Du willst einen Kommentar über einen Mülleimer schreiben? Ja, will ich. Nein, falsch: Muss ich. Innerer Zwang. Der Freezyboy kommt aus der Schweiz und wird jetzt auch in Deutschland angeboten. Dabei handelt es sich um einen Bio-Mülleimer, aber keinen ganz einfachen, oh nein! Der Freezyboy friert Euren Müll auf -5 Grad Celsius, damit er nicht anfängt zu müffeln. „Endlich kannst du den Bioabfall über mehrere Wochen problemlos in deiner Küche aufbewahren“, verspricht der Hersteller – und findet das offensichtlich auch noch toll.

Jetzt mal ehrlich: Ein Mülleimer, der ein kleiner Kühlschrank ist, Strom verbraucht und 850 Euro kostet – ist das Euer Ernst, liebe Erfinder von Freezyboy? Für mich sind solche Geräte ein klassisches Beispiel von Dekadenz. Es wird ein Problem gelöst, das gar nicht existieren müsste, und das für ein Heidengeld und zulasten der Umwelt dank Stromverbrauch, Kühlmittel und Co.

Der Hersteller führt sechs Punkte auf, die für den Freezyboy sprechen. Gehen wir sie mal der Reihe nach durch:

  • Kein Gestank: Ja, Kälte führt dazu, dass der Biomüll nicht mehr riecht. Aber mal ehrlich: Die Salatblätter, Kartoffelschalen oder Eierschalen fangen doch nicht nach fünf Minuten an zu stinken. Das hätte man doch vielleicht schon früher mal gemerkt.
  • Zentral: Ich zitiere mal von der Herstellerseite: „Der Küchenabfall wird da entsorgt und aufbewahrt, wo er anfällt: zentral in der Küche.“ Genau, und dann wird er rausgebracht, damit die Müllabfuhr ihn mitnehmen kann. Geht ganz ohne Gefrieren.
  • Hygiene: Es gibt Müllbeutel, auch kompostierbare für den Biomüll, und es gibt luftdichte Mülleimer. Case closed.
  • Reinigung: Ich zitiere nochmal: „Bei Bedarf kannst du den Biobehälter im Geschirrspüler problemlos reinigen.“ Und den Mülleimer nicht, oder was?
  • Zeit: Lassen wir nochmal den Hersteller zu Wort kommen: “ Dein Gang zur Grüntonne wird markant reduziert.“ Ach so. Und den restlichen Müll muss man auch nicht mehr zu den anderen Tonnen bringen, die direkt daneben stehen? Und an denen man vielleicht sowieso ab und an mal vorbei kommt im Laufe des Tages? Das klingt fast so, als müsste ich für das Beutelchen mit dem Biomüll jedes Mal zum Recyclinghof fahren.
  • Qualität: Der Hersteller verspricht „höchste Qualität“ für eine „maximale Lebensdauer“. Das will ich doch hoffen bei dem Preis.
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Müll einfrieren, damit man ihn nicht raus bringen muss? Echt jetzt? / © Freezyboy Bildquelle: Freezyboy

Wie weit ist der Gang zur Mülltonne wirklich?

Selbst wenn in einem Haushalt richtig wenig Biomüll anfällt und der Eimer nicht voll werden will: Es gibt auch kleine Mülltüten und Mülleimer, die sich sogar luftdicht verschließen lassen. Außerdem ist es nicht verboten, einen halb vollen Mülleimer raus zu bringen und in die Tonne zu entleeren – wenn das Zeug stinkt, dann bringt es halt raus, auch wenn der Eimer noch nicht voll ist.

Wer tatsächlich meint, seinen Müll in der Küche kühl lagern zu müssen, sollte sich lieber einen schönen kleinen Zweit-Kühlschrank kaufen. Die kosten einen Bruchteil des Freezyboy, und wenn man dann irgendwann drauf kommt, dass der Weg zum Mülleimer vor dem Haus vielleicht doch keine strapaziöse Weltreise ist, kann man da wenigstens noch sinnvolle Dinge verstauen, zum Beispiel leckeres Essen oder eine gute Flasche Weißwein.

Was haltet Ihr von der Idee des Freezyboy?