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Casa Casi 59: Leben wir alle in einer Simulation?

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Sind Fabi, Casi und Palle eigentlich echt? Oder nur simulierte Gestalten in einer riesigen Podcast-Simulation? Klingt komisch, aber wir gehen in der heutigen "Casa Casi"-Folge tatsächlich der Frage nach, ob wir in einer Simulation leben!

Sitzt hier gerade eine künstliche Intelligenz und tippt diese Zeilen? Das würde ich eigentlich klar verneinen. Schließlich fühle ich ja, wie meine Finger die Worte tippen und kann innehalten und bewusst über den nächsten Satz nachdenken. Mein Fuß schmerzt noch, weil ich Dummkopf eben vor den Türrahmen gelatscht bin und ich rieche sogar den kruden Duft-Mix aus der Shisha-Bar um die Ecke. 

Was ich damit sagen will: Möglich, dass schon bald künstliche Intelligenzen richtig ordentliche Artikel schreiben – aber ich würde zumindest merken, ob ich mit all diesen Sinneswahrnehmungen "echt" bin oder nur Teil dieser KI, die glaubt, einen Artikel zu schreiben. Oder doch nicht? Klingt verwirrend? Ja, ist es auch irgendwie. Es geht um die These, ob wir alle real sind – oder eben nur in einer Simulation leben. Was zunächst völlig irre klingt, ist nach einigem Überlegen gar nicht so besonders abstrus. 

Simulationsargument: Es gibt nur drei Möglichkeiten!

Im Podcast switchen wir in gewohnter "Casa Casi"-Manier zwischen Wissenschaft und Schwachsinn. Beim heutigen Thema kommt aber noch eine philosophische Ebene hinzu. Schon der französische Philosoph René Descartes, der von 1596 bis 1650 lebte, wusste: “cogito ergo sum” (Ich denke, also bin ich.) Er war der Meinung, dass wir alles mögliche anzweifeln dürfen und sollen, auch unser eigenes Tun. Aber solange wir in der Lage sind, zu zweifeln, ist eines über jeden Zweifel erhaben: Dass wir existieren.

Die Frage, die sich uns stellt, um jetzt auch wieder von der philosophischen auf die wissenschaftliche Ebene zu kommen: Werden wir eines Tages so realistische künstliche Intelligenzen erschaffen können, die von sich selbst glauben, dass sie tatsächlich existieren? Und spätestens dann landen wir beim Schweden Nick Bostrom. Der fragte 2003 in seinem Buch: “Are you living in a computer simulation?”. Er stellte eine Simulationshypothese auf, die lediglich drei Alternativen zulässt:

  1. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zivilisation eine "posthumane" Entwicklungsstufe erreicht, geht gegen Null
  2. Fast keine "posthumane" Zivilisation ist daran interessiert, Vorgängerwesen des Menschen zu simulieren.
  3. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir in einer simulierten Realität leben.

Ich brösle Euch das nochmal ein wenig auf: Die erste Alternative besagt, dass wir niemals pfiffig genug sein werden, um eine so komplexe Simulation erschaffen können. Denkt an die Rechenpower, die notwendig wäre, um einen lebensechten Menschen mit all seinen Gedanken und Empfindungen zu programmieren. Und dann stellt Euch vor, nicht nur einen Menschen zu simulieren, sondern eine ganze, komplexe Welt mit vielen, mitunter sogar Milliarden simulierten Menschen. Möglich also, dass die Menschheit dieses Intelligenzlevel nie erreicht und wir ausgestorben sind, bevor wir so eine Simulation realisieren können. 

Die zweite Alternative: Wir erreichen zwar diese Intelligenzstufe, denken uns aber, dass wir so eine Simulation nicht realisieren wollen. Das kann aus Gründen der Ethik und Moral der Fall sein. Und die dritte Alternative: Jau, wir werden eines Tages ein Technologielevel erreichen, das eine solche Simulation ermöglicht – und setzen das auch um!

Je nach verfügbarer Rechenleistung wäre eine solche Simulation zunächst überschaubar groß. Vielleicht würde man eine Handvoll dieser simulierten Menschen interagieren lassen. Eine komplexere Simulation könnte beispielsweise das alte Ägypten abbilden, damit wir Erkenntnisse gewinnen können, wie Menschen seinerzeit gelebt haben. 

Worauf ich hinaus will: Gäbe es Rechner, die irgendwann stark genug sind, einen Planeten und alles darauf zu simulieren, wäre es unwahrscheinlich, dass es nur eine einzige Simulation gäbe. Es würden vielfältige Simulationen entstehen und die Menschen in dieser Simulation könnten bestenfalls ein Niveau erreichen, ihrerseits ebenfalls Welten zu simulieren.

Wenn wir also davon ausgehen, dass die Menschheit die Technologie immer weiter vorantreibt und irgendwann in der Lage sein wird, solche komplexen Simulationen ans Laufen zu bekommen: Wie wahrscheinlich wäre es dann, dass wir gerade tatsächlich die einzige reale Menschheit abbilden, die noch auf dem Weg zu dieser Technologie ist? Wäre es nicht realistischer, dass dieser Punkt längst erreicht wurde und wir lediglich in einer dieser unzähligen Simulationen existieren?

Mit diesem Gedanken und der heutigen Podcast-Folge lasse ich Euch jetzt allein. Wir hoffen, dass Euch das Thema ebenso interessiert wie uns und sind gespannt auf Eure Kommentare dazu. Und jetzt kommt gut durch die Pfingsttage! 

Casa Casi 59: Show Notes

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“Are you living in a computer simulation?” – Nick Bostroms Gedankenexperiment.

Scinexx.de – Leben wir in einer Simulation?

Spiegel.de – Spiegel-Beitrag zum selben Thema.

Express.co.uk – Auch Elon Musk glaubt, dass wir in einer simulierten Realität leben.

Wikipedia – Artikel über die Simulationshypothese.

Wikipedia – Artikel über Nick Bostrom

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3 Kommentare

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  • Martin Kay vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Donna Summer ist übrigens seit 2012 tot. Just for the record, Jungs.


  • Tenten vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Streng genommen ist die Frage nicht, ob wir in einer Simulation leben, sondern ob wir ebenfalls Teil der Simulation bzw. selbst nur eine Simulation sind. Neu ist diese Theorie nicht und es gibt viele gute Indizien dafür, dass es so sein könnte. Allerdings gibt es keine Beweise dafür und auch keine dagegen. Wobei es fraglich ist, ob überhaupt ein Beweis dafür, dass diese Theorie stimmt, möglich ist und ob von "innen" heraus bewiesen werden kann, dass es ein "außen" gibt.
    Was die Rechenkapazität angeht muss diese gar nicht so üppig sein, denn es könnte ja gut sein, dass diese Simulation gerade nicht Milliarden von Menschen simuliert, sondern nur einige wenige oder gar nur einen einzigen, mich.

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