Beim ersten Ausprobieren in der Redaktion hatte uns das Mate 20 Pro von Huawei überrascht. Die Gesichtserkennung mit neuer 3D-Technologie, angeblich mit einer Fehlerquote von 1:1.000.000, konnte nicht zwischen zwei ähnlichen Personen unterscheiden. Das Smartphone entsperrte zuverlässig mit zwei zwar ähnlichen, aber eben doch unterschiedlichen Gesichtern. Ein ärgerlicher Fauxpas, der für viel Wirbel gesorgt und die Huawei-Entwickler anderthalb Wochen beschäftigt hat.

Seit dem knapp 400 MByte großen Update, das schon vergangene Woche hätte kommen sollen, nun aber seit heute ausgeliefert wird, hat Face Unlock am Mate 20 Pro offenbar dazugelernt. Auch nach längerem Ausprobieren ist es uns nicht mehr gelungen, das Smartphone mit dem falschen Gesicht zu entsperren. Auch ein Austauschen der Brille hat nichts gebracht. Nun ist die Gesichtserkennung am neuen Smartphone also offenbar nicht mehr nur schnell, sondern auch sicher.

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Juhu, wir sind für das Mate 20 Pro nicht mehr ein und dieselbe Person. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Unfertig in den Verkauf

Es bleibt aber ein fader Beigeschmack zurück, und zwar aus mehreren Gründen. Huawei hat am Freitag den Verkauf des Mate 20 Pro gestartet, die Geräte aber noch mit einer alten, unfertigen Software ausgeliefert. Die war sogar noch älter als die auf den Testgeräten, und es fehlten Features, die der Hersteller noch bei der Präsentation in London ausgiebig in den Fokus gerückt hatte. Die Live-Video-Filter, bei den Testgeräten vorhanden, sind in der alten Firmware nicht an Bord, ebenso wenig der 3D-Scanner, der auch im aktuellen Update nicht drin steckt.

Auch Dinge wie das nervige Knacken im Lautsprecher immer dann, wenn man – eigentlich lautlos – auf Facebook, Instagram und Co. über ein Video scrollt, wurde erst durch das heutige Update beseitigt. Die sporadisch auftretenden Verbindungsprobleme im WLAN und über Mobilfunk offenbar ebenfalls. Übrigens: Anders als bei früheren Huawei-Testgeräten lag dem Mate 20 Pro kein Hinweis darauf bei, dass es sich hierbei um eine Vorab-Software handelt.

Der erste Eindruck ist entscheidend

Wer sich direkt zum Verkaufsstart an einem Freitag ein Tausend-Euro-Smartphone kauft, der ist vermutlich ein Enthusiast und wird das neue Gerät gleich am Wochenende ordentlich ran nehmen. Beim Mate 20 Pro stolpern die Fans dann unter Umständen aber über gleich mehrere kleinere und größere Problemchen, und das nur, weil das Smartphone mit einer noch nicht finalen Software über die Ladentheke ging. Das sieht einfach nicht gut aus, wie auch das Fan-nahe Huawei Blog in einem Kommentar schreibt.

Nun könnte man sagen: Ist doch egal, wenn nach ein paar Tagen alles funktioniert. Könnte man, aber das greift zu kurz. Ihr kennt diesen schlauen Spruch: Es gibt keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Der stimmt, und zwar nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch bei der Kaufentscheidung. Huawei muss bei der Software ein besseres Timing hinbekommen, um Enttäuschungen bei den Kunden zu vermeiden – vor allem dann, wenn es sich doch eigentlich um so ein tolles Smartphone handelt wie das Mate 20 Pro.