Der Mechanismus: Wie funktioniert er?

Auf den ersten Blick scheint es so, als hätte Oppo beim Find X eine der wichtigsten Komponenten eines Smartphones vergessen: die Kamera. Sowohl die Vorder- als auch die Rückkamera sind zunächst nicht sichtbar, da sie im Inneren des Smartphones versteckt sind. Um einen Blick auf die Sensoren werfen zu können, muss die Kamera-App gestartet werden.

Erst dann fährt oben der große Schlitten aus, auf dem eine Kamera vorne und zwei hinten untergebracht sind. Das Ausfahren wird von einem mechanischen Sound begleitet, der im Gegensatz zum Vivo NEX nicht angepasst und auch nicht deaktivieren werden kann.

Die ausfahrbare Kamera behindert nicht die Nutzung des Smartphones, allerdings verkompliziert sie die Aufnahme von Fotos im Querformat.

Wie die chinesische Seite MyFixGuide in ihrem Teardown gezeigt hat, verwendet das System zwei seitlich angeordnete Schienen und einen Motor in der Mitte. Damit das Ganze auch sauber funktioniert, setzt Oppo Lager ein. Auf der Front befinden sich Sensoren für die Gesichtserkennung – ein dreidimensionaler Punktprojektor, ein Infrarotsensor und ein Näherungssensor – sowie die 25-Megapixel-Kamera mit f/2.0-Blende und Sony IMX576 Sensor.

Auf der Rückseite befindet sich die Dual-Kamera: 20 + 16 Megapixel mit einer Blende von f/2.0. Bei den Sensoren handelt es sich um den Sony IMX376k und den IMX519 mit einer Pixelgröße von 1,22 µm. Zwischen den beiden Sensoren befinden sich zwei LEDs.

Der Mechanismus fährt die Kamera zum Glück so schnell aus, dass man bei der Nutzung nicht ausgebremst wird. Im direkten Vergleich mit der Gesichtserkennung des iPhone X, nehmen sich beide Smartphones bei der Entsperr-Geschwindigkeit nichts. Leider sammelt sich auf dem Schlitten jedoch schnell Staub und wenn Ihr Bilder im Querformat aufnehmen möchtet, müsst Ihr aufpassen, nicht die Linse mit dem Finger abzudecken. Leider ist mir das recht häufig passiert.

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Der Schlitten fährt nur für die Gesichtserkennung und bei geöffneter Kamera-App aus. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Das Kamera-Erlebnis

Beim Oppo Find X sind die klassischen Zeitraffer-, Video-, Foto-, Portrait-, Sticker-, Panorama- und Pro-Modi vorhanden. Bei Letzterem handelt es sich um einen manuellen Modus, bei dem Ihr viele Parameter selber einstellen könnt. Oppo nimmt aber natürlich auch aktuelle Trends mit: So könnt Ihr auch witzige Omoji erstellen, Oppos Antwort auf Apples Animoji und Samsungs AR Emojis.

Sobald die Kamera-App geöffnet ist, könnt Ihr durch Drücken auf das Symbol auf der linken Seite auch Google Lens starten. Das ist leider nicht weltbewegend, da Google die Software noch deutlich weiterentwickeln muss, aber es ist schön zu sehen, dass Oppo beschlossen hat, hier mit Google zusammenzuarbeiten.

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Auch Oppo bietet jetzt personalisierte Emojis an, und nennt sie Omoji. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Qualität der Fotos, die das Find X bei guten Lichtverhältnissen schießt, hat mich überrascht. Ich muss zugeben, dass ich manche von ihnen derjenigen des Huawei P20 Pro vorziehen würde, aus einem einfachen Grund: Die Farben sind realistischer. Die Fotos, die ich bei Tageslicht aufgenommen habe, waren scharf, detailreich und geprägt durch gute Kontraste. Der automatische HDR-Modus setzt noch ein paar Verbesserungen oben drauf. Sollte Euch das aber stören, könnt Ihr die Funktion natürlich deaktivieren.

Innenaufnahmen bei künstlichem Licht oder am Abend werden durch schwaches Licht beeinträchtigt. Immer wieder erscheinen hier zu wenige Details und ein gewisses Rauschen auf den Bildern. Allerdings ist das nicht immer der Fall: In unserer Galerie sind einige Bilder zu finden, die trotz schlechter Lichtverhältnisse richtig gut geworden sind. Die Schwierigkeiten bei wenig Licht teilt sich das Find X natürlich mit vielen ansonsten sehr guten Smartphones.

Die Probleme sind vor allem dann sichtbar, wenn man in Bilder hinein zoomt oder auf einem größeren Bildschirm ansieht. Insgesamt macht das P20 Pro bei Nacht weiterhin eine bessere Figur. Apropos Zoom. Das Find X bietet leider keinen optischen, sondern nur zweifachen digitalen Zoom.

Das P20 Pro und das Pixel 2 sind bei Nacht besser als das Find X, aber das Flaggschiff von Oppo bietet insgesamt realistischere Farben als Huaweis Kamera.

Die Frontkamera knippst gute Selfies, sowohl hinsichtlich der Farbwiedergabe als auch der Isolierung des Motivs vom Hintergrund. Ihr könnt einen Beauty-Modus aktivieren und Filter in Echtzeit verwenden. Beim Beauty-Modus könnt Ihr über das +-Symbol den Effekt wählen. Hier wird auf jeden Fall auch schnell klar, dass die Software asiatische Kundschaft zufrieden stellen soll, hierzulande wird der Modus wohl nicht ganz so viele Fans finden.

Videos kann das Oppo Find X in 4K- und 1080p-Auflösung aufnehmen, jeweils mit 30 Bildern pro Sekunde. Ein optischer Bildstabilisator ist vorhanden. Das Smartphone ist auch mit einem Zeitlupenmodus mit 720p- und 1080p-Auflösung ausgestattet, eine Superzeitlupe a la Sony oder Samsung sucht man aber vergebens. Auch bei Videos sind Kontraste, Farben und Details gut.

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Die Kameras sind zwar da, man sieht sie aber nicht sofort. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Die Kamera des Oppo Find X ist dank künstlicher Intelligenz in der Lage, die meisten Szenerien automatisch zu erkennen und die Einstellungen entsprechend selbstständig anzupassen. Die Software arbeitet sehr schnell und der Fokus macht einen guten Job. Es gibt allerdings zwei Aspekte, die mich bei der Kamera nicht überzeugt haben:

  • Die Art und Weise, wie die verschiedenen Einstellungen zu erreichen sind. Ich finde das seitliche Wischen unangenehm und es wirkt wenig intuitiv.
  • Es gibt keine Option, um die Auflösung manuell zu wählen. Im Menü kann nur entschieden werden, ob das Bild im 4:3-, 1:1- oder 16:9-Format aufgenommen werden soll.

Nicht die beste, aber trotzdem gute Kamera

Insgesamt bietet das Find X eine gute Kamera, von der Ihr nicht enttäuscht sein werdet. Das Entsperren des Smartphones über den Sensor auf der Vorderseite klappt problemlos. Oppo liefert zwar nicht das beste Kamera-Smartphone auf dem Markt, das neue Gerät muss sich aber in diesem Bereich sicherlich nicht verstecken. Ich habe trotzdem noch so einige Zweifel an der Kamera.

Zum einen bleibt die Langlebigkeit des Mechanismus fragwürdig. Er funktioniert aktuell zwar ohne jegliche Probleme, aber langfristig kann ich mir durchaus vorstellen, dass er Schwächen aufzeigen könnte. Zum anderen ist es die Wahl des Dual-Kamera-Setups. Der zweite Sensor mit 20 Megapixel soll für bessere Nachtaufnahmen sorgen, ähnlich wie beim OnePlus 5T oder das fast baugleiche Oppo R15, ein monochromer Sensor oder ein Teleobjektiv wäre hier wohl praktischer gewesen.

Was sagt Ihr zu den Testbildern in unserer Galerie und der Kamera-Technik des Oppo Find X? Klickt Euch gerne durch und teilt Eure Meinung in den Kommentaren mit.