Casa Casi 22: ABBA und Avatare – so werden die Live-Events von morgen

Casa Casi 22: ABBA und Avatare – so werden die Live-Events von morgen

In der neuen Folge des NextPit-Podcasts geht es tatsächlich um ABBA! Aber eigentlich weniger um die Band und ihre Musik an sich – und viel mehr darum, wie morgen Konzerte aussehen. Werden Bands wie ABBA unsterblich, weil sie auf Events mit Hologrammen statt Bandmitgliedern bauen?

Thank you for the music – So heißt einer der Songs von ABBA und ja: Alle, die mit der Musik der vier Schwed:innen nichts anfangen können: Wir haben im Podcast tatsächlich über die Band gesprochen, die nach fast 40 Jahren wieder neue Musik präsentiert hat. Es ist Musik, die mich an meine Kindheit erinnert, die eine besondere Wirkung bei immer noch sehr vielen Menschen erzielt und die immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird. 

Aber ich kann Euch beruhigen: Thematisch ging es nur am Rande um dieses Comeback und um die Musik von Agnetha, Björn, Benny  und Anni-Frid. Viel mehr geht es darum, dass wir heute bereits technische Möglichkeiten haben, Live-Events anders zu erleben als vor 20 Jahren und dass es in Zukunft noch einmal deutlich anders aussehen kann. 

ABBA und die Abbatare

ABBA hat sich in London eigenes eine eigene Konzerthalle bauen lassen. Dort werden ab Mai nächsten Jahres viele Konzerte der Band stattfinden. Auf der Bühne werden wir zehn Live-Musiker sehen, aber nicht die vier ABBAs selbst. Stattdessen kommen dort Avatare zum Einsatz, die so aussehen, wie die Band in ihrer Blüte 1979. Wer sich also für ab 60 Euro eine Konzertkarte kauft, wird dort 90 Minuten lang auf Hologramme schauen.

Die sogenannten Abbatare konnten wir auch bereits kurz im Livestream sehen, in welchem ABBA neben den Songs auch die Pläne fürs Album (erscheint am 5. November) und eben auch für die Konzerte verkündeten. In folgendem Clip bekommt Ihr einige Infos zu diesen Avataren und dem Konzept dieser Konzerte:

ABBA - "Voyage" - limitierte CD-Box

Wichtig ist bei diesem Projekt, dass da nicht vier Siebzigjährige im Sessel sitzen und ein paar Expert:innen beauftragt haben, ein paar Avatare zu basteln. Wir haben schon einige Hologramm-Geschichten auf Bühnen erleben dürfen, aber ABBAs Voyage-Konzerte werden die Messlatte auf ein ganz neues Niveau heben. Die Vier haben selbst über fünf Wochen auf einer Bühne in Stockholm gestanden und alle 22 Songs wieder und wieder performt, die da ab nächstem Mai zu hören und sehen sein werden. 

160 Kameras haben jede noch so kleine Bewegung der Band aufgezeichnet und ein Team aus hunderten Profis hat schließlich die "Abbatare" und das Konzert-Konzept umgesetzt. Ich glaube auch, dass "Profi" in diesem Zusammenhang kein zu großes Wort ist, denn ABBA hat sich für die Umsetzung niemand Geringeres ins Boot geholt als George Lucas' Hollywood-Hexer von "Industrial Light & Magic". Das Unternehmen sorgt u.a. dafür, dass Star Wars, Indiana Jones, die Avengers und die Transformers so beeindruckend aussehen können.

Jetzt kümmert sich Industrial Light & Magic darum, dass ABBA perfekt in Szene gesetzt werden und auch darum, dass sie aussehen wie in ihren besten Zeiten. 

Hologramm-Konzerte: Die Reise begann 2012

Aber wie gesagt: ABBA sind nicht die ersten, die es mit einer Hologramm-Technik probieren. Schon 2012 wurde auf diese Weise 2Pac auf die Coachella-Bühne gebracht – jene Rap-Legende, die 1996 erschossen wurde. 

Ihr seht im Video, dass diese Technik vor neun Jahren noch stark verbesserungswürdig war. Mit Sicherheit war das für die Fans vor der Bühne ein besonderer Augenblick, als 2Pac sich dort die Bühne mit Snoop Dogg und anderen teilte. Aber ganz ehrlich: Es ist auch ein bisschen creepy und kann meines Erachtens ein Konzert wahrlich nicht ersetzen. 

Vorher schon waren es die Gorillaz, das Projekt von Blur-Mastermind Damin Albarn, die sich als Hologramm auf die Bühne wagten. Im folgenden Clip seht Ihr die Gorillaz im Jahr 2005 auf der Bühne der MTV European Music Awards in Lissabon:

Das kann man jetzt nur bedingt vergleichen, handelt es sich hier um Comic-Charaktere. Ich glaube übrigens, dass ich im Podcast von 2015 gesprochen habe, was natürlich Quatsch ist. 

Mittlerweile kann man da qualitativ mehr anbieten, als wir in obigen Beispielen sehen. Spricht man über diese Art von Entertainment, kommen wir nicht an Base Hologram vorbei. Die Amerikaner basteln nicht an den Konzerten von morgen, sondern bringen Stars bereits heute schon wieder als Hologramm auf die Bühne. Whitney Houston war so sogar schon auf Europatournee, auch andere Stars wie Roy Orbison und Buddy Holly oder Maria Callas wurden so zu neuem Leben erweckt. Hier ist ein Video-Beispiel:

Ihr müsst schon zugeben, dass das eine ganz andere Veranstaltung ist als die 2Pac-Nummer weiter oben, oder? Das ist schon sehr nahe am Konzept, das auch ABBA verfolgt: Es kommt dabei viel auf Licht und Inszenierung an, aber auch darauf, dass tatsächlich Musik live gespielt wird auf dieser Bühne. ABBA setzt besonders auf ein immersives Beleuchtungs-Konzept, was bestenfalls dafür sorgen soll, dass wir zwischendurch als Zuschauende vergessen, dass dort Hologramme zu sehen sind. 

Konzerte von morgen: Nicht nur Hologramme

Damit können wir jetzt abschließend darüber reden, wohin die Reise eigentlich geht bei den Live-Events. Ihr werdet im Podcast feststellen, dass Fabi deutlich skeptischer ist als ich. Deswegen möchte ich Euch auch ein bisschen die Angst nehmen: Auch in 20, in 50 und vermutlich auch in 100 Jahren werden Menschen auf der Bühne stehen, sich live den Arsch für ihre Fans aufreißen und schwitzend die Hallen und Arenen dieses Planeten abreißen. Hologramme werden das nicht ändern!

Aber solche Veranstaltungen, bei denen wir nur eine solche Illusion geboten bekommen, werden stattfinden. Wir haben oben von Base Hologram gelesen, das Unternehmen tourt bereits und hat mehrere Las-Vegas-Shows am Laufen. Seht es also nicht als Ersatz für richtige Konzerte, sondern einfach als Erweiterung der Möglichkeiten, die wir für Live-Events bekommen. Mir ist auch der "real Deal" lieber, also der Mensch, der auf der Bühne steht, mit den Fans interagiert und tatsächlich gerade live singt. 

Nichtsdestotrotz kann ich mir aber auch vorstellen, auf Hologramm-Events zu gehen. Es spricht für mich nichts dagegen, mir heute gealterte Depeche Mode in einem riesigen Stadion anzuschauen, und morgen dann zu einem Event zu gehen, bei dem die Vier, die lange Jahre als Depeche Mode auf der Bühne standen, sich als Version von 1990 präsentieren. 

Im Podcast verweise ich darauf, dass die Generation, die uns alten Säcken folgt, eh weniger Hemmungen hat, alte Zöpfe abzuschneiden. Die feiern Mashups, in denen aus zwei oder mehr Songs ganz neue Dinge entstehen. Die verzichten darauf, physische Tonträger zu kaufen oder ganze Alben abzuspielen. Das können wir super oder scheiße finden, aber ändern werden wir es dennoch nicht.

Deshalb sollten wir uns nicht gegen eine solche Entwicklung bei den Konzerten sperren, sondern uns darüber freuen, dass zu allen bestehenden Event-Möglichkeiten neue hinzukommen werden. Lasst uns mal kurz einen Blick nach Japan werfen, denn da sieht die Realität schon längst noch anders aus: Mit Miku Hatsune wird dort ein Star gefeiert, deren Alben sich wie geschnitten Brot verkaufen und die Konzerthallen mit Leichtigkeit ausverkauft. Der Unterschied zu allen in diesem Artikeln erwähnten Künstler:innen: Sie ist lediglich ein Avatar und hat nie existiert. 

Ursprünglich ging es um eine Software-Synthesizer-Technologie, die eine künstliche Stimme erzeugen kann. Dort wurde dieses Teen-Mädchen als Avatar erfunden, um Werbung für das Produkt zu machen. Das verselbständigte sich über die Jahre und sorgte dafür, dass ein nicht-existierendes Wesen riesige Fanscharen dazu bewegen kann, sich so ein Hologramm-Konzert reinzuziehen. 

Einen letzten Punkt will ich noch machen, den wir im Podcast auch angesprochen haben: Es geht um Marshmello, der 2019 ein virtuelles Konzert gab – im Spiel Fortnite!

Der Marshmello-Avatar tauchte dort im Game auf einer Bühne auf, performte eine Handvoll Songs – und mehr als zehn Millionen Fans und Gamer waren als Publikum dabei! Das zeigt noch einmal: Die Veranstaltungs- und Entertainmentkultur verändert sich. Stars müssen nicht mehr persönlich auf der Bühne stehen, teils müssen es nicht einmal mehr wir Fans. 

Ob das was anderes ist als ein "richtiges" Konzert? Aber natürlich! Aber darum geht es halt auch nicht. Wir bekommen einfach viel mehr Möglichkeiten an die Hand. Beispielsweise können wir eben Stars auf der Bühne bestaunen, die wir sonst niemals zu sehen bekommen hätten. Das gilt für alle verstorbenen Stars, aber auch für Bands wie ABBA, die ich nie live erleben konnte und jetzt in ihrer Blüte zu sehen bekommen könnte. 

Behaltet das also bitte im Kopf, wenn Euer erster Impuls ist, darüber schimpfen zu wollen. Echte Konzerte sind das Maß aller Dinge – aber auch andere Konzepte haben ihre Berechtigung

Es ist angerichtet: Casa Casi, Folge 22

Puh, die Folge ist uns ja ein bisschen lang geraten mit mehr als einer Stunde Spielzeit. Wir sprachen über ABBA, über erlebte Konzerte und neue Konzepte. Wir sprachen aber auch über Zahn-OPs und noch mehr Offtopic-Themen. Lasst uns gerne wissen, was Ihr von unserem Themen-Mix haltet, ob Ihr gerne neue, andere Themen besprochen haben wollt und meldet Euch auch gerne mit Lob, Anregungen und gerne auch Kritik zur aktuellen Folge. Wir sind für Euren Support sehr dankbar und freuen uns über Feedback.

Apropos Feedback: Wir wurden darüber informiert, dass wir tatsächlich in Dänemark in den iTunes-Charts auf einem sensationellen fünften Platz der Podcast-Charts im Bereich Technologie gelandet sind. Fantastisch, oder?

Wie jede Woche ende ich mit dem Appell: Mögt Ihr unseren Podcast, dann teilt ihn bitte, bewertet ihn, versprüht Online-Liebe im Netz und erzählt Euren Leuten von uns – das hilft uns sehr. Und jetzt viel Spaß mit der neuen Folge!

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9 Kommentare

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  • trixi vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Teils /Teils
    Wenn eine Band mit Hologrammen auftritt, weil sie schlicht und einfach der Meinung sind, das sie früher besser ausgesehen haben - muss nicht sein, die Fans schicken schließlich auch keine Hologramme in die Hallen, und die sind größtenteils auch nicht jünger. 😏

    Aber...
    Bei bereits verstorbenen Künstlern, warum nicht. Viele jüngere haben so die Möglichkeit, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die Stimmung auf den Konzerten war.

    Ich habe vor einigen Jahren auf einem Festival mal Dio als Hologramm gesehen, und das Ganze war schon ziemlich beeindruckend. Ich hatte das Glück den kleinen Mann mit der großen Stimme in den 80ern und 90ern einige Male zu sehen, und war erstaunt, wie lebendig die Figuren bereits wirken.


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Ich glaube, das ist ein sehr guter Punkt, den Du da ansprichst: Wenn man – wie Du – sowieso schon eine Verbindung zu einem Künstler hat, ihn schon mehrere Male live gesehen hat, dann kann so eine gut gemachte Hologramm-Geschichte bestimmt was mit einem machen.
      Aber genau das ist ja auch der Grund, wieso Fabi im Podcast vermutete, dass es für diese Acts schwierig wird, wenn irgendwann mal die Fanbase selbst zu alt für Konzerte ist bzw. sogar schon verstorben ist. Sehe ich ein bisschen anders, weil bestimmte Musik ja sowieso unsterblich ist. Man wird sich also auch ohne Hologramm-Konzerte noch in 50 Jahren an die Beatles erinnern, an Abba und ganz sicher auch an Ronnie James Dio, Lemmy Kilmister und viele, viele mehr.
      Und ja, ich bin auch sicher, dass das bei Konzerten funktionieren kann. Nicht für jeden, aber für viele. Weil wie bei einem Konzert Menschen zusammen kommen, um eine bestimmte Musik zu feiern, weil tatsächlich Live-Musiker auf der Bühne stehen und weil man einen Künstler in der Blüte seiner Karriere sehen kann, selbst wenn er mittlerweile schon 90 Jahre alt ist oder verstorben. :)


  • Pure★Aqua ツ vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Für mich : Nur echt ist es überhaupt wert das Geld zu berappen. Es ist toll das es sowas gibt ,aber es ist eben nicht Abba ,sondern Hologramme. Jede Coverband guck ich mir da lieber live an ,denn da lebt für mich die Musik weiter & nicht im holografischen Konzert.


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Witzigerweise hab ich bei der ganzen Hologramm-Nummer – also beim ABBA-Livestream, bei der Recherche zum Podcast und auch im Podcast selbst – auch an Cover-Bands gedacht. Weil ich in meiner Depeche-Mode-Bubble ganz ähnliche Diskussionen verfolge wie jetzt bei den Hologrammen. Auch da argumentieren also ganz viele, dass Cover-Bands Quatsch sind und nur der "echte" Künstler zählt. Finde ich in beiden Fällen falsch, weil die richtige Unterhaltung nun mal die ist, die mich unterhält. Ich kann also bei einer Cover-Band einen großartigen Abend haben und würde mich nicht wundern, wenn ich auch bei so einer Hologramm-Geschichte Spaß haben könnte. Ich werde berichten, sobald ich tatsächlich mal eins erlebt habe ;)


      • Pure★Aqua ツ vor 1 Woche Link zum Kommentar

        Der Punkt bei Coverbands ist ,es gibt manchmal sehr gute und spielen live und reagieren und interagieren sofort mit Publikum. Klar nicht das Original aber eine würdige Vertretung die es immerhin zum Ereignis macht. Bei mir würde die Freude bei Hologrammen jetzt nicht gerade ins Unermessliche steigen.


  • Michael K. vor 1 Woche Link zum Kommentar

    "Manches ist nur wertvoll, weil es echt ist." Niemand, der bei Verstand ist, wird sich vergoldete Bleibarren in den Tresor legen, um sich an der Illusion seines Reichtums zu freuen, denn das Wissen um die Wahrheit wird diese Freude stets zerstören.
    Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Avatarkonzerte von ABBA ein riesen Erfolg werden, alleine weil die Fan-Basis dieser Band, die wie die Beatles oder die Rolling Stones Musikgeschichte geschrieben hat, riesig ist. Es werden nicht nur die heute 50, 60 oder 70 jährigen sein, die die Band noch einmal so sehen wollen, wie sie in der Blüte ihres Daseins (und oft auch der Konzertbesucher selber) war, sondern auch deren Enkel und Kinder die sich dafür begeistern, sowie auch Leute, die sich nicht für die Musik interessieren, sondern für das, was perfektionierte Illusion heute sein kann.
    Aber ABBA ist eine Ausnahmeerscheinung. Dass solche Avatarkonzerte einen Großteil zukünftiger "Liveevents" ausmachen werden, bezweifle ich allerdings nicht nur deshalb stark. Auch wenn die Musik von den vier begnadeten Künstlern neu eingespielt wurde, was sie interessanter macht, als einfach ältere Aufzeichnungen zu verwenden, ist es meiner Auffassung nach kein Liveevent.
    Live ist etwas, was in dem Moment entsteht in dem (genauer gesagt, Sekundenbruchteile bevor) man es wahrnimmt. Die Musik ist aber aufgezeichnet, und auch die Bewegungen der Avatare, die man ja denkbar in ihren Bewegungen auch in Echtzeit durch die Künstler steuern könnte, zu dem Gesang, der zwar aus der Ferne, aber eben denkbar auch während des Konzerts durch die Künstler gesungen werden könnte. So hat das Ganze meiner Auffassung nach mehr von einem 3D-Film, als von einem Live-Event.
    Ob diese Form des Revivals der Band alternativlos ist, darf ebenso bezweifelt werden. Die Rolling Stones sind auch in gehobenen Alter wirklich live aufgetreten. Das hat weder ihrer Kunst geschadet, noch ihre Fans, an denen die Zeit meist auch nicht spurlos vorbei gegangen ist, abgehalten, die Konzerthallen zu füllen.
    Was solchen Avatar-Konzerten aber abgeht, ist eben Authentizität und Echtheit. Wer ein Konzert einer Rock-, Pop- oder Metalband einmal besucht hat, der weiss, das dort mehr das Zusammensein mit der Band, das Zelebrieren des Fanseins, als die Musik selber im Vordergrund steht. Da wird gejohlt, gekreischt, geschrieben, getanzt, gehüpft und gegen "Walls of Death" gerannt. Diese Ausgelassenheit ist dem Genuss der Musik eher abträglich, nichts desto trotz ist sie ein wesentlicher Bestandteil dessen, was ein Livekonzert ausmacht, weshalb viele Fans dort hingehen.
    Und das vor "Avataren", holographischen Illusionen aus Licht?
    Ich glaube nicht, dass die überwiegende Zahl der Fans darin einen adäquaten Ersatz für die Gemeinschaft mit den Künstlern aus Fleisch und Blut sehen würde oder sehen wird.
    Als "Ersatzveranstaltung" könnten solche "Avatarkonzerte" natürlich dennoch eine gewisse Zukunft haben, wobei Ersatz hier nicht heisst, dass sie echte Veranstaltungen ersetzen werden.
    Wenn ein Fussballspiel ausverkauft ist, oder in zu großer Entfernung stattfindet, dann finden sich viele Fans auch mit Live-Events ab, bei denen das Spiel auf Grossbildschirmen übertragen wird, oder sie gehen in eine Sportkneipe, wo ihnen ein bisschen Abklatsch vom echten, nicht wahrnehmbaren Stadionbesuch geboten wird. Einen echten Ersatz werden aber die wenigsten Fans, die Spiele normalerweise im Stadion ansehen, darin sehen, eher eine Notlösung.
    Die Übertragung von Konzerten auf Grossbildschirmen ist ohnehin eher die Ausnahme (wie beim ESC) denn die Regel. Das dürfte kommerzielle Gründe haben, aber auch den, dass weniger bekannte Künstler zwar eine eingeschworene Fangemeinde haben, die auch über größere Entfernungen anreist, aber damit häufig keine tausend Sitze vollbekommen. Für diese Künstler sind virtuelle Konzert-Liveübertragungen so uninteressant wie einfache Fernsehübertragungen oder Aufzeichnungen, schon weil die Fans keinen wirklichen Ersatz für ein Livekonzert darin sehen. So wie Manches nur wertvoll ist, weil es echt ist, so ist manche Wahrheit quasi zeitlos. Wenn die Gründe, ein Livekonzert zu besuchen, eher emotionale als rationale sind (denn die Musik liesse sich von CD besser geniessen), dann sind sie quasi in der DNA verankert, und damit für längere Zeit fixiert. Deshalb wird meiner Meinung nach auch die nächste und übernächste Generation das Livekonzert mit den lebenden Künstlern überwiegend Avatarkonzerten vorziehen, was natürlich nicht heisst, das es letztere nicht trotzdem gibt wird, und sie ihr Publikum finden werden.


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 1 Woche Link zum Kommentar

      "Wer ein Konzert einer Rock-, Pop- oder Metalband einmal besucht hat, der weiss, das dort mehr das Zusammensein mit der Band, das Zelebrieren des Fanseins, als die Musik selber im Vordergrund steht. Da wird gejohlt, gekreischt, geschrieben, getanzt, gehüpft und gegen "Walls of Death" gerannt. Diese Ausgelassenheit ist dem Genuss der Musik eher abträglich, nichts desto trotz ist sie ein wesentlicher Bestandteil dessen, was ein Livekonzert ausmacht, weshalb viele Fans dort hingehen."

      Ganz ehrlich? Für mich klingt das eigentlich wie ein flammendes Plädoyer PRO Avatar-Konzerte ;) Weil es oftmals eben tatsächlich um genau das geht: Ums Johlen, schwitzend und glücklich mit Freunden im Arm die Texte mitschreien usw. - und all das funktioniert bestimmt auch bei Hologrammen. Auch da gibt es die live gespielte Musik (nur der Gesang ist vom Band) und bestenfalls ist man auch da mit seiner eigenen Feier-Meute und steht in einer Menge von Menschen, die alle die Musik des Künstlers feiern.

      Dennoch ist auch für mich so etwas sicher kein adäquater Ersatz, aber genau das ist ja auch mein Punkt: Es ist eine andere Art von Live-Event, die nicht das Konzert ersetzen soll, sondern einfach die Bandbreite an Events erhöht. Und ich denke, dass die jüngeren Generationen damit weniger Probleme haben werden als unsereins. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt :)


  • Thomas vor 1 Woche Link zum Kommentar

    ich war gestern ganz erstaunt,als ich las,dass abba sich reformiert haben und ein neues album rausbringen,da hat wohl keiner mehr ernsthaft dran geglaubt


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Stimmt, das kam jetzt fast ein bisschen aus dem Nichts. :) Okay, nicht ganz: Bereits 2018 oder 2019 gab es schon mal die Nachricht, dass Abba an so einer Hologramm-Geschichte arbeitet. Aber das verdrängt man dann auch flott wieder. Später hieß es dann, dass es zwei neue Songs gibt – ich glaube, das wurde letztes Jahr öffentlich. Aber dennoch hat man irgendwie nicht mehr gedacht, dass da nach so vielen Jahren noch was passiert. Mich freut es riesig und ich bin sehr gespannt aufs Album :)

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