NextPit

Jahr 2021 im Test: Das ist ja nochmal impflich ausgegangen

Jahr 2021 im Test: Das ist ja nochmal impflich ausgegangen

Die christliche Zeitrechnung hat sich ein neues Jahr ausgedacht – 2021 sollte besser sein als das Vorgängermodell, das uns wie aus dem Nichts eine weltweite Pandemie einheimste. Aber können die neusten 365 Tage wirklich mehr überzeugen, als die davor – oder fällt 2021 seinem jährlichen Update-Zyklus zum Opfer? NextPit hat das vergangene Jahr im Test! 

Bewertung

Pro

  • Impfstoff entdeckt und 8,47 Milliarden mal verimpft
  • Die Kultur hat überlebt
  • Scheinbar die EM 2021 🤷🏻‍♂️
  • Weltraumflüge privatisiert
  • Squid Game

Contra

  • CoVid gab nicht auf und zog Omikron-Joker
  • Übersterblichkeit in vielen Regionen
  • Afghanistan wieder in Taliban-Hand
  • Misstrauen in Wissenschaft steigt
  • Handel steckt in der Krise
  • Zweite Staffel Tiger King

Preis & Verfügbarkeit

Das Jahr 2021 war für die meisten Menschen vollkommen kostenfrei. Das Universum hat es am 31.12.2021 um 23.59 Uhr weltweit als Over-The-Air-Update in unser Leben ausgerollt. Wie in jedem Jahr gab es überall auf der Welt Menschen, die das unsichtbare Update mit Feuerwerk aufhalten wollen. Dieses Vorhaben ist laut Wissenschaftler:innen aber genauso sinnfrei, wie Pandemien mit Wollen statt mit Medizin zu bekämpfen.

Trotz aller fortschrittlichen Medizin kostete 2021 vielen Menschen aber auch ihr Leben. Sie begleiten uns fortan nicht mehr auf dem Weg durch 2022. Da man Menschen niemals bevorteilen sollte, spare ich mir in diesem Test die allseits beliebte Nennung der verstorbenen Prominent:innen. Im Tod sind wir alle gleich, bei NextPit eben auch. Wenn Ihr die Promitode lesen wollt, dann geht doch zur Bild!

2021: Design und Verarbeitung

Beim Design hat sich das Universum sehr stark am Vorgänger orientiert. Anders als das kommende Jahr war 2021 kein Schaltjahr, somit gab es 12 Monate, knapp 52 Wochen und ungefähr 365 Tage. Das ist auch gut so, denn sonst hätten wir es auf der Erde ganz schön ungemütlich.

Hat mir gefallen:

  • 51 Wochenenden, an denen wir den Schlingen des Kapitalismus entkommen konnten
  • Gutes Tag-Nacht-Verhältnis in den Sommermonaten
  • Zwei Mondfinsternisse, die sind immer so schön spooky

Hat mir nicht gefallen:

  • 52 Montage, 261 Werktage – macht ingesamt 2.088 Arbeitsstunden
  • Zeitumstellung immer noch nicht abgeschafft
  • Kaum Neuerungen

Am groben Design des Jahres 2021 hat sich kaum etwas geändert. Wirklich etwas Neues gibt es aber erfahrungsgemäß eh nur jede vierte Generation. Schaltjahre machen deutlich mehr Spaß, allerdings vertraute das Universum 2021 eher auf bekannte Qualitäten.

So waren die Sommertage mal wieder sehr gut, zumindest in Mitteleuropa. Dabei gab es zahlreiche Sonnenstunden und die Nächte waren warm genug, um mit den menschlichen Fortbewegungsmitteln über den Planeten zu heizen. Wir Menschen lieben es einfach, bestimmte Distanzen in möglichst kurzer Zeit zurückzulegen.

Year 2021 calendar
So sah das Jahr 2021 aus – ähnelt 2021 ziemlich, oder? / © Shutterstock: maradaisy

Dafür hatten wir aber in den meisten Gesellschaftssystemen kaum Zeit. Seitdem vor vielen Versionen die Gesellschaftsform "Kapitalismus" ausgerollt wurde, klaut er uns jedes Jahr 2.088 Stunden unserer Lebenszeit. Im Optimalfall, versteht sich. Hier muss die Menschheitsgeschichte dringend nachbessern. Warum arbeiten wir allesamt an der Beschleunigung unserer Produktivität durch Maschinen, wenn die Arbeit dann doch nicht kürzer wird? Hier muss das Universum im nächsten Jahr eindeutig nachliefern!

Besonderheiten: Impfen, Weltraum und Squid-Game

Als Besonderheiten können wir dem Jahr 2021 Rückblickend einige positive Dinge attestieren. Die Menschheit hat in Rekordzeit Impfstoffe erfunden, um endlich wieder Harry Styles live sehen zu können. Dazu wurde die Weltraumfahrt privatisiert, damit uns die industriellen Overlords von noch weiter oben auf den Kopf spucken können. Zur Erholung gab's Squid-Game, das wie Faust aufs Auge den Massengeschmack nach dem Lockdown traf.

Hat mir gefallen:

  • Corona-Impfstoffe in gleich mehreren Varianten
  • Harry Styles tritt wieder auf – und sehr viele andere Künstler:innen
  • Ich sagte es doch bereits: Squid-Game!

Hat mir nicht gefallen:

  • Weltraumflüge bisher nur für die oberen 0,01 Prozent
  • Terror in Afghanistan macht weiter Fortschritte
  • Umwelt scheint noch mehr durchzudrehen
  • Wirtschaftskrise

Im gleichen strukturellen Konzept hielt das Jahr 2021 aber eine Vielzahl an Überraschungen bereit. Allen voran – und das bestätigt der Google-Jahresrückblick – die Netflix-Serie Squid-Game. Ich muss zugeben, mich mit diesem Thema nicht beschäftigt zu haben. Ich habe mir aber grob sagen lassen, worum es hier geht und ich kann den Hype nachvollziehen. Sich nach dem Lockdown-Jahr 2020 anzuschauen, wie sich Menschen in Kinderspielen gegenseitig die Birne weichkloppen und dabei gehörig Kunstblut spritzt, klingt nach Ekstase und dem richtigen Befreiungsschlag nach den ganzen Lockdowns.

Einen Befreiungsschlag haben wir aber in großem Stile auch gegen das neuartige Coronavirus geschafft. Obwohl wir mit ein wenig Ungewissheit die ersten Impfnadeln in Arme steckten, sahen wir 8,47 Milliarden Impfosen später: Die Welt hat es geschafft, in weniger als einem Jahr einen effektiven und in den meisten Fällen ungefährlichen Impfstoff herzustellen. Eine Glanzleistung, die zu vergangenen Epi- und Pandemien deutlich länger dauerte.

Business Insider CoVid
So lange hat die Entwicklung anderer Imfpstoffe im Vergleich gedauert. / © Business Insider

Für diese Dinge wird 2021 in die Geschichtsbücher eingehen, doch leider wird diese Zahl mit ihrer Quersumme von 5 auch auf den dunklen Seiten stehen. So konnten die Taliban sich die Herrschaft über Afghanistan sichern und die Umwelt scheint als Folge der Erderwärmung weiter verrückt zu spielen. Weite Teile Deutschlands wurden überflutet und zum Jahresende fegten mehrere Tornados durch die USA – 2021 zeigte somit auch vor der Haustür der wichtigsten Entscheidungsträger:innen, wie machtlos wir sein werden, wenn wir die globale Erderwärmung nicht angehen.

Gelähmt von dieser Mammutaufgabe meckerte die Menschheit lieber über scheinbar wichtigere Dinge: Unsere Pakete kamen im Jahr 2021 mit größerer Verzögerung – oder auch mal gar nicht – an! Ein Unding, das einen überraschend simplen Grund hatte. Ein Schiff steckte im Suez-Kanal fest. Und ein 200.000 Tonnen schweres Containerschiff zu befreien, ist gar nicht so einfach. Wir bräuchten ein 400.000 Tonnen schweres Schiff, um es anzuheben – da wir das nicht haben, mussten ein paar Bagger ran. Das hätte sich 2020 niemand ausdenken können!

Ship Stuck Suez Canal
Ungefähr so sahen die Rettungsversuche der "Ever Given aus" [Computersimulation] / © Shutterstock: Evannovostro

Performance: Schere zwischen klug und naiv öffnet sich weiter

Die Menschheit hat im Jahr 2021 viele Fortschritte gemacht – und das nicht nur auf globaler Ebene. Mit schier unbändiger Wissbegierde saugten wir dieses Jahr Informationen zu Viren, Hygieneregeln, NFTs, Crypto, Elon Musk, Billie Eilish, Biontech, Moderna und alle weiteren Impfstoffe auf. Während sich viele bildeten, sank aber das Misstrauen in den Konsens, den wir zum Wohle aller regelmäßig treffen müssen.

Hat mir gefallen:

  • Wissbegierde vieler Menschen im Bereich der Medizin
  • Fortschritte bei Gleichberechtigung, Toleranz und Offenheit
  • Bekannter Demagoge und Ex-Talkshow-Host nicht mehr im Amt

Hat mir nicht gefallen:

  • Misstrauen in die Wissenschaft wächst
  • Andere Volksverhetzer verhetzten andere Völker – Hetz, Hetz!
  • Wieder zu viel weggeguckt

Hätte mir jemand gesagt, dass ich einmal am Ostertisch mit meiner Familie über Begriffe wie "Evidenz, Reliabilität und Inzidenz" diskutierte, ich hätte ihm oder ihr nicht geglaubt. Während die Menschheit die gewaltige Hürde namens Corona-Pandemie kämpferisch überschreitet, gewinnen wir Terabyte für Terabyte an neuen Erkenntnissen dazu. Ganz Luhmann fokussierten sich nämlich alle gesellschaftlichen Systeme im Jahr 2020 darauf, die Systeme der Medizin und der Wissenschaft zu stützen. Das sorgt für Fortschritt, auch wenn andere Bereiche zu kurz kommen. Und im Jahr 2021 hatten wir endlich Zeit, uns die Perlen dieser Erkenntnisse auf der Zunge zergehen zu lassen.

Wissenschaft begeistert und überall auf der Welt gibt es Menschen, die ihr Vertrauen in Statistiken, Expert:innenmeinungen und widerlegbare Thesen steckten. Aber das System der Wissenschaft funktioniert anders als der private Freundeskreis – und damit können einige Menschen nur sehr schwer umgehen. Wissenschaftler:innen haben keine Meinungen, sie haben Ergebnisse und formulieren anhand dieser Thesen – und diese gilt es zu widerlegen, um voran zu kommen. Und wo Wissenschaftler:innen versuchen, den Abstand zwischen Realität und Messwert zu verringern, witterten manche Menschen böse Absichten.

Es ist ja auch schwer zu verstehen, dass eine These in der Wissenschaft an Qualität dazugewinnt, wenn sie widerlegt wird. Nur so finden wir heraus, wie Dinge wirklich sind. Und wer das nicht versteht, der fühlt sich eben verarscht – und wer sich verarscht fühlt, der vertraut nicht mehr. Und Misstrauen ist in gewisser Art das Mastfutter im Halse derer, die mit ihren eigenen Ideologien Schaden verursachen wollen. Ein gefährliches Spiel, für das wir am Ende alle büßen müssen.

In einer Zeit, in der alle Opfer sind, gibt es aber niemanden, der Schuld trägt. Daher wäre es falsch, den Blick auf das Jahr 2021 finster werden zu lassen. Gleichzeitig wird es existenziell für das Jahr 2022 sein, Augen und Ohren offen zu halten. Die Menschheit spaltet sich – in Informierte, die sich wegen dieser Informiertheit überlegen fühlen, und in "scheinbar Informierte", die sich in Folge dessen nicht mehr informieren wollen. Da wir aber 2022 alle mitnehmen wollen, müssen wir wohl oder übel miteinander reden!

Kurz und knapp: So wird 2022 richtig geil

Ihr merkt, langsam aber sicher können wir festhalten, was wir im Jahr 2022 schaffen müssen! Wie praktisch, das ist ja ganz einfach! Fangen wir doch gleich einmal an:

  • Omikron-Variante in den Griff bekommen
  • Herdenimmunität in alle Länder bekommen
  • Weltwirtschaftskrise wieder ausbaden
  • Leitplanken in den Suez-Kanal bauen
  • ... Einfach mal mehr lächeln ... 🙃
  • Facebook enteignen
  • Gleichzeitig ein Auge auf die Monopolstellung anderer Unternehmen werfen
  • Wale vor dem Aussterben retten
  • Klimawandel stoppen
  • Trotz Klimawandel-Stopp Schnelligkeit bei der Fortbewegung aufrecht erhalten
  • Captain Kirk nochmal ins Weltall schicken und dann ausreden lassen
  • Den Downvote-Button auf YouTube wieder einführen
  • Bessere Witze für diejenigen erfinden, die im Schaltjahr Ja GaR KeIN JAhR ÄlTeR WeRDEn
  • Den Menschen, die ihn verloren haben, wieder einen Zugang zu Informationen zu schaffen, die auf wissenschaftlicher Evidenz beruhen
  • ... 

Okay Stopp, selbst in meinem fast noch jugendlichen Tatendrang erwäge ich gerade echt, mich 2022 ins Bett zu legen und Squid-Game zu gucken. Eins nach dem anderen und das wichtigste zuerst: Wo spielt Harry Sty ... nein – erstmal müssen wir überhaupt gut und sicher ins neue Jahr kommen.

Schließen wir 2021 also mit einem Fazit ab.

Abschließendes Urteil

Der Staffelstab, den 2021 von seinem Vorgänger in die Hand gedrückt bekam, war glühend heiß. Daher ist es durchaus beeindruckend, wie viel Positives es in den vergangenen 365 Tagen gab. Die Menschheit hat es geschafft, innerhalb weniger Monate (!) einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zu erfinden und diesen weltweit auch gleich 8,47 Milliarden mal zu verimpfen. Das ist, naja, Weltrekord halt!

Die verschiedenen Impfmöglichkeiten erlaubten es uns, endlich wieder auf Konzerte, in Stadien, durch Museen und zur Fußball-EM 2021 zu gehen. Dennoch versuchen die reichsten Menschen der Welt, die Erde gleich ganz zu verlassen – und revolutionierten dabei den privatisierten Weltraumflug. Noch gibt's dazu zwar keine Sterne-Bewertungen, aber Meinungen scheinen Jeff Bezos ja ohnehin egal zu sein. Sorry, Kirk!

Wie viele Sterne gebt Ihr dem Jahr 2021?
Ergebnisse anzeigen

Allerdings spielte das Jahr 2021 auch dunkle Tasten, und die sind bekanntlich chromatisch und schräg. Das CoVid zog erst den Delta- und anschließend den Omikron-Joker und wir Menschen schafften es nicht rechtzeitig, die Uno-Reverse-Karte zu ziehen. Somit mussten wir leider in vielen Regionen der Welt eine Übersterblichkeit messen. Afghanistan fiel zurück in die Hand der Taliban und somit war der am 11. September 2011 ausgerufene "War on Terror" endgültig Quatsch.

In den vergangenen 365 Tagen bewegte sich die Welt einmal um die Sonne herum. Die Figuren stehen also wieder auf der Startposition auf dem Schachbrett, das wir Leben nennen. War das Jahr 2021 für Euch also nicht so überzeugend, habt Ihr Glück: denn 2022 haben wir endlich wieder Zeit, die Dinge besser werden zu lassen. Also:

Macht das beste draus und bitte – ich flehe Euch an – kauft Fremden auf Facebook nicht weiter einfache Lösungen für hochkomplexe Probleme ab. Manche Dinge kann man nicht in einem Post lernen, nehmt Euch die Zeit. Denn 2022 haben wir dazu 8.760 weitere Stunden Zeit, von denen wir nur 2.088 arbeiten müsst.

Guten Rutsch!

NEXTPITTV

Neueste Artikel

Empfohlene Artikel

32 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  • Tim vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    5 Positive Dinge, 6 negative - die zudem alle ganz schön krass und dramatisch sind. Ob da 4/5* wirklich Sinn macht? 😅

    Nebenbei wurde der Impfstoff nicht "entdeckt", sondern "erfunden" :p Entdeckt worden wäre er, wenn er bereits irgendwo existiert hätte und ihn jemand gefunden hat. Man musste ihn ja aber entwickeln ^^

    Insgesamt würde ich 2021 eher so eine "at least you tried" 2 von 5 geben. Für mehr hat's leider nicht gereicht.


  • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    @Ben
    Ich fand diesen Rückblick sehr witzig geschrieben, so als Smartphone-Test. Über das "gute Tag-Nacht-Verhältnis in den Sommermonaten" muss ich immer noch schmunzeln.


  • Michael K. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Es ist richtig, es waren nicht nur NATO-Truppen in den Konflikt involviert, diese und allen voran die USA haben aber die Hauptlast des Konfliktes getragen, und zwar in jeder Beziehung, insbesondere was die Zahl der gestellten Truppen und deren Verluste sowie und finanziellen Aufwendungen betrifft.

    Dass die Taliban in Afghanistan einen politischen Erfolg zu verzeichnen haben, ist aus ihrer Sicht so wenig zu bestreiten wie aus der ihrer Gegner und selbst nach Clausewitzer Definition von Kriegszwecken. Der Erfolg besteht, wie in asymmetrischen Konflikten üblich, darin, sich der Vernichtung durch die gegnerischen Streitkräfte zu entziehen und diese ihrerseits durch Zermürbung und ohne bedeutende militärische Erfolge zum Abzug zu bewegen.
    Der Begriff "Erfolg" ist hierbei wertfrei und einfach im Sinn von "Zielerreichung" zu sehen.
    Ich sehe nichts Positives daran, dass sich die Taliban in Afghanistan durchsetzen konnten. Dennoch kann man ihnen den Erfolg im Sinn ihrer Kriegsziele nicht absprechen.


    • rolli.k vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Ein Talib kann 2 Sachen gut.
      Lesen (Koran) und schießen (Kalaschnikow).
      Das muss reichen.
      Für den Rest gibt's ja diverse Hilfsorganisationen.


    • dieCrisa vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      "...der Vernichtung durch die gegnerischen Streitkräfte zu entziehen und diese ihrerseits durch Zermürbung und ohne bedeutende militärische Erfolge zum Abzug zu bewegen."
      Dass die ISAF-Truppen irgendwann abziehen werden, darauf hätte jedermann schon zu Beginn des Einsatzes wetten können. Der Abzug lag also weniger an einer "erfolgreichen Zermürbung" sondern eher daran, dass die ISAF einen Erfolg auf der eigenen Seite zu verzeichnen meinte - zumal es ursprünglich ein Krieg gegen Al-Qaida und nicht gegen die Taliban war.

      "Dennoch kann man ihnen den Erfolg im Sinn ihrer Kriegsziele nicht absprechen."

      Jeder Krieg ist nach Clausewitz ein Akt der Gewalt mit dem Zweck, „den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen“. Der „Zweck“ des Krieges, sprich der zu erfüllende Wille, wird dabei von der Politik bestimmt. Das Ziel des Krieges ist somit, zur Erfüllung des Zwecks den Gegner wehrlos zu machen.

      Nach dieser Definition von Clausewitz waren die 20 Jahre des Einsatzes der ISAF ein Misserfolg für die Taliban. Wehrlos - so schätze ich die ISAF nicht ein. Auch kann ich nicht erkennen, dass die Taliban den ISAF-Truppen ihren Willen aufgezwängt hätten. Wer da meint, der Abzug wäre militärisch erzwungen worden, hat ein bedenkliches Weltbild.

      Nach Deiner Sicht der Dinge sind selbst braun Gesinnte erfolgreich: man hat sie nie aus der Welt schaffen können und blühen in Regionen auf, die ein Wehrmachtsoldat nur von der Landkarte kannte. Schließlich sind USA, Großbritannien, Frankreich und Russland auch aus Deutschland abgezogen. Über solches Wasser auf den braunen Mühlen wird man sich am rechten Rand freuen. Ihnen "Erfolg" zu bescheinigen, wird sie weiter beflügeln.


      • Michael K. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Die unterlegene Partei in einem asymmetrischen Konflikt wird die Clausewitze Definition von Kriegsziel nie erreichen können, und hat das noch nie geschafft, denn ansonsten wäre sie nicht darauf angewiesen, zur asymmetrischen Kriegsführung überzugehen, mit fließenden Übergang zum Terrorismus. Es genügt ihr zu verhindern, dass der Gegner dieses Ziel erreicht, und das ist den Taliban in Afghanistan so gelungen wie den Kommunisten in Vietnam, die allerdings eine stärke Mischung aus konventioneller Kriegsführung und asymetrischer Kriegsführung gewählt haben, und den Konflikt dadurch schneller beenden konnten.
        In beiden Fällen war die überlegene Streitkraft keineswegs geschlagen, aber sie war eben auch nicht in der Lage, die unterlegene Streikraft so zu schwächen, dass der Konflikt siegreich hätte beendet werden können.
        Der Zermürbungseffekt bestand letztlich darin, den politischen Willen zur Fortsetzung des Konflikts zu brechen, indem man der überlegenen Streikraft Verluste zufügt, selbst unter Inkaufnahme höhere eigener Verluste, ohne dass diese ihre eigenen Ziele durchsetzen konnte.
        Dass das eigentliche Kriegsziel in der Zerschlagung von Al-Quaida bestand, und nicht in "Staatsbildung" (und damit der Vernichtung der Taliban) wurde auch schon von prominentester Stelle gesagt.
        Allerdings bleibt dann die Frage, warum man noch Jahre nach Erreichung dieses Ziel die Truppen weiter im Land belassen hat, ihnen weitere Verluste zugemutet hat, und weitere Milliardensummen in den Konflikt gepumpt hat. Al-Quaida spielte in Afghanistan nach deren Niederlage bei den Kämpfen um Tora-Bora im Dezember 2001 keine Rolle mehr. Spätestens nach der Tötung Bin-Ladens 2011 hätte man dieses Kapitels schließen können. Man ist aber zehn weitere Jahre geblieben. Wozu?
        Deshalb bleibt die Annahme bestehen, dass man in Afghanistan, ein Land mit dem Status eines westlichen Verbündeten bis August 2021, eben doch dauerhaft eine Demokratie nach westlichem Vorbild etablieren wollte. Daran ist ja auch absolut nichts auszusetzen, aber daran, so ehrlich sollte man schon sein, ist man trotz massiver militärischer Überlegenheit letztlich gescheitert.

        Die Taliban in Afghanistan und die Kommunisten in Vietnam (einem anderen in Teilen asymmetrischen Konflikt) haben es trotz Unterlegenheit geschafft, sich der Vernichtung oder starken Schwächung durch ihre Gegner zu entziehen, so dass der Ihnen nicht seinen Willen aufzwingen konnte. Das ist in beiden Fällen der Grund, warum sie heute an der Macht sind.
        Es gibt allerdings auch etliche Beispiele, in denen asymmetrische Kriegsführung gescheitert ist, und der unterlegene Gegner letztlich erwartungsgemäß gescheitert ist.
        Dein Beispiel mit braunen Genossen passt in keinster Weise, da Deutschland 1945 besiegt war, und der Kriegszustand damit beendet war. Anhänger der alten Regierung haben nicht nur durch ihre reine Anwesenheit obsiegt, da sie keinerlei politische Gestaltungsmöglichkeiten mehr hatten, während Taliban und Kommunisten in Vietnam nicht weniger als die vollständig Macht an sich gerissen hatten.
        Hier wird scheinbar wieder die übliche "Nazikeule" gezogen, um einen anderen Diskutanten mangels besserer Argumente zu diskreditieren - schade.


      • dieCrisa vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        "Hier wird scheinbar wieder die übliche "Nazikeule" gezogen, um einen anderen Diskutanten mangels besserer Argumente zu diskreditieren - schade."
        Also bitte. Mit keinem Wort habe ich Dir eine Nähe zu Nazis unterstellt. Ich sagte nur, dass man sich am rechten Rand freuen wird. Es gibt nun mal (ob gewollt oder ungewollt spielt dann keinerlei Rolle) Begebenheiten, die in der rechten Ecke gerne zur Kenntnis genommen werden.

        Eine mögliche Impfpflicht wird ja nicht deshalb beschlossen, um die Querdenker zu bestätigen (die es schon immer gewusst hatten), sondern schlicht, weil es die Lage erforderlich scheinen lässt. Querdenker jedoch sehen das nicht so - sondern: das war schon immer so geplant.

        Ich bin mir nicht sicher, ob Du verstehst, was ich meine. Aufgrund der "Nazikeule" glaube ich eher nicht.


  • rolli.k vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Squid Game ist "Pro"?
    Selten was kränkeres gesehen.


  •   5
    Gelöschter Account vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    2 Jahre Pandemie und wenn man dann sieht wie unsere Politiker mit der Krise umgegangen sind und immer noch umgehend habe ich mehr Angst vor unseren Politikern als dem Virus.
    Kopflos, planlos und realitätsfern wie eh und je und sowas „lenkt“ unser Land.


    • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Was genau sollte man anders machen?


      •   5
        Gelöschter Account vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Nicht nur anders, sondern einfach besser.
        Und da kann man so ziemlich alles nennen.


      • rolli.k vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        @Tenten
        Wie wärs denn mal mit Fachpersonal auf Ministersesseln? Wie z.b.Lauterbach. Wie wärs denn mal mit Politikern, die mal keine Klientelpolitik machen wie dieser elende Buschmann, FDP'ler.
        Wie wärs denn mal mit Politikern,
        die sich auch dann weit aus dem Fenster "lehnen", wenn mal ein eisiger Wind weht und die nicht dauernd Angst um ihren Stuhl haben. Also jene Leute, die endlich entschieden was durchziehen, z.b. bei Covid, und nicht durch endlose Debatten alles im Sande verlaufen lassen.

        Zu viele Zauderer, Bedenkenträger, Besserwisser und Blockierer wie Lobbyisten sowie mutlose. Und kaum Macher, traurig 😢

        TimGelöschter Account


      • dieCrisa vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Klientelpolitik ist per se nichts schlechtes - dafür wurden sie von uns gewählt. Im Gegenteil: es wird doch erwartet, dass der gewählte Politiker das umsetzt, was er vor der Wahl versprochen hatte. Schlimm wäre es doch, wenn er dies nicht oder gar das Gegenteil dessen tun würde.

        Fachpersonal auf Ministersesseln gibt es eher selten. Mein Chef hat auch kaum eine Ahnung von dem, was seine unzähligen Mitarbeiter tun. Um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, muss man kein Fachmann sein. Schaden kann es allerdings auch nicht.

        Top Manager, die ein Großunternehmen vor dem Verfall retten, würden niemals für den Hungerlohn eines Politikers auf dem Minister-Sessel platz nehmen. Tun sie es doch (es soll ja schon welche gegeben haben oder aktuell geben - allerdings fällt mir gerade niemand ein), dann ist es nicht das Geld, was sie (an-)treibt.

        Ein Kanzler, der kaum auf gestellte Fragen antwortet, sondern leere Worthülsen inhaltslos aufsagt, ist weit von dem entfernt, was uns versprochen wurde: "Wer Führung bestellt, der kriegt sie auch".

        "Zu viele Zauderer, Bedenkenträger, Besserwisser und Blockierer wie Lobbyisten sowie mutlose. Und kaum Macher, traurig 😢"
        Leider wahr.


      •   5
        Gelöschter Account vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Seit wann werden denn Wahlversprechen wirklich realisiert?
        Ist doch mit den zusammengewürfelten Regierungen mit mehreren Parteien gar nicht wirklich umzusetzen.
        Und gewählt habe ich die die vorher das Sagen hatten und die jetzt das Sagen haben nicht.
        Ich muss nur ertragen was andere da zusammen gewählt haben.
        Seit Jahren verarmt die Bevölkerung immer mehr, seit 2 Jahren Pandemie und die Politiker sind nach wie vor weder vorbereitet auf den nächste Welle noch haben sie in den 2 Jahren eine sinnvolle Strategie entwickelt und umgesetzt.
        Die Pandemie trägt weiter zur Verarmung bei. Unendlich lange Kurzarbeit, keine Lohnerhöhungen, Jobverluste, auf der anderen Seite Preistreiberei unter dem Deckmantel der Pandemie und des Klimaschutzes. Explodierende Kosten und gerade im Energiesektor getrieben durch die katastrophale Politik.
        Jetzt wollen die Grünen auch noch einfach mal eben die Preise für Lebensmittel erhöhen weil sie meinen wenn alles (besonders Fleisch) einfach teurer wird, wird weniger gekauft und alle wird gut. Stimmt zum Teil aber nur weil es die Menschen nicht mehr bezahlen können. Aber wird auch sichergestellt das die Preiserhöhungen bei den Bauern ankommen und dort wirklich etwas verbessern? Werden die Lebensmittel dadurch wirklich gesünder? Dazu gab es bisher keinerlei verwertbare Aussagen.
        Erstmal machen wir pauschal alles teuer bis keiner mehr genug Geld zum Leben hat und dann wundern wir uns warum alles noch weiter den Bach runter geht.
        Dazu noch diese völlig planlose und unstrukturierte Energiewende.
        Wir sollen auf den ÖPNV umsteigen. War ich die letzten 15 Jahre mit unterwegs, täglich zur Arbeit. Anfangs ca. 2 Stunden pro Tag, die letzten Jahre auf der gleichen Strecke 3-4 Stunden pro Tag. Also völlig lächerlich solange da nicht massiv ausgebaut wird.
        Dann soll man sich ein E-Auto kaufen. Wo die geladen werden sollen, gerade in Großstädten mit wenig Parkfläche und großen Mehrfamilenhäusern ohne jegliche Lademöglichkeit wissen unsere Politiker bis heute nicht. Ein Konzept wie das innerhalb der nächste Jahre besser werden soll gibt es immer noch nicht.
        Wie die Millionen Akkus aus den E-Auto in Zukunft umweltgerecht entsorgt werden weiß auch noch keiner so genau.
        Wie unsere Stromnetze den extremen zusätzlichen Stromverbrauch verkraften sollen wenn wir plötzlich alle E-Autos fahren weiß auch noch keiner.
        Ich lebe in diesem Land über ein halbes Jahrhundert, aber was die Politik in den letzten 10-20 Jahren verbrochen hat toppt alles was vorher gewesen ist, im negativen Sinne.
        Der Globalisierung sei dankt ist unser Land auch noch komplett abhängig vom Rest der Welt.
        Wenn wir es uns mit Ländern wie den USA, China und Russland verscherzen und die alle Lieferungen einstellen hissen wir nach wenigen Wochen die weiße Flagge und kapitulieren ohne das ein Schuss gefallen ist.

        Wenn ich in einigen Jahren in Rente gehe bekomme ich laut jetzigen Stand soviel Rente wie meine Mutter heute und das obwohl ich nie lange arbeitslos war und ein Vielfaches von dem verdiente was meine Eltern verdient haben. Da muss man sich doch ernsthaft fragen wie das sein kann?

        Jetzt habe ich mich doch wieder dazu hinreißen lassen mich bei politischen Themen aufzuregen. Aber ist auch schwierig den politischen Irrsinn in diesem Land zu ignorieren.


      • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Und hast du jetzt außer Frust rauslassen auch konkrete Lösungsvorschläge? Ich hatte weiter oben schon gefragt, aber etwas wirklich Konkretes habe ich nicht gelesen bislang. Nur noch mehr Geschimpfe auf die Politik. Dass uns das nicht weiterbringt, sollte klar sein.


      • dieCrisa vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        "Seit wann werden denn Wahlversprechen wirklich realisiert?"
        Das kommt öfter vor, als man offensichtlich so glaubt:
        ogy.de/2oy6

        Ein wenig googlen hilt. ;)


      • rolli.k vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        @Tenten
        Ich hatte dir doch schon weiter oben geantwortet, aber du siehst da noch nichts konkretes?
        Was möchtest du denn noch hören?
        Vielleicht wars auch zu konkret.

        Gelöschter Account


      • rolli.k vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        @die Crisa

        Ja, haha, die Mineralölsteuererhöhung zugunsten des Klimas. Das funktioniert natürlich, selten so gelacht. Aber immerhin, wurde ja auch so "versprochen ".
        😄😄

        Gelöschter Account


      • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        @rolli.k
        Ich fand es eigentlich nicht sehr konkret. Fachkundige Politiker oder auch mutigere Politiker sind natürlich wünschenswert, aber das löst erstmal konkret noch kein einziges Problem. Zumal es diese Leute halt auch nicht gibt. Und eigentlich auch nicht geben muss, das wurde hier ja schon erläutert, dass eine Führungskraft nicht zwingend das Metier beherrschen muss, dem er vorgesetzt ist. Das ist so ein deutsches Ding, dass der Chef es besser können muss als der Angestellte, das wird in anderen Ländern aber gänzlich anders gehandhabt. Aber selbst wenn du solche Leute an den richtigen Positionen hättest, sie könnten ohne eine Lösung auch nichts ausrichten. Mit Lösung meine ich nicht, irgendeine Veränderung und dann sehen wir mal, ob das was bringt, sondern einen Ansatz, der realistisch und umsetzbar ist. Es ist halt sehr leicht über alles zu schimpfen und "die da oben" in die Verantwortung zu nehmen, aber was genau sollten sie denn nun anders machen? Ich höre zum Beispiel im Bekanntenkreis nur ständig, die Maßnahmen seien völlig falsch. Frage ich nach, welche denn besser wären, bekomme ich keine Antwort. Weil es keiner weiß. Alle wollen mehr Geld, aber keiner kann sagen, wo es denn bitte herkommen soll. Oder warum es ihm mehr zusteht, als anderen. Alle sind dafür, dass man etwas für die Umwelt macht, aber kaum gibt es nur den Ansatz eines Versuchens, sind auch schon wieder alle dagegen. So kommen wir aber nicht weiter, im Gegenteil.


      • dieCrisa vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Bei erfüllten Wahlversprechen geht es um etwas mehr als nur um Mineralölsteuererhöhung. 😉

        Meinen Link hast Du offensichtlich nicht gelesen oder nicht verstanden?

        Weiter oben hast Du die Klientelpolitik (was nichts anderes ist, als seine Wahlversprechen umzusetzen) kritisiert, nun willst Du den Eindruck vermitteln, Wahlversprechen würden nicht umgesetzt. Ja, was denn nun? Etwas wirr, oder?

        Auf was möchtest Du Dich nun festlegen?

Zeige alle Kommentare
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!