortes wunderbar fest, zumal es nur zwei Sekunden dauert, ein 360-Grad-Foto zu schießen und nicht mehrere Minuten, bis ein Rundum-Panorama mit dem Smartphone aufgenommen ist. Die Suche nach einem fototauglichen Motiv für die Gear 360 ist einfach ganz anders.

Einen drastischen Punkte-Abzug muss die Gear 360 aber in Kauf nehmen: Die 360-Grad-Aufnahmen anzusehen ist schon eine kleine Herausforderung. Aber die Aufnahmen zu teilen – da beginnen die Probleme erst so richtig. Andere Freunde mit einer Gear VR werden kaum in den Genuss der Aufnahmen kommen, außer vielleicht über Facebook, da ist die Bildqualität aber deutlich schlechter. Hier sollte Samsung schnell bessere Lösungen anbieten.

Es kommt also ganz darauf an, die richtigen Erwartungen an die Gear 360 anzulegen. Die rundum glücklich machende Lösung ist die Gear 360 noch nicht.