android tv 5
Spiele über Spiele: Android TV hat einen starken Gaming-Fokus. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Als führendes Android-Magazin gebührt uns ab und zu die Ehre, lange vor Marktstart an die Geräte von morgen zu gelangen. Diese stecken voller Ideen und Visionen, deren Umsetzung noch weit entfernt ist von einem Service, der Kunden heute zufriedenstellen würde.

Diesmal war es die Set-Top-Box Android TV, die ihren Weg in unser Testlabor geschafft hat. Auch wenn die Zahl der funktionierenden Apps noch sehr beschränkt war, wollen wir Euch einen ersten Eindruck und einen Einblick in die Möglichkeiten der Plattform liefern.

Was will Android TV sein?

Mit Android TV will Google (nach dem gescheiterten Google TV) erneut eine Software-Option für Fernseher-Hersteller vorstellen. Im Gegensatz zu Chromecast lässt es sich komplett mit dem mitgelieferten Gamepad oder einer beliebigen USB-Tastatur oder -Maus steuern. Einige Menüs zeigen, dass die Oberfläche sich auch über herkömmliche TV-Fernbedienungen steuern lassen soll. So wurden die Apps im integrierten Play Store anhand ihrer bevorzugten Eingabemethode sortiert. Das System lässt zusätzlich Sprachbefehle zu, die wir aber ebenfalls noch nicht testen konnten.

Auf dem Homescreen erwarten uns künftig unsere App- und Video-Favoriten. Diese können wir über die Sprachsuche, das Gamepad oder (künftig) die TV-Fernbedienung aufrufen. Das herkömmliche Fernsehen wird vermutlich einfach als App-Kachel eingebunden. 

Mehr als Chromecast

android tv 2
Google Cast ist nur eines von vielen Features in Android TV. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Während Chromecast ohne verbundenes Smartphone oder Tablet recht aufgeschmissen ist, kann Android TV an sich um einiges mehr. Zumindest ist das der Plan. In unserem Test lief das System auch nach dem Update auf die jüngste Development-Firmware nicht wirklich sauber und Apps stürzten bei den kleinsten Verbindungsproblemen ab. Die Preview-Ausgabe des Play Stores ließ keinen einzigen App-Download zu, sodass man die etlichen bereits verfügbaren Spiele nicht testen konnte. 

Android TV soll Googles App-Ökosystem ins Wohnzimmer bringen und auch Netflix und andere Video-on-Demand-Dienste ins Boot holen. Gelegenheitsspiele wurden ebenfalls zuhauf vorbereitet, auch wenn diese grafisch nicht mit Playstation 4 oder Xbox One mithalten werden.

Übertragung ist nur Nebensache

android tv 11
Die Chromecast-Features sind auch im Android TV enthalten. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Das Casting-Feature, das Smartphone-Inhalte auf den Fernseher sendet, ist natürlich in Android TV integriert, soll aber keine zentrale Rolle in dem Projekt einnehmen. Vielmehr geht es darum, dass der Fernseher all die Funktionen bekommt, die Google in den letzten Jahren mit Android-Smartphones perfektioniert hat: Sprachsuche und -Steuerung und das schnelle Durchforsten etlicher Datenbanken und zeitgleich das semantische Verknüpfen der Suchergebnisse: “Okay Google, welchen Schauspieler sehe ich da gerade?” Und dann erscheint eine Liste mit Filmen, natürlich auch mit der Option, sie entgeltlich anzusehen. Doch noch handelt es sich dabei um eine Vision, die stark davon abhängt, dass App-Entwickler auf den Zug aufspringen, den Google ihnen mit der Plattform vorsetzt.

Mit Android L soll dafür die letzte Schranke fallen und einheitliche Schnittstellen machen es möglich, dass praktisch jede für Android L geschriebene App auch auf dem Fernseher bedienbar wird. Zusätzlich wurden mit den Play-Diensten und Play Games Schnittstellen geschaffen, um App-übergreifend zu suchen beziehungsweise Geräte-übergreifend Spiel-Erfolge auszutauschen. Genau diese eignen sich hervorragend für die Integration der TV-Plattform mit dem App-Kosmos des Play Stores, ohne dass Entwickler jede Plattform einzeln berücksichtigen müssen.

Wann ist der Release von Android TV?

android tv 8
10 x 10 x 2 Zentimeter groß und 296 Gramm schwer, soll die Set-Top-Box im Gehäuse kommender Smart-TVs verschwinden. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Dass Google eine Set-Top-Box anbieten wird, mit der sich nicht-smarte Fernsehgeräte zu Smart-TVs aufrüsten lassen, ist nicht auszuschließen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass etliche Fernseher-Hersteller zunächst einige ihrer Geräte mit Googles TV-Betriebssystem ausstatten werden und diese im Falle eines Erfolges verfielfältigen werden. Eine ähnliche Erfolgs-Story hat Android als Smartphone-Betriebssystem schon hinter sich. Sony, Sharp, TPVision, und Philips hatten auf der Google I/O 2014 Fernsehgeräte vorgestellt, die mit Android TV liefen. Diese sollen schon im Sommer 2015 erscheinen, also können wir damit rechnen, dass alle namhaften Hersteller ein solches Gerät innerhalb der nächsten zwölf Monate anbieten werden.

Wieso interessiert mich das?

Im Unterschied zu den vielen proprietären Smart-TV-Lösungen, die Samsung, Philips und Co. derzeit in die Elektrofachgeschäfte gestellt haben, könnte Google aufgrund seiner Erfahrungen im Web- und App-Umfeld erheblich für Schwung im digitalen Wohnzimmer sorgen. Das einheitliche Ökosystem sorgt zudem dafür, dass Geräte miteinander kompatibel werden und die Qualität der Apps dank der etablierten Android-Plattform besser wird, da App-Entwickler sich besser mit ihr auskennen.

Natürlich handelt es sich für Google um eine Win-Win-Situation, da es nach wie vor die Kontrolle über den Play Store hat, den es damit langfristig auf die heimischen Fernsehgeräte bringt (und davon sollte es langfristig weltweit ähnlich so viele wie Smartphones geben) und seine Einkommensquellen vervielfacht.

Warum soll Android TV erfolgreicher werden als Google TV

android tv 3
Android TV hat neben Video on Demand auch einen starken Gaming-Fokus. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Dank des Testlaufs mit Chromecast hat Google eine preiswerte Vorschau auf die Möglichkeiten geliefert, die Android TV verfeinern wird. Außerdem hat es mit dem Gamepad, aber auch mit dem USB-Anschluss für Maus oder Tastatur, bei der Wahl der Eingabegeräte einen besseren Geschmack bewiesen als mit den Auswüchsen, die Partner wie Sony für Google TV hervorgebracht hatten. 

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Erstmals können Entwickler das herkömmliche Android SDK nutzen, um Apps gleichzeitig für Android L Smartphones, als auch für Android TV zu entwickeln; lediglich die Leitlinien für die Steuerung und das Design sind leicht abweichend. Doch der große Software-Unterbau ist derselbe, sodass man nicht mehr den umständlichen Weg über die Widgets gehen muss, den damals mit Google TV fast niemand gegangen war. Zu schade allerdings, dass wir in unserem Test durch reproduzierbare Abstürze des Play Stores nicht in der Lage waren, diese Apps im Android TV zu testen. Insbesondere der Spiele-Fokus sollte in einem erweiterten Test nach Release auf seine Fähigkeiten abgeklopft werden.

Android TV: Technische Daten

Die uns vorliegende Set-Top-Box hatte einen Tegra-K1-Prozessor der ersten Generation, also mit vier Rechenkernen und 192 Shader-Prozessoren der Kepler-Generation. Dies und 16 Gigabyte Flash-Speicher sollten für die ersten Tests genügen. Die Anschlüsse waren HDMI, USB, Ethernet und Mini-USB (für den Strom). Ein einziger Button startete das Bluetooth-Pairing (das zunächst nicht funkionieren wollte) oder setzte das Gerät zurück. Einen Netzschalter gab es nicht.