Walter Ji arbeitet seit 18 Jahren für Huawei. Anfang 2016 hat er die Geschäfte der Cosumer Business Group in Europa übernommen, kümmert sich hier also um das Endkundengeschäft bestehend aus Smartphones, Tablets, Wearables und mehr. Im Gespräch äußert sich Ji zu allen wichtigen Themen des Jahres in großer Offenheit. Das sagt Walter Ji über …

… Smartphones

Huawei war der Pionier bei Dual– und bei Triple-Kameras. Nur konsequent daher, dass Ji auch bei der Quad-Kamera vorne mitspielen will. Samsung war hier zwar schneller, aber auch Huawei wird in 2019 ein Smartphone mit vier Kameras auf dem Rücken anbieten, vielleicht sogar mit noch mehr Objektiven. „Nächstes Jahr werden wir definitiv noch mehr Innovation bei der Kamera sehen. Jetzt haben wir drei, stellen Sie sich für nächstes Jahr vier vor.“ Auch noch mehr Zoom wird kommen: „Dreifacher oder fünffacher Zoom ist nicht ausreichend. Zehnfach-Zoom in gleichbleibender Qualität mit dem Smartphone, das ist einmalig! In diesen Bereichen forschen wir, und da könnten wir die eine oder andere Überraschung für Euch haben.“

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Bei drei Kameras wird nicht Schluss sein. / © NextPit Bildquelle: NextPit by Irina Efremova

Schon angekündigt hatte Huawei außerdem ein Falt-Smartphone mit flexiblem Display und 5G-Unterstützung, das in der ersten Jahreshälfte vorgestellt werden wird. Die Möglichkeit, das Smartphone durch einen Falt-Mechanismus noch größer zu machen, kommt übrigens auch dem Akku zugute. 

Günstige Smartphones stehen für Huawei unterdessen nicht auf dem Plan. „In der Einsteigerklasse kann man ein gutes Benutzererlebnis nicht garantieren. Das ist nicht gut für die Marke Huawei“, so Ji. Es wird also bei eher großen und teureren Smartphones von Huawei bleiben.

Android One erteilt Ji ebenfalls eine Absage. „Wir haben das getestet in unseren Märkten, aber ich glaube nicht, dass die Kunden damit zufrieden sind“, wie Ji sagt. EMUI bleibt also auf Sicht die Software, auf die Huawei vertraut.

… den neuen Mobilfunkstandard 5G

5G wird Smartphone-Nutzung in den Augen von Walter Ji deutlich verändern. Die Gründe dafür sind eine bessere Online-Versorgung mit hohen Datengeschwindigkeiten und geringen Latenzen. „Mit 5G brauchen Sie keine Downloads mehr, alles ist ohne Verzögerung aus der Cloud abrufbar.“ Sogar günstigere Tarife erwartet Ji.

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Der neue 5G-Mobilfunk kommt, und Huawei ist mittendrin. / © Telekom Bildquelle: Telekom

Schwierig gestaltet sich unterdessen die Situation mit unterschiedlichen 5G-Frequenzen in Europa, die viel Arbeit für die Ingenieure bedeutet, die die Antennen und Modems konstruieren. Zudem ist Ji überzeugt, dass 5G nicht rentabel flächendeckend auszubauen ist, so dass 3G und 4G weiterhin wichtig bleiben: „Erwarten Sie nicht, dass die Provider 5G flächendeckend ausbauen. Das ist unmöglich.“ 5G ist zudem eine große Herausforderung für den Akku durch den hohen Stromverbrauch. Es wird also darauf ankommen, dass die Software intelligent steuert, welches Netz benötigt wird.

… Künstliche Intelligenz

Da Huawei also nicht davon ausgehen kann, dass 5G in absehbarer Zeit überall verfügbar ist, lässt sich die Künstliche Intelligenz auch nicht in die Cloud auslagern, zumindest nicht komplett. On-Device-AI mit der NPU auf dem Kirin-Prozessor und Cloud-AI werden also parallel entwickelt, um dem Nutzer jederzeit zur Verfügung zu stehen. Das wird aber ein andauernder Prozess sein, da 5G noch in den Kinderschuhen steckt.

Für Ji ist die KI eine wichtige Brücke zwischen den immer komplexe werdenden Geräten und der immer einfacher werdenden Bedienung, die sich die Nutzer wünschen. Vor allem steht dabei weiterhin die Unterstützung der Kamera im Vordergrund, die von den KI-Features besonders profitiert. Aber auch die Akkulaufzeit soll mit Hilfe der KI steigen. „Das sind merkliche Verbesserungen, die die Nutzer bemerken werden“, so Ji.

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Mit den Kirin-Chips wird die Smartphone-KI weiter voran getrieben. / © NextPit Bildquelle: NextPit

… Huaweis Strategie

Huawei greift die Spitze der Smartphone-Hersteller an und will Samsung vom Thron stoßen. Dafür muss die Marke noch sichtbarer werden, und das will Huawei mit eigenen großen Flagship-Stores erreichen. Von denen sollen 2019 zwischen zehn und zwanzig Stück eröffnet werden, der erste davon in Hamburg in der ersten Jahreshälfte. Auch in Düsseldorf wird ein Laden eröffnet, das Gebäude ist bereits im Bau. Der erste europäische Huawei-Store in Mailand komme sehr gut an, so Ji, sei aber deutlich zu klein.

Neben Smartphones, Tablets und Wearables wird Huawei seine Anstrengungen beim PC, also bei Laptops, weiter ausbauen. „Der PC ist ein wichtiger Baustein für uns“, so Ji, „den wir weiter verfolgen werden.“ Trotzdem wird es weiterhin so bleiben, dass Huawei in China andere und mehr Produkte anbietet als in Deutschland, etwa VR-Brillen.

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Laptops sind ein wichtiges Segment für Huawei. / © NextPit Bildquelle: NextPit by Irina Efremova

Und was noch?

Auf die Frage, ob der Brexit negative Auswirkungen für Huawei haben wird, sagt Ji: „Wir denken da positiv. Unsere Mitarbeiter arbeiten dort gerne für uns, und die Geschäfte mit dem P20 Pro und dem Mate 20 Pro laufen in Großbritannien besser als in den meisten anderen europäischen Ländern.“

Walter Ji fasst die Bemühungen von Huawei und die Wünsche der Kunden unter dem Kürzel „ROADS“ zusammen. Das steht für: Real-Time, On-Demand, All Online, DIY Possible und Social. Und diese „Road“, also Straße, soll für Huawei nach ganz oben führen. Am besten schon 2019.

Was sind für Euch die wichtigsten Baustellen, die Huawei angehen muss, um der größte Smartphone-Hersteller zu werden?