Apple vs. Facebook: Worum geht es beim Nutzerdaten-Beef?

Apple vs. Facebook: Worum geht es beim Nutzerdaten-Beef?

Inwieweit sollten Nutzer den Umgang mit ihren Daten einschränken dürfen? Diese Frage lässt sich aktuell aus einem Streit zwischen Apple und Facebook ableiten, der sich inzwischen bis ins Wall Street Journal zieht. Dort schaltet Facebook schon am zweiten Tag in Folge eine Werbung und stellt Apple an den Pranger. Wer hat hier die moralische Oberhand?

Auslöser für den Konflikt zwischen Apple und Facebook war das Bekanntwerden eines neuen Features, das der Apfelkonzern im nächsten iOS-Update implementieren will. Nachdem Apple seit einiger Zeit schon ausführlichere Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten in seinem AppStore integriert, sollen Nutzer über die Sammlung und vor allem den Austausch von Nutzerdaten zukünftig besser entscheiden können. Starten wir also mit der Apple-Sicht auf die Dinge:

Apples Sicht: Nutzer sollen selbst entscheiden, was mit ihren Daten passiert

Kurz habe ich schon Apples neue Strategie beim Umgang mit Nutzerdaten geschildert und möchte ganz kurz auf die Machtposition Apples über App-Entwickler und Unternehmen hinweisen. Wer eine Anwendung auf ein iPhone, iPad, die Apple Watch oder einen AppleTV bringen möchte, der muss sich den Bestimmungen und Vorgaben des AppStores beugen. Entwickler können Ihre Apps also entweder an die Bedingungen anpassen oder direkt mit Hinblick auf die Anforderungen programmieren.

Apples Macht über Anwendungen in der iOS-Welt wird besonders deutlich, wenn das Unternehmen Bestimmungen plötzlich ändert. Wie bei Googles kürzlich angekündigten Änderungen bei Google Fotos müssen Anwender entscheiden, ob ihnen die neuen Bedingungen gefallen oder nicht – anders als bei Google Fotos gibt es im Apple-Kosmos aber keine wirkliche Alternative zum AppStore.

apple data
Die neuen Datenschutz-Features sollen in iOS 14 implementiert werden. / © Apple / Screenshot: NextPit

Und genau aus diesem Grund könnte es in der nunmehr 14. Version von Apples eigenen Betriebssystem zu einigen Problemen bekommen. Denn Apple will den Nutzern das Zepter über ihre eigenen Daten wieder in die Hand geben. Das Tracking von Nutzerdaten werde laut Apple zukünftig nur möglich sein, wenn Nutzer dies explizit erlauben. 

Unter anderem betrifft das die Anzeige personalisierter Werbung, das Teilen des Standorts mit Unternehmen, die Nutzerdaten weiterverkaufen, die Weitergabe von IDs wie Apples gerätespezifischer UDID sowie die Platzierung von Software-Development-Kits in Apps. Nach wie vor erlaubt seien anonymisierte Daten, die weder auf den Nutzer, noch auf das Gerät Rückschlüsse erlauben. Auch dann, wenn die Daten zum Schutze des Nutzers erhoben werden, soll Tracking ohne Nutzererlaubnis erlaubt sein.

tl;dr: Apple wird das Tracking von Nutzerdaten, mit dem unter anderem das Targeting bei Werbeanzeigen (später noch wichtig) möglich wird, in iOS 14 erst bei ausdrücklicher Erlaubnis der Nutzer erlauben. Entwickler müssten sich dem beugen, da Apple über die Nutzungsbedingungen des AppStore bestimmt.

Facebooks Sicht: Apple macht das Internet kaputt

Als Reaktion auf die Änderungen im AppStore wirft Facebook dem Unternehmen nun vor, "das freie Internet zu gefährden" und macht diesen Vorwurf sogar in der Washington Post, im Wall Street Journal sowie in der New York Times laut. Hierfür kaufte Facebook ganze Seiten, um die Vorwürfe als Werbung zu platzieren. Genau lauten die Anschuldigungen wie folgt:

Apple gegen das kostenlose Internet

 

Apple plant die Einführung eines zwanghaften Software-Updates, das das Internet, wie wir es kennen - zum Schlechten verändern wird.

 

Nehmen Sie Ihre Lieblingskochseiten oder Sportblogs. Die meisten Seiten im Netz sind kostenlos, weil sie Werbeanzeigen einblenden.

 

Durch die Änderung von Apple wird allerdings die Möglichkeit eingeschränkt, personalisierte Anzeigen zu schalten. Um über die Runden zu kommen, werden viele Webseiten zukünftig Abo-Gebühren erheben oder In-App-Käufe implementieren müssen, wodurch das Internet viel teurer wird und qualitativ hochwertige kostenlose Inhalte reduziert werden.

 

Abgesehen davon, dass Apps und Websites verletzt werden, sagen viele Kleinunternehmen, dass diese Änderung auch für sie verheerend sein wird. Und das zu einer Zeit, in der sie vor enormen Herausforderungen stehen. Sie müssen in der Lage sein, die Menschen, die am meisten an ihren Produkten und Dienstleistungen interessiert sind, effektiv zu erreichen, um zu wachsen.

 

Laut einem Deloitte-Umfrage [Ein Marktforschungsunternehmen, Anmerkung d. Redaktion] haben 44 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen die Nutzung personalisierter Anzeigen in sozialen Medien während der Pandemie gestartet oder verstärkt. Facebook-Daten zeigen, dass der durchschnittliche Werbetreibende ohne personalisierte Anzeigen für jeden Dollar, den er ausgibt, einen Umsatzrückgang von über 60% verzeichnen kann.

 

Kleine Unternehmen verdienen es, gehört zu werden. Wir setzen uns gegen Apple für unsere kleinen Geschäftskunden und unsere Communities ein.

 

- Text von MacRumors, maschinell übersetzt und korrigiert

Besonders bezieht sich Facebook in seiner Anschuldigung also auf die Nutzung personalisierter Werbung, die für Unternehmen gewinnträchtiger sei als herkömmliche Banner-Werbung auf Webseiten. Denn dass Apple das Tracking für solche Werbung unterbinden will, bedeutet nicht, dass Apple-Nutzer zukünftig keine Werbung mehr sehen werden. Die Anzeigen werden schlichtweg nicht auf vorige Suchinteressen oder den Standort des Nutzers zugeschnitten sein.

tl;dr: Facebook sieht in den AppStore-Änderungen eine Gefahr für das (kosten-)freie Internet. Denn da nicht-personalisierte Werbung deutlich weniger profitabel ist, müssten mehr Unternehmen auf Abo-Modelle oder In-App-Käufe zurückgreifen, um den Verlust bei ihren Werbeeinnahmen zu kompensieren.

Kurzer Kommentar des Autors

Alle Magazine, für die ich bisher als Redakteur tätig war, finanzieren sich zu einem großen Teil über Werbeanzeigen. Hierdurch konnte ich meiner Familie Artikel immer zuschicken und Leser informieren, ohne dass diese dafür Geld bezahlen mussten. Das ist toll und führt das weiter, was das Internet zu seinen Anfängen war: Eine große Community, die Informationen mit einer sehr geringen Eintrittsschwelle austauschen kann. Dieses Privileg zu verlieren wäre ein großer Verlust für Online-Magazine.

Auf der anderen Seite ist es für Nutzer kaum noch möglich, die eigenen Spuren im Internet überhaupt nachzuvollziehen. Dass Apple seinen Nutzern diese Selbstbestimmtheit wieder zurückgeben will, ist daher eine sehr positive Entwicklung und zeigt, dass die aktuellen Entwicklungen im Netz gefährlich sind. Dies auf dem Rücken kleiner Unternehmen auszutragen und das Ganze auch noch an das Ende einer weltweiten Wirtschaftskrise zu timen, ist in meinen Augen allerdings kein guter Weg. Die Lösung setzt an den kleinsten Ästen an und keineswegs an der Wurzel.

Dass gerade Facebook auf die möglichen Konsequenzen hinweist und dabei auch noch kleine Unternehmen vorschickt, ist höchst scheinheilig. Denn gerade Facebook selbst treffen die Änderungen in iOS aktuell ziemlich stark, wie ein Twitter-Beitrag Tom Warrens zeigt:

Facebook trackt also über seine eigenen Anwendungen unzählige Daten von sehr vielen Nutzern. Dürften die Nutzer nun selbst genau entscheiden, welche Daten sie von Facebook treffen lassen, würde das auch einen großen Verlust für Facebook selbst bedeuten.

Umfrage: Auf wessen Seite steht Ihr?

Lasst uns die Gelegenheit nutzen, um über Werbung und Tracking im Netz zu diskutieren? Hierfür freue ich mich auf Eure Anmerkungen in den Kommentaren und, da ich ein kleiner Statistik-Nerd bin, lasse ich Euch erst einmal abstimmen:

Auf welcher Seite steht ihr?
Ergebnisse anzeigen

Somit ist die Runde eröffnet! Teilt Eure Meinungen in den Kommentaren und beschreibt dabei gerne, ob und wie Ihr das neue Feature in iOS 14 nutzen würdet.

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Quelle: MacRumors, Apple

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9 Kommentare

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  • Dieses vorgehen bestärkt mich komplett zu Apple zu wechseln. Ich ärgere mich schon lange über mein öffentliches Tagebuch namens Cookies. Die richtige Umsetzung wäre komplett aktiviert oder deaktiviert im Browser. Und nicht bei jeder Webseite manuell alles ausschalten. Mit dem Wissen, dass ich nicht alle Spione ausschalten kann. Aus diesem Grund finde ich, macht Apple den ersten Schritt in die richtige Richtung. Aber der Weg ist noch lang bis wir nicht mehr gläsern sind.


  • H G vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Ich kaufe keine Sachen für die viel geworben wird.


  • Vor einigen Jahren hatte mal irgendwo in Deutschland ein Ladenbesitzer es satt, dass die Kunden immer nur zum Gucken kamen, aber kaum etwas kauften. Also hat er kurzerhand Eintritt für seinen Laden verlangt. Unnötig zu erwähnen, dass das zu einem riesigen Shitstorm führte. Im Internet passiert tagtäglich genau das gleiche, nur da finden das merkwürdigerweise alle ok. Ich bin sicher, wären es keine Daten, sondern pro Tag nur 10 Cent, die jeder von seinem Konto abgebucht bekäme, wäre der Aufschrei ebenso groß wie damals bei dem Ladenbesitzer.

    Tim


    • Aries vor 4 Monaten Link zum Kommentar

      10 Cent kann man nur einmal ausgeben. So kommen schnell einige zig Euro zusammen, die sich nicht jeder leisten kann. Daten hingegen können beliebig oft "verkauft" werden. Deshalb tut es kaum jemandem weh. noch nicht!

      Die Sache ist nur die, dass im Internet unter anderem auch mit den Daten Unbeteiligter "bezahlt" wird. Wer bereit ist, seine Daten zu verteilen, bitte schön! Aber gerade Facebook ergaunert sich einiges, was den wenigsten bekannt sein dürfte:
      - installierte Apps
      - Anruflisten
      - Kontaktdaten
      - Standortverlauf
      - WLAN-Access-Points
      - verbundene Bluetoothgeräte
      - gespeicherte Dateien (um zum Beispiel den Musik. und Film-Geschmack zu erfahren)

      Das wurde eingestellt? Ja! Aber wirklich für immer? Wann kommt es wieder? Und wurde es nicht nur besser hinter schönen Funktionen versteckt?

      Überall wird Werbung für Reichweite, Dauer und Größe bezahlt. Das war auch mal im Internet so. Bis Konzerne wie Facebook und Google entdeckt haben, wieviel Geld damit zu machen ist. Vor allem, wenn man es schafft, die Website-Betreiber und App-Entwickler zu Gehilfen zu machen.


  • C. F.
    • Blogger
    vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    "Alle Magazine, für die ich bisher als Redakteur tätig war, finanzieren sich zu einem großen Teil über Werbeanzeigen."

    Ich denke, da hat prinzipiell niemand was einzuwenden. Was ich aber nicht möchte, ist, dass genau diese Werbeanzeigen aus meinen Computern quasi Länge mal Breite alle möglichen Daten ausliest und an Dritte weiter gibt, womit ich einfach nicht einverstanden bin, wobei man mich nicht nach Erlaubnis fragt. Ich will das einfach nicht. Das ist nichts anderes als digitales stalking. Die Herausgabe dieser Daten sollte optional sein. Ich möchte ein mündiger www-Nutzer sein, und keine Gelddruckmaschine, von deren Erlös ich nicht mal was habe. Apple macht das genau richtig. Ich möchte sehen, welcher App ich Zugang zu meinen Daten gebe. Und wenns mir nicht passt, installiere ich diese App eben nicht.


    • Aries vor 4 Monaten Link zum Kommentar

      Warum überhaupt Nutzerdaten abgreifen? Egal ob freiwillig oder nicht, das ist in sich äußerst fragwürdig. Über Jahrzehnte wurde hier ein Betrugssystem als legal dargestellt und jetzt kommt man mit Arbeitsplätzen. Facebook führt ohnehin nur die an, die die Peanuts abbekommen.

      Was Apple macht, ist die Umsetzung der DSGVO auf die Endgeräte. Die Facebook-Google-Microsoft-Amazon-Mafia macht es ja nicht. Wie gut es wird, wird sich erst noch zeigen.

      Nur weil im Internet möglich ist, was in traditionellen Medien nicht möglich ist, legimiert das Vorgehen dennoch nichts. Deshalb ist für mich die DSGVO noch zu lasch. Es geht die Werbekonzerne nichts an, welche Apps ich nutze und welche Webseiten ich wie oft und wie lange besuche. Das gehört grundsätzlich untersagt.


  • Tim vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Meine Meinung dazu ist einfach:
    Wenn Facebook sich SO enorm daran stört und so ins eigene Bein schießt, dann macht Apple hier etwas aber sowas von richtig.

    Zumal sich bspw. Google daran gar nicht zu stören scheint, es zumindest nicht öffentlich macht. Spricht auch nicht gerade für Facebook.
    Kommt halt nicht gut an, wenn man sich selbst ständig als Datenschützer usw. selbst feiert (wie eben Facebook) und dann aber bei so einer Funktion sofort steil geht.


  • Ich finde es grundsätzlich falsch einem Unternehmen zu viel Macht im eigens aufgebauten „Kosmos“ vorzuwerfen. Apple hat das System aufgebaut und darf, insofern es gegen keine Gesetze verstößt, mit ihrer Software tun und lassen was sie möchten. Ebenso alle anderen Anbieter, Hersteller und Entwickler. Wenn Apple diese Funktion implementiert, im eigenen AppStore, im eigenen Ökosystem...dann haben sich die Kunden (hier Facebook) danach zu richten oder sie können verschwinden.

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