Das Mate 20 Pro hat zwei biometrische Entsperrmethoden: einen Fingerabdrucksensor im Display und 3D-Gesichtserkennung. Beide sollen gleich sicher sein, doch 3D Face Unlock arbeitet auf unserem Testgerät des Mate 20 Pro nicht wie es soll. Es entsperrt zuverlässig mein Smartphone mit dem Gesicht meines Kollegen Christopher – und umgekehrt.

Aufgefallen ist das Verhalten, als ich mit dem nagelneuen Testgerät von Huawei in der Redaktion auftauchte. Alle wollten das Smartphone sehen und ausprobieren – und bei Christopher entsperrte es sich auf einmal. Kann ja mal passieren, vielleicht hat es mein Gesicht irgendwo im Hintergrund gesehen. Doch nach vielen, vielen Versuchen war klar: Das klappt zuverlässig immer wieder, Christopher kann das Mate 20 Pro jedes Mal entsperren, obwohl dafür eigentlich mein Gesicht nötig sein müsste.

Zugegeben, Christopher und ich sehen uns ähnlich, tragen beide einen Vollbart und vergleichsweise kurze Haare. Doch es sind eben zwei verschiedene Gesichter, mit anderer Hautfarbe, anderen Konturen, Augenfarbe, Brille versus keine Brille, und vielen weiteren Unterschieden. Wir sind keine Zwillinge, nicht einmal verwandt, so ähnlich ist das Ganze dann also auch nicht.

Dabei macht es keinen Unterschied, welches der beiden Gesichter wir im Mate 20 Pro als Besitzer hinterlegen. Auch mehrfaches Löschen und neu Anlernen bringt das selbe Ergebnis: Spätestens beim dritten Versuch lässt sich das Mate 20 Pro sowohl von mir als auch von Christopher über 3D Face Unlock entsperren. Ob wir die Option, dass die Augen beim Test offen sein müssen, aktiviert haben oder nicht, spielt ebenfalls keine Rolle. Die soll die Sicherheit eigentlich erhöhen.

Im Kleingedruckten stehen die Einschänkungen

Wer am Mate 20 Pro oder anderen Huawei-Smartphones die Gesichtsentsperrung einrichtet, findet darin einen Hinweistext zum Haftungsausschluss. In dem heißt es gleich zu Anfang: „Es ist möglich, dass Ihr Gerät von sehr ähnlich aussehenden Personen oder Gegenständen entsperrt wird.“ Das haben wir in der Vergangenheit bei der 2D-Erkennung auch tatsächlich leicht nachvollziehen können. Mit der 3D-Erkennung, deren Fehlerquote laut Huawei bei 1:1.000.000 liegt, sollte das aber nicht so einfach gehen.

AndroidPIT huawei mate 20 pro notch
In der breiten Notch des Mate 20 Pro steckt die Hardware für 3D Face Unlock. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Mit dem Mate 20 Pro soll in Sachen Gesichtsentsperrung eigentlich alles besser werden als zuvor. Statt auf die simple 2D-Erkennung über die Frontkamera zu setzen, spendiert Huawei seinem neuen Flaggschiff ein Infrarot-Modul, das 30.000 Punkte auf dem Gesicht des Nutzers erkennt und mit dem hinterlegten Gesicht vergleicht. Die Technologie ist zumindest auf dem Papier identisch mit der, die Apple bei Face ID in den aktuellen iPhones benutzt. Da ist es uns aber noch nicht gelungen, sie zu überlisten, und auch nicht am P20 Pro mit der simpleren Art der Erkennung.

AndroidPIT und Huawei bleiben dran

Huawei untersucht die Angelegenheit bereits, und auch wir werden das Phänomen weiter testen. Ein Defekt an unserem Gerät ist möglich, allerdings arbeitet das Mate 20 Pro ansonsten vollkommen problemlos und augenscheinlich fehlerfrei. Vielleicht ist auch ein Problem mit der noch nicht finalen Software auf dem Smartphone Schuld. Huawei betont, so ein Verhalten der Gesichtserkennung noch nicht gesehen zu haben, auch nicht in den aufwendigen Testverfahren, die sogar mit Zwillingen durchgeführt werden.

AndroidPIT huawei mate 20 pro face scanner
Die Gesichtserkennung des Mate 20 Pro macht noch Probleme. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Update: Ein Software-Update soll helfen

Mittlerweile konnten wir die Angelegenheit mit einem weiteren Exemplar des Huawei Mate 20 Pro testen. Das Ergebnis ist identisch, wieder können wir mit zwei Personen das Smartphone über die 3D-Gesichtserkennung entsperren. Auch in der Geschwindigkeit gibt es keine Unterscheide.

Beide Exemplare des Huawei Mate 20 Pro nutzen die selbe Softwareversion, die Build-Nummer lautet 9.0.0.113(C432E10R1P16). Bei Huawei laufen die Untersuchungen weiter, deuten aber nach unseren Informationen auf ein Software-Problem hin. Dementsprechend soll ein Software-Update helfen, das für das Mate 20 Pro hoffentlich noch vor dem offiziellen Verkaufsstart des Smartphones ausgeliefert wird. Auf ein offizielles Statement von Huawei warten wir noch. 

Was haltet Ihr von Gesichtserkennung, ist das praktisch oder eher nichts für Euch?