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Wie findet man ein Handy mit guter Kamera? Der ultimative Guide!

Wie findet man ein Handy mit guter Kamera? Der ultimative Guide!

Heutzutage haben Smartphones nicht mehr nur eine Kamera, sondern gleich einen ganzen Haufen Linsen auf Vorder- und Rückseite verstreut. Aber wie findet man ein Handy mit guter Kamera? Hier kommt unser ultimativer Guide!

Zwischen 2010 und 2020 stiegen Statista zufolge die Smartphone-Verkaufszahlen von unter 300 Millionen auf über 1,5 Milliarden Geräte pro Jahr. Im gleichen Zeitraum brach der Digitalkamera-Markt der CIPA zufolge dramatisch ein: Von den einst über 120 Millionen jährlich verkauften Einheiten ist derzeit nur noch etwa ein Zehntel übrig. Der User theimpossiblesalad hat das auf Reddit in einer eindrucksvollen Grafik zusammengefasst.

Aber Kamera ist nicht gleich gute Kamera. Wir zeigen Euch, welche Merkmale Ihr beim Smartphone-Kauf beachten solltet, wenn Ihr ein Handy mit guter Bildqualität kaufen möchtet – und damit womöglich sogar Eure alte Digitalkamera über kurz oder lang in den Ruhestand schickt. 

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Immer auf der Suche nach der besten Kamera ;-) / © NextPit

Inhalt:

  1. Bildsensor
    1. Auf die Größe kommt es an
    2. Megapixel und Pixelgröße
    3. Pixelcluster, Autofokus & Co.
    4. ISO-Empfindlichkeit
  2. Objektive
    1. Von Weitwinkel bis Tele
    2. Blendenzahl
    3. Brennweite
    4. Zoom
    5. Linsenelemente
  3. Spezial-Kameras
    1. Time-of-Flight
    2. Bokeh-Kamera
    3. Makro-Kamera
  4. Software
  5. Testberichte
  6. Kauftipps

Zu jedem wichtigen Punkt möchten wir Euch in diesem Artikel einen groben Überblick geben. Was sagt diese Eigenschaft überhaupt aus? Und ist sie wichtig für eine gute Kamera im Handy? Zu den komplexeren Themen findet Ihr bei uns außerdem bereits separate Artikel. Diese haben wir im jeweiligen Abschnitt für Euch verlinkt.

1. Bildsensoren

Der Bildsensor ist mit das Wichtigste bei einer Smartphone-Kamera – und für die Bildqualität ausschlaggebend. Wenn es im Datenblatt eines Handys einen Faktor gibt, der auf eine gute Kamera hinweist, dann ist es der verbaute Sensor.

1.1 Auf die Größe kommt es an

Von den Eigenschaften eines Sensors ist die Größe am wichtigsten für die Bildqualität. Ein großer Sensor fängt viel Licht ein. Je mehr Licht, desto mehr Daten stehen dem Sensor zur Verfügung. Mehr Daten bedeuten genauere Ergebnisse und weniger Fehler, die sich insbesondere in Form von Bildrauschen äußern.

Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen ist ausreichend Sensorfläche wichtig, um noch rauschfreie Aufnahmen generieren zu können. Verrauschte Low-Light-Bilder kennt Ihr alle. Aber wie vergleicht man überhaupt zwei Sensoren überhaupt miteinander – gerade angesichts der abstrusen Zoll-Angaben in den Datenblättern?

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Diverse in Handy-Kameras übliche Sensorgrößen im maßstabsgetreuen Vergleich: Der Unterschied ist deutlich. / © NextPit

Je kleiner die Zahl unter dem Bruch, desto größer ist der Sensor. 1/1,33 Zoll ist größer als 1/2,3 Zoll ist größer als 1/4,4 Zoll. Die größten Sensoren verbauen die Hersteller in den Hauptkameras, da diese am häufigsten verwendet werden.

Flächen verschiedener Kameras im Vergleich

Kamera Bildsensor Sensorformat Sensorfläche
Realme X3 Superzoom – Makrokamera unbekannt ca. 1/5 Zoll 6-7 mm2
Realme X3 Superzoom – Telekamera OmniVision OV08A10 1/4,4 Zoll 8,3 mm2
Google Pixel 4 – Hauptkamera Sony IMX363 1/2,55 Zoll 23 mm2
Samsung Galaxy S20 Ultra – Telekamera Sony IMX586 1/2,0 Zoll 31 mm2
Samsung Galaxy S20 Ultra – Hauptkamera Samsung Isocell HM1 1/1,33 Zoll 76 mm2
Canon EOS 5D Mark IV unbekannt Vollformat 860 mm2

In den vergangenen Jahren haben sich die Algorithmen der Smartphone-Hersteller extrem verbessert. Dadurch konnte beispielsweise das Google Pixel 4 mit dem vergleichsweise veralteten und kleinen Sony IMX363 noch gut mit der Konkurrenz mithalten. Woher die bescheuerten Zoll-Angaben bei Bildsensoren kommen und weitere Details zu Bildsensoren lest Ihr im folgenden Artikel.

1.2 Megapixel und Pixelgröße

Ein weiterer Vorteil von großen Sensoren: Sie haben viel Platz für viele Pixel. Klar: 100 Megapixel sind nicht grundsätzlich besser als 10 Megapixel. Aber: Bei idealen Bedingungen hat ein 100-Megapixel-Foto natürlich mehr Details als ein 10-Megapixel-Foto. Um nun abschätzen zu können, ob eine bestimmte Auflösung sinnvoll ist, hilft ein Blick auf die Pixelgröße.

Pixelgrößen verschiedener Kameras im Vergleich

Kamera Auflösung Sensorformat Pixelgröße Pixelfläche
Google Pixel 4 – Hauptkamera 12,2 Megapixel 1/2,55 Zoll 1,4 µm 1,96 µm2
Samsung Galaxy S20 Ultra – Hauptkamera 108 Megapixel 1/1,33 Zoll 0,8 µm 0,64 µm2
Samsung Galaxy S20 Ultra – Hauptkamera1) 12 Megapixel 1/1,33 Zoll 2,4 µm 5,76 µm2
Samsung Galaxy S20 Ultra – Telekamera 48 Megapixel 1/2,0 Zoll 0,8 µm 0,64 µm2
Samsung Galaxy S20 Ultra – Telekamera 2) 12 Megapixel 1/2,0 Zoll 1,6 µm 2,56 µm2
Realme X3 Superzoom – Telekamera 8 Megapixel 1/4,4 Zoll 1,0 µm 1,00 µm2
Realme X3 Superzoom – Makrokamera 2 Megapixel ca. 1/5 Zoll 1,75 µm 3,06 µm2
Canon EOS 5D Mark IV 31,7 Megapixel Vollformat 5,4 µm 29,2 µm2

1)Im 12-Megapixel-Modus ("Nonacell") 2)Im 12-Megapixel-Modus ("QuadPixel")

Als Faustregel gilt aber im Jahr 2020:

  • Die volle Auflösung ist bis etwa 1,0 Mikron Größe bestenfalls bei Tageslicht zu gebrauchen. Wirklich vorzeigbar sind die Fotos eher nur in kleineren Formaten. Nachtaufnahmen könnt Ihr knicken.
  • Ab 1,4 Mikron Größe könnt Ihr die Auflösung bei Tageslicht meist voll nutzen. Nachtaufnahmen sind meist nur in kleineren Formaten brauchbar und setzen spezielle Nachtmodi voraus, die sich nur für unbewegte Motive eignen.
  • Dynamische Aufnahmen im Low-Light-Bereich erfordern eine andere Größenordnung. Hier geht es bei den etwa 3 bis 4 Mikron los, die Ihr bei großsensorigen dedizierten Kameras findet.

Natürlich sind die Grenzen fließend, und wie schon erwähnt spielen die Algorithmen eine enorm große Rolle. Aber dazu kommen wir später noch einmal im Abschnitt Software. Viele moderne Sensoren haben mit ihren enormen Pixelzahlen aber auch mehr Tricks auf Lager als einfach nur mehr Details. Das bringt uns zum nächsten Kapitel 1.3.

1.3 Pixelcluster, Autofokus & Co.

Neben dem Potenzial auf tolle Details bei entsprechender Größe haben extrem hochauflösende Sensoren eine noch spannendere Eigenschaft. Die vielen Pixel auf dem Sensor sind nämlich geclustert. Bei Sony heißt das Quad-Pixel, bei Samsung je nach Cluster-Größe Tetracell (vier) oder Nonacell (neun).

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Immer jeweils vier Pixel werden zu einem Superpixel: Hier spricht Akis Evangelidis von OnePlus über den IMX586 im OnePlus 7. Wie bei der Grafik im Hintergrund ersichtlich fasst der Sensor 16 Pixel zu vier Pixeln zusammen. / © NextPit

Während Quad-Pixel- beziehungsweise Tetracell-Sensoren tatsächlich so viele Lichtsensoren wie Pixel haben, ist die Zahl der Farbfilter in der Bayer-Matrix über dem Sensor um den Faktor vier geringer. Der verbreitete Sony IMX586 mit seinen 48 Megapixeln hat also nur 12 "farbige" Megapixel (und selbst die nur durch Demosaicing). Das mag ein Nachteil bei der Farbauflösung sein, spielt in der Praxis aber keine so große Rolle.

Durch ein "Zusammenschalten" dieser nebeneinanderliegenden Pixel wird deren Fläche nun größer – und die "Qualität" pro Pixel steigt. Der 48-Megapixel-Sensor kommt im 12-Megapixel-Modus also bei der Pixelgröße auf durchaus ordentliche 1,6 Mikron. Samsungs Isocell HM1 kondensiert sogar 108 zu 12 Megapixeln.

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Farbauflösung ist nicht so wichtig wie Helligkeitsauflösung. Oder hättet Ihr gemerkt, dass das Bild (2) in der Mitte die Helligkeitswerte vom linken Bild (1) und die Farbwerte vom rechten Bild (3) kombiniert? Nur an der Kante vom Kopf fällt das auf. / © NextPit

Warum nun das Kunststück? Einerseits klingen mehr Megapixel im Datenblatt richtig toll. Andererseits gibt es hier spannende Tricks für den Autofokus. So finden sich bei einigen Sensoren nicht nur mehrere Pixel unter einem Farbfilter, sondern auch unter einer Mikrolinse. Sony nennt das dann 2x1-OCL oder 2x2-OCL, je nachdem, ob zwei oder vier Pixel unter einer Linse stecken.

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2x2-OCL-Sensoren von Sony haben nicht nur einen Bayer-Farbfilter, sondern auch nur eine Mikrolinse pro vier Pixel. Durch diesen Trick wird jeder Pixel auf dem Sensor zu einem Autofokus-Sensor. / © Sony

Durch diesen Trick wird jeder einzelne Pixel auf dem Sensor zu einem PDAF-Autofokus-Sensor. Das Ergebnis ist beeindruckend. Der IMX689 im Oppo Find X2 Pro hat mich im Kamera-Test jedenfalls ganz schön aus den Socken gehauen.

Die ersten in Bildsensoren integrierten PDAF-Autofokussysteme erforderten noch spezielle Pixel, die dann nur für den Autofokus zuständig waren. Die so im Sensor entstandenen blinden Flecken musste die Bildverarbeitung des Smartphones auffüllen.

  • tl;dr: Ein Blick auf die Sensor-Technologie lohnt sich: Hier verstecken sich häufig tolle Features wie der unglaublich rasante Autofokus im Oppo Find X2 Pro. Solche Details findet Ihr stets auch in unseren Testberichten.

1.4 ISO-Empfindlichkeit

Nachdem diverse Hersteller in den vergangenen Jahren dazu übergangen sind, besonders hohe ISO-Empfindlichkeiten stolz ins Datenblatt zu schreiben, sei hier nur eines dazu gesagt: Das ist Quatsch.

Die ISO-Empfindlichkeit einer Kamera ist vereinfacht gesagt mit einem Helligkeitsregler vergleichbar, dessen oberes Ende sich willkürlich festlegen lässt. Die Aussagekraft deckt sich ungefähr mit der Maximalgeschwindigkeit auf der Tachoskala in Eurem Auto. Auch ein 360-km/h-Tacho macht aus einem Golf keinen Bugatti.

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Wunsch und Wirklichkeit: Nein, der Golf wird dadurch auch nicht schneller. / © Volkswagen, Montage: AndroidPIT

2. Objektive

Das Objektiv einer Kamera sorgt dafür, dass das Licht überhaupt erst auf den Sensor kommt. Wie die Größe des Sensors bestimmt auch das Objektiv, wie viel Licht das Kamera-System einfangen kann. Außerdem sind die Objektive für Bildwinkel, Zoom & Co. verantwortlich, die wir uns hier ebenfalls näher ansehen möchten.

2.1 Von Ultraweitwinkel bis Tele

Als Einleitung eine grobe Einordnung der Brennweiten und Bezeichnungen:

  • Ultraweitwinkel ("0,5x"): Der Ultraweitwinkel bezeichnet bei Smartphones Brennweiten unterhalb der 20 Millimeter – oder Bildwinkel oberhalb der 90 Grad. Der Ultraweitwinkel eignet sich perfekt für Panorama-Fotos.
  • Weitwinkel ("1x"): In diesen Bereich fällt die Hauptkamera Eures Smartphones, die typischerweise eine Brennweite von etwa 25 Millimetern hat. Wie das aussieht, wisst Ihr alle.
  • Telezoom-Kamera ("2x und mehr"): Alles ab 50 Millimeter fällt in den Bereich "Telezoom". Etliche Smartphones haben inzwischen mehrere Telezoom-Kameras, um die Flexibilität zu erhöhen.
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Viel Flexibilität, aber nicht immer sind die Ergebnisse brauchbar. Moderne Smartphones wie das Samsung Galaxy S20 Ultra wollen viel, können ihre Versprechen aber zumindest bei extrem starken Zoomstufen nicht halten. / © NextPit

2.2 Brennweite

Die Brennweite im Kleinbildäquivalent ist eine über alle Kameras vergleichbare Größe, um eine bestimmte Vergrößerung zu beschreiben. Meistens wird der Zusatz "im Kleinbildäquivalent" in Datenblättern zu Gunsten der Lesbarkeit weggelassen. Eine KB-Brennweite korreliert immer mit einem bestimmten Bildwinkel.

Brennweiten und ihre Bildwinkel

Brennweite im Kleinbildäquivalent Bildwinkel in der Diagonale
12 Millimeter 122,0 Grad
24 Millimeter 84,1 Grad
50 Millimeter 46,8 Grad
85 Millimeter 28,6 Grad
105 Millimeter 23,3 Grad

Für Euch als Interessenten bedeutet das: Ihr wisst genau, welche Vergrößerung Ihr bekommt, wenn Ihr ein Smartphone mit 120-Grad-Ultraweitwinkel kauft. Zumindest, welche Ihr bekommen solltet, wenn der Hersteller nicht mogelt, gell Oppo?

Um mit den Werten konkret etwas anfangen zu können, ist etwas Praxiserfahrung hilfreich. 120 Grad beziehungsweise 12 Millimeter sind extrem weitwinkelig. 24 Millimeter ist das, was Ihr von den Hauptkameras Eurer Smartphones kennt. 50 Millimeter entsprechen etwa dem Seheindruck Eures Auges und eignen sich gut für Portraits – ebenso wie 85 Millimeter. Alles darüber ist Luxus, um beispielsweise bei der nächsten Safari nicht gefressen zu werden.

Achtet außerdem darauf, es zwischen den verschiedenen Brennweiten in Eurem Smartphone keine großen Löcher gibt – denn zwischen den optisch vorhandenen Brennweiten muss Euer Handy stets digital zoomen, was mit einem gewissen Qualitätsverlust einhergeht.

Grundsätzlich gilt: Wollt Ihr in einer bestimmten Vergrößerung gute Fotos schießen, sollte Euer Smartphone diese Vergrößerung auch möglichst gut mit einem Kamera-Modul der entsprechenden Brennweite unterstützen. Welche Ausnahmen es von dieser Regel gibt, lest Ihr in unserem nachfolgend verlinkten Artikel über das 100x-Märchen.

2.3 Zoom

Lasst Euch von Phantasiewerten wie 100x, 60x oder 30x nicht blenden. Diese Werte haben bei Smartphones nicht etwa eine physikalische Grundlage, sondern wurden von den Marketing- und Produktverantwortlichen bestenfalls ausgewürfelt. Entscheidend für die Bildqualität eines Smartphones bei hohen Brennweiten ist die Telekamera. Hier müsst Ihr einerseits auf die echte Brennweite gucken, andererseits auf den Sensor. Beispiel:

  • Die Telekamera im Galaxy S20 Ultra beispielsweise hat 102 Millimeter Brennweite. Nachdem Samsung hier einen großen 1/2-Zoll-Sensor verbaut, wird die Bildqualität bei dieser Vergrößerung ziemlich gut sein. Der digitale Zoom hat dank 48 Megapixeln Auflösung außerdem Reserven.
  • Das Xiaomi Mi Note 10 dagegen hat bei ähnlicher Brennweite einen 1/4,4-Zoll-Sensor mit gerade einmal einem Viertel der Fläche verbaut. Die 8 Megapixel bieten wenig Reserven für digitales Zoomen.

 

Es ist keine Überraschung, dass die beiden Smartphones hinsichtlich der Telezoom-Bildqualität in verschiedenen Ligen spielen.

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Das Galaxy S20 Ultra schlägt sich beim Telezoom besser als das Mi Note 10. Angesichts der Hardware hätte ich einen noch deutlicheren Unterschied erwartet. / © NextPit

Alles, was die Hersteller mit Hybrid-Zoom, Hybrid Optical Zoom oder dergleichen vernebeln, ist nichts anderes als ein digitaler Zoom. Stand heute gilt:

  • tl;dr: Zoom-Angaben wie "100x" könnt Ihr ignorieren. Seht Euch stattdessen die Bildsensoren und Objektive respektive Brennweiten der diversen Kamera-Module an. 

2.4 Blende

F2.2, F1.8, F1.5 – die Blende war in den vergangenen Jahren ein beliebtes Marketing-Werkzeug. Das ging so weit, dass Samsung bei seinen Smartphones massiv Abbildungsqualität zugunsten einer möglichst niedrigen F-Zahl opferte. Aber so ist es nunmal: Die Physik ist gemein, und lichtstarke Objektive stellen extrem hohe Anforderungen an die Verarbeitung und Konstruktion, soll die Bildqualität nicht leiden.

Im Normalbetrieb hat beim Galaxy S9 letztendlich dann eine mechanische Blende das Öffnungsverhältnis zugunsten der Bildqualität von F1.5 auf F2.4 gedrosselt. Dabei wurde der Rand der Linse, der für die höhere Lichtstärke und das Einbrechen der Abbildungsleistung verantwortlich ist, von einem Stückchen Plastik verdeckt. Aber Hauptsache, man kann F1.5 aufs Datenblatt schreiben.

Ob ein Smartphone nun ein maximales Öffnungsverhältnis von F1.5 oder F1.8 hat, ist hinsichtlich der Lichtmenge gar nicht so entscheidend. Zwischen F1.5 und F1.8 liegt etwa eine halbe Blende, was nicht einmal 50% mehr Licht entspricht. Zur Erinnerung: Ein 1/1,33-Zoll-Sensor hat mehr als die doppelte Fläche als ein 1/2-Zoll-Sensor. Der Hebel ist hier also deutlich größer.

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Galaxy S9+: Die Wettbewerb um die größte Blende hat schon bizarre Früchte getragen. / © NextPit

Wo die Blende aber durchaus eine Rolle spielt, ist bei den Telekameras. Bei hohen Brennweiten ist es nämlich enorm schwierig, große Blenden zu realisieren – und so finden sich hier oft lichtschwache Linsen mit Blendenzahlen von F3.5 oder darüber. In dieser Größenordnung spielt ein Abfallen der Lichtstärke durchaus eine Rolle. Bei F3.5 ist nur noch halb so viel Licht übrig wie bei F2.5. In Verbindung mit den meist winzigen Bildsensoren bei Telekameras ist eine schlechte Bildqualität hier vorprogrammiert.

Wenn Ihr mehr über die Blende in der Handy-Kamera lesen wollt, empfehle ich Euch den nachfolgend verlinkten Artikel.

2.5 Linsenelemente

Die Zahl der Linsenelemente (und Linsengruppen) taucht sporadisch immer mal wieder im Zusammenhang mit Smartphones auf, hat sich bislang aber nicht in den Datenblättern etabliert. Ich möchte sie trotzdem kurz erwähnen. Die Zahl der Linsenelemente und Linsengruppen sagt ungefähr so viel aus wie die Zahl der Zahnräder über ein Getriebe. Viel hilft nicht unbedingt viel.

  • tl;dr: Angaben zu Linsenelementen (und -gruppen) könnt Ihr ignorieren.

3. Spezial-Kameras

Von ToF und LiDAR über Bokeh bis Makro: Bei Smartphones finden sich allerlei Spezial-Kameras. Was Ihr davon wirklich braucht, lest Ihr in den nachfolgenden Absätzen.

3.1 Time-of-Flight (ToF)

Ob sie nun Time-of-Flight beziehungsweise ToF wie bei den meisten Android-Smartphones oder LiDAR wie bei Apple-Geräten heißen: Aktive Tiefenkameras finden sich bei immer mehr Smartphones und Tablets. Während die Hersteller die exotischen Kamera-Module meist mit revolutionären AR-Features oder besseren Bokeh-Effekten anpreisen, sind die tatsächlich spürbaren Vorteile noch eher gering.

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ToF-Prototyp von Infineon an einem Samsung-Smartphone: Coole Effekte, doch der praktische Nutzen lässt noch auf sich warten. / © NextPit

Unsere Empfehlung ist daher: Basiert Eure Kaufentscheidung nicht auf dem Vorhandensein von ToF- oder LiDAR-Sensoren. Wir warten seit Google Tango auf den Durchbruch, und passiert ist noch nicht viel. Mehr über die Technologie lest Ihr in unserem Artikel mit Video zur ToF-Kamera im Lenovo Phab 2 Pro, dem damals ersten Smartphone mit Time-of-Flight-Kamera.

3.2 Bokeh-Kamera

Bokeh- oder Depth-Sensoren erfreuen sich insbesondere in Mittelklasse- und Einsteiger-Smartphones großer Beliebtheit. Verständlich, denn für die Hersteller sind sie eine billige Möglichkeit, ein Handy mit zusätzlichen Kameras "aufzuwerten". Die meist verbauten 2-Megapixel-Sensoren gibt es in Shenzhen & Co. quasi zum Nulltarif. Und hey, Quad ist besser als Triple.

Warum sich anstelle des lahmen 2-Megapixel-Bokeh-Sensors nicht einfach die direkt daneben verbaute 8-Megapixel-Ultra-Weitwinkel-Kamera nutzen lässt? Keine beliebte Frage in Interviews. Bokeh-Sensoren könnt Ihr getrost ignorieren. Wenn sie irgendetwas auf dem Planeten besser machen, dann die Datenblätter der Hersteller.

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Bei Mittelklasse-Smartphones finden sich gerne auch einmal Sensoren, die eigentlich überflüssig wären. / © NextPit

3.3 Makro-Kamera

Makro-Kameras sind ein weiterer Trend der vergangenen Monate. Das Fundament ist allerdings ähnlich wackelig wie bei den Bokeh-Sensoren. Die mit 2 Megapixeln notorisch niedrig auflösenden Mini-Sensoren sind in Sachen Bildqualität selten den Ergebnissen überlegen, die sich per digitalem Zoom aus einer vernünftigen Hauptkamera herausholen lassen.

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Im linken Bild seht Ihr ein 2-Megapixel- und ein 64-Megapixel-Bild aus dem Realme X3 Superzoom im Größenvergleich. Ein Crop liefert nicht unbedingt viel schlechtere Ergebnisse als die Makro-Kamera. Das gilt vor allem, wenn man mit dem Fokus sorgfältiger ist als ich es bei diesem Foto war. / © NextPit

Im Gegensatz zum Bokeh-Sensor haben Makro-Kameras aber tatsächlich einen Vorteil. Die notorisch winzig kleinen Sensoren haben eine recht große Schärfentiefe, sodass man nicht so vorsichtig beim Fotografieren sein muss. Und der separat in entsprechenden Smartphones vorhandene Makro-Modus lädt zum Entdecken des Mikrokosmos ein.

  • tl;dr: Alle mir bekannten Makro-Kameras sind bestenfalls eine nette Spielerei. Wenn ein Hersteller mal eine großsensorige Makro-Kamera mit hoher Auflösung verbaut, ändere ich meine Meinung.

4. Software

Ob die Bildverarbeitungs-Algorithmen oder die Kamera-App an sich: Die Software spielt eine wichtige Rolle bei einer guten Handy-Kamera. 

Punkt eins ist die Bedienerfreundlichkeit. Die Kamera-Apps mancher Hersteller sind sehr schlicht gehalten, andere wiederum bieten unzählige Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten. Was ist für Euch das richtige? Hier hilft nur: Selbst ausprobieren!

Das gleiche gilt für die diversen Spezial-Modi: Fotografiert Ihr viel im Dunkeln, dann solltet Ihr ein Smartphone mit gutem Nachtmodus wählen. Manche Handys wie das Google Pixel 4 oder das Realme X3 Superzoom bieten sogar einen Sternen-Modus. Bei wieder anderen Geräten findet Ihr Modi für weiches Wasser, Lichtmalerei oder Superzeitlupe. 

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Auch das Samsung Galaxy S10 profitiert von Googles Algorithmen. Das linke Foto wurde mit dem Galaxy S10 und der Kamera-App von Google aufgenommen, rechts kommt Samsungs eigene App zum Einsatz. / © NextPit

Punkt zwei sind die Algorithmen, die aus den Sensor-Daten ein Foto machen. Hier nahm eine interessante Entwicklung ihren Lauf, als Google sein erstes Pixel-Smartphone vorstellte. Ab diesem Zeitpunkt entkoppelte Google nämlich die Kamera-App von Android – und jeder Hersteller war fortan gezwungen, seine eigene Kamera-App zu entwicklen.

Für große Hersteller wie Samsung, Apple oder Huawei war das kein arges Problem. Innerhalb weniger Monate war der Vorsprung von Googles Kamera-Team mehr oder weniger gut aufgeholt. Aber kleinere Hersteller wie HTC, OnePlus oder LG hatten zumindest anfangs ganz schön damit zu kämpfen, eigene Kamera-Apps entwickeln zu müssen.

tl;dr: Große Hersteller mit großen Entwickler-Kapazitäten haben es nicht nur leichter, vielfältige Funktionen in den Kamera-Apps unterzubringen, sondern können sich auch bessere Algorithmen leisten. Insbesondere bei den diversen Nachtmodi sind die Qualitätsunterschiede enorm.

5. Testberichte

Auf so ziemlich jeder Webseite rund um Handys findet Ihr auch Testberichte zu deren Kameras – so auch hier bei uns. Aber was macht eigentlich einen guten Testbericht aus?

Auf zehn Smartphone-Tester da draußen kommen wahrscheinlich 15 Meinungen, welches Testverfahren das richtige ist. Labor? Oder lieber Praxis? Vergleiche? Ich möchte an dieser Stelle einfach mal meine Erfahrungen wiedergeben. 

Ich habe bei früheren Arbeitgebern selbst schon Smartphones und auch "richtige" Kameras in Testlaboren getestet und endlos irgendwelche Testcharts abfotografiert. Ja: Die Ergebnisse sind spannend, um beispielsweise den Auflösungsverlust beim digitalen Zoom präzise zu quantifizieren oder Verbesserungen durch Updates zu überprüfen.

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Doppelte Gischt beim Xiaomi Mi Note 10: In einem Labortest werden solche Fehler kaum auftreten. / © NextPit

Aber viele Dinge fallen bei Labortests hinten über. Die ganz groben Bildverarbeitungsfehler der ersten Smartphones mit Samsungs 108-Megapixel-Sensoren beispielsweise treten bei statischen Motiven überhaupt nicht auf. Auch lästige Auslöseverzögerungen oder regelmäßige Abstürze der Kamera-App fallen erst bei einem ausgiebigen Praxistest auf.

Wichtig für einen guten Testbericht ist, dass er möglichst vielfältig ist. Smartphones haben heutzutage enorm viele verschiedene Kameras und Einstellungen. Wurden die wichtigsten davon getestet – und unter verschiedenen Bedingungen? Und ganz wichtig: Könnt Ihr die Erkenntnisse der Tester immer anhand von Beispielaufnahmen nachvollziehen?

Ein tolles Mittel, um die Tester und deren Meinung als Unbekannte aus der Gleichung zu eliminieren, sind Vergleichstests. Hier könnt Ihr direkt beurteilen, wie sich ein bestimmtes Smartphone im direkten Vergleich mit einem anderen Gerät schlägt – vielleicht auch mit einem Handy, dass Ihr selbst nutzt und kennt. Das macht es Euch leichter, die Bildqualität wirklich gut einordnen zu können.

Mein großes Ziel mit diesem Artikel – und den enthaltenen weiterführenden Links – ist es, dass Ihr Euch selbst ein Bild machen könnt. Versteht die Datenblätter, die Technologie hinter den Kameras. Was ist Marketing, was ist wichtig? Und lernt, selbst zu beurteilen: Wie aussagekräftig ist ein Testbericht, auch für meine Anwendungsfälle? 

6. Kauftipps

Zu guter Letzt möchte ich Euch an dieser Stelle noch auf unsere Bestenliste aufmerksam machen. Hier listen wir Euch stets jene Smartphone-Kameras auf, die uns im Test am meisten überzeugen konnten.

Jetzt seid Ihr an der Reihe: Was möchtet Ihr noch über Smartphone-Kameras wissen? Haben wir ein Thema vergessen? Ich freue mich auf Euer Feedback!

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Top-Kommentare der Community

  • Stefan Möllenhoff
    • Staff
    vor 1 Monat

    Hallo Michael, vielen Dank für deinen netten und interessanten Kommentar.
    Bei den Linsenelementen bin ich ganz bei Dir – meistens findet man ja auch bei hochwertigeren Objektiven mehr Linsenelemente (Canon 50mm F1.8: 6 Linsen, F1.4: 7 Linsen, F1.2 8 Linsen). Bei Smartphones ist das bislang nur sporadisch und am Rande aufgetaucht. Ich warte noch auf einen Fall, wo hier mehr wirklich besser bedeutet.

    Und ja, Labortests sind in der Theorie jedem Praxistest überlegen. Aber leider refinanziert sich der Aufwand, den ein perfekter Labortest wie von Dir beschrieben bedeuten würde, für kaum ein redaktionelles Medium der Welt. Ich finde ja, dass DxOMark beispielsweise das mit ihrer Mischung grundsätzlich sehr gut macht. Nur die Berechnung der Scores und deren aggressive Vermarktung finde ich höchst zweifelhaft.

20 Kommentare

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  • Sehr umfassender Artikel, vielen Dank dafür.
    Man sollte sich immer bewusst machen wenn einem die Kamera im Smartphone so wichtig ist was ich eigentlich damit fotografieren möchte.
    Bin ich ne Partymaus oder -mäuserich dann brauche ich gute Lowlight performance.
    Bei statischen Bildern machen auch Einsteigersmartphones noch recht gute Fotos. Will ich beim Sport alles erkennen können brauche ich natürlich kurze Auslösezeiten und so weiter.


  • Wie immer ein guter Artikel von STEFAN MÖLLENHOFF der ein gutes Verständnis rund um Fotos liefert 👍


  • Toller Artikel. Gibt es überhaupt „ das Smartphone mit einer guten Kamera „?


  • Hallo.
    Bin von einem Google Pixel 3xl auf Samsung 10e dann Samsung Note 10 plus....... wieder bei Google 3a gelandet.....bei Google, egal
    ob Pixel 3 XL oder Pixel 3a gelingt jedes Bild!
    Hätte von Samsung wirklich mehr erwartet......ok haben SD Erweiterung....bei Google die geniale Foto App wo sofort alles gespeichert wird.
    Mein Fazit.... bleibe bei Google.....


    • Grundsätzlich stimme ich dir zu - hatte bisher nie eine bessere Knipse als das Pixel 3. Aber auch da gelingt mir nicht ausnahmslos jedes Bild. Wenige Ausnahmen sind mir in den dunklen Bereichen zu dunkel. Dann muss ich mit dem Fokuspunkt nachhelfen. Aber das ist jammern auf sehr hohem Niveau...


      • Ich finde, daß Google genau in diesem Punkt in letzter Zeit deutliche Veränderungen vorgenommen hat. Dieses Absaufen der Schatten war mir ein Dorn im Auge, als ich mir mein Pixel2xl 2017 gekauft hatte.
        Mittlerweile finde ich die Schatten deutlich aufgehellt und Google schreckt auch nicht vor einem starken Rauschen in den Bereichen zurück. Das ist dann wohl der Preis, der dafür gezahlt werden muß.
        Ich kann mich auf mein Pixel 2xl beziehen und ich habe auch viele Tests des Pixel 4 gesehen, wo ich genau das gesehen habe.


      • Stimmt! Ist mir auch aufgefallen, dass ich über die Zeit immer weniger korrigieren musste und manchmal festgestellt habe, dass Google doch Recht hatte bei der Belichtung. Auch der Nachtmodus scheint besser geworden zu sein.


  • Ein schöner, in die Tiefe gehender Artikel, wie von den Autor gewohnt.
    Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Aussage zur Zahl der verbauten Linsenelemente, zumal auf das Grundproblem ja an einer Stelle eingegangen wird. So schreibt der Autor, dass ein Hersteller zugunsten von Lichtstärke (und optischer Auflösung, bei kleinen Linsen und kleinen Blendenöffnungen nehmen Beugungseffekte zu, die Auflösung daher ab) auf eine kleine Blendenöffnung verzichtet hätte.
    Das Problem bei großen Linsen ist, dass sie zusätzliche Abbildungsfehler durch Licht aus größeren Winkeln produzieren (wie auch bei Weitwinkelobjektiven generell).
    Diese Abbildungsfehler lassen sich aber durch zusätzliche Linsenelemente korrigieren. So bestehen hochwertige, lichtstarke und teure Objektive aus vielen Linsenelementen, die in Summe für gute Abbildungsqualität trotz hoher Lichtstärke und guter optischer Auflösung sorgen.
    Auch wenn es natürlich stimmt, dass viele Linsenelemente keine Garantie für eine hohe Abbildungsqualität sind, die Verarbeitungsqualität kann natürlich immer noch miserabel sein, oder die Linsenelemente falsch berechnet, wird in der Regel kein Hersteller diesen Aufwand betreiben, wenn er die gleiche schlechte Qualität auch mit weniger Herstellungsaufwand und zu geringeren Kosten haben kann.

    Eine etwas andere Meinung habe ich auch zu Labortests. Zwar sind die Motive in der Regel statisch, aber daher auch gut vergleichbar. In einem Stadion wird man keine zweimal exakt die selbe Situation bekommen, so dass man stets nur unterschiedlich Bilder vergleichen kann. Weist eines eine stärkere Bewegungsunschärfe auf, kann das auch der unterschiedlichen Bewegungssituation geschuldet sein, und muss nicht auf schlechtere Kameraeigenschaften zurückzuführen sein.
    Im Labor könnte man so was sogar reproduzierbar darstellen, indem man periodische Bewegungen erzeugt, z.B. eine rotierende Scheibe mit einem Muster darauf, und immer in der selben Bewegungsphase auslöst. Dass man diesen Aufwand treibt, habe ich allerdings auch noch nicht erlebt.


    • Hallo Michael, vielen Dank für deinen netten und interessanten Kommentar.
      Bei den Linsenelementen bin ich ganz bei Dir – meistens findet man ja auch bei hochwertigeren Objektiven mehr Linsenelemente (Canon 50mm F1.8: 6 Linsen, F1.4: 7 Linsen, F1.2 8 Linsen). Bei Smartphones ist das bislang nur sporadisch und am Rande aufgetaucht. Ich warte noch auf einen Fall, wo hier mehr wirklich besser bedeutet.

      Und ja, Labortests sind in der Theorie jedem Praxistest überlegen. Aber leider refinanziert sich der Aufwand, den ein perfekter Labortest wie von Dir beschrieben bedeuten würde, für kaum ein redaktionelles Medium der Welt. Ich finde ja, dass DxOMark beispielsweise das mit ihrer Mischung grundsätzlich sehr gut macht. Nur die Berechnung der Scores und deren aggressive Vermarktung finde ich höchst zweifelhaft.


      • An sich war DxO mal wirklich gut. Aber dann haben sie sich zumindest bei Smartphones mal mMn eindeutig "kaufen lassen" bzw. schlicht die Ergebnisse deutlich beschönigt (vornehmlich beim P20 Pro) und schon ist der Ruf futsch.


      • Das ist das große Problem an Tests, die die ganze Laborarbeit in eine einzige Zahl kondensieren wollen: Du kannst dich als Tester auf den Kopf stellen wie Du willst und Dir noch so tolle Testverfahren überlegen – es kommt am Ende immer Mist raus, weil die Produkte einfach zu unterschiedlich sind und sich von Generation zu Generation zu stark verändern.

        Ich hab schon Testverfahren gesehen, wo Bedienerfreundlichkeit getestet wird, indem standardmäßig die Zahl der Mausklicks von A nach B gezählt wird. Aber dann hast du einen extrem unübersichtlichen Screen mit 1000 Optionen drauf – und trotz eines einzigen Mausklicks von A nach B ist das Interface kacke :P Und an ähnlichen Punkten scheitern eben die meisten Testverfahren (, die sich irgendwie noch durch Leser refinanzieren lassen). Wenn das Testverfahren nur populär genug ist, stellen sich irgendwann auch die Hersteller drauf ein – das passiert bei Smartphone-SoCs genauso wie bei Wein.

        Unterm Strich geht's mit den leider beschränkten Mitteln dann nicht ohne subjektive Wertung, und das macht ja auch DxOMark nicht anders. Aber da ist halt die Problematik: Einerseits wird ein objektiver Test mit einer ultimativen Punktzahl suggeriert, gleichzeitig fließt in die Gesamtpunktzahl aber ein subjektiver Wertungsfaktor mit geheimer Gewichtung ein.


      • @Stefan Möllenhoff
        Speziell bei DXO ist mir aber der Widerspruch von gezeigten Fotos, Bewertung der Fotoqualität des Bildes, und dem Endergebnis aufgefallen. Das hat mit dem Testprocedere wohl eher nichts zu tun. Seitdem sehe ich Werbung mit DXO Punkten eher als Abschreckung vom Kauf.


  • "Angaben zur ISO-Empfindlichkeit könnt Ihr beim Smartphone-Kauf getrost ignorieren."
    da wird sich Huawei mit ihrer Pseudo-ISO von über 4 Millionen aber nicht freuen... :D

    "50 Millimeter entsprechen etwa dem Seheindruck Eures Auges"
    Dann habe ich wohl kaputte Augen. Einen Tele-Blick habe ich nämlich ehrlich gesagt nicht... ^^ viel mehr entspricht das Sichtfeld den 120° / 12mm. Zwar ist nur ein kleiner Teil in der Mitte davon scharf, aber dennoch sieht man weit mehr rings um.


    • Hallo Tim, ja mit dem peripheren Sehfeld ist der Bildwinkel deutlich größer, allerdings sieht man hier nur mit deutlich geringerer Bildqualität. Ich denke, eine wirklich gute optische Wahrnehmung haben wir in jenem Bereich, in dem sich das Sichtfeld beider Augen überlappt, was (je nach Nasengröße :D) ungefähr so 40 bis 60 Grad sind – und da liegen wir dann bei den Pi mal Daumen 50 Millimetern KB-Brennweite.

      Hinzu kommt der Seheindruck. Höhere Brennweiten beispielsweise komprimieren den Hintergrund viel stärker. Rund um einen Gegenstand im Vordergrund siehst du im Vergleich zu niedrigeren Brennweiten viel weniger Hintergrund. Niedrigere Brennweiten dagegen bilden das Motiv fischaugig verzerrt ab und bringen extrem viel Hintergrund drumherum aufs Bild.

      Die sehr talentierten Kollegen von fstoppers haben dazu neben einem Video auch ein tolles GIF gebastelt:
      https://cdn.fstoppers.com/media/2018/05/22/lens_compression_animated_gif.gif

      Und hier sortiert sich das menschliche Auge auch bei ungefähr 50 Millimetern ein, was den Seheindruck angeht. Daher wirken mit dieser Brennweite geschossene Fotos auch sehr "normal". So normal, dass man Objektive rund um die 50 Millimeter auch in die Kategorie Normalbrennweite steckt :-)


      • Naja wenn man nur nach dem Sichtbereich geht, der beim Auge scharf ist, dann kommen auch 40-60 Grad kein bisschen hin. Denn dieser Bereich ist unglaublich klein. Du kannst auf deinen Daumennagel schauen und schon der Daumen unmittelbar darunter (also die Haut) ist aus dem Blick heraus schon unscharf. Oder einen Text lesen und das zweite bis dritte Wort daneben ist schon kaum noch erkennbar (je nach Textgröße etc. versteht sich).

        Dass wir keine Fischaugen-Sicht haben liegt mMn aber auch am Gehirn. Das leistet unglaublich viel, um unsere Sicht zu verbessern, Fehler zu entfernen usw. Unterschätz' das nicht.
        Es gibt ja mittlerweile auch einzelne Smartphones, die quasi auf Knopfdruck den Fischaugen-Effekt von den Ultraweitwinkelkameras beheben. Sony wäre da ein Beispiel. Das Sichtfeld bleibt identisch, aber die Verzerrung verschwindet.


      • Ja, ich meinte auch gar nicht den scharfen Bereich, sondern jenen, den man noch einigermaßen klar erfassen kann. Aber sicherlich, der Übergang zum peripheren Sichtfeld ist fließend. Es wurde halt irgendwann einmal so definiert ;)

        Zum Thema Verzerrungskorrektur: Wenn Du RAW-Fotos schießt, dann wird hier in der Regel nichts korrigiert. Ich hab schon Kameras gesehen, die im UWW dann noch Objektivrand im RAW-Foto drin hatten :P

        Und ja, das menschliche Auge bzw. das Gehirn hat krasse Tricks drauf, das Thema sakkadische Maskierung finde ich beispielsweise echt spannend.

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