Alles nur geklaut: die Monetarisierung von Smartphone-Leaks

Alles nur geklaut: die Monetarisierung von Smartphone-Leaks

Oh, diese Ironie tut weh! In dieser Woche hat sich der prominente Smartphone-Leaker Evan Blass aufgeregt und einen Nutzer aus seinem Patreon-Kanal geworfen, weil er seine "Premium-Inhalte" auf Slashleaks geteilt hat. Treten wir wirklich in eine Ära ein, in der sich Smartphone-Leaks monetarisieren lassen?

Als Evan Blass vergangene Woche ankündigte, er würde einen Patreon-Kanal starten, um seine inzwischen berüchtigten Leaks unveröffentlichter Tech-Produkte – insbesondere Smartphones – zu verbreiten, gab es in unserer Redaktion mehr als nur ein verwundertes Augenpaar. Mir schien, als könne hier Ärger vorprogrammiert sein, und genau so ist es nun gekommen.

Als Blass erkannte, dass Nils Ahrensmeier seine Patreon-Inhalte auf Slackleaks veröffentlichte, wurde er schnell mit einem Abonnementverbot belegt. Ahrensmeier ließ die Leaks auf einer anderen Website durchsickern, was anscheinend gegen den Verhaltenskodex der Leaker verstößt. Slashleaks hat sich bereit erklärt, Blass' Patreon-Leaks zu löschen, aber das wird nicht das Ende der Geschichte sein. Und so finden wir uns in einem Durcheinander wieder.

Es geht hier nicht direkt um das Austauschen von bezahlten Inhalten aus Patreon – es steht außer Frage, dass solche Aktionen gar nicht gehen – aber wir reden hier nicht über Urheberrechtsverletzung. Der von den Autoren veröffentlichte Inhalt ist in der Regel bereits gestohlen (oder wurde zumindest "kreativ erworben"), und ich denke, hier müssen Fragen gestellt werden. In einem Kommentar unter einem unserer Artikel zum Thema beschrieb Fabian Nappenbach, Produktmarketing-Manager bei HTC, Leaker als "Diebe - sie stehlen Informationen, die ihnen nicht gehören, und verscherbeln sie für Geld". Sollten wir also Mitleid mit Blass und Co. haben, wenn ihr Patreon-Inhalt am Ende ohne Erlaubnis über die Paywall springt? Haben die Mittelsmänner tatsächlich etwas zu verkaufen?

Gestohlene Waren: die Monetarisierung von Smartphone-Leaks

Meiner Meinung nach gibt es typische Muster im Karriereverlauf eines Leakers: Zunächst neigen sie dazu, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit oder den Ruhm zu buhlen. Irgendwann lässt das Grundrauschen nach. Likes, Retweets und Berichte nehmen ab. Neue Ideen beginnen sich zu formen. Mit einer großen Anhängerschaft lässt sich Geld verdienen, nicht wahr?

Ich habe kein Problem damit, dass Leaker versuchen, ihre Twitter-Accounts zu monetarisieren. Wenn interessierte Leser einen Dollar pro Monat bezahlen wollen (Blass verlangt zehn Dollar pro Monat für Veröffentlichungen), um Zugang zu dem zu erhalten, was sie früher kostenlos bekamen, sollen sie das gerne machen. Die Ironie der gegenwärtigen Situation ist dennoch köstlich: Leaker sind verärgert, weil ihre Leaks geklaut werden. 

An dieser Stelle lohnt es sich, auf die immer noch weit verbreitete Verschwörungstheorie einzugehen, Hersteller seien oft selbst für diverse Vorabveröffentlichungen verantwortlich. Fragt man diese, wird abgestritten. Einige Hersteller, beispielsweise Google, agieren aber getreu dem Motto: "Sei deinen Freunden nah, doch deinen Feinden noch näher" und verbreiten selbst lange vor der offiziellen Vorstellung Daten und Bilder. Zuletzt beim Google Pixel 4 geschehen. Die Wahrheit ist, dass heutzutage kein Hersteller die Geschehnisse vor einer bevorstehenden Produkteinführung wirklich kontrollieren kann. Das ist einer der Gründe, warum Einführungsevents zunehmend an Sinn und Zweck verlieren.

Ich habe das Gefühl, dass wir in dieser Branche an einem Scheideweg stehen. Ich für meinen Teil bin dafür, den Weg der offiziellen Teaser zu gehen, wirklich aufregende Startveranstaltungen zu organisieren und weniger auf Leaker angewiesen zu sein. Viele Medien stecken allerdings in der Zwickmühle. Leaks sind spannend, sie ziehen Leser an, bringen Schwung in die Tech-Branche und jeder hat Rechnungen zu bezahlen. Nun, solange neue Technik über Leaks konsumiert werden muss, wird sich daran wohl nicht viel ändern.


Wir haben Evan Blass um einen Kommentar gebeten, aber er lehnte ein Statement ab.

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