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B&O Beoplay EX im Test: Sind 400-Euro-Earbuds den Preis wert?

NextPit Bang Olufsen Beoplay EX Review
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Bang & Olufsen macht mit den Beoplay EX eine 400 Euro teure Ansage auf dem Markt der In-Ear-Kopfhörer! Denn derart viel Geld für eine Produktkategorie zu verlangen, die dafür bekannt ist, in Gullideckeln oder Abflüssen zu verschwinden, ist mutig. Im Test verrate ich Euch nach knapp zweiwöchiger Nutzung aber, ob sich der verrückte Anschaffungspreis bei Klang und ANC bemerkbar macht.

Bewertung

Pro

  • Erstklassiger Klang mit spaßigem EQ
  • Hochwertiges ANC
  • Fester, komfortabler Sitz
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Multi-Point-Pairing

Contra

  • Starke Windgeräusche im Transparenzmodus
  • Kein Ansteuern von Sprachassistenten
  • Gelegentliche Verbindungsprobleme
  • Kein Tracking-Feature

Kurzfazit zu den B&O Beoplay EX

Habt Ihr nicht viel Zeit, da Ihr schnell 400 Euro für Kopfhörer verdienen müsst? Okay: Die Beoplay EX sind die hochwertigsten In-Ear-Kopfhörer, die es im Mai 2022 gibt. Ihr Geld sind sie allerdings nur bedingt wert. Denn Modelle wie die WF-1000XM4 von Sony zeigen, dass ein Premium-Klang und branchenführendes ANC auch schon für knapp 200 Euro möglich ist.

Fehlerfrei sind die 400-Euro-Earbuds zudem auch nicht. Im Test fielen mir im Transparenzmodus recht starke Windgeräusche auf dem Rad oder sogar beim Spazierengehen auf. Darüber hinaus könnt Ihr keine Sprachassistenten ansteuern. Während das Kleinigkeiten sind, würden mich die gelegentlichen Verbindungsprobleme bei einer derart hohen UVP stören. Mehr dazu gibt's im Laufe dieses Testberichts.

Design & Komfort: EXtrem hochwertig

Bang & Olufsen setzt bei seinen Beoplay EX auf Premium-Materialien. Die Ladeschale ist aus Aluminium gefertigt, die Earbuds bestehen aus hochwertigem Kunststoff und verfügen über eingelassene Glaselemente. Verantwortlich hierfür war der Designer Thomas Bentzen, der auch schon die Beoplay EQ entworfen hat. Besonders erfreulich: Neben verschiedenen Silikonaufsätzen liegen den Beoplay EX auch Schaumstoff-Aufsätze bei. Für diese zahlt Ihr separat immerhin 25 Euro.

Gefällt:

  • Hochwertige Materialien sorgen für Premium-Feeling
  • Sehr guter und fester Sitz
  • Comply-Schaumstoffaufsatz mit dabei

Gefällt nicht:

  • Ladeschale wird schnell dreckig
  • Nur nach IP57 zertifiziert
  • Kein Pairing-Button

Bietet man Kunden In-Ear-Kopfhörer für 400 Euro an, darf es meiner Meinung nach keine Kompromisse beim Komfort geben. Und tatsächlich sitzen die Earbuds auffällig gut im Ohr. Das Gefühl beim Einsetzen erinnert mich ein wenig an das Anschließen eines Steckers – es wirkt, als wären die Beoplay EX schon immer für meine Ohren gedacht gewesen. Habt Ihr dieses Gefühl nicht, gibt es drei verschiedene Aufsätze aus Silikon.

Das geöffnete Ladecase der B&O Beoplay EX.
Die B&O Beoplay EX weisen Glaselemente an den Außenseiten auf. / © NextPit

Die Verarbeitungsqualität ist ebenfalls hochwertiger als bei günstigeren Alternativen. Das liegt an hochwertigen Materialien wie Glas und Aluminium, die sinnvoll an den Earbuds und an der Ladeschale eingesetzt werden. Trotz der hochwertigen Materialien sind die Earbuds nach IP54 zertifiziert – die Nutzung im Regen und bei schweißtreibendem Sport geht also locker klar.

Sehr begrüßenswert ist die Beigabe eines Paars Comply-Schaumstoffaufsätzen. Diese kennt Ihr eventuell von Premium-In-Ear-Kopfhörern oder den WF-1000XM4. Für das konzentrierte Musikhören bevorzuge ich die schalldichteren Aufsätze. Dass man für unterwegs zu den bequemeren Silikonaufsätzen zurückwechseln kann, finde ich wirklich gut durchdacht von den dänischen Audioprofis.

Die Earbuds der B&O Beoplay EX
Touch-Eingaben funktionieren zuverlässig. / © NextPit

Zwei kleinere Negativpunkte: die aus Aluminium gefertigte Ladeschale ist nicht nur recht groß, sondern auch anfällig für Schmutz. Darüber hinaus hätte ich mir einen physikalischen Pairing-Button gewünscht, der bei der Verbindung zu neuen Geräten ein wenig mehr Sicherheit bringt.

App & Komfortfunktionen

Im AppStore und im Google Play Store findet Ihr die App "Bang&Olufsen", über die Ihr die Beoplay EX steuern könnt. Dabei findet Ihr recht unkonventionelle Equalizer sowie eine Steuerung für die aktive Geräuschunterdrückung. Die Komfortfunktionen sind im Vergleich zu anderen Modellen aber recht rar.

Gefällt:

  • Spaßiger, intuitiver Equalizer
  • OwnVoice-Technologie für Telefonie sehr angenehm
  • Hübsche, gut durchdachte App

Gefällt nicht:

  • Recht wenige Komfortfunktionen
  • Ungenaue Equalizer

Die B&O-App ist die hübscheste Companion-App, die ich bei In-Ear-Kopfhörern bisher gesehen habe. Dabei ist sie derart detailverliebt, dass Ihr sogar die Farbe der angezeigten Beoplay EX auf die Farbe Eurer Modelle umstellen könnt. Gleichzeitig ist sie logisch aufgebaut und bietet Euch neben der Kontrolle des Klangs, des ANCs und der Features auch eine Steuerung für die aktive Musikwiedergabe.

Screenshost aus der Bang-und-Olufsen-App
Bang und Olufsen bietet die hübscheste Companion-App an. / © NextPit

Bang & Olufsens Equalizer funktioniert anders als etablierte Modelle. Dabei könnt Ihr einen Regler in einem Kreis umherbewegen und zwischen den Widersprüchen Hell – Warm und Entspannt wählen. Diese lassen Euch den Klang intuitiv auf die eigenen Vorlieben anpassen. Was ich mir zusätzlich allerdings gewünscht hätte, wäre ein vollwertiger Equalizer, um die Frequenzen genauer anpassen zu können.

Softwareseitig ein großer Pluspunkt ist allerdings die OwnVoice-Technologie, die ich mir bei allen Kopfhörern wünsche. Denn sie ermöglicht Euch eine natürliche Wahrnehmung der eigenen Stimme beim Telefonieren. Gerade bei längeren Telefonaten mit ANC-Kopfhörern fällt mir auf, dass meine Stimme irgendwann kratzig wird, da sich schwer einschätzen lässt, wie laut ich gerade rede. Ein Pluspunkt bei B&O also.

Die Earbuds der B&O Beoplay EX
Das Stiel-Design kennt Ihr womöglich von den Apple AirPods Pro. / © NextPit

Neben einer aktiven ANC-Steuerung und der OwnVoice-Technologie gibt es als Komfortfunktionen lediglich Multi-Point-Bluetooth und eine Trageerkennung. Das finde ich ein wenig mau für Kopfhörer in dieser Preisklasse. Hier bieten andere Modelle 3D-Audio oder die Möglichkeit, per Knopfdruck auf Sprachassistenten zuzugreifen.

Klang & ANC

Ein paar Zahlen für die Audio-Nerds: B&O setzt in den Beoplay EX auf 9,2 Millimeter große Neodymtreiber, die einen Frequenzbereich von 20 bis 20.000 Hertz wiedergeben können. Darüber hinaus unterstützen die Earbuds adaptives ANC, das auf sechs omnidirektionale Mikrofone zurückgreifen kann. Bluetooth 5.2 funktioniert über die Codecs SBC, AAC und aptX Adaptive.

Gefällt:

  • Breites Klangbild, ausgewogener Klang
  • Sehr gute ANC
  • Neuester Bluetooth-Standard
  • Toll für Telefonate

Gefällt nicht:

  • Starke Windgeräusche im Transparenzmodus
  • Kein HiFi-Datenblatt

Vor dem Test habe ich grübelnd zwischen dem Datenblatt und dem Preisschild der Beoplay EX hin- und hergeguckt. Denn der Frequenzbereich und die unterstützen Codecs sind für 400-Euro-Earbuds alles andere als beeindruckend. Aber am Ende zählt die Klangqualität und die stimmt bei den Beoplay EX auf jeden Fall.

Das Klangbild ist ab Werk sehr ausgeglichen und macht auch ohne Anpassung der Equalizer Spaß. Besonders auffällig dabei das breite Klangbild, das alle Instrumente fein voneinander getrennt hält. Von der neutralen Standardkonfiguration könnt Ihr die Kopfhörer dann über den Equalizer auf Eure Wünsche oder die gehörten Genres anpassen. Dabei gehen die Beoplay EX überall hin mit, wo Ihr hinwollt.

Die B&O Beoplay EX in der Ladeschale.
Der magnetische Halt der Beoplay EX im Ladecase ist gut. / © NextPit

Im Testzeitraum habe ich von Hip-Hop-Tracks der Interpreten OG Keemo, Kendrick Lamar und Tyler the Creator über Rocksongs von Primus und CCR bis hin zu poppigen Titeln von Harry Styles oder Paolo Nutini alles gehört. Auch auf Jazz und Klassik können sich die Beoplay EX einstellen, insgesamt sind die Earbuds also erstaunlich flexibel. Ein Vorteil gegenüber günstigeren Modellen wie den Beats Studio Buds, die dazu neigen, alle Titel in bebenden Bässen zu versenken.

Für hochwertigen Musikgenuss ist bei Earbuds im Jahr 2022 auch ANC wichtig. Die aktive Geräuschunterdrückung lässt sich in drei Stufen anpassen, darüber hinaus gibt es noch die Modi "Transparenz" und "Normal", bei dem das ANC nicht aktiv ist. Die Effektivität ist vor allem mit den isolierenden Schaumstoffaufsätzen tadellos. Den Straßenverkehr konnte ich zu 80 Prozent ausblenden, die Beoplay EX auf dem Fahrrad zu nutzen, finde ich schon recht grenzwertig.

Die Earbuds der B&O Beoplay EX
Die B&O Beoplay EX gibt es auch in zwei weiteren Farben. / © NextPit

Und das ist ein Problem, da der Transparenzmodus von fiesen Windgeräuschen heimgesucht wird. Das habe ich nicht nur auf dem Fahrrad bemerkt, sondern auch beim Spazierengehen bei mittleren Windstärken. Die automatische Steuerung des ANC funktioniert zwar, hat mich im Alltag aber eher gestört. Ein Gewinn also, dass man das Feature ausschalten kann.

Eine Kritik gibt es zum Abschluss noch an den Beoplay EX. Im Testzeitraum von zwei Wochen hatte ich ungefähr fünf Mal Verbindungsprobleme in Verbindung mit einem iPhone SE 2022. Dabei funktionierte nur einer der beiden Earbuds und zur Problemlösung musste ich die Kopfhörer noch einmal in die Ladeschale legen. Das ist umständlich und würde mich deutlich stören, wenn ich Kopfhörer für 400 Euro kaufe.

Akku: Alle Anforderungen erfüllt

Mit aktivierter Geräuschunterdrückung halten die Bang & Olufsen Beoplay EX sechs Stunden lang durch. Verzichtet Ihr auf die Funktion, sind acht Stunden drin. Ein ganzer Arbeitstag also, an dem Ihr dank der Ladeschale bei Bedarf weitere 13 Stunden dranhängen könnt. Eine Gesamtlaufzeit von 21 Stunden also. Aufgeladen werden die Headphones per USB-C oder über Wireless-Charging nach Qi-Standard.

Gefällt:

  • Super-alltagstaugliche Akkulaufzeit
  • Wireless-Charging
  • Quick-Charging

Gefällt nicht:

  • -

Bang & Olufsens High-End-Earbuds erfüllen alle Anforderungen, die ich an die Laufzeiten teurer True-Wireless-Kopfhörer habe. So braucht Ihr Euch vor einem Arbeitstag keine Sorgen über einen leeren Akku zu machen. Kombiniert mit der Ladeschale seid Ihr 21 Stunden lang unabhängig von Steckdosen, was einem kompletten Wochenend-Trip in der Bahn nach Sylt mit dem neuen 9-Euro-Ticket entspricht.

Das Ladecase der Bang & Olufsen Beoplay EX
Das Ladecase der Bang & Olufsen Beoplay EX ist aus Aluminium gefertigt. / © NextPit

Sehr erfreulich ist die Integration von Quick-Charging, auch wenn der Hersteller sie auf der eigenen Homepage kaum erwähnt. Dabei reicht eine 20-minütige Aufladung per USB-C-Kabel für 1,75 Stunden Musikhören. Derartige Funktionen sind besonders praktisch, wenn Ihr wie ich gerne joggen geht und Euch zu wenig um die Ladestände Eurer Technik kümmert.

Mit Wireless-Charging rundet Bang & Olufsen die Flexibilität der Kopfhörer in Sachen Aufladen ab. Unterstützt Euer Smartphone Reverse-Wireless-Charging, könnt Ihr die Kopfhörer auch bequem über das Handy aufladen.

Sehr gut, wenn auch zu teuer

Die Bang & Olufsen gehören wahrlich zu den besten In-Ear-Kopfhörern, die es im Jahr 2022 zu kaufen gibt. Dabei übertreffen sie die meisten Modelle in den Kategorien Klangqualität, ANC-Effektivität und Tragekomfort. Technisch gesehen würde ich sie auf einem Niveau mit den Sony WF-1000XM4 sehen, die fast in allen Eigenschaften als Branchenprimus gelten. Die Beoplay EX sind allerdings hochwertiger und bieten eine hübschere Companion-App.

Die Earbuds der B&O Beoplay EX
Die Silikonspitzen sind vorinstalliert. / © NextPit

Allerdings verlangt B&O zum Marktstart 120 Euro mehr als Sony zur Einführung der WF-1000XM4. Ist Euch die Marke egal, gibt es für diesen Aufpreis keine wirkliche Rechtfertigung. Zumal sich Bang & Olufsen einige Patzer leistet, die in dieser Preisstufe schmerzhaft sind. So konnte ich starke Windgeräusche im Transparenzmodus bemerken und musste mit Verbindungsproblemen kämpfen.

Darüber hinaus würde ich mir als eher schusseliger Käufer eine Tracking-Funktion wie bei den AirPods Pro wünschen. Denn In-Ear-Kopfhörer für 399 Euro zu verlieren, da sie einem aus der Tasche rutschen, wird auch Besserverdienern den Tag oder sogar die Woche vermiesen.

Somit sind die B&O Beoplay EX am Ende sehr gute Kopfhörer, die gleichzeitig einen Zusatzzweck als Statussymbol oder Schmuckobjekt erfüllen. Eine Rolex ist der Garmin Fenix 7 schließlich auch funktional unterlegen, macht am Handgelenk aber eben mehr her. Eventuell druckt der Hersteller sein Logo auch aus diesem Grund gut erkennbar auf die Glaselemente an den Earbuds.

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3 Kommentare

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  • Harald Pailliart vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Fast 400 Euro für ein bisschen Plastik? Sorry, aber hier übertreibt B&O maßlos, da zahle ich wohl den Namen mit. Denn das, was diese Ohrstöpsel können, bieten andere ebenfalls und das für deutlich weniger Geld.


  • Oleole vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Danke, dass ihr auch Exoten testet!

    Ich habe lieber weniger, aber dafür sinnvolle Optionen, wie Multipoint, was fast kein TWS hat, aber vieles einfacher macht.

    Den "Equalizer" von B&O find ich dagegen immer wenig hilfreich, weil er bestimmte Klangveränderungen einfach nicht zulässt. Und das ANC fand ich zumindest bisher bei B&O auch nicht überzeugend. Gut, wenn sich das geändert haben sollte!


  • Reginald Barclay vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Manchmal nur einen Kanal zu haben, erlebe ich regelmäßig auch mit den Airpods Pro. Passieren die Verbindungsabbrüche der B&O auch mit einem Androiden?

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