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Wie geht Refurbished? Blick hinter die Kulissen bei Rebuy – mit Video

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Wo kommen denn die generalüberholten Smartphones her? Letzte Woche wurde ich von Rebuy eingeladen, einem der größten Händler für generalüberholte Smartphones in Europa, ansässig in Deutschland. Ich besuchte eines ihrer Logistikzentren am Stadtrand von Berlin. Dort werden alle Smartphones, die sie von Privatpersonen erhalten, sortiert, bearbeitet, gereinigt und getestet, bevor sie einen neuen Besitzer finden.

Ja, auch wir gehen ab und zu auf Reportage. Am vergangenen Montag konnte ich mit Johannes Meier, Head of Grading & Quality, eine Führung durch die Räumlichkeiten von Rebuy Electronics in Berlin-Falkensee machen. Dort konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie ein generalüberholtes Smartphone, nun ja, generalüberholt wird. Achtung, ich sagte überholt und nicht repariert, denn das ist nicht ganz das Gleiche.

Habt Ihr Rebuy schon einmal genutzt?
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Aber wer ist Rebuy? Wenn ich von generalüberholten Smartphones höre, denke ich persönlich immer an Back Market, ein französisches Unternehmen. Aber Rebuy macht die Dinge ein wenig anders.

Rebuy, was ist das?

Ich möchte es erklären. Während Back Market ein virtueller Marktplatz ist, der Euch mit verschiedenen Verkäufern von generalüberholten Smartphones in Verbindung bringt, verwaltet Rebuy den gesamten Prozess intern. Vom Ankauf beim Nutzer über die Wiederaufbereitung inklusive eventueller Reparaturen bis hin zum Versand an den neuen Besitzer oder die neue Besitzerin. Alles geschieht "in-house", wie man so schön sagt.

Dieses Konzept entstand Anfang der 2000er Jahre aus der Idee einer Gruppe von Freunden, die gebrauchte Videospiele weiterverkauften. Daraus hat sich bis heute einer der führenden europäischen Anbieter der Kreislaufwirtschaft in unserem Mikrokosmos, der Technikbranche, entwickelt. Neben 13 Millionen Büchern und anderen Medien kaufte Rebuy im Jahr 2021 auch über 500.000 elektronische Geräte wie Smartphones, Laptops, Wearables und Kameras.

Die Tochtergesellschaft, Rebuy Electronics, deren Logistikzentrum ich besichtigen konnte und das ich Euch hier in einem Video zeige, hat 550 Mitarbeiter und verarbeitet etwa 12.000 Geräte pro Monat. Geht Ihr auf die Website von Rebuy, lasst Euer Smartphone schätzen und schickt es dann ein, kommt es hier an – in einem Lager auf einer Fläche von 4.500 Quadratmetern. Es geht dann auf einer Produktionsstraße durch viele Hände, manche menschlich, andere robotisch, die es wieder aufbereiten.

Aber schaut Euch dieses technologische Ballett lieber selbst an im Video:

Per Autopilot zum generalüberholten Produkt – zumindest fast

Nun, ich bin mir sicher, dass Ihr gar nicht weiterlest und Euch lieber aufs Video konzentriert. Aber für die zwei Leser, die weiterlesen: Als ich bei Rebuy gelandet bin und in der sengenden Hitze von 34 Grad fast zerflossen bin, fiel mir auf, wie modern der Komplex ist.

Es herrscht eine etwas raue Industrieatmosphäre mit gut sortierten Geräten und nahezu symmetrisch angeordneten Arbeitsplätzen – oder kurz gesagt: deutsche Verhältnisse. Aber das Ganze hat auch einen Hauch von Startup-Nation, jung und hip, mit Gadgets überall und Roboterarmen à la Tony Stark.

In diesem Logistikzentrum von Rebuy werden Automatisierung und menschliches Eingreifen kombiniert. Wie sooft werden so viele Aufgaben wie möglich von Robotern und KI übernommen, um die Produktion effizienter zu machen. Aber man behält ein menschliches Element bei, das als Sicherheitsnetz fungiert und sicherstellt, dass die Roboter nix falsch machen.

Das Smartphone durchläuft mehrere Vorbereitungsschritte – Auspacken, Zurücksetzen, Reinigen –, bevor es in den vollautomatischen Teil der Fertigungslinie gelangt. Zu diesem Zeitpunkt wird es von Roboterarmen in Maschinen platziert, die es von oben bis unten testen. So wird die Funktionsfähigkeit überprüft und seine Qualität bewertet: Hier haben wir die beiden Kernkomponenten des Prozesses, "quality" und "grading".

Das Interessante ist und bleibt aber, dass alles mit Robotern gemacht wird. Künstliche Finger tasten den Bildschirm des Smartphones ab, um den Zustand des Touchscreens zu überprüfen. Die Maschine steckt eine ganze Reihe von Kabeln in die verschiedenen Anschlüsse des Geräts. Das Smartphone wird auch Foto- und Audiotests unterzogen und sogar ein Benchmark für die Akkulaufzeit durchgeführt. Es ist ziemlich beunruhigend, dass meine Arbeit als Tester in weniger als fünf Minuten von einer Maschine erledigt werden kann, aber gut.

Noch interessanter ist, dass sogar die Bewertung des Aussehens des Smartphones mithilfe von KI erfolgt. Das Handy wird 22 Mal fotografiert und ein selbst entwickelter Algorithmus erkennt, ob es Mängel aufweist. Ich finde das ziemlich verrückt. Das letzte Wort hat natürlich immer ein Techniker oder eine Technikerin, der oder die überprüft, ob der Prozess korrekt abgelaufen ist und eventuell noch Anpassungen vornehmen kann.

Immer mehr Smartphones aufkaufen, ein Just-in-Time-Geschäftsmodell

Wie Ihr vielleicht bemerkt habt, habe ich kaum über Reparaturen gesprochen. Tatsache ist, dass die Fälle, in denen ein Smartphone, das über Rebuy läuft, repariert werden muss, ziemlich selten sind. Laut Johannes Meier machen sie weniger als ein Viertel der behandelten Produkte aus.

Die Mindestanforderung ist dabei, dass das Smartphone zu 100 Prozent funktionstüchtig ist, dass alle technischen Funktionen einwandfrei funktionieren. Was den Zustand des Aussehens angeht, ist Rebuy flexibler. Das liegt daran, dass die verschiedenen Grade – Wie neu, sehr guter Zustand, guter Zustand und stark genutzt – es Euch ermöglichen, Euer Glück Euren Anforderungen entsprechend zu finden.

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Ganz so einfach lassen sich die Handys bei Rebuy meist nicht auseinandernehmen, die Qualität wird dennoch sichergestellt. / © NextPit

Bei Refurbished soll die Reparatur jedoch nicht zur Pflicht werden. Die Idee ist, Handys aufzukaufen, um sie wieder zu verkaufen. Es gibt diesen Renditegedanken, der jedem Geschäftsmodell innewohnt. Und bei Rebuy gilt: Um mehr Smartphones weiterzuverkaufen, muss man mehr gebrauchte Smartphones aufkaufen. "Derzeit stammen 90 % der bezogenen Smartphones von Privatpersonen, die über die Website des Unternehmens kommen", erklärt mir der Geschäftsführer Philipp Gattner.

Das Ziel ist es nicht, Smartphones zu reparieren und systematisch neu aufzubereiten. Ein Smartphone aufzubereiten bedeutet, es in den bestmöglichen Zustand zu versetzen, der dem Zustand entspricht, in dem es angekommen ist, und ohne dass die Kosten für die Aufarbeitung die Kosten für den Wiederverkaufspreis übersteigen.

Um dieses feine Gleichgewicht zwischen Rückkauf und Wiederverkauf zu gewährleisten, tut Rebuy alles, um seine Akzeptanzrate zu maximieren. Die Akzeptanz von Nutzern, die ihr Smartphone zur Rücknahme eingeschickt haben und denen Rebuy ein Angebot macht, das auf dem Zustand des Geräts basiert. Deshalb ist dieser "Grading"-Prozess, den Ihr gerade in einem Video gesehen habt, so wichtig.

Wenn das vom Nutzer eingesandte Gerät der ursprünglichen Beschreibung entspricht, kauft Rebuy es ihm zum vereinbarten Preis ab. Wenn aber etwas nicht stimmt, muss Rebuy den Rückkaufpreis neu bewerten. Vor allem aber muss der Nutzer dazu bewegt werden, ihn zu akzeptieren – immerhin bekommt er weniger Geld. Um dies zu erreichen, setzt das Unternehmen auf Aufklärung und Transparenz, indem ein Techniker einen umfassenden Bericht über die während des "Grading" festgestellten Unregelmäßigkeiten erstellt.

"Früher haben wir das sehr technisch gemacht", beginnt Johannes Meier. "aber seitdem versuchen wir wirklich, den Leuten klar zu erklären, was mit ihrem Telefon nicht stimmt, wir zeigen es ihnen auch mit Videos. Und seit wir diese Anstrengungen unternehmen, konnten wir unsere Akzeptanzrate auf 94 % steigern."

Kurz gesagt: Es ist ein Geben und Nehmen bei Rebuy. Aber in jedem Fall müsst Ihr nichts bezahlen, wenn Ihr das Angebot ablehnt – und Euer Smartphone wird Euch in einem viel besseren Zustand als zuvor zurückgeschickt. Das ist doch schon mal was, oder?

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10 Kommentare

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  • pierrecinema vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    so jetzt kein einziges Bild wie es hinter den Kulissen zu geht..Bilder im Artikel vergessen


  • Reginald Barclay vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Also, es wird gereinigt. Äußerlich. Und ja, getestet, um sicherzustellen, daß es funktioniert. Daher ist Rebuy ein Gebrauchtwarenhändler bei dem man keine Nieten zieht. Jedoch refurbished?!

    Refurbishing ist etwas anderes.

    Es wird hier offenbar nichts überholt oder erneuert. Wie gesagt, es wird lediglich gereinigt.


    • Antoine Engels
      • Admin
      • Staff
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Refurbished meint ja nicht unbedingt repariert. Aber ich verstehe, was du meinst. Laut dem Head of Grading und Quality, der unsere Tour geführt hat, benötigen nur weniger als ein Viertel der Geräte Reparatur.

      Das machen sie aber auch hauptsächlich in house. Aber so lange das Telefon 100% funktionell ist, und die Batterie nicht geschädigt ist, wird es nicht repariert.

      Und das kann ich auch verstehen. Da der ganze Prozess stattfindet, bevor der Kunde die Offer akzeptiert. Wenn sie das Gerät wie neu reparieren und du dann die Offer ablehnst, dann müssen sie es zurückschicken und haben "umsonst" gearbeitet.

      Was ich verstanden habe, ist dass Reparatur auf jeden Fall im SOP eingebaut ist, aber es ist kein "mandatory Step", nur wenn es nötig ist. Deswegen gibt es auch verschiede Qualitätszustände wenn du bei Rebuy ein Gerät kaufst (Wie neu, Sehr gut, Gut, Stark genutzt.

      Und sogar für stark genutzte Smartphones, garantieren sie auch mindestens 80% Akku-Kapazität und 36 Monate Garantie.

      (Btw, ich weise darauf hin, dass ich nicht von Rebuy gesponsert werde lol ).


      • Michael K. vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Bei einer echten Reparatur auf Bauteilebene sind Reparaturkosten auch nur schwer abschätzbar, da man vorher nicht sagen kann, wie lange die Fehlersuche letztlich dauern wird. Deswegen nehme ich an, man wird die intakten Komponenten von baugleichen Geräten mit unterschiedlichen Defekten zu neuen, insgesamt intakten Geräten kombinieren.
        Der Vorteil von Rebuy ist aber, dass man gut getestete Geräte bekommt, die dadurch mit großer Wahrscheinlichkeit keine versteckten Fehler aufweisen, und zudem, wie an anderer Stelle erwähnt, eine lange Garantie bekommen. Kauft man von Privat, hat man letztlich das Risiko versteckter oder sporadischer Fehler, die der Vorbesitzer entweder nicht wahrgenommen hat, oder sogar bewusst verschwiegen. Und bei solchen Angeboten heisst es dann nur zu oft "keine Garantie, keine Rücknahme".


      • Reginald Barclay vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Richtig, 'refurbished' bedeutet nicht repariert. Es bedeutet 'überholt'. Nach ausgelaufener Produktion werden ggf. gebrauchte Geräte vom Hersteller auf Neuzustand getrimmt, indem Verschleißteile wie Akku, Gehäuse und nötigenfalls Frontglas evtl. samt Display ausgewechselt werden. Diese werden in Originalverpackung (jedenfalls im Falle von Samsung) mit dem Zusatzlabel 'Refurbished' verkauft.
        Nur gereinigt, werden lediglich Geräte, die innerhalb von 14 Tagen nach Neukauf wieder zurückgegeben wurden. Und selbst die werden als 'gebraucht-wie neu' gehandelt.


  • Karsten vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Rebuy? .. Da verkaufen ja aber bei denen was kaufen, nee.


    • beisim vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Ich kaufe gerne bei rebuy. Die 36 Monate Garantie bei Elektrogeräten sind unschlagbar


      • Tobias G. vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Und dafür hast du dich angemeldet? ;-)

        Ich habe dort auch schonmal verkauft, wenn ich nicht irre. Ist schon viele, sehr viele Monde her und meine Anmeldedaten funktionieren schon gar nicht mehr :D
        Mir wurde sogar mehr gezahlt, als ursprünglich vereinbart. Schlicht, weil das Gerät in einem besseren Zustand war, als ich es eingeschätzt hatte. Sehr fair.

        Beim Kauf hätte ich auch immer Zweifel, vor allem, wenn es um Akkus geht. Da kann man Glück aber auch Pech haben. Jedenfalls, wenn man diversen Erfahrungen bzw. Dokus glauben darf.


        PS: Toller Blick hinter die Kulissen :-) Ist der exklusiv für Nextpit?


      • Antoine Engels
        • Admin
        • Staff
        vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Hi, danke für den Kommentar. Also ob es exclusiv sei, weiss ich nicht. Aber wir sind bestimmt einer von wenigen Outlets, die eingeladen wurden.

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