Bowers & Wilkins PI3-Test: Halsband-In-Ears mit starker Klangleistung

Bowers & Wilkins PI3-Test: Halsband-In-Ears mit starker Klangleistung

Dem britischen Audiounternehmen Bowers & Wilkins (jetzt unter amerikanischer Leitung) eilt der Ruf voraus, Geräte mit besonders hoher Audioqualität herzustellen. Und tatsächlich fand ich den Klang bei beiden Over-Ear-Kopfhörern (PX5 und PX7) durchaus angenehm. Diesmal nehme ich mir Bowers & Wilkins ersten drahtlosen In-Ear-Kopfhörer mit Nackenbügel vor. Ob er sich auf dem Markt behaupten können wird? Hier seht Ihr unseren kompletten Bericht.

Bewertung

Pro

  • Typisch-großartiger Bowers-&-Wilkins-Sound
  • Komfortabel zu tragen
  • Ansprechendes Design

Contra

  • Das Flügel-System ist umständlich.
  • Durchschnittliche Akkulaufzeit

Bowers & Wilkins PX5: Preis und Verfügbarkeit

Beim PI3 handelt es sich um den ersten Schritt von Bowers & Wilkins in den Markt der drahtlosen Kopfhörer im Nackenbügel-Stil. Und ich kann Euch sagen, über die vergangenen Jahre hinweg, ist es voll auf diesem Markt geworden. Mir scheint es sogar vielmehr so, dass wir uns 2020 allmählich auf ein vollkommen drahtloses Zeitalter zubewegen. Betrachtet man einmal die enorme Anzahl der Unternehmen, die dieses Jahr ihre True-wireless-Buds zur CES 2020 mitgebracht haben, scheint das doch eine gute Bestätigung für meine Meinung zu sein. Das soll aber auf keinen Fall bedeutet, dass es in diesem Jahr gar keinen Markt mehr für drahtlose Kopfhörer im Nackenbügel-Stil gibt.

Auf Bowers & Wilkins' offizieller Website bekommt Ihr die In-Ear-Kopfhörer für 199,99 Euro. Einen großen Unterschied zum Angebot von Amazon werdet Ihr bei diesen Kopfhörern nicht finden. Wählen könnt Ihr hier zwischen den Farben Space Grey, Blau und Gold. Für den Test habe ich mich für die blaue-Version entschieden.

Komfortable, anpassbare In-Ear-Kopfhörer

Laut Bowers & Wilkins sind diese kompakten drahtlosen In-Ear-Kopfhörer mit den gleichen Audiostandards entwickelt worden, wie andere Geräte des Herstellers. Die drahtlosen Ohrhörer fallen kaum auf und haben dabei nicht nur den Vorteil, angenehm klein zu sein, sondern auch gut auszusehen. Wie nicht anders zu erwarten, sind Herstellungs- und Verarbeitungsqualität bei diesem Produkt besonders hoch. Bowers & Wilkins bleiben sich somit, trotz neuer Kopfhörer-Sparte treu. Angenehm finde ich die Kabel, die durch ihre Silikon- und Gummibeschichtung weich am Nacken liegen. Verhedderungen treten bei den Kabeln indes kaum auf, während sie sich gleichzeitig gut greifen lassen.

AndroidPIT Bower Wilkings PI3 Magnet
Mit den beiden Flügeln und Spitzen wird das Ohrpassstück insgesamt recht klobig. / © NextPit

Ich fand positiv, dass die Steuerungseinheit (für Tonregulierung, Einschaltknopf und Mikrofon) an beiden Seiten des Nackenkabels angebracht ist. Nicht nur für Linkshänder scheint mir dies ein echter Vorteil gegenüber manch anderer Kopfhörer zu sein. Hinzu kommt eine größere Taste für die Wiedergabe- und Pausen-Funktion. Da Ihr die Bedienleisten nach dem Aufsetzen der In-Ear-Kopfhörer nicht mehr seht, ist diese haptische Unterscheidung wirklich praktisch.

Was mich ein wenig gestört hat, ist die Aufteilung von Power-Taste und Kontrollleuchte. Erstere bedient Ihr am Kopfhörer auf der linken Seite, kontrollieren könnt Ihr den Status hingegen nur auf der rechten Seite. Das Nackenband selbst gibt keinen Aufschluss darüber, ob die Kopfhörer im Betrieb sind. Das kann mit der Zeit schon ziemlich nervig werden.

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Die Play/Pause-Taste ist dank strukturierter Oberfläche blind zu ertasten. / © NextPit

Als weiteres Design-Manko in meinem Test der Bowers & Wilkins PI3 empfinde ich die austauschbaren Ohrpassstücke und die Halte-Flügel. Ähnlich wie viele anderen Hersteller legt auch Bowers & Wilkins davon mehrere Größen der Packung bei. So finden Menschen unterschiedlicher Ohrmuschel- und Gehörgang-Größen Passstücke für gute Abdichtung und festen Sitz. Das ist etwa während des Trainings wichtig. Doch egal in welchen Größen: Insbesondere die Flügel erschienen mir ein wenig klobig.

Besonders ärgerlich ist, dass die Flügel und die Ohrpassstücke das bis dahin wirklich hübsche Gehäuse der Stecker komplett bedeckt. Das eigentlich glatte Design ist dann vollends ruiniert. Leider scheint dies der Preis dafür zu sein, wenn man Ohrstöpsel mit einem sicheren Sitz haben will. Während meines Test habe ich die PI3 zumindest ganz ohne Sorge auch beim Laufen getragen.

Qualcomms aptX Adaptive rockt immer noch

Wie von Bowers & Wilkins zu erwarten war, sind die PI3 mit Audio-Standards der größeren Modelle ausgestattet. So unterstützen die In-Ear-Kopfhörer Qualcomms aptX Adaptive Codec, mit dem Ihr Audiodatein (bis zu 25 Bit bei 58 kHz) mit geringer Latenzzeit streamt. Zu sehen bekamen wir diese Technologie bereits bei den Over-Ear-Geräten des Herstellers. Was soll ich groß sagen? Ich finde das Feature fantastisch, besonders, wenn ich mir Videos auf meinem Smartphones ansehe. Egal, ob ich mir meine frei zugänglichen Gitarren-Tutorials, Covers oder Produkt-Demos ansehen will: Die geringe Latenzzeit, die die Technologie der PI3 Euch bereitstellt, macht hier einen wirklichen Unterschied. Spätestens, wenn Ihr Euch ein Musikvideo anseht, werdet Ihr merken, wie grausam die Lippensynchro ist, wenn es bei der Übertragung Latenzprobleme gibt.

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Die PI3s sind mit der Dual-Driver-Technologie von B&W ausgestattet und liefern einen guten Klang. / © NextPit

Die Ohrstöpsel haben jeweils zwei Lautsprecher. Einer gibt die hohen und mittleren Frequenzen wieder, der andere ist für die Bass-Wiedergabe zuständig. Das macht diese drahtlosen Ohrstöpsel zu einer guten Wahl für Musik- und Hi-Fi-Liebhaber. Der Sound lehnt sich im Übrigen wirklich an die typische Klangwiedergabe der Marke an. Der zeichnet sich durch klaren und ausgewogenen Klang, stark-hämmernde Bässe und High-End-Frequenzen aus.

Auf Geräten von Bowers & Wilkins lassen sich auch Podcasts und Hörbücher hervorragend genießen. Aber auch große Musikarrangements mit ausgeprägten individuellen Instrumentendefinitionen (beispielsweise klassische Musik) werden ebenso sehr gut wiedergegeben. Mit einem besonders tiefen und kräftigen Klang kann der eingebaute Tieftöner hingegen nicht dienen. Für meinen Geschmack ist der Klang aber perfekt abgestimmt.

Eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) bieten die PI3 nicht. Für den täglichen Gebrauch in einer belebten Stadt wie Berlin reicht aber auch die passive Geräuschunterdrückung der In-Ear-Ohrstöpsel vollkommen aus. Wer nicht auf ANC verzichten will, der kann auf die PI4 der Herstellers zurückgreifen. Für diese müsst Ihr dann aber auch 100 Euro mehr auf den Tisch legen als bei den PI3.

In Sachen Akkulaufzeit leicht hinter der Konkurrenz

Bei den PI3 hat sich Bowers & Wilkins für eine Akkuleistung entschieden, die Euch eine Wiedergabe bis zu acht Stunden ermöglicht. Ich finde die Laufzeit brauchbar. Aber es bleibt doch zu erwähnen, dass die PI3 damit hinter der Konkurrenz liegen. Dafür haben die In-Ear-Kopfhörer von Bowers & Wilkins den Vorteil der Schnellladung. Auf diese Weise kommt Ihr in nur fünf Minuten auf weitere zwei Stunden Laufzeit und das ist dann auch nicht ganz so schlecht. Nach meinem Test kann ich diese Angaben bestätigen. Da ich davor jedoch Kopfhörer mit mehr Ausdauer getestet hatte, habe ich diese acht Stunden dennoch als überraschend kurz empfunden.

AndroidPIT Bower Wilkings PI3 USB Port
Der B&W-PI3-Kopfhörer wird über USB-C geladen. / © NextPit

Nur, damit Ihr einen Vergleich habt: Bei den Bullets Wireless 2 von OnePlus ist ein Akku mit einer Laufzeit von bis zu 14 Stunden und einer Warp-Ladetechnologie eingebaut. Über die könnt Ihr bei nur zehn Minuten Ladezeit auf eine Laufzeit von zehn Stunden kommen. Und dabei sind diese Kopfhörer sowohl im Design als auch im Klang fast ebenso gut wie die PI3 von Bowers & Wilkins.

Das hier ist auch nur eines von vielen Beispielen, denn tatsächlich liegen die PI3 im Bezug auf die Akkuleistung etwas hinter den Geräten ihrer Konkurrenz. Das ist sicherlich kein KO-Kriterium, aber es hat mich doch immer wieder überrascht, wie oft die drahtlosen Ohrstöpsel unterwegs den Geist aufgegeben hatten.

Abschließendes Urteil

Alles in Allem haben die PI3 keinen Zweifel daran gelassen, dass sie echte Bowers & Wilkins sind. Der Klang ist wirklich beeindruckend, sauber und ausgewogen. Auch in der Bauqualität und dem Design zeigt der Hersteller, was in ihm steckt und gibt uns genau das, was wir auch erwartet haben. Der Preis ist allerdings auch dementsprechend hoch und die abnehmbaren Gummiflügel haben mich nicht überzeugt. Wenn Ihr aber ein Paar In-Ear-Kopfhörer im Nackenbügel-Stil sucht und Euch ein Aufpreis nichts ausmacht, dann kann ich Euch die PI3 nur empfehlen.

Meine eigentliche Sorge ist aber, dass die meisten von uns dieses Jahr einen Blick in die Richtung des Marktes von True-Wireless-Kopfhörern werfen werden. Und voraussichtlich wird es für den Preis dieser Premium-In-Ear-Kopfhörer im Halsband-Stil auch viele True-Wireless-Kopfhörer ganz ohne Kabelverbindungen geben. Die Konkurrenz ist groß. Aber Bowers & Wilkins wird wohl auch bald in diesen Markt eindringen, nicht wahr?

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2 Kommentare

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  • Mal unabhängig davon, dass hier leider wieder mal über einen Kopfhörer geschrieben wurde ohne auf das Wichtigste einzugehen, wofür ein Kopfhörer steht - der musikalische Eindruck, Klangeigenschaften bei verschiedenen Musikrichtungen, etc... - merkt schon ganz deutlich, welchen Weg B&W einschlägt. Weg von exquisiten, audiophilen Kopfhörern im Stile eines P9, P7 u. w. frühere Highlights, hin zu massenmarkttauglichen Mainstream-Headphones. Sehr schade!

    Der Pi3 ist qualitativ wirklich sauber verarbeitet, klanglich ist Bowers & Wilkens noch herauszuhören, aber deutlich besser gefällt mir der preislich etwas höhere Pi4; nicht so "bassig" wie der kleinere Bruder, sehr viel ausgeglichener und sogar (für nen In-Ear!) mit guter Bühne und prima Staffelung.

    Aber Geschmäcker sind verschieden - was auch so sein soll.


  •   77
    Gelöschter Account vor 9 Monaten Link zum Kommentar

    Toll geschrieben und deine Meinung kommt sehr gut rüber 👍.
    200€ für die Kopfhörer... Wer es braucht wird es sich holen.